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Die Stimme · 1950-07-26 · Heft 39 (26.7.1950) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1950
Issue
Heft 39 (26.7.1950)
Date
1950-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 CDie Stimme Seite 5 Jüdische Probleme in Österreich Gesehen von einem ausländischen Journalisten Vor dem 2. Weltkrieg hat Oesterreich eine Bevölkerung von 200.000 Juden gehabt; gegenwärtig leben ungefähr 8000 Juden in Oesterreich. Der größte Teil von ihnen sind aus den KZ-Lagern oder aus den Emigrations- Ländern, wohin sie nach dem „Anschluß“ Oeslerreichs an Hitler-Deutschland flüchteten, zurückgekehrt. Viele der hiesigen Juden haben Forderungen auf Rückstellung ihrer Vermögen, welche durch das Nazi-Regime in verschiedenen Formen geraubt wurden. Nach der Annexion Oesterreichs haben die Nazi die Juden gezwungen, eine Deklaration zu unterschreiben, wonach sie ihr Vermögen „gutwillig“ an Personen oder an den Staat verkaufen. Der Preis hiefür wurde ihnen vorgeschrieben und war natürlich ein lächerlicher Preis. Nachdem in Berlin die Vertilgungspolitik beschlossen wurde und mit der Massendeportation begonnen wurde, hat man von den Deklarationen abgesehen und einfach jeden verbliebenen Besitz geraubt, welcher dann ^erkauft oder verteilt wurde. Es ist schwer, die Erschütterung der nazistischen Verbrecher zu schildern, die außer der militärischen Niederlage noch erleben mußten, daß Juden, von welchen sie glaubten, daß sie längst in den Vernichtungslagern umgekommen sind, plötzlich wieder auf tauchten und jetzt ihr geraubtes Vermögen zurück fordern. Die junge österreichische Republik, welche bestrebt war einen Staatsvertrag und damit eine vollständige Unabhängigkeit zu erreichen, hat in der ersten Periode ihrer Existenz sehr viel Es hat sich erwiesen, daß das Rückstellungsproblem große Aufmerksamkeit in den breitesten Kreisen findet und sogar die Regierungsparteien sind bereit „etwas zu tun“, um die „Leiden* der gegenwärtigen Besitzer des geraubten jüdischen Vermögens zu lindern. Es wird rund um das Problem verhandelt und es fällt dabei nicht das Wort „Jud“, aber jedermann weiß, um was es hier geht. Im Zusammenhang mit dem Kampf um die Gerechtigkeit für die Naziopfer und mit der Verteidigung der durch die „Rückgabe Bedrohten“ ist ein neues Problem entstanden, welches die jüdische Gemeinschaft beschäftigt und ihre Einigkeit bedroht. Es handelt sich um das erblose jüdische Vermögen. Bei vorsichtiger Schätzung erreicht diese erblose Masse einen Wert von 400 Millionen Schilling. Ernste Meinungsverschiedenheiten sind in dieser Sache zwischen dem österreichischen Staat und den jüdischen Gemeinden entstanden. Während die Gemeinden fordern, daß dieses Vermögen, welches zu 98°o jüdisch ist, unter Aufsicht von jüdischen Institutionen zu stellen ist und welche für jüdische Hilfszwecke Verwendung finden soll, steht die Regierung auf dem Standpunkt, daß dieses Vermögen unter staatlicher Aufsicht zu stehen hat und nach Ansicht des Staates Verwendung finden soll. Die Verbitterung in den jüdischen Gemeinden hat ihren Höhepunkt erreicht, als die Frage betreffs des jüdischen Vermögens im Burgenland auftrat. Bis zum Jahre 1938 haben sich in diesem Lande hunderte jüdische durch den Einfluß der sozialistischen Assimilanten-Gruppe, welche ihre Tätigkeit in der Kultusgemeinde entsprechend den Anweisungen ihrer zentralen Stellen ausübt und sich nicht nach den jüdischen Interessen richtet. Die Wiener Kultusgemeinde hat ihre Stimme in dieser so lebenswichtigen Frage nicht erhoben. Durch Andeutungen von Personen, welche der derzeitigen Leitung der Kultusgemeinde nahestehen, habe ich entnehmen können, daß diese Leitung aus --- Loyalität nicht bereit ist, gegen die Absichten der Regierung aufzutreten und ihrer Meinung nach müßte ein diesbezüglicher Druck von — außen kommen. In den jüdischen Kreisen in Oesterreich wird darüber Klage geführt, daß die beiden Koalitionsparteien beschlossen haben, die Rückstellungsgesetze zu Gunsten der Ariscure abzuändern. Es ist jedenfalls ein Fakt, daß Oesterreich der einzige Staat in Europa ist, in welchen man vor Abänderung der Gesetze wegen Rückgabe des geraubetn Gutes -- zu Ungunsten der Beraubten steht. Es ist auch bezeichnend, daß bis heute noch nicht das Gesetz für die Rückgabe von Wohnungen erlassen wurde, trotzdem das Justizministerium schon vor langer Zeit den Gesetzentwurf verfaßt hat. Bis heute sind jüdische Wohnungen durch Nazi oder andere, welche die Wohnungen durch das Nazi-Regime zugewiesen erhielten, besetzt und die Juden, welche ihren Besitz zurückforderm sind zum Teil gezwungen, in Hotels oder in Heimkehrerlagern zu wohnen. (Haaretz) Pottash-Werke verzichten auf Regierungsanleihe Wie die Palesfine Potash Co. der Israel-Regierung mitteilte, hofft sie, ihren Betrieb am Toten Meer unter Umständen ohne den drei Millionen Dollar-Kredit aufnehmen zu können, den ihr die Regierung aus der amerikanischen 100 Millinoen Dollar-Anleihe zugesagt hat. Die Gesellschaft glaubt, das von ihr benötigte Kapital im In- und Ausland gegebenenfalls auf naderen Wegen auftreiben zu können. Ueber diese Fragen wird der Finanzminister dem Finanzausschuß der Knesseth in der nächsten Woche dctailiert berichten. USA und Israel schließen Luftabkommen Israel und die Vereinigten Staaten haben soeben durch Außenminister Moshe Sharett und den amerikanischen Botschafter in Tel Aviv, James G. McDonald, ein Abkommen unterzeichnet, demzufolge beide Regierungen den Luftlinien in ihren Territorien gleiche Rechte zugestehen. Bisher konnten amerikanische Flugzeuge r.aeh Israel nur auf der Grundlage von vorläufigen Fahrtgenehmigungen verkehren. Das neue Abkommen gibt der Nationalen Luftverkehrsgesellschaft El Al das Recht, regelmäßigen Flugverkehr nach den Vereinigten Staaten einzurichten. o MODENHAUS II., Taborstraße 25 Ab 17. Juli 1950 radikaler Preisabbau SOMMERKLEID S 68.- Jeden Monat einen Tag alles umsonst SAISON-RÄUMUNGS-VERKAUF Günstigste Einkaufs-Gelegenheit des Jahres IN TEXTILIEN, WÄSCHE, MODEWAREN, BEKLEIDUNG, SCHUHEN ETC. BUNTDRUCKE S 8.90 KLEIDER-VISTRA S 9.90 bis 5. Augusf 1950 bis zu 50s/o Nachlaß BETTZEUG S 9.90 j Bis 31. Juli Einlösung des Lostages 13. Juni „Soll man die Maccabiade nicht auf ein Jahr '" ” Von Präsident Robert Glücksmann getan, um ihre demokratischen Absichten zu beweisen und den Opfern des Nazi-Regimes mit Gerechtigkeit entgegenzukommen. Vie’e Juden haben ihren Besitz zurückerhalten, viele Juden haben sich in Oesterreich wieder niedergelassen und ihre Beschäftigung aufgenommen. Inzwischen sind Jahre vergangen und der Staats Vertragsabschluß wurde immer verschoben und die Verhandlungen sind auf einem toten Punkt angelangt. Die Besetzung Oesterreichs drückt immer mehr und das Volk hat erst im Stillen und dann in aller OeffentlBchkeit über die liberale Politik der Regierung in der Rückstellungsfrage zu murren begonnen. Diejenigen Nazi, welche gerichtlich zu verschiedenen Strafen verurteilt wurden, haben inzwischen ihre Strafen verbüßt oder wurden amnestiert. Es ist ihnen gelungen, wieder in das öffentliche Leben einzudringen und ihren Einfluß in den Gemeinden, bei den Behörden und sogar in den politischen Parteien in Bezug zu dem Problem der Rückstellung zu einer äußerst schwierigen Frage, deren Lösung schwer auf den Behörden lastet. Das demokratische Regime in Oesterreich hat es zum Beispiel nicht verhindern wollen, daß eine Partei sich gründen konnte, welche alle Anzeichen des Neo-Nazismus trägt und in der Vdll-Parfei konnten sich die ehemaligen Nationalsoziali- * steil konzentrieren. Der Staat hat auch keinen Anlaß finden können, die Gründung eines Verbandes der Rückstollungsverpflichteten (Ariseure) zu verbieten, welcher vom Innenministerium bestätigt wurde. Die Ziele dieses Verbandes sind gewisse Aenderungen der Rückstellungsgesetze zu Gunsten der Naziopfer jsu bekämpfen. Wie unglaublich es auch klingen mag, es gibt in Oesterreich jüdische Rechtsanwälte, welche die Führung von Prozessen für Ariseure übernommen haben. Landwirte mit ausgedehnten Besitzungen befunden. Als die Juden dort vertrieben wurden und ihr Besitz von den Nazi beschlagnahmt wurde, errichteten die Nationalsozialisten zu dieser Zeit wichtige militärische Anlagen in diesem Gebiete. Als Entschädigung für den Boden, der für militärische Zwecke verwendet wurde, erhielten die arischen Bauern die geraubten jüdischen Besitzungen. Eine gewisse Anzahl jüdischer Landwirte aus dem Burgenland sind bis jetzt zurückgekommen und fordern ihren alten Bodenbesitz zurück. Damit wurde die Frage bei der Regierung aufgeworfen, was mit den arischen Bauern geschehen soll, welchen jüdischer Boden übergeben wurde. Die Regierung machte in diesem Zusammenhang den Vorschlag, daß aus dem Fonds des erblosen Riesenvermögens (nämlich jüdisches Vermögen) die arischen Bauern entschädigt werden sollen. Die jüdischen Institutionen haben sofort den Sinn dieses Vorschlages erfaßt und auf das schärfste protestiert. Vorläufig wurde diese Angelegenheit still gelegt, aber damit bleibt diese brennende Frage weiterhin bestehen. Was wird mit dem Vermögen geschehen V Wird es tatsächlich! verhindert werden, daß die jüdische Gemeinschaft als eine kleine Entschädigung für das, was die Nazi verbrochen haben, dieses Vermögen unter ihre Aufsicht erhalten wird? Nach gewissen Informationen sollen die beiden Koalitionsparteien, die Sozialisten und die Oesterreichische Volkspartei zu einer Vereinbarung in dieser Angelegenheit gekommen sein und nur die sehr energische Stellungnahme der meisten jüdischen Gemeinden gegen diese Vereinbarung hat es verhindert, daß diese Besprechungen auch praktisch realisiert wurden. Mit Bedauern ist die schwankende Stellung der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien fesfzusfellen, welche Durch die momentane kritische Spannung auf der ganzen Welt erscheint es mir als eine Unmöglichkeit, daß die Maccabiade ein voller Erfolg für die jüdische Jugend werden kann. In allen Ländern sind momentan große Schwierigkeiten bezüglich der Ausreise und speziell unsere amerikanischen Brüder und Schwestern werden keine Möglichkeit haben in voller Stärke anzutreten. Durch diese politische Situation ist es auch uns sehr schwer, die Mittel für unsere Expedition, die ca. 100.000 S betragen, aufzutreiben und nur wenn alle bemittelten Juden in Oesterreich, sowie untere öffentlichen Korporationen, sich dessen bewußt sind, daß es Pflicht ist, die Hakoah, die der Wegbereiter für den jüdischen Sport auf der ganzen Welt war, nach Israel zu entsenden, wird es möglich sein, daß wir unsere glänzenden Schwimmer, Leichtathleten und Ping-Pong - Spieler nach Israel schicken können. Solange keine Absage für die Maccabiade kommt, appellieren wir an alle, uns die Mittel zur Verfügung zu stellen und uns mitzuhelfen, daß unsere blau - weißen Fahnen siegreich am Maccabia-Mast hochgehen. Um allen Sportlern die Möglichkeit zu geben, die Maccabiade in jeder Weise trainiert antreten zu können, haben wir noch einige Trainer engagiert. Ebenso haben wir die Hütte am Semmering nunmehr fix und fertiggestellt und benötigen wir dringend Decken, Leintücher und Geschirr, welche Sachen wir bitten, uns zur Verfügung zu stellen. Die Hütte bietet allen den schönsten und billigsten Aufenthalt und ist voll bewirtschaftet. Tretet daher allem dem einzigen jüdischen Sportverein bei, der auch heute das Zentrum der Juden Wiens ist. Allfällige Auskünfte erteilt das Sekretariat der Hakoah, Wien I, Schottenring 23, Telefon Nr. A16 0 39. ii I # V11 ■iniiifliiiiHiiiHiiniiniiiiiiiiiiiinniiiiinniiiiiBin (jül und fMceimut gekleidet ti<Hn HaufUaus Ucüdec Uatec Wien VII, Marlahllfarstraßa 90 Talaphon: B 36 0 03, B 36 2 37 ^95851 C.+:^09C

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