Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 41 (11.9.1950)
- Date
- 1950-09-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Beite 6 iDie <Stimme Erste Beratung zwischen der u. den Vertretern der Juden Amerikas /.um ersten M nI seit dem Hilfstdien Nr. 41 1 Die lfidlsdie Bevölkerunng Israels j 1,225.000! du.' indischen Staates traten Vertreter d.r I.‘'euie:-un;;. der Soehnuth mul der .mua ikn.nisciu n Judenheit zusammen. Mm das Hiitsprogramm /.u besprechen, das den \ufbau des Landes während dm nä eh sten d'-ei Jahre finanzieren soll. Pie Einladungen wurden gemein srim vorn Regierungschef und vom Yorsd/enden der leitenden Körperschaft der Soehnuth versandt. Die Berat L'11een, dir für Anfangs Septembc: anberaumt sind, sollen drei läge dauern. Der Zweck der Zusammenkunft ist es, den amerikanischen (nisten ein umfassendes Bild der ökonomischen Probleme des Staates Israel z.u vermitteln und ihnen ei"en Begriff von! den umfassenden Aufbauplänen zu j geben, die die Grundlage zu einer j w eiteren, uneingeschränkten Massene:nw anderung nach Israel bilden. Fs :st nicht die Absicht der fnsfanj zen, die diese Beratungen einberufen haben, den erschienenen Delegierten; ein in allen Hinzelheiten ausgearbeite j tes Programm vorzulegen, sondern vielmehr, eine Stellungnahme zur allgemeinen Linie der Aufbautätigkeit nicht zuletzt von Persönlichkeiten einzuholen, die über die jüdische öffentliche Meinung in Amerika Bescheid wissen, dies umsomehr, als diese Besprechungen die einzigartige Gelegenheit zu einem intensiven und gründlichen Meinungsaustausch zwischen den Vertretern des Staates Israel und den Delegierten de** Judenheit Amerikas bieten. Die Einladungen wurden an zionistische Führer, an zentrale Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in Amerika, und an Organisationen, die an der Aktion für den jüdischen Staat tätigen .Anteil nehmen, versandt. Unter letzteren befinden sich : The United Jewish .Appeal, der Joint, und andere jüdische Organisationen. Es ist anzunehmen, daß die an den Besprechungen teilnehmender^ Persönlichkeiten eine vieljährige Erfahrung 1,125.000 luden leben heute in Israel, erklärte L Schah der Generaldirektor des f;.inWanderungsamtes, anläLFch einer Pressekonferenz in l e’- \viv, die er zum Anlaß nahm, dir Tätigkeit seines Amtes mit wenigen Worten zu skizzieren. ' In 9 Ländern, in denen jüdische Gemeinden lebten, sind diese bereits zur Gänze rach Israel zurückgekehrt oder im Begriff, nach Israel zu fahren. Es handelt sich um die früheren jüdischen Gemeinden in Deutschland, Zypern, Oesterreich, Bulgarien und Jugoslawien, C.S.R., Polen, Jemen und L; bien. Auch die Einwanderung aus Rumänien steigt ständig; mit jedem Schiff erreichen 1500 bis 1700 Neueinwanderer das Land. Die Zahl der in Lagern verbliebenen Neueinwanderer ist von 100.000 auf 70.000 gesunken. Aus Deutschland langten im Monat März 177 Personen ein, im April 128, i n Mai 96. Im Juni und im Juli war die Zahl der aus Deutschland Eintreffenden sehr gering; bis Ende August iedqfh wird allem Anschein nach die Zahl der Einwanderer aus Deutschland wieder ansteigen und zwar aus eitler ganzen Reihe von Gründen: Furcht vor einem neuen Krieg, Auflassung der D.P.-Lager, Liquidation der I. R. O., usw. Ein die Einwanderung aus Deutschland ungünstig beeinflussender Faktor ist der, daß einige Juden noch hoffen, ihr frtihe e? Vermögen zurückzuerhalten. Das Problem der nach Deutschland Zurückkehrenden. Das Problem der aus Israel nach Deutschland Zurückgekebrten verschärft sich. 650 Personen sind aus Israel nach Deutschland rückgewandert. Ihre Lage dort ist durchaus keine leichte, besonders da sie die Tore der Auswanderungsländer verschlossen finden. Auch ihre zweite Rückkehr nach Israel wird entsprechend überprüft und stößt auf gewisse Schwierigkeiten. Die Soehnuth hat beschlossen, ihre über die Probleme mitbringen werden, die sich aus der 'Tätigkeit zur Förderung des Aufbaues des Landes Israel in .Amerika ergeben. „Stimmungsmusik” in Dachau Von Herbert Friedenthal (London) Nach 25 Minuten Fahrt von München hielt der Zug. Dachau. Es war ein drückend schwüler Sommernachmittag und wenig Leute waren zu sehen. Ich stieg aus. Das also waren die Gleise, auf denen die Züge eingerollt waren, vollgepfropft mit menschlicher Fracht, und das war der erste Blick auf den Bahnhofsplatz, den die Gefangenen hatten. Da gab es ein paar Fäden einen Friseür, eine Bäckerei, ein Strickwarengeschäft, und über den Läden waren Wohnungen. Merkwürdig, daß heute niemand die Todestrunsporte gesehen haben will. Amerikanische Militärpolizei stand vor den Sfacheldrahf-Toren. Die Straßen drinnen hatten amerikanische Namen Luisianu Drive, Times Suare, ( oh: Road, denn das Lager war jetzt vom Militär besetzt. Aber unter den neuen Bezeichnungen konnte man noch die ulten Namen lesen. Da war die ,,Straße der KZ-Väter“, mit den Villen der SS-Of 1 i/.iere und Lager-Kommandanten, und ein kleiner Hain trug den Namen „Geisterwald“. Die große Kaserne für die Lugermannsehaften hatte immer noch das Zeichen der SS über dem Portal. Dann war ich schon an einem anderen Zaun von mehrfachem Stacheldraht, das einst elektrisch geladen w ar und hinter dem die Baracken des KZ lagen. Sie stehen dort, wie sie seit 1933 standen, nur sauherer und durch Ziegel gestützt, denn Lausende von Ortsflüchtlingen leben heute hier. Ein schmaler Bach trennt sie vom Krematorium. Da ist die Inschrift „Denket daran, wie wir hier starben“. Ein Pole, der im Lager seit 1940 war, führte mich herum. Ich fragte ihn, warum er nicht dies alles hinter sich gelassen habe. Er zuckte mit den Schultern. „Es berührt mich nichts mehr, nichts mehr“. Er deutele auf einen niedrigen Bau, der dort stand, unverändert, wie damals als Zehnfausende durch seine Türen passierten die Gaskammer. Fis war ein merkwürdiges Gefühl, in dem Raum zu stehen, in dem sieh die Leute für den „Schauer“ w ie ihnen gesagt wurde entkleiden mußten. Und dann öffnete sieh die 'Tür und ich trat in die Gaskammer. Wirklich, auch hier war Aemfer in Deutschland zu schließen, obwohl sich in diesem Land noch 30.000 Juden befinden. Jene deutschen Juden, die in Zukunft die Absicht haben sollten, nach Israel zu fahren, werden gezwungen sein, dies auf eigene Rechnung und was ihre schließliche Einordnung im Land anhetrifft auf eigene Verantwortung zu tun. Ungefähr 60 der Olim des Jahres 1950 sind Juden aus den Ländern des nahen Ostens. Es hat den Anschein, daß bis zum Jahresende diesbezüglich keine beträchtliche Armierung cintreten wird. Einer Schätzung nach bilden luden aus Asien und Nordafrika 31 "n der Gesamtbevölkerung gegenüber einem Prozentsatz von 20 im Jahre 1943. Unter den Jugendlichen (im Alter von 16 17 lallt enj machen diese bereits 60" > aus. Das Tempo der Älijah. Das Tempo der Alijah hält sich weiterhin auf der Höhe von 12.000 bis 13.000 Personen pro Monat, und es bestehen Aussichten, dieses Tempo noch zu erhöhen. Der Verkehr in den Häfen und in Eudd bietet folgendes Bild : - der Einwanderer langten im Hafen von Haifa ein und 1; im Flugplatz von Ludd. An anderen Punkten ist der Einwandererverkehr gering. Vom Juni 1949 bis Juni 1950 sind 4070 Schiffe in Haifa eingetroffen. In Lud trafen 2190 Flugzeuge im Laufe des gleichen Zeitabschnittes ein. Insgesamt sind in diesem Jahr 170.000 Juden und 500 Nichtjuden nach Palästina eingewandert. Die Zahl der Ausreisenden in diej sem Jahr beträgt 27.000, die der j Riich reisenden 14.000. Fis ergibt sich | hieraus, daß die Zahl der Ausreisen ] den pro Monat ungefähr 1000 Perso j nen erreichte, oder 7 ' der Gesamtj summe der Einreisenden. 1 28.000 Touristen in Israel eingetroffen, j Hierauf sprach Herr Schai über die j Frage der neuen Politik des Einwan- J derungsamtes bezüglich der Ausgabe 1 von Ausreisebewilligungen. Dem An- 1 steigen des Reiseverkehrs nach dem | Auslande zufolge hat das Einwande- ] rungsamt beschlossen, zu seiner früheren Politik der Ausreisebeschränkung zurückzukehren. Als eine Folge; dieses Beschlusses werden in Zukunft ] Ausreisebewilligungen nur in dringenden Fällen erteilt. An solche Personen, die bereits Ausreisebewilligungen erhalten hatten, werden solche auch weiterhin ausgegeben werden. Der Reiseverkehr. Hierauf erklärte Herr Schai, daß sich sein Amt gegenwärtig mit der i Ausarbeitung eines Planes zur Erhöhung des Reiseverkehrs auch mit solchen Ländern befaßt, aus denen die : Ausfuhr von Devisen verboten ist. Auf i Grund dieses Planes soll Israel jährj lieh eine gewisse Anzahl von Touristen aus diesen Ländern auf dem Austauschwege empfangen. Diese Regelung wird cs den Bürgern Israels ermöglichen, nach diesen Ländern aus- | zureisen.; /. Passwe# WIRKWAREN UND WÄSCHE-ERZEUGUNG 1 11 1 1 " ■ j Tel. R 29043 Wien I, Fleischmarld 16 Tel. R 29044 Postsparkassen - Konto Nr. 30.937 der Schein aufrechterhalten, als handele es sich um ein Schauerbad. Fis waren Wasserhähne an der Decke, ab wohl sie nicht mit Röhren verbunden w aren, und das Gas kam aus dem Boden aus scheinbaren Abflußlöchern. Unverständlich, jener letzte Versuch zur Menschlichkeit in jener unmenschlichen Mordfabrik. Massenmörder mit „Feingefühl" : die Gefangenen, die beim Reinigen der Gaskammer helfen mußten, wurden alle drei Monate „liquidiert“ aber nicht durch Gas, sondern sie wurden als Belohnung aufgehängt. Was ist aus den SS-Leuten geworden, die durch das Gukloch den fünfzehn Minuten langen Todeskampf in der Gaskammer beobachteten V Unter welcher Maske leben sie im neuen Deutschland 7 Da waren diq vier Oefen, in denen die Leichen verbrannt wurden, aber nur zu olt arbeiteten sie zu langsam, und im nächsten Raum wurden die Toten aufgestapelt bis zur Decke, wie man heute noch aus den Fußspuren dort ersehen kann, ln diesem Raum liegt ein Gästebuch aus. Ich blätterte in seinen Seiten. Nur wenige Menschen kommen täglich her. Ich sah den Namen von Dorothy Eamour, aber nicht den eines einzigen Deutschen. Warum werden nicht Gruppen von Lehrern, Jugendführern, Beamten, hier durchgeführt 7 Warum hat mau es nicht obligatorisch gemacht, daß Studenten und alle, die für das Deutschland der Zukunft verantwortlich sind, mit eigenen Augen sehen, w as hier vor sich gegangen ist 7 Beim Krematorium stehen Bäume, voll von^ Laub und grün wie alle Bäume im Sommer. Nur einer stirbt langsam die „Galgentanne“, an deren Aeste. Hunderte erhängt worden waren. Es scheint, als ob die Natur gegen die Unmenschlichkeit des Menschen protestiere. Ich fragte den Polen, ob er glaube, daß die Einwohner von Dachau wußten, was hier geschah. Er lachte bitter. Genug SS-Leute hatten ihre Mädchen in der Stadt und prahlten noch mit ihren Schandtaten. Und wenn ein neuer Transport von Gefangenen ankam, liefen die Kinder auf die Straße, spuckten sie an und warfen Steine. An Massengräbern vorbei, einem Graben für „Genickschüsse“ und einem Galgenstand, ging ich zurück. Ich kam wieder an den Baracken vorüber, von denen die Menschen in den Tod getrieben waren. Kinder spielten darin, rauften und lachten, und riefen mir Scherzworte zu. „Denket daran, wie wir hier starben". Am Bahnhof sah ich, daß die Straße, in der die Transporte anka men, „Frühlingsstruße“ hieß. Ein großes Plakat hing über einem Biergarfen : „Stimmungsinusik“. ^:.:^^./...+^^