Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 38 (20.6.1950)
- Date
- 1950-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 3)ie Stimme Nr. 38 ffiiicksleUungsgesel&e und Wohnungsfrage Ganz (iMiTwnrlcI, edine* jegdiedu* ln te*rvenlion und viedleiedtl;iurh sogar g’e'g'em den \\ illem in:medu*r Krebse, darunter auch anwalllicluT. hat die Regierung den Entschluß 14t*faI.»t. dir erHem drei Rücks|(*lliingsge*selzp so gar bis zum dl. De'/emiber PJäO zu ve'ilängern. Das M < > t i \- zu diesem Kn Ischl ul.» ist £41ei(■ hl:ü 11ijj;. Es 141*11 iii»t die Keslsledhmg. daß hiemit ein Poslulal der NOI vvemeligkeb! und Gere'rhligke'it erfüllt wurde, b.s ist nicht anzunehinen. dal.! im Zusammenhänge mit der Verlängerung \ ic'llcicht an die- Novedlie*nmg des .'!. Rürkstt’llungsgrsetzt's gedacht wurde. Sollte dies emtgegem unserer Annahme der ball sein, so mul,! schon jetzt mit aller kntsehiedenheil dagegen Stellung iteiiiimnu'ii und der Kampf gegen eine VeTsedde'chte'rung d(>s für die Piiiekstidlun^swerber ohnehin nicht günstigen Riickstellungsge*se*!ze*s geführt werden, de weiter die Zeit fortsehreitet. (h*sto nudir werden die Reslimmlinken d('s dritten Riickstellu ngsge*se* J ze*s ve*rvvässe*rt und die Lücken desselben nicht gerade zu Gunsten des Biie'ksledlungsvverbe'rs ausge*fiillt und ausgedegt. so dal.! die etwa in Aussicht genommene Novellierung die Stellung des Riickstellungs werbers total erschüttern würde. In diesem Belange darf es keine Nachgiebigkeit geben und keim* Konzession. auch in prozel.irechllicher Beziehung. eingeräumt werden. Wenn oben die Verlängerung als ein Postulat der Gerechtigkeit und Notwendigkeit bezeichnet wurde, so ist damit zum Ausdruck gebracht worden, daß noch eine erkleckliche Anzahl von Rückstellungsberechtigten vorhanden ist. welche aus verschiedenen Gründen, insbesondere aus jenen der Schwierigkeit in der Beschaffung der formalen Voraussetzungen nicht dazugekommen sind, rechtzeitig ihren Anspruch geltend zu machen. Es gibt sogar Fälle, wo die Geltendmachung eines Anspruches durch einen vorläufigen Kurator schwer möglich ist. wobei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen werden muß. daß die Bestellung eines Kurators durch die diversen Bezirksgerichte wegen Anhäufung der Gesuche lange Zeit in Anspruch nimmt. Die gleiche Beschwerde richtet sich auch gegen die Behandlung der Todeserklärungen. welche ganz unberechtigterweise ein Jahr oder sogar länger in Anspruch nehmen, indem dokumentarische Nachweise verlangt werden. die bei eingehender Berücksichtigung der Fälle absolut nicht notwendig sind. Während im Artikel einer vorigen Nummer dieser Zeitung die Anwendung zweierlei Rechtes in der individuellen Wohnungsfrage* behandelt wurde*, soll nunmehr hier ganz kurz ehe* allgeuneine Wohnungsfrage* bchande*ll we*rele*n. Das im .‘5. Biirksledlungsge*se*lz vorge*se*hene unel angekündigte Gesetz f i be* r elie* Rückstellung von Wohnunge*n unel GeschüfIslokalem ist bis Imutc noch nicht gese-haffen wenden, obwohl e I i e*se * Frage brenneuiel ist. Unmittelbar naedi ehr Befreiung OesleJTeichs hat die Regierung im Raelio und in der Zeitung einen Aufruf an elie Emigranten in ehr ganzen Welt gerichtet, naedi Oeslerrehh zu riie-kzukehren unel elhsein Staate* beim Wieehraufbaii bediilflhh zu sein. Es wurele ihne-n elie* Wieehrgufmaediung naedi allem Richtungem hin feierlich in Aussicht gestellt. Diesem Rufe haben sehr viele, Angehörige aller Berufsstände, Folge* gehisled in der vollstem Fcbe-rzeugung. daß naedi e*ine*r ehrartigem Tragüelie* elas Verspreediem auf Whelorgulmnedmng voll unel ganz ein gedöst we*rele* unel gerade in der Wob nungstrage* hat elie* Regierung aus 101*111 zu veM’sfehemelen Moliveui voll ständig versagt. Wenn jemand auf gedorehrl wird, in se*ine* IIe*imal zu rückzukehren, so ist mit diesen* Auf forderung se* 1 bstve*rsIä 11 e 11icl 1 auedi elie Notweueligke'it ve*rbunelen. ihm Obdach und Kxislenzmöglirhkeil zu ge währe-n und diese* besle*hl eben in der Riickste'llung se*ine*i* zwangsweise* \e*r lassciu'ii Wohnung oder Gesehälis lokales. Hunderte von Familie*n wa. teil noch immer trotz Verstrenclnms von Jahren auf diese Wiedergul machung und wir hdinen in dieser Ihziehung je'de* Ansre'ch* elcr staatlichen oder sliiell iseliem Verwaltung ab. Be*i e'inige'm gutem Willen und an giunessemer Pflichterfüllung kann die sein Febelstanel abgeholfen werden. Das Wie* obliegt eien kompclembm Steilem und nicht elie* Geschädigten haI>«*ii diesbezügliche Vorschläge unel Anregungen zu machen, bis kann sich gegenwärtig vorläufig um höchshns äOO bis (»()() Wohnungen hanelcln. elie* elcr Staat ode*r elie* Ge'incindi'V e*rwal fnng bisher nach Verlauf von Jahren hätte* schäften können. Alltäglich fi 11 den auf Grund berce-htigli'r oder nicht bcrceditigler Kim di gangem Dedogicrun ge*n stall und es ist 11 ie*hI ab/use*he*n. warum ehu rassisch vcrfolgle*n Heim kedirern niedit dasselbe Re*e*hl zuteil we*rde*n solle, elahingehe'iiel. elal.l elie* Wohnungen, aus elenem sie zwangsweise verdrängt wurden, zu ele'rcn Gunslem geräumt werden sollem. IN wird daher ele*r Kampf um dieses fe*ie*rlich iu Aussicht ge'slcllle* und im >. Rüe'ksle'lluugsge'scl / verankerte Gesetz mit allem le'galem M i 11 e*l n auf genommen werden müssen und es wird hie'be'i die* Aufgabe* elcr Israeli lisediem Kullusgemeinde* s(*in. elie füll rende Re»||e zu übernehmen. Dr. W. II. Aus dem Zionistischen Landesverband in Österreich In den letztem Sitzungen des Vorstandes des Zionistischen Landesveubandes wurde eine rege* Tätigkeit entfaltet. Unte*r ande*re*m wurden die Delegierten für den Magbith Meuchedeth, für de*n KKL, für den Waad Alijali gewühlt und nachste’hende* Kominissione'n neu be'setz.t. Kulturkommission, Finanzkommission, Pressekomitee*, Frauensektion, Jugendeirganisation und Parteige*richt. In der letzten Sitzung wurele* eine* längere* Debatte über die* Israelitische* Kultusgemeinde in Wiem geführt mul entsprechende Beschlüsse* gefaßt. Fbenst> wurden organisatorische Fragen, die* Schekel-Aktion und die Jugendbewegung behandelt. „Wiedergutmachung“ von SCHALOH BEN CHORIN (ISRAEL) .A\ ieelergutmacliung" ist ein Wort, elas in den jüdischen Sprachgebrauch einging, aller eigentlich genau elas bezeichnet. was man nicht vvie*de*r gut machen kann. Es gibt im Talmud emien tiefsinnigem Protest gegen elas Buch Hiob. Hiob, elcr Duleler. eiern alles genommen wird, erhält im Schlußteil eles Buches von Gott seihst in einemi grandiosen Akt der .."Wiedergutmachung*' alles zurück unel noch ein greißes ..Schmerzensgelel" elazu. Unel doch bemierkt einer der Weisen eles Talmud mit Recht: ..Aber den Schmerz unel die verlorenen Jahre konnte seihst Gott dem Hiob nicht mehr zurück gehen." Nichts, was geschehen ist — kann wieeier gut gemacht werden. Materielle Verluste freilich versucht man jetzt, wieder wett zu machen. In Israel haben allein für elas Land Bayern 18.000 durch die Nazis geschädigte Juden bisher Wiedergutmachungsanträgc gestellt. Ich besuchte dieser Tage das Jerusalemer Büro eler Wiedergutmachungsstelle, elas sozusagen auf vollen Touren unel mit Hochdruck an der Arbeit ist. Schicksale, wie sie kein Dichter ersinnen könnte, werden hie*r zwischen Aktendeckeln auf amtlichem Frage*- bogen auf he: wahrt. Beweiskräftige* Dokumemte fehlen zumeist unel müssen ihre*r Natur nach fe*hlen. Verschleppte* wissen oft nicht, wohin sie ve*rschle*ppt wurden. ln unte*rin!ise*he*n Fabrikem mußten sie* Sklavemeliensle husten unel künmm nicht genau ange*hen. w<» elie*s<; Hölle eler Leiden war. Ein Man schildert, wie seine* Augem eles Tageslichtes entwöhnt, fa>t blind waren, als er ans einer dieser Hüllern an die Kreledier- I hiebe kam. Kr sah nicht einen elalierrollemhn lank und wurde seliwer verletzt. Warm war das? Wo war das? - - Keine Antwort. Ohm* kabmder. ohne* zu wissen wo man sieb befanel so ..lebten" elie Menschen damals, elie* heute*. ..Wiedergutmachung" verlangen. Freiheitsentzug unter vie*r Weichem zäliit überhaupt nicht. Die* Maßstühe' ele*r Ee*ieh*n sind e'ben gigantisch. Schern ele*r Entzug einer Stuneh* de*r Fre*ihe*it sollte geahndet werele*n. denn wer auf Erden hätte* elas Recht, einem unschuldigen Menschen auch nur e*ine* Stunde* seinem Freiheit zu rauben? Für Juden, elie emunal deutsche* Staatsbürger waren, liegen diese Dinge noch komplizierter, während andere Staatsangehörige vollen Ersatz für elie entzogene* Freiheit verlangen können. Aber, wie wir wissen, Gott seihst könnte* nicht elie verlorenen Jahre: dem Menschen zurückgehen . . . Ich hatte* e*in merkwiireliges Erlebnis in diesem se> sachlich wirkemelen Büro, elas in Wirklichkeit e*ine* Sammelstelle menschlicher Tragöelien ist. Mir war als liefe* ein Film meines Leherns rückwärts ah. I)e*r Name, eh*r ein wesemhafter Bestandteil unseres Seins ist, de*r eigeme Name, war plötzlich ausgelöscht unel statt seiner figurierte ich hie*r untern denn nicht-hcbräischcn Namen, ele*n ich schon ve»r üln*r zwölf Jahrem völlig ahge*le*gt hatte, unel nun geschah elas Merkwürdige: als ie*h die Feder anzusetzem hatte*, um elie* vie*h*n I)()kmn<*nte und Frage*hoge*n mit de*m hingst versiinke‘m*n Namen zu signie*r«*n. zög<*rte ein* Hand. Sie* war es FLUSS & CO. Obst, Gemüse und Südfrüchte IMPORT-EXPORT WIEN VI., KÖSTLERGASSE 6 Telephon: B 21-2-1F5, B 26-3-44 Telegramm-Adresse: Fructus-Wien WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V., Reinprechtsdorferstr.48 XX., Wallensteinstraße 17 Tel. A 32-0-08 nicht me*hr ge*wedmt eliessc Namem zu sehre*ihe*n. der unge*le*nk wie* e*in Iremiele*r Name* heraus kam. Aber Name* ist ja niedit nur ..Schall und Rauch" unel so war plötzlich mit eliesem ungewohnten Namem eine ganze* Welt wie*ele*r ela, e*ine* Welt, elie hingst in Blut und Tränen versunken ist. Man sedl. wenn man nicht muß, abgelegte* Namem nicht mehr herauf - beschwürem . . . Nach mir kommt ein Herr an elie Reihe, der ein großes Haus in Köln besaß. ..Hahe*n Sie Dokumente darüber?” - De*r Herr greift in die Westemtasehe unel legt ein Steinchem auf eleu Schreibtisch. „Das ist alles, was von dem Hause geddiebem ist" me*int e*r lakonisch. Das „Dokument“ wird nicht zu eleu Akten genommen. Ein Schriftsteller legt gekündigte Verlagsunel Theate*r-Verträge* ve>r, ein Arzt elio Auuulicrung seiner Berechtigung zur Praxis. <*in Anwalt e*in verklausuliertes amtliches Schreiben, elas ihm elas Be*tre*tem de*s Ge*rie*hte*s untersagt. Kaufleuto schleppen alte Konto- Biiche'r an! Unel immer wieele*r. elas Traurigste: von allem, kennmen Memschen, die ärzllielu* Zeugnisse über schwere: Mißhandlungen! veudegem unel Bedege* ühe*r die* Ermorelung el e*s Ernährers ele*r Familie*. Immer preddemut.iseher wird mir im Laufe: einer kurzen Stunde* der Begriff de*r „Wiede*rgutinaehung“. Nicht nur. daß hit*r nichts medir gut zu mae*h(*:i ist, es emlstedit auch elie* Frage*, oh memsedilbdie Gerichte* ausreiedien. all elas zu prüfen: trotzelcm elarf nielüs unve*rsue*ht bleiben! All elas. was hier gesammelt wird, wird zumindest elie* Grundlage* für jeme* „globale* Abfindung" darstedlem, von de*r heule: Fachhmle wie Dr. Ge*e>rg Lanelaiie*r snreelu*n. Wiede'r gut ge*maeht kann freilich nur wemig vve*r(le*n, ahe*r ve*rge*ssen soll nichls. nichts und ueiehmals nie*li!s vve*r(h*n. Freilich das Büro hier hat praktische Aulgahe*n und de*r RcIVremt e*rklärl, eiaß die* Aiissiedilem auf materielle* Fn Ischädigungen elurchaus günstig sind. Aber seizusagen als e*dle*s Nehemprodukt diese*!* sachlichen Arhe*it vvirel hier zugleich <*in<* grandiose moralisedie: Arhe*il v <*rri<*hIe*t: e*ingesclirie‘h(“ii vvirel hie*r iu e*in Rue*h eles Gcelemkems, was niemials aus elemi Bewußts<*in de*r We*lt weichem sedl.