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Die Stimme · 1950-05-12 · Heft 36 (12.5.1950) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1950
Issue
Heft 36 (12.5.1950)
Date
1950-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 U)ie Stimme Nr. 36 Dr. Victor E. Pordes: Der Aufstand des Warschauer Ghettos in drr Welt aber auch erhebtndc und ^I«*I/:Lr innerung;m jenen Id. April dc> Jahres 1(.)L>. an welchem der Aufstand des Warschauer Ghettos aushraeh: jener ungleiche, aber halesmnligc und enlschlnssene Kampl von ungelähr liO.(HH) im Ghetto eini,ft'sehlnsscnen. todgeweihten Juden gegen die Walt engewalt eines deutschen Schreckensregimes, hin Kampl. um so meintragisch, um so mehr heroisch, als er im Vorhinein aussichtslos war. ein hewul’der Opferlod jener, die zu ihm antraten und ihn bis zum hetzten bestanden. Märtyrertod. Verfolgungen, blutige Hekatomben, wiederholen sich immer wieder in der beschichte unseres Wander- und 1 hddervolkes. des durch alle Länder und Meere, tt 11t* Völker und Staaten, getriebenen jüdischen Volkes, l ud auch diese blutigen l äge des Warschauer Aufstandes selbst, haben zu ihrem Hintergründe das finsterste Kapitel unserer beschichte, jene deutsche Apokalypse, die Zeit, in welcher ein Entarteter (‘inen Weltbrand entfachte, der die Welt Millionen Toter und uns das Drittel unseres Volksbestandes kostete. End so könnte man fragen: warum feiern wir aus jener Schreckenszeit, «aus diesen gehäuften breiudn. ger.ade diese Episode/ Warum wurde sie schon zu unseren Zeiten zu mehr als einem Heldenepos. wurde zu einer uns teuren, unvergel.ilichen Legende, ja darüber hinaus zu einer Art jüdischer Mythe0 Wohl fällt sie in jene Zeit des Grauens und ist nur ein Ausschnitt von ihr. ist eine Katastrophe unter vielen, vielleicht noch furchtbareren, noch grausigeren, aber zugleich übersteigt. überhöht sie alle, überstrahlt sie so hell, wie sich eine lodernde Feuersbrunst von einer stockfinsteren Nacht abhebt und sie wie eine Fackel erhellt. Sie ist eiten eine Wende, ein ungeheures neues Datum und sie trägt es schon in ihrem Namen: A u fstand des jüdischen Ghettos. also Erhebung der so lange bepeinigten und beduckten und Kampf, ingrimmiger. gnadenloser Kampf, gegen eine Uebermacht bis zum letzten Hauch. Nach fast zwei Jahrtausenden der Gallith, in welchen wir, ein Volk der überall versprengten Minderheiten, der numerisch unterlegenen und deshalb schwächeren Gruppen, immer Wellpappe-, Kartonagen-, Büroartikel^Fabriken und Druckereien A. GlQCKSMkllH & SOHHE Wien XVII, Beheimgasse 77 A 20-2-27 A 28=0=29 Karl £*öwentf)a( Eier- und Gefliigdgroßhandel WIEN VII, MONDSCHEiNGASSE 1 dieser Aulsland wie eine elementare Verneinung der Sklaverei, der Gallith, in jüdischen Herzen. Eine Verneinung durch die Tal. durch Auflehnung und Kampf, wenn auch mit dem Tode he siegelt. Es war. als wäre in den Männern di's Warschauer Ghettos derselbe (jeist unbeugsamen Widerslandes erwacht. mit welchem die Juden einst Jerusalem und das Heiligtum gegen Titus ebenso verbissen und bis zum Ende verteidigten, derselbe Geist, mit welchem vorher Juda Makkahi sich gegen Anliocnus erhob, jener Geist, mit welchem fünf Jahre nach Warschau unsere Jugend Erez gegen die vielfache arabische Eebermachf siegreich verteidigte. der Geist der Makkabäer, der Geist der Haganah! Darin lag, darin bleibt für alle Zeilen das Beispiel, das Flammcnzeiehen dieses Aufstandes, darin liegt für uns die Lehre, das Testament der 'Loten von Warschau. So wie das brennende Ghetto von Warschau zuletzt wie in eine Wolke von Hauch und Feuer gehüllt schien, so wird für uns diese Gemeinde der Loten, diese Schar unserer gefallenen Brüder und Schwestern, zu einer feuerumhüllten Gestalt, einem Bild, zur Vision eines einzigen brennenden Scheiterhaufens jüdischer Märtyrer. Sie alle, die uns Enbekannten. schliel.it heute das jüdische Volk in einem gemeinsamen „Jiskor". des Herzens, des Gedenkens ein. Vor ihnen allen verbeugen wir uns in Trauer und Dankbarkeit, denn sie alle fielen für eine grobe und gute Sache, die Sache des jüdischen Volkes. Jeder von ihnen ist für den gläubigen Juden ein Zeuge des heiligen Namens, jeder ist für unser Volk ein Kämpfer, der für uns fiel, für Israels Freiheit. Israels Zukunft. Israels Ehre. Ich bitte alle Anwissenden, sich von ihren Sitzen zu erheben und unseren gefallenen Brüdern und Schwestern eine Weile stillen Gedenkens zu weihen. * An jener Stätte, wo sich einst das vom pulsierenden Leben erfüllte jüdische Ghetto befand und wo jetzt nach dem Fall des Ghettos nur rauch geschwärzte Trümmer blieben, erhebt sich ein den Gefallenen gewidmetiss ehernes Monument, ein Sühn- und Grabmal. Schweigen herrscht dort, wo ein wildes Kriegsgetiimmel dröhnte, wo Granaten einschlugen und Feuer wütete, bis auch der letzte Widerstand gebrochen war. Aber auch die Stille der Oede, das Schweigen des Monumentes spricht zu uns, tönt in den Ohren wie ein Schrei, eine Beschwörung: ,,Beugt Euch niemals, wehrlos und feige, dem Bösen, dem Schimpf, dem Unrecht! Kämpft aufrecht und bis zum Letzten, mich ohne Hoffnung, ohne Sieg! Ergibt Euch nicht! Kapituliert nicht! Seid wie wir!“ Nach Jahrtausenden der Erniedrigung und Beschämung, der Brandmarkung und Verfolgung, der Duldung und Ergebung, schallt zu uns diese stumme Sprache wie eine Aufforderung zu einem neuen starken Leben, zu einer Wiedergeburt dessen, was wir waren, zu einem freien, ungebeugten Judentum. Das neue jüdische Geschlecht, da*' aus diesem Geiste geboren ist. das aut eigener Scholle lebende und arbeitende jüdische Volk hat diesen Huf verstanden. Die Medinal Israel, die Selbslverwirklieluing dieses neuen Judentums, das in seiner Erde wurzelt und sie ebenfalls gegen jeden Feind bis zum Letzten zu verteidigen bereit ist. lebt bereits diese neue Geistes haltung. sie verwirklicht das Testament von Warschau. End deshalb hält Volk und Staat Israel die Erinnerung an diese Gefallenen so hoch, wird sie immer in Ehren behalten. End so. wie wir in einigen lagen den Jom Ilaazmaiil. den 'Lag der Enabhängigkeit. begehen werden, so leiern wir heute diesen Gedenktag: die Erinnerung an unsere ..unbekannten Soldaten”, die für Israel fielen. Die neue jüdische Geschichte schafft für uns einen neuen jüdischen Kalen der. Bisher feierten wir nur Feste einer fernen. Jahrtausende entlegenen Zeit. Wir lebten zurückgewandt, im Alltag und im Löst lag jener Vergangenheit gedenkend, da das jüdische Volk vor der Gola noch im Lande seiner Väter lebte. Aber jetzt brach eine gewaltige, blutvolle Gegenwart in unser Leben ein. Die so lang erwartete, immer ersehnte Heimkehr ist Wirklichkeit geworden und trägt den Namen Medinal Israel. Sie bedeutet nach einer fast zweitausend jährigen Eni erbrech ungern neues Beginnen, voller Mühe und Sorge und Plage, aber auch voller Festigkeit. Hoffnung und Freude, einen neuen Aufbau von den Fundamenten aufwärts bis zu neuen Höhen. Zugleich ist sie aber ein Wiederankniipfen an eine gewaltige geistige und historische Tradition, der wir. ihre Erben und Nachfahren, uns verpflichtet fühlen müssen. Wenn man jenes Wort ..noblesse oldige“. Adel verpflichtet, auch ins Geistige. Ethische und Kulturelle übertragen darf, so müssen wir uns als Mahnung und Erinnerung sagen: Judentum verpflichtet! Es wäre zu wenig, wenn wir nur innen Staat der Arbeit und des Frie dens. der sozialen Wohlfahrt und Demokratie, einen Staat mit allen jenen Einrichtungen und Institutionen schaffen würden, die ja Gemeingut aller .sogenannten Kullurslaalen sind oder zumindest sein sollten. Die Welt darf von uns. dem Volke der Bibel und der Propheten, des Talmud und des Zohar, mehr erwarten. Darf erwarten. dal.» wir uns der von uns einst erreichten Höhe würdig zeigen, sie behalten, da 1.1 dieses Volk in allem den Primat des Geistes und des Ethos wahrt und dal.» seine Slaafsfiihrung ebenso wie seine ganze Kultur ihre höchsten Inspirationen aus jenem hohen Bereiche beziehen, dessen Er- WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V., Reinprechtsdorferstr.48 XX., Wallensteinstraße 17 Tel. A 32-0-08 (gesprochen bei der Gedenkfeier am 19. April 1950) I Geh ebenso Dir e jüdischen (lemeinden die InT/erschü Bernde. nur Opfer, immer Objekt waren, war keunlnis unser Volk einst der Well '.ermittelt hat. Ensore mechanisierte und technisierte. inerkanl ilisierle und politisierte Zeit huldigt heule einem stumpfen Materialismus, der sich jeder höheren Erkenntnis gleichsam programmatisch \ erschliel.lt. Mag diese Ideologie ebenso populär sein, wie sie geistig unzulänglich ist. für uns wäre sie ein Abstieg, eine Abdankung, ein Zurück bleiben auf jenem Wege, auf welchem allein der einzige und wahre Fortschritt möglich ist. nämlich die geisl ig-sit I liehe Höhe des Einzelnen. Auf diesem W'ege zur Höhe, zur Erkenntnis. ja Erleuchtung, in diesem Streben dorthin, woher jener unsterbliche Funke stammt, der uns vom Tiere unterscheidet, liegt das. was ich das ewig Jüdische nennen möchte. End darin liegt auch über jeder Forderung des 'Inges und jeder praktischen Politik auch die höchste Idee und die Sendung des neuen jüdischen Staates. Sie ist uns symbolisch und zukunftsweisend zugleich wie in einer Abbreviatur in dem Namen unseres Volkes und Staates gegeben, in diesem Namen, in welchem sich der Begriff des Kampfes, des Hingens und sich Messens mit einer Andeutung des Ewigen und Enfaf.lbaren verbindet, in diesem Namen, der unser aller Zeichen und Wappen ist. im Namen ..Ls ra eL. (Illlllllllllllllillllllllllllllllllllli.lllllllllllllll „Pcltours“ Israeli Heisebüro in Wien ..Pellours". die weltbekannte israelische Heise und Tourislengesellschafl, arbeitet, seit 27 Jahren im Nahen Osten und hat Filialen bereits in der ganzen Welt errichtet. Vom Anfang an hat sich ..Pellours“ zur Hauptaufgabe gestellt, allen nach Israel fahrenden Touristen und Geschäftsreisenden ein besonderes Service zu bilden und Propaganda für die Touristik nach Israel zu machen. Die Kunden werden auf ihrer Heise durch die ..Pelloiirs"-Filialen in Hom, Paris, Marseille usw. bestens bedient und etwaige Schwierigkeiten, die sich in den Transit Hindern oft ergeben, durch dieselben raschest behoben. Nun hat ..Pellours" auch in \\r i e n, bei dem bekannten internationalen Heise- und Touristcnbiirn „Gosmos" Wien I, Kärnlnerring lä, eine Generalvertretung eingerichtet. Die Leitung dieser Israel- A b t e i I u n g hat Frau Friedrich, eine langjährige Beamtin des Palästinaamles, übernommen. Das Büro hofft, vielen Touristen und Geschäftsreisenden nach Israel mit Hat und 'Lat beisichen zu können. TELLER KLEIDUNG 3., Landstraße Hauptstr. 88-90 U 16-2-86 Streng Orth. Koscher RESTAURANT U. CAF£ r>A\ WIEN I, BAUE RNMARKT 10

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