Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 38 (20.6.1950)
- Date
- 1950-06-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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timme eilige mein zionistische Wochenschrift Zionistischer Landesverband Wien rtria Brtfrsn Dtrm nnnwn Preis 2 Schilling V.b.b. H Redaktion und Administration: M Wien IX, Universitätsstraße Nr. 4/4 M j Telefon A 26-4-73 jj |f Halbjahresabonnoment: S 24. - f| §f Jahresabonnoment: S 48.— M M Postscheck-Konto Nr. 134.292 Ü 20. Juni 1950 Erscheint vierzehntägig Nr. 38 Aus9leichskommission prüft neue Verhandlungsmetlioclen Die Ausgleicliskoininission der UNO prüft gegenwärtig die israelische und arabische Stellungnahme zum kürzliehen Konimissionsvorschlag für eine neue Verhandlungsmethode, wie die Kommission in Lake Success bekannt gab. Der jüngste Bericht der Kommission erstreckt sieh auf die Zeit vom Dezember vorigen bis zum 10. Mai dieses Jahres. Die Kommission hatte den Regierungen die Schaffung gemischter israelisch-arabischer Ausschüsse zwecks Einleitung und Durchführung von Friedens Verhandlungen vorgeschlagen. Die arabischen Regierungen hatten sich zur Erörterung dieser Angelegenheit bereit erklärt, falls die Israel- Regierung die Resolution der jüngsten UNO-Hauptversammlung akzeptiert und vor allem der Rückkehr der arabischen Flüchtlinge nach Israel zustimmt. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, ziehen die arabischen Regierungen die gegenwärtige „Ausgleichs-Prozedur“ vor. Die Israel-Regierung hatte ihre Bereitschaft bekanntgegeben, mit den arabischen Staaten direkt zu verhandel n, wobei die Ausgleichs-Kommission als „harmonierender Agent“ zwischen beiden Parteien fungieren sollte. Die Israel-Regierung hat an diese Verhandlungen keine Vorbedingungen geknüpft. — Die Ausgleichskonimission der UNO prüft nunmehr die Antworten der beteiligten Regierungen, um festzustellen, wie man am besten weiterkommt. „SESAM OFFNE DICH“ Pressekonferenz mif Direktor Dr. Josef Schwarz, bezüglich der Alijah der irakischen Juden Präsident Truman empfängt Präsident der nilgemein-ZIonislisdien Organisation In nmeriha Am 2. Juni empfing Präsident Truman den Präsidenten der Allgemein- Zionistischen Organisation Amerikas, B. Braudy, welcher dem Präsidenten der Vereinigten Staaten den Dank für die Waffenlieferungen Amerikas an Israel ausdrückte. Es ist dies der erste Besuch des Präsidenten der Allgemeinen Zionisten beim amerikanischen Staatsoberhaupt seit dem Jahre 1944, als Dr. Aba Hillel Silver von Präsidenten Truman empfangen wurde. Präsident Truman hat seine Einwilligung zur Benennung einer landwirtschaftlichen Siedlung auf den Namen Harry S. Truman gegeben. Diese Siedlung wird im nördlichen Teil des Gallil von amerikanischen Zionisten erbaut werden und bei ihrer Gründung 1000 Familien aufnehmen. Hilfe für erwerbsbeschränkte Olim „Die Regierung, die Sochnuth und der JOINT gründeten vor einem halben Jahr die Organisation „Malben“, die körperlich oder geistig behinderten Olim Hilfe leistet“. Herr Harold J. Goldenberg berichtete als Direktor von „Malben“ der Presse gegenüber die 'Tätigkeit dieses Instituts während seiner ersten sechs Monate. Schon jetzt werden 20(50 Kranke versorgt; im Laufe des Jahres wird die Hilfstätigkeit weitere 2000 einbegreifen. Das liir 11 Monate bestimmte Budget, in Höhe von 17.5 Millionen Dollar, kommt vom JOINT (7.5 Millonen), der Sochnuth (5 Millionen) und von der Regierung mit zunächst 2.5 Millionen, die verdoppelt worden sollen, sobald die 1RO der Regierung die für solche Zwecke zugesagten 2.5 Millionen Dollar überwiesen haben wird. Die Hilfsstellung von „Malben“ beschränkt sieh auf Olim, die seit Staatsgründung eingewandert sind, und kommt vornehmlieh TBC-Kranken, chronisch Kranken, Blinden, Geistesgestörten und defekten Kindern zugute. Für Blinde soll «»in Dorf in der Nähe von Gedera errichtet werden. Das Direktorium der Organisation besteht aus vier Vertrotrn des JOINT, drei Vertretern der Sochnuth und Herrn Elicser Peri als dem Vertreter d«*r Israel-Regierung. Auf der Pressekonferenz des Joint in Paris hat der leitende Direktor des American Joint für Europa, Dr. Josef Schwarz, Informationen über die Luftevakuierung der 50.000 irakischen Juden nach Israel gegeben. Der Lufttransport aus Irak wurde mit dem Namen „Sesam öffne dich“ (nach der Bagdader Legende) bezeichnet und wird im Laufe des Jahres 2.5 Millionen Dollar kosten. Diese Summe erfordert vom Joint eine große Anstrengung, da im Budget des Joint für das Jahr 1950 keine Emigration von irakischen Juden vorgesehen war. Es muß dabei unterstrichen werden, daß die Alijah von Irak im Zeichen von jetztoder niem a 1 s steht, denn der Termin der Erlaubnis ist auf zwölf Monate begrenzt und es ist zweifelhaft, ob so eine Gelegenheit sich jemals wieder bieten wird. Laut der Planung des Joint sollen jeden Monat 5000 Juden nach Israel gebracht werden. Demnach werden im Verlauf von zwölf Monaten ungefähr 60.000 Juden durch diese Aktion nach Israel kommen, eine Zahl, welche die Operation aus Yemen, die als „Der fliegende Teppich“ bezeichnet wurde, übersteigt. Da Irak sich im Kriegszustand mit Israel befindet, müssen die Flugzeuge zuerst in Zypern landen, um von dort nach Israel zu fliegen. Dieser große Umweg erhöht bedeutend die Reisekosten. Dr. J. Schwarz drückte die Hoffnung aus, daß es vielleicht gelingen wird, bei den Instanzen die Zustimmung zu erreichen, daß die Flugzeuge direkt von Bagdad nach Israel fliegen können. Bis heute haben sich bereits 48.000 Juden registriert. Die Zahl der Juden, die nach Israel wollen, ist bedeutend größer, aber es bestehen große Schwierigkeiten bei der Liquidierung des Vermögens. Die irakische Regierung erlaubt nicht eine Ausfuhr des Kapitals, von der lächerlichen Summe von 50 Dinar abgesehen, welche jeder Erwachsene mit sich nehmen kann. Laut Aufklärung von Dr. J. Schwarz, befinden sich die Olim aus Irak in einem viel besseren Zustand, als die aus dem Yemen. Es fahren eine große Menge gesunder Jugendlicher, die eine landwirtschaftliche Schulung absolvierten, viele Arbeiter und Fachleute. Es hat sich bereits erwiesen, daß bis heute eine kleine Alijah aus Irak auf illegalem Wege stattfand. Diese „illegalen“ Olim sind zuerst nach Iran gezogen. Die iranische Regierung gab ihnen befristeten Aufenthalt in Teheran, von wo der Joint einen Lufttransport organisierte und bis jetzt 8000 Juden nach Israel brachte. Bei dieser Gelegenheit gab Dr. J. Schwarz einen Bericht über die Alijah-Stimmung in Persien (Iran). In Persien befinden sich zur Zeit 80.000 Juden. Speziell schwer ist die Lage der 10.000 Kurtistaner Juden, welche in Gruppen aus Kurtistan nach Teheran flüchten, wo sie unter schauderhaften Bedingungen leben müssen. Trotz aller Schwierigkeiten hat der Joint beschlossen, monatlich 500 Kurtistaner Juden nach Israel zu bringen und mit der Zeit, erklärte Dr. J. Schwarz, wird man sich auch mit der Alijah von Iran beschäftigen. Gegenwärtig müssen aber alle Anstrengungen gemacht werden, um die Operation „Sesam öffne dich“ für die irakischen Juden durchzuführen, welche jetzt denselben Weg durchmachen, wie die babylonischen Juden vor 2500 Jahren. Der Unterschied ist allerdings, daß der heutige Weg in drei Stunden durchflogen wird, statt wie damals, endlos lang auf Eseln oder Kamelen. Qeschenk der WSJl an die Madassah Die Regierung der Vereinigten Staaten hat der Hadassah 4,400.000 Pfund Trockenmilch und Eipulver zum Geschenk gemacht. Die Hälfte dieser Lebensmittel wurden bereits nach Israel abgesandt und die Jewish Agency wird in Israel die Verteilung an Olim-Lager, Waisenhäuser, Altersheime und an Erziehungsanstalten der Jugend-Alijah vornehmen. Die zweite Hälfte dieser großen Spende wird im Laufe dieses Monats nach Israel transportiert werden. Der Wert beträgt insgesamt 600.000 Dollar. Eban über den israelischen Jerusalem-Plan Der israelische UNO-Hauptdelegierte Aubrey Eban erklärte in Lake Success, die „warme öffentliche Antwort“ auf Israels Bemühungen um Lösung der Jerusalem-Frage lasse darauf schließen, daß eine solche Lösung in Sicht ist, wenn die anderen interessierten Parteien einen ähnlichen Geist von Versöhnung und Realismus zeigen. Die einzige Kritik, die ich bisher gehört habe, bezieht sich darauf, daß unser Vorschlag auf dem künftigen Frieden im Mittleren Osten beruht, während gewisse Kritiker unseres Vorschlages davon ausgehen, daß in diesem Teile der Welt Krieg herrschen wird. In der Tat ist unsere Grundkonzeption nicht Krieg, sondern Frieden. * Berliner Juden protestieren gegen Deutschlands Auf» nähme in den Europastaat Deutschlands Aufnahme in den Europarat käme faktisch einem Generalpardon für alle unter dem Naziregime begangenen Verbrechen gleich, wie das Organ' der Berliner Jüdischen Gemeinde, „Der Weg“, schrieb. „Ein solcher Generalpardon ist undenkbar, solange die Nazi verbrechen nicht gesühnt und nur äußerliche Zeichen der Reue und eines Sinneswandels des deutschen Volkes sichtbar sind. In den fünf Jahren seit Kriegsende ist fast nichts zur Rehabilitierung der Reste der deutschen Judenheit geschehen, obwohl alles mögliche getan wurde, um ehemaligen Mitgliedern der Nazipartei zu helfen.“ * IRO beginnt DP-Lager aufzulösen Laut Bericht der IRO befinden sich im Monat März 1950 281.239 DP’s in verschiedenen Lagern in Europa. Obwohl die Zahl der Juden unter ihnen seit Bestehen des Staates Israel sich sehr verkleinert hat, sind noch immer 24.916 jüdische DP’s in Europa. Ein gewisser Teil von ihnen sind Invalide oder arbeitsunfähige Personen. Der Direktor der IRO, Mr. Kingsley, gab bekannt, daß der Prozeß der Uebergabe der IRO-Lager an Deutschland bereits begonnen hat. Nur diejenigen DP’s, welche die Möglichkeit zur Weiterwanderung haben, verbleiben unter der Verwaltung der IRO. Die Uebergabe der Lager hat bereits in der englischen Zone begonnen. Mr. Kingsley berichtet ferner, daß die Aufsicht über die Verwaltung der deutschen Lager von der jeweiligen Besatzungsmacht ausgeübt werden wird. * Dr. Abraham Granot, der Vorsitzende des Keren Kajemeth- Direktoriums, wurde zum Vertreter des KKL in dem Koordinations-Ausschuß ernannt, der auf Beschluß der Knesseth und des Zionistischen A. C. errichtet worden ist.