Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 39 (26.7.1950)
- Date
- 1950-07-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Odesa 3× ep/1000834
- Haifa 1× ep/1047930
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fX>ie Stimme Seife 4 Nr. 39 Schöpfet <Ut Bod&vpoUtik 2um 60• Q&buctstO’ty t/&H Dt. AteaUam fycaHott Venn man das verflossene, halbe Jahrhundert Zionismus und Palästina tätig miterlebt hat und sich bemüht, Ereignisse und Gestalten vorurteilslos zu betrachten, kann man mit Genugtuung feststellen, daß immer wieder, Persönlichkeiten von Sachkunde, Begabung und Charakter, sich in der Bewegung durchsetzten, auf zentralen und wichtigen Gebieten des Gesamtaufbaus Wertvollstes geschaffen und manchmal einer Epoche im Zionismus ihr Gepräge verliehen haben. Zu diesen Menschen kann Dr. Abraham Granott gezählt werden, der am 1. Tarnus sein sechzigstes Lebens-;ahr vollendet hat. Herkunft und äußere Lebensumstände haben mitgew irkt, daß Dr. Granott nach mehr als dreißigjähriger Tätigkeit an einer zentralen Stelle des Palästina-Aufbaues, sich jenen Platz erworben hat, den er einnimmt. In Odessa hat er Kindheit und Jugend glücklich verbracht und die Lichter, die von diesem Zentrum der „Chibbath-Zion“-Bew egung ausstrahltcn, haben auch sein Elternhaus erfüllt. Sein Vater Mosche G r a n o v s k y, ein w ohlhabender Kaufmann, war ein hingebungsvoller Kämpfer der Chowewe Zion und zusammen mit den anderen führenden Zionisten in Ruß'and, stellte er sich, als er Herzls W eckruf im , Judenstaat“ vernahm, unter die Fahne des politischen Zionismus. Noch heute kann ich nicht ohne Rührung an manche fesselnde Schilderung denken, die ich bei Zusammenkünften mit Mosche Granovsky in Haag und Berlin über Rußland, Palästina und Kongreßerlebnisse von ihm hörte. Auch die kulturellen Einflüsse, deren Zentrum ja Odessa war, verspürte man in Dr. Granotts Elternhause; neben Achad-Heam und Bialik, lebte auch Dr C h a j im T s c h e r n o w i t z, der Schwiegervater Dr. Granotts in Odessa. Schon im Jahre 1907 machte die Familie Granovsky den ersten, ernsthaften Versuch, sich in Palästina dauernd niederzulassen, mußte aber nach zehnmonatigem Aufenthalt, infolge Erkrankung der Mutter, wieder nach Ruß’and zurückkehren. Dieser erste, kurze Aufenthalt in Erez Israel hinterließ aber starke Wirkungen besondes bei dem siebzehnjährigen Abraham, der schon damals das in Jaffa bestehende Hebräische Gymnasium besuchte. Auch auf das spätere Universitätsstudium war der Palästina-Aufenthalt von Einfluß. Der größte Teil der jüdisch-akademischen Jugend Rußlands studierte vor dem ersten Weltkrieg auf den westeuropäischen Universitäten. Das w urde für den Zionismus von sehr großer Bedeutung. In den Universitätsstädten bildeten sich eigene Gruppen russisch-jüdischer Studenten, die am zionistischen Leben in Oesterreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz lebhaften Anteil nahmen und wichtige Zellen der hebräischen Kulfm Bewegung waren. Zahlreich und besonders aktiv war diese akademische Jugend in der Schweiz, wo Dr. Granott nach einigen Semestern an der Universität Ereiburg in Lausanne studierte. Am zionistischen Lehen hatte er schon in Odessa lebhaften Anteil genommen und setzte dies auch in der Schweiz fort. Unter dem Einfluß Palästinas hatte er Nationalökonow ic als Studienfach gew ählt, was auch in seiner Dissertation zum Ausdruck kommt. Es ist eine umfangreiche Arbeit über das Aus w ander u n g s w e s e n. Im Herbst 1919 beginnt Dr. Granott seine Tätigkeit im Hauptbüro des K e r en K a y emeth im Haag, wozu Menachim Ussischkin und Nehcmia de Lieme ihn veranlaßten. Zwischen de Liernc und Dr. Granott entstand sofort eine ausgezeichnete, persönliche Beziehung und weitgehende, grundsätzliche Uebereinstimmung über die Bodenfrage und manches andere. Unter den fünf Mitgliedern, die nach Kriegsausbruch 1914, als spontan eingesetztes Komitee den Keren Kayemeth in Haag leiteten, war de Lieme der führende Kopf und wurde im letzter. Jahre der Haager Epoche auch Managing-Direktor. Die Londoner Jahreskonferenz vom Juli 1920 bot zum ersten Male Gelegenheit, die wertvollen Resultate der engen Zusammenarbeit zwischen de Lieme und Dr. Granott unter Beweis zu stellen. Zu den historischen Beschlüssen dieser Konferenz gehört die Festsetzung der jüdischen Bodenpolitik in Palästina als deren Träger und Instrument der Keren Kayemeth bestimmt wurde. Diese Beschlüsse sind der Ausgangspunkt der gesamten Tätigkeit, die seither der Keren Ka\emeth in Palästina durchführte. Die ersten theoretischen Grundlagen dazu wurden von de Lieme, Dr. Granott und dem unvergeßlichen Adolf B o e h m ausgearbeitet. Mit dem Hauptbüro des KKL übersiedelte Dr .Granott im Herbst 1922 nach Palästina. Im Jahre 1923 wird er Managing-Direktor des KKL. Obwohl er in dieser Stellung an allen Phasen der praktischen Arbeit leitenden Anteil nimmt, wendet er vom Anfang an das stärkste Interesse den grundsätzlichen Fragen dieser Arbeit auch theoretisch zu. Im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts hat Dr. Granott eine erstaunliche Fülle von Schriften verfaßt, die in hebräischer Sprache erschienen sind und beinahe eine kleine „Bibliothek zum Bodenproblem“ ausfüllen. Doch sind daraunter auch Bücher, die andere, wichtige Seiten des Palästina-Aufbaues behandeln, wie Steuerwesen, Siedlungspolitik und Äehnliches. Manche dieser Schriften sind gerade jetzt, im der Zeit des Staats-Aufbaus von aktueller Bedeutung geworden. Das publizistische Werk Dr. Granotts ist keine bloße Theorie, denn es ist unter dem Einfluß umfassender und tiefer praktischer Erfahrung des Verfassers entstanden und manches w urde im Kampf um den Boden verfaßt. Seit 1945 ist Dr. Granott Präsident des KKL-Direktoriums und diese Stellung bringt es mit sich, daß er tätigen und mitunter intensiven Anteil an zentralen Institutionen für die Wirtschaft und Kultur des Landes in ihren leitenden Gremien nimmt. Wenn ein Sechzigjähriger mehr als die Hälfte des Lehens an zentraler Stelle für die Verwirklichung des historischen Ideals seines Volkes mittätig sein konnte und das Geschaffene Israel ln der Internationalen llrena III. Man muß sich im klaren sein, daß sogar unterschriebene Friedensabmachungen noch lange nicht bedeuten werden, daß die arabischen Staaten sich mit der Existenz des .Staates Israel als ihren Nachbar, abfinden werden. Vielleicht ist Transjordanien - der Schwächste unter den arabischen Staaten in der internationalen Arena eine Ausnahme. Die anderen arabischen Staaten setzen ihren Kampf gegen Israel auf allen Fronten fort und demonstrieren bei jeder Gelegenheit ihre ewige Feindschaft. Aegypten zum Beispiel ist längere Zeit gegen einen italienischen Vorschlag gewesen, wonach die politischen Repräsentanzen der beiden Staaten gegenseitig zu Gesandtschaften erhoben werden sollen. Der Grund hiefür war die Tatsache, daß Italien Israel de jure anerkannt hat. Jetzt warnt Aegypten die skandinavischen Länder vor den Folgen einer Anerkennung Israels. Die arabischer Delegierten stimmen immer gegen die Aufnahme Israels in internationale Körperschaften, trotz der Tatsache, daß Israel mehr als ein Jahr Mitglied der UNO ist. Die arabischen Staaten wissen sicher, daß dieser politische Kampf keine Ausicht auf Erfolg hat, es scheint aber, daß es sich ihnen lohnt, trotz des zu erwartenden Mißerfolges bei jeder Gelegenheit die Feindschaft zu demonstrieren. Es ist noch mehr der Widerstand von Irak zu bewundern, welches die Petroleumleitung nach Haifa weiterhin gesperrt hält, obwohl Irak durch diese Maßnahme sich selbst finanziell schwer schädigt. Das alles führt zu einem Schluß : Wir sind noch weit von einem Friedensabschluß zwischen Israel und den arabischen Staaten. Das heißt nicht, daß nicht in jedem arabischen Land sich Schichten befinden, welche nach guten nachbarlichen Beziehungen streben und an der endgültigen Lösung des Konfliktes und der Erneuerung des Handels und der wirtschaftlichen Entwicklung interessiert sind. In Libanon zum Beispiel verfolgt man den Aufbau des israelischen Staates nicht nur mit Interesse, sondern auch mit Sympathie. In Transjordanien sind starke Faktoren, welche vielleicht aus egoistischen Gründen einen sofortigen Frieden anstreben. Auch in Aeg\pten glauben nicht alle daran, daß der gegenwärtige Zustand weiterhin anhalten muß. Aber in keinem arabischen Staat sind die Anhänger des Friedens stark genug, um ihre Regierungen zu beeinflussen. Hätte ein arabischer Staat gewagt, als erster Frieüberblickt, wird er in Demut dem Schicksal danken, das ihm dies gönnte. Aber Dr. Granott hat manches geschaffen, was dauern und unserem großen Werk zum Segen wird. Dafür gebührt ihm der Dank unserer Ge mein schaft, woran sich Hoffnung und Wunsch knüpfen, daß ihm noch viele Jahre schöpferischen Wirkens für unsere Heimat beschieden sein mögen. Adolf Polluk den zu schließen, wäre es ein Beispiel und eine Ermutigung für die Friedensanhänger in den anderen Staaten. Das Waffenstillsfandsabkommen mit Aegypten hat auch den Weg für ähnliche Abkommen mit Transjordanien und Libanon geebnet. Man kann sagen, daß die Erfahrungen der vergangenen Jahre trotz der Enttäuschungen und Schwierigkeiten belehrend und ermutigend gewesen sind, und heute können wir besser die Friedensaussichten und die Wege hiezu abschätzen, wie vor einem Jahr, als wir die Waffenstillstandsabkommen mit Aegypten, Transjordanien und Libanon unterschrieben haben. Während der letzten Jahre haben die arabischen Staaten wenigstens eine Sache gelernt, von welcher sic vorher nicht überzeugt gewesen sind : Israel ist im Verlaufe der Zeit nicht schwächer geworden, weder ökonomisch noch politisch. Je länger die arabischen Staaten zuwarten, umso weniger werden sie Aussichten haben von den israelischen Behörden Zugeständnisse zu erpressen. Vor einem Jahr waren die Araber der Meinung, daß sie einen territorialen Verzieht im Negevv werden erreichen können, heute gibt es keinen arabischen Staatsmann — und möge er der größte Optimist sein — welcher an solche Aussichten g’auben könnte. Der ökonomische Zerfall Israels, von welchem die arabischen Führer vor einem Jahr mit größter Sicherheit sprachen, scheint in ihren Augen keine notwendige Sache mehr. Man darf aber von der gestärkten Position Israels nicht ableiten, daß Israel die notwendige Regulierung des Friedens zu verzögern sucht. Die arabischen Führer werden diese Tatsachen begreifen und verstehen, daß die Zeit nicht gerade zu ihren Gunsten wirkt und daß sie ihre Politik nicht mehr auf die Hoffnung begründen können, daß Israel wirtschaftlich zusammenbrechen wird oder politisch schwere Niederlagen erleiden wird. HUBNER'S Cafe-Restaurant Meierei Stadtpark Bridge im Freienl Sichert Euch das Wahlrecht zum 23. Zionistischen Kongreß!