Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 39 (26.7.1950)
- Date
- 1950-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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*J)ie Stimm( Seite 6 DER MITTLERE OSTEN 90 °0 der Bevölkerung verarmt. Zukunftsaussichten und Zukunftspläne. Ob nun die Empfehlungen der , ökonomischen Mission der Vereinten Nationen für den Mittleren Osten“ in die lat umgesetzt \\ erden oder nicht, die Tatsache bleibt besteb.en, (hiß hier einer der informativsten Beiträge Verständnis des Mittleren Ostens geludert wurde. Anstelle der Märchenwelt von ,,1001 Nacht“, die in der Vergangenheit so populär war, bietet der Bericht der IINO-Mission eine nüchterne Anahsc der tatsächlich.en Verhältnisse und skizziert einei konstruktiven wenn auch nur graduell zu verwirklichenden Plan zur Lösung der Grundproblcme, denen sich die Völker des Mittleren Ostens gegenübersehen. Wir bringen im Folgenden einige Auszüge aus diesem wichtigen Dokument, das wohl die gründlichste Untersuchung örtlicher Verhältnisse darstellt, die jemals in diesem Teil der W elt angestellt w urde. Der Umriß ler sozia’en und ökonomischen Strukur des Mittleren Ostens weist folende charakteristische Grundzüge mf : ein außerordentlich hohes Maß ler Konzentration des Eigentums an Arund und Boden in den Händen Weliger; weit verbreitetes Analphabeientum; krasse Unterschiede im Lebensstandard von Arm und Reich; und schließlich eine nur sehr dünne soziale Mittelschichte, die in der Struktur der westlichen Gesellschaft die Angehörigen der freien Berufe, die Techniker, die Geschäftsleute und die in den öffentlichen Angelegenheiten Führenden umfaßt und so einen sehr wesentlichen Bestandteil des Gezellschafts-Aufbaues bildet. W ir haben es im Mittleren Osten hauptsächlich mit vorwiegend landwirtschaftlich en Ländern zu tun, deren Gebiet von größeren und kleineren Flüssen durchzogen ist, deren Gewässer die die Lebensadern der in ihrem Bereich lebenden Völker darstellen. Dennoch sjnd riesige Gebiete in diesen Ländern — mit Ausnahme des Libanons — Wüste. Gegenwärtig genügt das bebaute Land kaum, um die Völker des Mittleren Ostens mit landwirtschaftlichen Produkten zu versorgen. Die Einführung modernerer und zweckdienlicherer Methoden der Bewirtschaftung am flachen Land, u nd die Industrialisierung, die hieraus resultieren könnte, ist nicht als unmittelbar bevorstehend zu betrachten. In historischen Zeiten jedoch war der Mittlere Osten auch im Ackerbau in der ganzen Welt führend. Die Wüsten von heute zeugen von alten, stolzen Kulturen, Ueberall finden sich die Ruinen einst großer, blühender Städte, die von einer bedeutenden Zivilisation erzählen. Keine plötzliche Naturkatastrophe, keine allmähliche klimatische Veränderung hat diesen Wandel hervorgebracht. Der Zerfall der alten Kulturen ist, wie die Spuren der Vergangenheit beweisen, das Werk der Menschen. In Syrien, in Jordanien, in Irak und im südlichen Israel kann man noch heute die Ruinen früherer Bewässerungsanlagen sehen : große Zysternen, in den Fels unter der Erdkruste gegraben, die als .Sammelhecken für den Früh jahrsregen dienten, steinerne Wälle und Kanäle, die das Wasser der natürlichen Quellen auffingen, um es den Feldern zuzuführen, aus Schlamm und Ziegeln gemauerte Bewässerungsrinnen, die das Wasser edr Wadis (d. h. der Flüsse, die während der Regenzeit Wasser führen, im Laufe der Trockenzeit jedoch völlig austrocknen), das mit primitiven aber durchaus zulänglichen Wasserrädern in das Bewässerungssystem gepumpt wurde, führten. Heute sind die Zisternen versandet, die Quellen verschlammt und versumpft, die Bewässerungsanlagen verwittert. Das Land aber ist immer noch da, der Regen fällt auch heute noch, die Müsse ziehen ihre alte Bahn. Wenn man das Wasser wieder aufsparen und das La nd damit bewässern würde, könnten neue Pflanzungen entstehen. Die Menschen, die heute keine Arbeit finden, weil kein Boden das ist, den sie behauen könnten, Menschen, die am Rande des Verhungerns dnhinvegetieren, die irgendwo ein paar Fcklfrüchtc zusammenkr.itzen, um ein unvorstellbar kümmerliches Dasein zu fristen, würden w ieder wenn auch bescheiden Besitz erlangen, der, rationell berieselt und kultiviert, sie aus ihrem Elend erlösen und ihnen die ('hanee bieten würde, wieder jenen Grad gesicherten Wohlstandes zu erreichen, der die Grundlage des Friedens ist. Die grundlegenden Probleme der großen Mehrheit der Völker des Mitt eren Ostens werden in dem vorliegenden Bericht folgendermaßen Umrissen. Die vordringlichste Frage w i~d durch die große Armut dieser Völker aufgeworfen. Fs ist durchaus nicht notwendig die Ergebnisse genauer Untersuchungen des Nationaleinkommens oder auch des Kalorienwertes der im Durchschnitt konsumierten Nahrungsmittel abzuwarten die Beweise für die gewaltige, lähmende Armut der Völker des Mittleren Ostens drängen sich von selbst auf. Es ist anzunehmen, daß bis zu 90".. der Bevölkerung auf das boße Exitenzminimum bseschränkt sind. Natürlich sind andererseits auffallende Beispiele von Verschwendungssucht in den Städten zu finden. Während jedoch die überaus ungleiche Verteilunng des Einkommens den wirtschaftlichen Fortschritt in mancher Beziehung hemmt, ist dies doch nur eine Teilfrage der größeren, allgemeineren Problematik, die der überaus geringen Arbeitsproduktivität pro Kopf der Bevölkerung im Mittleren Osten entspringt. Es ist dies w ohl das zentrale Problem des Wirtschaftslebens des Mittleren Ostens. Der starke Druck einer hungrigen Bevölkerung auf die geringen ökonomischen Reserven ruft natürlich die Erscheinung hervor, daß die Konsumation die Produktion sofort absorbiert. Dies hat zur Folge, daß die Gesamtsumme des ersparten Natinoaleinkomrnens weit hinter jenen Beträgen zurückbleibt, die für Investitionen zum Zwecke der Modernisierung und Rationalisierung des Produktinosapparates aufzuwenden wären. Dieses Grundproblem es betrifft, w ie w*ir sehen, die Akkumulation des Kapitals ist umso dringlicher, als die meisten Regierungen des Mittleren Ostens außerstande sind, durch öffentliche Anleihen auch nur das Minimum der gegenwärtig akkumulierten Ersparnisse zu erfassen und so der W irtschaft zuzuführen. Der Reichtum dieser Länder die Steuer ichen Einnahmen der Regierungen sind äußerst gering ist in den Händen wenige) Reicher konzentriert, die sich, zumindest gegenwärtig, durchaus nicht geneigt zeigen, ihr Geld für weit vorausschauende wirtschaftliche Projekte zu verausgaben, die einen relativgeringen Gew inn verspreche i. Solange der Zinsfuß für auf privatem Wege entliehenes Kapital bis zu 30" ■ betragt, muß der weit geringere Profit der durch Investitionen in öffentliche Unternehmungen großen Stils zu gewärtigen ist, inattraktiv bleiben. Ein , anderer Hemmschuh für private Investitionen ist die Tendenz der Besitzenden, die Stabilität der Regierungen ihrer Länder gering zu achten, ja, mehr noch, das Mißtrauen, das man Regierungen entgegenb i :gt, die man als ungeeignet betrachtet verläßliche Sachwalter des investierten Kapitals zu sein. Auch haben die Regierungen des Mittleren Ostens sich bis jetzt nicht geneigt gezeigt, einen größeren Prozentsatz ihrer budgeteren Aufwendungen größeren Rehabilitierungsprojekten zufließen zu lassen. Die bestehende Steuereiuhebungsmethode, die das Einkommen der Reichen beinahe unangetastet läßt, ist natürlich völlig ungeeignet als Grundlage für ein großzügiges Programm öffentlicher Invistitionen zu dienen. Jede beträchtliche Erhöhung der Steuereinnahmen kann nur auf der Basis einer durchgreifenden Reform der Methode ce; Besteuerung erfolgen, eine Reform, die ein w eit größeres Maß Steuer ieher Be’.astungen auf die Schultern der Besitzenden abwälzen müßte. Es besieht allerdings wenig Grund zu der Annahme, daß solche Reformen in Kürze durchgeführt werden könnten. (Fortsetzung in der nächsten Nummer) Telephon A 32 2 26 B 29 0 45 Telegramm-Adresse „Transped" TRAN SYLVAN IA Internationale Speditionsgesellschaft WIEN IV, HEUMÜHLGASSE 20 Speditionen aller Art / Verzollungen / Einlagerungen Nah- und Ferntransporte mit eigenen Kraftfahrzeugen SPEZIALVERKEHR von und nach ISRAEL Verpackungen / Übersiedlungen / Sammeltransporte in LIFTVANS Max DeUütec Ges. m. b. H, WIEN Eine Delegation Israel. Industrieller nach den Vereinigten Staaten Die Vereinigung israelischer Industrieller entsendet zum Studium amerikanischer Industrieanlagen und Produktionsmethoden eine Deegafi.'n nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Ihr Hauptaugenmerk wird die Delegation dem Problem der Arbeitsproduktivität zuwenden. 18 Industrielle nehmen an der Delegation teil, unter anderem sechs, die der Metallindustrie angehören, sieben Textil Fabriken len, zwei Vertreter der Schuhindustrie, ein Erzeuger von Plastiks, ein Vertreter der Holzindustrie und ein Besitzer eines Zinkographischen Werkes. Die Delegation wird Fab iksanlagen besichtigen und mit Persönlichkeiten der Technik und der Wissenschaft Zusammentreffen, um die ihre Betriebszweige betreffenden Fragen zu diskutieren. Ei i Teil der Delegation ist bereits im Begriff abzureisen, während die übrigen Mitglieder im Monat August nach folgen werden. Der Vorsitzende der Delegation ist Herr Weißglas. Das New- Yorker Bureau der Vereinigung israelischer Industrieller w ird sich der Angelegenheiten der Delegation annehmen. 15,000.000 Dollar Kredit von Frankreich Israel hat von privaten französischen Banken einen 15,000,000 Dollar Kredit für den Zeitpunkt von 5 Jahren erhalten. Ein Teil dieses Geldes wird in der Form von Kapitaltransfer von Olim aus Frankreich, sow ie durch das in Frankreich gesammelte Geld des jüdischen Nationalfonds, zurückgezahlt werden. Israel wird in Frankreich Industrielle und landwirtschaftliche Maschinen, Eisenbahnwagen, Eisen, Zement und chemische Produkte kaufen. Austauschhandel mit Dänemark, Österreich und Bulgarien Israel wird nach Dänemark Textilwaren im Werte von 80.000 Pfund im Austausch für Käse, Milchpulver und Maschinen exportieren. Nach Oesterreich wird Israel Wolle im Werte von 48.000 Pfund im Austausch für Baumwolle und nach Bulgarien Wolle im Werte von 24.000 Pfund im Austausch für Erbsen liefern. Kredit von 25,000.000 Schweizer Fr. für den KKL. Schweizer Banken haben einen Kredit von 25,000.000 Schweizer Franken bewilligt. Israel w ird von der Schweiz elektrische Maschinen, Maschinen zur Metallverarbeitung und zur Verwertung von Baumeterial .sowie Meßgeräte beziehen. Handelsabkommen Israel - TUrkel In Ankara wurde ein Handelsabkommen zwischen Israel und der Türkei unterzeichnet. Israel wird von der Türkei Rohstoffe, Vieh und Nahrungsmittel beziehen und wird industrielle •Produkte, wie Textilwaren, Eiskästen pharmazeutische und medizinische Artikel und später auch Lastautos liefern. Das Handelsabkommen zwischen Israel und der Türkei ist das erste derartige Abkommen zwischen Israel und einem seiner nahöstlichen Nachharn. Bis jetzt war die Handelsbilanz Israels mit der Türkei negativ. Dieses Handelsabkommen will nun eine Normalisierung der Lage erreichen. Die Türkei ist in vieler Hinsicht ein natürlicher Markt für die israelische industrielle Produktion.