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Die Stimme · 1950-06-20 · Heft 38 (20.6.1950) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1950
Issue
Heft 38 (20.6.1950)
Date
1950-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 S)ie Stimme Nr. 38 MOSHE KOL, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency: (Fortsetzung von Nr. 37) Der Staat und die Zionntüdie IDellbemegung <!;i ß;-('lll hab mul üml i-i uotw(Midie zu luMom-n. wir uns .-Ginn jetzt in fiimr s(■ 11\\ <■ r<mi Lnec lu'lindon, wir ■ u riim ncentivt' XnhlungGdlnnz lö u i ihm i iii'i li nicht den \\ ce mi. aus diiv-cr Laue lnM;nr:xuki muucii. I »uiei-amtc Fxpni-t Israels t< M annen. I)ia nmntnn. I ndust rieprodukt imi) Mdnet unevJähr acht Millionen IL im Jahr in fremden I leviseti. tiir wadche wir im Ausland h’ohstolle. Lehens-- mittel. Waffen und alles, was liir dir Staat.-exi.-tenx notwendig ist. heziehen können. her Lnited Jewish Appeal in der ganzen Welt und die zionistischen l'onds. die lladassah. die Hebräische Universität und andere Institutionen bringen uns für 2S Millionen IL Devisen. Daraus können wir leicht ersehen und verstehen, wie groß die Hilfe, welche das jüdische \ olk dem Staate Israel hietet. für uns ist. Dirne diese große Hilfe, die uns das jüdische Volk durch die Zionistische Beweinung gibt, könnten wir nicht längere Zeit existieren. Wahrlich, wir sollten mehr haben, aber ohne diese Tatsache könnten wir nicht weiter fortsetzen. Für uns sind Rohstoffe. Lebensmittel, Waffen. Baumaterial und anderes von grober Notwendigkeit. Wenn wir 50.000 neue Wohnungen für Olim bauen wollen, können wir das nicht ohne Bisen und Beton und andere Baumaterialien tun. für welche man in fremden Devisen bezahlen muß. Die acht Millionen IL. die wir aus unseren Exporten einnehmen. werden das bei weitem nicht decken. Wir hoffen, daß der Index fallen wird und wir unsere Produktion verbessern werden, damit sie mit anderen Ländern konkurrieren kann und wir dadurch mehr Einkünfte haben und unser Budget damit ausbalanzieren können. Aber von diesem Ziel sind wir noch weit entfernt. Damit wir bis dahin aushalten können, müssen wir uns an das jüdische Volk wenden, da wir auf seine Hilfe angewiesen sind. Die rlerzeitige Lage ist so. daß wir uns an der Grenze der Aufnahmemöglichkeit befinden. Die Zahl der Olim wird von den Mitteln abhängon, welche uns von den Fonds zur Verfügung gestellt werden. Das bedeutet, daß der Schlüssel für den Einfang der Alijah sich in den Händen der Juden im Gallith befindet. In demselben Ausmaße. in welchem die Einkünfte der Fondwnch.'Oii. wird sich die Alijah Vfm größern: wenn die Einkünfte be- .■'•kränkt .-ein worden, wird auch die Alijah begrenzt sein. Wir Bürger Israels tragen ein .-vliweres Joch, das weit, unsere Kräfte über-teint. Wir haben Verpflichtungen A C©< TELEPHON: U 18-2-19 LEBENSMITTEL- GROSSHANDEL 0BST- UND SÜDFRÜCHTE-IMPORT WIEN 111'40, RASUMOFSKYG. 20 aiil imgenommen, die nicht wir. nicht unsere Kinder und unsere Nachkommen werden begleichen können. W ir haben Feinde, die sagen, daß es nicht zweckmäßig Dt. jetzt mit Israel einen Krieg zu führen. Es ist besser, noch ein oder zwei Jahre zu warten, während dieser Zeit Israel eine große Alijah niifnehmen und aller \\ alu- - heinlielikeit nach zu einem Bankrott kommen wird und sich an andere Staaten um Hilf*' wird wenden müssen. Wenn man um Hilfe lullen kommt, so fordert man Komponsitionen - territoriale Ansprüche, politischer An- - diliiß usw. Es wird darüber schon öffentlich gesprochen, denn jeder weiß, daß unsere ökonomische Lage eine M-hwere und gespannte ist. Wir haben also keine Hoffnung, auf ökonomischem und finanziellem Gebiet. auf Alijah. Aufbau vom Xegev. Verwirklichung des großen Bewässerungsplanes. Bau von neuen Häfen —- ohne der systematischen Hilfe des jüdischen Volkes auf Jahrzehnte hinaus. Aber nicht weniger von Bedeutung ist das Privatkapital für uns. welches in unser Land strömen muß. Wir benötigen dringend die private Initiative. welche die Wirtschaft, unseres Staates (Mitwickeln soll. Wer noch nicht, die Absicht hat. seihst, in das Land zu ziehen, .-oll inzwischen einen Teil .-■eines Kapitals in Israel investieren, um den Aufhau zu fördern. Das Bündnis zwischen Volk und Staat darf aber kein einseitiges sein, denn ein derartiges Bündnis würde nicht, von langer Dauer sein. Dm1 Slaat gibt dem jüdischen Volk in den Galulhländern vor allem den Sinn ihres Lebens, und besonders nach der Gründung der Medinath Island wurde ihr Gefühl für den nationalen Wert gehoben. Wir bauen aufs neue die Einigkeit, des jüdischen Volkes und befestigen saune nationalen Fundamente. Auf einem natürlichen Woge wirken wir gegen die Assimilation in allen ihren Formen und gegen die Zersetzung unseres Volkes. Es gibt aber gleichzeitig eine gefährliche Erscheinung, welche wir nicht unterschätzen dürfen — sie drückt sich in der Angst, vor dem Begriff der ..doppelten Bürgerschaft“ aus. Diese Angst könnte dazu führen, daß sich Juden vom Judentum entfernen. mn sich vom Verdacht der ..doppelten Bürgerschaft," zu befreien. Meiner Meinung nach, wird dieses Entfernen nichts helfen. Denn wenn einmal (du Konllikt. zwischen Israel und einem Staat, in welchem diese Juden wohnen, ausbreehen sollte, wird man ihnen, trotz aller bisherigen Bekenntnisse und Deklarationen, die mangelnde Treue zu Israel, nicht, glauben. Das aber löst nicht, die Frage, welche ein Problem für sich ist. Gewisse Teile des Volkes werden versuchen, sich in gewissen nationalen Zentren abzugrenzen. und unsere Aufgabe wird die Führung eines kulturellen Kampfes sein und die Entwicklung der hebräischen Erziehung hauptsächlich der jungen Generation in den Galuthländern zu fördern. Die Fragt' dieser jungen Generation und ihre Erziehung ist mit der Zukunft unseres Volkes verbunden, und wenn wir die Zukunft unseres Volkes sichern wollen, müssen wir in jede Schule, in jeden Winkel, wo sich jüdische Jugend befindet, eindringen. Wir müssen die Jugenderzieher und Lehrer in unser Land bringen und sie für den Zionismus lregeistern. damit, sie später als "Präger und Verbreiter der Idee in allen Schulen und unter der Jugend wirken können. Wir bauen nicht nur unsere Zukunft, sondern auch die Zukunft unseres ganzen Volkes, welches sieh am Aufbau und an der Erstarkung des Staates beteiligen muß. Auf uns alle wartet die Arbeit! Es gibt keine Gruppe der jüdischen Bevölkerung, welche die Errichtung des Staates Israel so sehnlichst erwünschte und für welche die Erfüllung dieses Wunschtraumes unseres Volkes eine größere Erlösung gewesen wäre, als es die Hunderttausende jüdische DP’s waren. Die Not dieser Menschen, welche die Schrecken der Nazi Verfolgung überlebten und trotzdem zwei bis drei Jahre nach Beendigung des Krieges noch immer ein jämmerliches Lagerleben führten und nicht die Möglichkeit hatten im Lande unserer Väter ein neues freies Leben zu führen, war furchtbar. Die breite jüdische, um so weniger die nicht jüdische Oeffentlichkeit im Auslande war aber damals über diese trostlose Lage unserer Brüder nicht genügend unterrichtet. Es war im Jahre 1946 als in Mitteleuropa die Englisch - Amerikanische Untersuchungskommission für Palestina weilte und als die Kommission in Prag ankam, war ich als Mitglied der slowakischen Delegation zu einer Besprechung eingeladen und hatten wir zur Aufgabe, die Lage der Juden in der Slowakei zu schildern. Die damalige Situation der Juden war nicht ungünstig, in materieller Hinsicht sogar vielleicht besser, als heute die Lage der Juden in Wien, da es fast jedem gelungen ist, sich in das wirtschaftliche Leben einzuschalten. Und trotzdem haben wir berichten können, daß sich die Majorität der Juden mit Auswanderungsabsichten befaßt, wobei der überwiegende Teil nach Palästina strebt. Wie bekannt, hat es sich damals nur um eine beschränkte Anzahl von Zertifikate gehandelt und sagte uns der Vorsitzende der Kommission: „Ich würdige alle Ihre Argumente, möchte Sie aber genauer über die Lago Ihrer Glaubensgenossen in den DP’s-Lagern aufklären“. Er schilderte sodann die furchtbare Not dieser vom Schicksal so schwer getroffenen Menschen, deren Lager er soeben inspizierte und fragte dann, ob wir noch immer der Ansicht sind, man möge uns eine große Quote zuteilen. Es ist klar, daß wir anerkannt haben, daß der Vorrang vor allen übrigen Ländern den jüdischen DP’s gehört. Es war ein Wunder Gottes, daß während wir im Jahre 1946 um die Zulassung einer beschränkten Anzahl von Olim kämpften, im Jahre 1947 die Schaffung von Medinat Israel mit unbeschränkter Einwanderungsmöglichkeit erleben konnten. Dieses in der Neuzeit geschichtlich größte Ereignis im Leben des Judentums hat auch die Lösung des Problems der jüdischen heimatlosen und verschleppten Personen ermöglicht. Nur durch ihre Aufnahme in Israel konnte man die großen Massen der jüdischen DP’s-Lager unterbringen. Wir sind uns der geschichtlichen Bedeutung bewußt, die die Errichtung des Staates Israel gerade für die jüdischen versetzten Personen hatte, doch dürfen wir nicht übersehen, daß eben dieses schier unlösbare Problem dieser heimatlosen Juden es war, welche zu der uns zwar nicht voll befriedigenden, doch unter den gegebenen Verhältnissen bestmöglichen Lösung beigetragen hat. Es war nämlich für unsere Politiker und Fürsprecher ein mächtiges Argument, daß es die Welt nicht zulassen kann, daß hunderttausende Opfer des Krieges in Massenlagern gehalten werden und in das Land ihrer Väter keinen Zulaß finden. Es ist daher eine untrennbare Lebens¬ und Schicksalsgemeinschaft, welche uns zu Erez und Erez zu uns fesselt. Um so mehr ist es verwunderlich, daß die jüdischen Transmigranten in Wien an der zionistischen Arbeit nicht genügend teilnehmen. Der Vorstand des Zionistischen Landesverbandes begrüßt die Mitarbeit aller Juden ohne Rücksicht auf ihre Staatszugehörigkeit aufs wärmste und richtet an alle jüdischen DP’s den Appell, sich ihrer Bewegung anzuschließen. Jeder möge der Fraktion beitreten, welche seiner Gesinnung und Ueberzeugung am besten entspricht. Doch müssen wir uns Mitglieder des Mittelstandes endlich einmal bewußt werden, daß unsere Existenz von dem Bestehen demokratischer gemäßigter Parteien abhängt. Von allen bestehenden zionistischen politischen Bewegungen ist es nur der Allgemeine Zionismus, welcher keine Gesellschaftsklasse bevorzugt, auf streng demokratischer Grundlage besteht und in welchem jeder, dessen Herz für Zion schlägt, seinen Platz findet. Dr. Eugen Verny. Hübner's Cafe-'Restaurant Jiursaloti Tanz im Tr eien Nachmittag 5 Uhr, Abends 8.30 Uhr Studenten suchen Nebenverdienst! Die Vereinigung jüdischer Hochschüler empfiehlt Ihnen den richtigen Mann für Ferienbeschäftigung, ganz^ oder halbtägig und Nachhilfestunden. Wenden Sie sich an uns! VEREINIGUNG JÜDISCHER HOCHSCHÜLER WIEN I, SEITENSTETTENGASSE 2/21 - TEL. U 27-1-13

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