Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 36 (12.5.1950)
- Date
- 1950-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 iZ)ie Stimme Nr. 36 Neue Pläne in Israel Gespräch mit dem Textilindustriellen Erich Möller, dem größten privaten Arbeitgeber Israels New York. April 1950. ..Für au dändhehe. namentlich amerikaniM‘ln* ka pital.sanleger. die an Investitionen in Israel ein Interesse haben, scheint mir die Textilindustrie vor allen anderen die ver heißungsv-ollsten Aussichten in bezug aut einen raschen Erfolg /u bieten. Der bedarf an Kleidung ist in Israel ganz enorm und steht in nichts dem an Häusern und Wohnungen nach. Eine amtliche Untersuchung der Regierung Israels, die vor einem .1 ah re durchgeführt wurde, hat klar ergeben. dal), um auch nur den allerdringlichsten Kleidungsbedarf der Bevölkerung aus eigener Produktion zu befriedigen. noeh mindestens 40.000 weitere Spindeln und 700 automatische Webstühle zu den heute vorhandenen hinzu kommen mühten.“ Diese Feststellung kommt aus dem Munde eines Mannes, der heute Israels größter Arbeitgeber ist und der bedeutendste Textilindustrielle des jungen jüdischen Staates: Erieh Möller, ln Israel braucht man nur den Namen der ..Ata Textile Company. Ltd.“ zu nennen und jeder weiß, daß es sich um das führende Textilwerk Israels in kfar Ata bei Haifa handelt, das über 1000 Arbeiter direkt beschäftigt und daneben indirekt noch vielen Hunderten Brot und Arbeit gibt. Aus der Tschechoslowakei stammend, ist Erieh Möller, der zur Zeit des britischen Palästina-Mandats im Kriege Mitglied des Scientific Board of Research war und Entscheidendes zur Steigerung der Kriegsproduktion im Mittelosten beitrug, heute auch einer der Direktoren des Haifaer Technion und wird oft von der Regierung Israels als Experte in Industriefragen zu Rate gezogen. Erich Möller ist seit kurzem nicht mehr direkt mit der Ata Textile C.o. verbunden und weilt jetzt für einige Zeit in den Vereinigten Staaten, um die Finanzierung eines neuen bedeutenden Unternehmens der Textilindustrie in Israel, das als rein amerikanische Gesellschaft gedacht ist. ins Werk zu setzen. Erich Möller ist sozusagen mit Baumwolle und Spinnen groß geworden. Schon sein Urgroßvater gründete in der Nähe von Nachod in Böhmen eine der ältesten Baumwollspinnereien in Europa, in der Erich Möller 14 Jahre hindurch leitender Direktor und Partner blich. Der in Mährisch Ostrau geborene Industrielle geriet im ersten Weltkriege in russische Gefangenschaft und brachte ß Jahre in Sibirien zu. birst 1920 kehrte er nach Wien zurück. Diese Jahre der Getangenschaft waren aber der entscheidende Wendepunkt in Möllers Leben. Denn in Sibirien geriet er zum ersten Male in engen Kontakt mit den Juden Osteuropas, hier erwachte spontan sein nationales und religiöses Bewußtsein als Jude, sein Interesse für jüdische Geschichte und Literatur. Von 1923 an zog es ihn mit magischer Gewalt nach Palästina, und 192h stand sein Entschluß fest, in das Land der Väter auszuwandern. Aber erst 1934 konnte er ihn verwirklichen. In Erez Israel giindete er damals mit dem relativ kleinen Kapital von 30.000 Pfund Sterling die Spinnerei und Weberei Ata Textile Go., die im zweiten Weltkriege ein Hauptlieferant der britischen Armer für Uniformstoffe wurde. Die Pläne für die Moller-Dee Corporation ..Ich bin hier." führte Erich Möller auf meine erste Frage nach dem Zweck seines amerikanischen Aufenthaltes aus. ..um die Finanzierung der neuen Moller-Dee Textile Corporation, die im Oktober v. J. nach den Gesetzen des Staates Delaware inkorporiert wurde, sicherzustellen. Ich bin aus der Ata Textile Go. gänzlich ausgeschieden und widme mich jetzt ausschließlich dem neuen Unternehmen, das den Bau und den Betrieb der größten und modernsten Textilfabrik in Israel zum Gegenstand hat. Es bandelt sich hier, wie ich nachdrücklich betonen möchte, um eine rein amerikanische Gesellschaftsgründung, und dem amerikanischen Publikum ist damit Gelegenheit geboten, Aktien der neuen Gesellschaft zu erwerben. Wir offerieren dem amerikanischen Publikum zum Kauf 500.000 Aktien der Moller-Dee Gorp. zum Preist» von 5 Dollar pro Aktie. Der gesamte Ertrag der Zeichnung wird den Bau und die Einrichtung eines hochmodernen Textilwerks finanzieren, das Baumwollgarne und Gewebe hersteilen und verkaufen wird. Die Gesellschaft wird ihr Geschäft in Israel als eine amerikanische Corporation führen, was den Aktienkäufern die Gewähr bietet, daß sie ein amerikanisches Wertpapier, eim» amerikanische ..seruritv“ erwerben. ,.Wo wird die neue Textilfabrik errichtet werden, und wieviele Arbeiter wird sie beschäftigen?“ ..Wir haben nördlich von Naharya von der Regierung ein vorzüglich gelegenes lndustriegelände von 125 Acres im V'ege der Pacht auf 99 Jahre erworben. In den Werkstätten werden wir zunächst einige hundert Arbeiter einslellen und vorerst amerikanische Baumwolle verarbeiten. Früher benutzte' die Textilindustrie in Palästina fast ausschließlich ägyptische Baumwolle. Aber seit dem Abbruch der Handelsbeziehungen in Verbindung mit dem jüdisch-arabischen Kriege* sind wir mehr und nrnlir auf ainerikanische Rohbaumwolle* ange*wiese*n: ob mul wann ägyptische Rohbaumwolle* wieeier zur Verfügung stehen wird, ist vorderhand ganz unge*wiß. Auch Inelie*n wird in ge*ringere*m Grade* als Importeur für Baumwolle* für uns in Betracht komme*n." ..W'elcher unmittelbare Anlaß bestand für die Gründung eler Moller- I)e*e* Gorporalion?" —,,I)as werelem Sie* am besten e*inse*hen. wenn ich Ihnen ein paar Ziffern gebe*. Im gegenwärtigen Augenblick sle*he*n in Israel für elie IIe*rste*llung von Baumwoll-Textilien rund 50.000 Spineledn unel 2000 W'ebstühle zur Verfügung. Davon sind abe*r nur rund 30.000 Spineleln und 300 automatische* W'ebstühle als meielernen Ansprüchen genügen! zu bezeichnen, während der Rest durchaus als veraltet gellen muß. Soll also ele*r he*imische Bedarf in Textilien auch nur annähernel gedeckt we*rden könnem. elann benötigen wir in Israel 40.000 zusätzliche* Spindeln unel 700 automatische Webstiihle. Da haben Sie die Begründung ele*r Existenzberechtigung unseren’ neuen Gesellschaft. Wir werden allerelings anfänglich nur zwischen 5000 unel 10.000 Spineledn in unsere* Fabrik nürellich von Naharya ednhauen. denn zunächst haben wir Operationen wie* Färben unel Malerialvollendung ausgesehaltet. Für diese technischen Proze*sse* gibt e*s in Israel schem hinre*ieilende* Fabrik sein rieh hing.“ Israel ist Kapitalisten gegenüber großzügig Unse*r Gespräch ging zum Schlüsse auf elie* oft geäußerten Beelemken amerikanische*]* Kapilalanleger, Gedd in Israel-Unternehmen zu inve*sliere*n, ein. Erich Möller liegt es besonelers am Herzem, solche* Bedenken als völlig unbegründet zu ze*rstre*ue*n. „Die* Angst amerikanischer Kapitalisten“, so setzt t*r ausednaneler, wird eluredi elie» Tatsache*!] in keine*!* Weise gere*e*htfe*rligt. Ich möedite* ganz besonele*rs unte*rstre*iedi<*n. eiaß unsere Re- Generalrepräsentanz der Atlantic Lloyd Tel ftviv- Haifa bei der Firma Wien I, Graben 10 Oftiziells für alle Flug-, Schilfs¬ und Bahnkarten. flejtauKant „ß.ukaKzst" Orig. Rumänische Rostspezialitäten Mittags und’Abends Rumänische Musik I., Bräunerstraße 7 (beim Graben) Tel. R*26-0-52 DULDNER & DEUTSCH WIEN, VII.. NEUBAUGASSE 10 SEIDENSTOFFE, WOLLSTOFFE gieTimg ausländischen Kapitalisten in jeder erdenklichen Weise eien Bedried) ilire*r Unle*rnehme*n in Israed zu er lededdern und profitabel zu mache*n sucht. Sie* ge’währt ihnen alle* möglichem Loe*kerunge*ii unel Betreuungen von Vorsediriflen. sie* gibt ilniem zahl reiche Anreize*. Bis zu 10 Prozent dürfen sie* elie* Dividenden in Dollars nach USA Iransfe'rieu’en, sie* brauediem für 7 Jahre* keine* städtischen und ländlichen Grundstücksteuern zu entrichten. Alle* Materialien, die* sie* für dem Bau und elie* Einrichtung von Ineluslrieunleumedunem einführem. bleiben zollfre*i usvv. Im übrigen blt'ibe* ich dabei, eiaß gerade elie* Te'xlilinduslrie die* verhält nismäßig e*hanc(*nreie*hsle* in Israel ist. Sie* wollen Beweise? Nun. sie* hat allein um Wende* von t Million Pfund Worsteels und wedleme* Slolfe* exportiert, hauptsächlich nach den skandinavischem Ländern. Unel ist es nicht auch bezeichnend. eiaß Ala Textile Go. hishe*r niemals wemiger als 10 Prozemt Divielemde* ausge'schiitlet hat?“ Man scheidet von Erich Medler mit eIe*r Ge'wißhe'il. eiaß elieser energieerfüllte* Industrielle (*ine*n ne*ue*n Meilenstein auf denn V'ege zur Industrialisierung Israels e*rrichh*t hat. Große Baumwoll- Textilunternehmen Gemeinsam mit den Dee-Werken in (teil USA hat Erich Möller, der aus den Textil-Werken in Klar Ata ausgetretene Gründer und Leiter dieser W erke jetzt eine neue Firma zur Herstellung von Baumvvollwaren in Amerika eintragen lassen. deren 500.000 Shares ä 5 Dollar auf der Börse in den Vereinigten Staaten angelnden werden. Die Gründer des Unternehmens haben 50.000 Shares zu je 5 Dollar übernommen und wollen ihren Anteil verdoppeln, wenn die zweieinhalb Millionen binnen drei Monaten gezeichnet sind. Der Ankauf der Maschinen und sonstigen Einrichtung der Fabrik wird sich nach dem Absatz der Shares richten. Das Rohmaterial für die Fabrikation wird aus den USA, Indien und anderen Ländern importiert werden, wenn nicht veränderte politische Umstände die Einfuhr aus Aegypten ermöglichen. Maschinen usw. werden zollfrei sein. Man rechnet mit der Fertigstellung der Fabrik im nächsten Jahr; mit voller Kapazität würde sie 1952 arbeiten können. Da das Unternehmen mil den modernsten mechanischen Webstühlen usw. ausgeslattet sein wird, wäre bei verringerten Arbeils koslen die denkbar größte Leistung möglich. Errichten will man die Fabrik auf einem zu erwerbenden Gebinde* von 30 Dunum nördlich von Haifa, wo Wasser und gute Verbindungen vorhanden sind. Es sind Bemühungen im Gange, einigen schweizerischen Interessenten, (»ine Beteiligung an diesem Großunternehmen zu •sichern. Die Redaktion unserer Zeitschrift ist in der Lage, schriftlich diesbezügliche Anfragen weilerzuleiten. Kurz-, Wirk- und Parfumeriewaren Artikel fUr den täglichen Gebrauch Fischer fe Mautner WIEN II, Taborstraße 17a