Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 38 (20.6.1950)
- Date
- 1950-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 38 ZDie Stimmt Seite 7 Zwei Jahre Staat Israel und seine Bedeutung für das jüdische Volk (Eine Bilanz) Von Dr. Jeschayahu Wolfsberg, Jerusalem Hir-IT \llf-,ll/. i-l fine '-rill' i;i kiiiv.Ir \\ i(><I<■ i.l;,11ii■ ilr- ,im U. .Mai I '.tMi im Sclmln'i I Saal in \\ i<• n im Im I i i'iii'ii \ iir|r;i^'i>>. wmiol.il 11>I \ "in l.-mH Inilml I. Mehr als zwei Generationen haben unmittelbar an der Errichtung des Staates Israel gebaut: Ohne das Pionierwerk, das mit dem Biluim begann und das seinen Höhepunkt in den seit der Balfour-Deklaralion gemachten Anstrengungen der Alijah, besonders der Chaluzim erreicht hat, wäre das Wunder nicht geschehen. Der Konflikt mit der Mandatsmacht führte 1947 zur Entscheidung des Palästinaproblems im Rahmen der United Nations und löste es durch den Teilungsplan, der dem Jischuw den Weg zur Unabhängigkeit eröffnete. Im schweren Abwehrkampf behaupteten sich die Juden Palästinas bis zum Erlöschen des Mandats und bis zu der Ausrufung des Staates am 14. Mai 1948 und sicherten dann in heroischer Verteidigung gegen die Angriffe der arabischen Staaten seine Existenz. Während dieses Krieges wurde nicht nur die Armee geboren, sondern auch das Fundament zu allen Einrichtungen gelegt, deren ein moderner Staat bedarf. Am Tag der Geburt des Staates setzte auch die große Einwanderung ein, die in zwei Jahre etwa 400.000 Juden ins Land führte. Bei der Wertung der Leistung darf dieses Faktum nicht außer Acht gelassen werden. Es hat die ersten Schritte des Daseins in der Unabhängigkeit mit außerordentlichen Schwierigkeiten belastet, gibt aber der Aufrichtung des Staates Israel eine moralische Rechtfertigung wie kaum irgend eine andere Tatsache und ein anderes Argument. Politisch gesehen, haben die abgelaufenen zwei Jahre viel Befriedigendes gebracht: wenn auch noch kein Frieden mit den Nachbarstaaten erreicht wurde, so ist die Existenz Israels außer Frage. Eine überwältigende Mehrheit der Staaten hat Israel anerkannt und ist diplomatisch repräsentiert. Die Grenzen des Staates sind freilich international noch nicht festgelegt und anerkannt, aber es besteht kein Zweifel, daß das Gebiet, das unter jüdischer Kontrolle steht, beim Staate verbleiben wird, ganz besonders nach der Annexion des „Dreiecks“ durch Transjordanien. Gegenüber der Entscheidung vom 29. November 1947 stellt diese Situation einen Fortschritt dar, der zusammen mit den diplomatischen Beziehungen, die zwischen Israel und der Mehrzahl der Staaten herrschen, einen großen politischen Erfolg bedeutet. Das einzige strittige Problem ist der Status Jerusalems. Wenn auch kaum ein Zweifel unterliegen kann, daß die Neustadt Jerusalem schließlich Israel zugesprochen werden wird, da sie eine rein jüdische Stadt ist und immer mehr das Herz des Staates bildet, so darf man die Widerstände nicht verkennen, die vor allem außerhalb der United Nations in dieser Frage lebendig sind. Politisch betrachtet ist dieses Problem das wesentlichste und es wird und muß der staatsmännischen Kunst unserer Außenpolitik gelingen, es befriedigend zu lösen. Der Ausbau des innenpolitischen Apparates, der sich unter schweren Bedingungen vollzog, ist im großen und ganzen erfreulich gelungen. Im Prinzip hat sich das Land alle Instrumente geschaffen, deren es bedarf, nach Vorbildern, die erprobt und wirksam sind. Die Erfahrung der kommenden Jahre wird zur Vervollkommnung führen. Die wirtschaftlichen Probleme zu erörtern, fällt nicht in meine Kompetenz. Ich will nur die Anomalie streifen, die durch das Verhältnis Ein fuhr-Ausfuhr gegeben ist und vorläufig eine Belastung für die Oekonomic bedeutet. Aber das muß getragen werden bis die Intensivierung der Landwirtschaft und die Industrialisierung so weit vorgeschritten sein werden, daß ein Ausgleich herbeigeführt wird. Hierzu muß Wissenschaft und Technik die notwendige Vorarbeit leisten, um nach dem Vorgang der Schweiz — unser Präsident Dr. Weizmann liebt dieses Beispiel — der Armut an Bodenschätzen durch Ausnützung der Naturkräfte ein Aequivalent entgegenzustellen. I Im Rahmen der heutigen Möglich- | keiten bedeutet das Regime einen zweckmäßigen Versuch, der Lage Herr zu werden; ich kann als Bürger des Staates betonen und bekunden, daß unsere Lebensbedingungen durchaus erträglich sind. Auch unter diesen Verhältnissen ist es ein Glück in Israel zu leben. Die Kritik am politischen und wirtschaftlichen System, der man besonders in der Diasporah entgegnet, schweift weit über das Ziel hinaus. Nicht das wir Kritik ablehnen, aber sie muß produktiv sein. Unsere Regierungsform und unser gegenwärtiges Kabinett sind das Ergebnis von Wahlen, die in voller Freiheit stattgefunden haben. Die Regierung stellt eine Koalition dar, in der die Arbeiterschaft ein sehr starkes Gewicht hat. Da ist nichts von Diktatur. Der Anteil der Arbeiterschaft am Aufbau des Landes ist überwältigend und die Wohlfahrt der werktätigen Bevölkerung, ein beherrschendes Ziel. Die Würde der Arbeit und des Arbeiters ist in Israel sehr bedeutend und stellt einen hohen Wert dar, der zu Stolz berechtigt. In der Regierung ist das Gewicht dieser Gruppe durch das Format einiger Minister noch gesteigert. Aber all das bedeutet keine Vergewaltigung anderer Gruppen und der Privatinitiative ist Raum gelassen. Es gibt keinen Gesinnungszwang. Keiner soll es uns verargen, daß uns an einer gesicherten Existenz der breiten Massen ungemein viel gelegen ist und daß der Staat an ihr mehr interessiert ist, wie an der Zusammenballung großen Reichtums in den Händen einzelner. Die moralische und wirtschaftliche Gesundheit des kleinen Landes erfordert diesen Weg. Die Alijah stellt uns vor außerordentliche Aufgaben. Dabei kann nicht alles nach Wunsch gelingen. Die 70.000 bis 80.000 in Lagern befindlichen Menschen stellen ein Problem dar, das alle bedrückt. Aber man vergesse nicht, daß über 400.000 innerhalb von zwei Jahren ('ingeordnet und angesiedelt wurden — eine überaus große Leistung. Die Insassen der Lager sind nicht mehr die ersten, die vor zwei Jahren gekommen sind, sondern die zuletzt Gekommenen. Ihre Zahl könnte nicht geringer sein, wäre bei manchen die Arbeitsfreude und Initiative größer. Auch größere Mitteln würden den Ansiedlungsprozeß beschleunigen. Ve r b e s s orte Methoden werden die Schwierigkeiten verringern. Schließlich findet jeder Arbeitswillige seinen Platz — nach nicht langer Wartezeit. Lieber die kulturelle und religiöse Situation zu berichten, ist in wenigen Zeilen unmöglich. Das Schulwesen, die Forschung, die Literatur und die Kunst haben in Israel einen ausgezeichneten Platz und der Fortschritt ist sehr erkennbar. Die Bevölkerung ist ihrer kulturellen und weltanschaulichen Einstellung entsprechend sehr bunt zusammengesetzt und das bedingt Probleme und Konflikte. Aber selbst ein so ernster Streit, wie der hinsichtlich des Unterrichtes in den Lagern, ist nun durch ein Uebereinkommen zwischen den Richtungen geschlichtet worden und das religiöse Judentum darf einen Erfolg buchen, der ihm zuteil geworden ist, ungeachtet seiner parlamentarischen Minorität. Es gibt in Israel noch außerordentlich starke religiöse Kräfte, viel Thora und die ungeschmälerte Möglichkeit die Entfaltung traditionellen Lebens. Auch Wellpappe^, Kartonagen^, BüroartikeUFabriken und Druckereien I. GLÜCKSMINH « SOHNE Wien XVII, Beheimgasse 77 A 29-2-27 A 28-0-29 die literarische Produktion blüht in diesen Lagern und reich ist das Feld der Institutionen zur Förderung aller Interessen des geschichtlichen Judentums. Es ist meine Ueberzeugung, daß nur in Israel wirkliche Chancen für eine bedeutende Zukunft dieses imposanten Teiles der Bevölkerung vorhanden sind und. das die Prinzipien des Thorajudentums künftig auch wieder Wurzeln in anderen Teilen der Bevölkerung schlagen wird. II. Es ist merkwürdig, daß man immer über den Staat Israel spricht, wenn man vor Zionisten und überhaupt vor Juden in der Welt auftritt. Gibt es kein anderes Thema? Es ist eben das zentrale Problem geworden. Israel, der Staat ist das größte E rg e bnis der zionistischen Anstrengungen. Es ist aber auch das bedeutendste Objekt unseres Nachdenkens und unserer Aktivität. Mag man selbst systematisch das Volk und die Thora, die Kultur (das Judentum) höher werten, so bleibt der Staat ein so unentbehrliches Fundament, daß man immer wieder zu ihm zurückkehren muß. Es gibt keinen Ersatz für unsere furchtbaren Verluste der letzten 17 Jahre. Aber, wenn es irgend etwas gibt, was uns lebensfähig erhält, nach der Einbuße eines Drittels der Juden heit, der Zerstörung aller großen europäischen jüdischen Zentren, Institutionen, so ist es das Faktum des Jischuw in seiner staatlichen Souveränität und ihrer Potenzen. Die brennendste Frage für Menschen, die jüdische Verantwortung trugen, ist das Schicksal der Juden in der weiten Welt. Der Staat Israel ist ein Selbstzweck und ist in erster Reihe um seiner Bürger willen da. Aber der tiefere Sinn dieser großen Gesundung, seine historische Bedeutung, ist das Heil der jüdischen Gesamtheit. Da muß gesagt werden, daß ungeachtet der großen Immigration das Ziel von Kibuz Galujoth (Sammlung der Zerstreuten. Anm. d. Red.) noch sehr unbefriedigend vorwärts geht. Zu den vielen Paradoxien in der Gegenwart gehört auch das Zaudern vieler Juden, den Weg zur Heimat zu finden. Wieder wenden Juden hier und anderswo den Blick in alle möglichen Länder und vergessen das natürliche Ziel. Dabei ist viel Gefahr und Unsicherheit in manchem Land und werden neue ernste Probleme durch Wanderungen und Ansiedlungen geschaffen. Vor allem aber entfernen sich die Juden von dem vorgezeichneten Weg, sich und ihre Nachkommen als Juden zu erhalten und zu regenerieren. Jede neue Immigration in andere Länder erfordert neue Opfer der jüdischen Substanz. Unverantwortliche Politiker verbreiten die Auffassung, das religiöse Judentum sei anderswo gesicherter als in Israel. Nichts ist unwahrer als das. Wie alles wesenhafte Jüdische, hat auch die Tradition keinen besseren Platz als in Israel. Schabbath und alle anderen großen Werte, ferner die hebräische Sprache, geistiges Schöpfertum und Originalität haben auf die Dauer keinen günstigeren Nährboden als im Lande der Bibel und der Mischmah. Hält man künstlich die Orthodoxie von Israel fern, so wird man nachher nicht klagen dürfen, daß sie dort schwach ist. Jeder, der nicht das jüdische Schicksal flieht, wird dort den Anschluß an den Staat und die jüdische Zukunft finden. Sonst verfällt er und seine Nachkommen der Assimilation, die heute noch destruktiver ist, als im vergangenen Jahrhundert. Die Lehren unserer Zeit, die jüngste Vergangenheit, dürfen nicht vergessen werden. Ich appelliere an den Lebenswillen und die Solidarität der Juden, an ihr Verantwortungsgefühl und ihre Treue, an die besten Instinkte in ihnen, die sie vor Blindheit und Unbesonnenheit warnen. Es gibt keinen leichten und kurzen Weg, der zum Glück führt. Redliche Arbeit, Besonnenheit und Entschlossenheit öffnen die Bahn zu einem neuen Leben. In Israel ist dafür der Boden bereitet. Der Mensch hat die Freiheit zu wählen, zwischen Segen und Fluch, Leben und Tod. Aber das Gebot der Thora verpflichtet uns zum Leben, das den Segen einschließt, Ubacharta-Bachaim, sei das heute allen heiliges Gebot. In Israel, das Arcot-Hachaim genannt wird, erschließt sich dem Willigen und Getreuen das Reich des Segens. TRANSYLVANIA Teuren A B Internationale Speditionsgesellschaft Telegrammadresse „Transped“ WIEN IV, HEUMÜHLGASSE 20 Speditionen aller Art / Verzollungen / Einlagerungen Nah- und Ferntransporte mit eigenen Kraftfahrzeugen. SPEZIALVERKEHR von und nach Israel Verpackungen / Übersiedlungen 1 Sammeltransporte in LIFTVANS Machen Sie Ihre Verwandten und Freunde in der Schweiz darauf aufmerksam, daß wir LIEBESGABEN-PAKETE koscher, wie auch nichtkoscher, zu billigen Preisen nach Israel versenden. Kofa Ges. nt. b. H., (Leitung: Otto Hayek) Bahnhofstraße 82 a, Zürich, Schweiz.