Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 34 (30.3.1950)
- Date
- 1950-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34 Ü.)ie Stimme Seite 3 lUie erklären Sie den nnluemitismus? IflagnBlophonbaiul-flufnahme einer Dishussinn über Probleme des Antisemitismus, abgehalten im Aahmen der Snnderreihe „Das Radioparlamem“ I tei l II ( il llel .1 I .-'I' k I l‘ I ii I I ’ . S III 11| >1 I T Zinll. I ,, U I < I (‘\ ' I I I. I I U | ill ( lesh'ITeiell W i i‘ ii I \. I 11i\ ’i siIii Isst r,11ii• ’i Si'lir üeelirl er 11«ti* * •'■ int.11s«*kreli'ii* ’ t;s M mir eine lehre. Ihrem Kr.-uielmii. i111n111. und ilm l,i"'i in Ihr,'" Hlnlles. <*ini.tii• I-:rl;i1111■ 111n-. n /.uni ..l’.idiii 11.11• 1.11111■ nI*' zu iilirrinillrln. iMehxiikmimieii. V«'I e 11\Yi i r1i„ eil Sie ■'ieli eine 'S. <1,1- (ur, *n i, * 1111 i, 'Ile. K s III, II,|, ■II sieh u m ein It.idi,!T,I mm. 1 ■;s \vi irl nes|, mell «'11 uml ,*S \Y in] 1' leml l'l ei ires |in ie 11, Ml iiinl VH II viele II ZlllUe iell Mell ,",rl. In mli ■ r, ■ 11 \\ < I ] 1 eil. , dir *s, ■ Ile lullen - iml ihr,un Inhell 11.1 ,1 1 1 ill lu einer XV eise v, irl ierei 11 *1 uml Lieben ilnher emler-,;il> lu'im Lmsehrie lii'iii'ii \\iirl. /um liejspiel ein /icinlirli „•elreiies l!ild vmi den AulTiissimp'eii niniu' ,\n/;ilil iiiimiyiii I > I < > i I n ■ n < I' ■ i* (iiisle uns 111»ii ■ i k ti - i st ■ 11. Zu.yli'irli i"l in dm drei I lehn11i'i'i'dniM'ii srllisl immer iiurli di'1 rc|H'.ism in Iivi' Mninmi.r; um IleLrirrmms mul I ’.11• 11■ is11> 11<*11. 111m*11si■ 111111■ 11 usw. er - I i'rlm. In diesem Si11111■ I>i111> ii*Ii diu verelirlen I,tsiT tlii'us UUitli-.. diu fi>11/1■ 11di* Windei* yiiilin /u vurslnliuii. I );is ..Itcidin-1 ’.i rin 111'*iiI d;is ich um •js. NiivuiiiIht v. .1. ins Leben ricl*. hui sich liuiniilil. diese!•' r.i ^;'( * des Antisemitismus ebenso frei miil irr. un/msuriei'i und deiimkniliseli zu I iel i,i ndel n, wie die;i k 11 nd 1 ei i und nllireniein in I eressiereiulen l''r;iimii. die ,in .indereii Mniibi.uen. uni *J I l tu*, di'-kulierl wurden. Wenn dii'se Versicherung, verelirler Herr (iener.ilsekrebir. bei den l.esern der . .SI i n 1111 e *' ihre ISesliiliiom^ linden kiinn. sn hnl diese Sendimv sieherlieh ihr Oiilehewirk I. Mil dem Ausdrucke meiner vur/uri'lirli ■ "■'Uli I lnr!i;irhl mm verhleihe ich ernebensl Ihr * li.uiiel lirier Heiüsseur Sender,iuii|i|ie Hut-Weib-dbd silldin Wien Vorsitzender Daniel B r i e r: Aloitio .Dämon und Herron! Wonn Sio houto in i'inom Geschäft oino Ware kaufen und diese Ware erweist sich kurze Zeit, später als verdorben, so haben Sie recht, wenn Sie auf den Verkäufer Müller, Maier oder Braun .schlecht, zu sprechen sind. Wenn Sie aber auf jemanden schlecht zai sprechen sind, bevor Sie bei ihm gekauft haben, allein deswegen, weil er Aliiller. .Maier oder Braun heißt, dann sind Sie offenbar einem Trugschluß unterlegen. Vielleicht, bezweifeln Sie, daß es so etwas gibt.. Ich möchte Ihnen aber sagen, daß es das tatsächlich gibt. Antisemit sein heißt, oben diese Balligkeit besitzen, einen anderen zu verurteilen, bevor es noch zu einer persönlichen Bekanntschaft gekommen ist und Antisemitismus ist; das Argument, mit, dem sich diese Balligkeit rechtfertigt. So gesehen, gibt es Antisemiten verschiedenster Schattierungen in der Welt. Bs gibt, Menschen, die, wenn man ('s ihnen erlaubt, hätte', alle Engländer, alle Brauzosi'ti oder alle Deutschen ausgerottot hatten. \ur waren diese' Völker zu groß und wußten sich wirksam zu wehren. Sit' sollen also, daß \ntisomitisintts auch ('int' praktische Voraussetzung beinhaltet, ich möchte sagen, der Antisemitismus ist ein Ifaßgi'fiihl, das sich auf persönlich unbekannte Menschen erstreckt und dabei den Wog des geringstem Widerstandes geht. Zum zahlenmäßig Kleinsten. zum Nächst wohnenden, zum Juden. Daß wir e'in solches (h'fülil ablehnen müssen, versteht sich von selbst. Die Brage ist, mir, wie' erklärt es sieh? Darauf hören Sie* heute mehrere Antworten. Zunächst spricht Dr. Daniel Dow i n (Beifall). Herr Dr. Lewin ist der Vertreter des jungem Staah's Israel in Österreich. Br ist Jurist, und war einer der Vertreter < 1 e*r Jewisli Agency in I teilt schland und Iml, seine eigentliche Heimat in oine'i* Sie'dhmg nicht we'it von llaifn. die er selbst, mit aufhauen half. Weitere Antworten auf unser»' Brage hören Sie wie üblich von den Sprechern der beiden großen Harteien. Die österreichische Volkspartei ver- 11 i 11 Herr I ’ roll'sso i* I )r. < >1 I o Dobrow o I n y. ( Lebhafter Beifall.) Herr Professor Dobrowolny ist der Leiter des politischen Seminars der österreichischen \ olkspnrtei und vor allem durch seine journalistischen Beiträge bekannt. Schließlich hören Sie heute den Präsidenten des Wiener Landtages. Herrn Bruno M a r e k. (Lebhafter Beifall.) Herr Landtagspräsident Marek ist, außerdem Direktor der Wiener Messe A. G. und vor allem Vertreter der Sozialistischen Partei. Wie erklären Sie den Antisemitismus? Herr Professor Dobrowolny. darf ich Sio um Hirt' Stellungnahme bitten? Professor Dobrowolny: Meine Damen und Herren! Jedes (lastvolk. gleichgültig, welches es ist. wird von der bodenständigen Bevölkerung als ein Promdkörper empfunden und mit wenig Sympathie behandelt. 'Tragen dazu noch religiöse oder nationale Bedingungen. rntersehiede in der kulturellen und sozialen Lebensweise bei. dann kann sich die Antipathie bis zur feindseligen Verfolgung steigern. Solche rntersehiede bestanden seit jeher zwischen der jüdischen und der heimischen Bevölkerung. Anfänglich, in den mittelalterlichen Zeiten, ist es die überaus starke Gebundenheit aller .Menschen an ihren (Hauben, das religiöse Motiv, das als primäre Ursache des Judenhasses zu betrachten ist. Ungefähr mit dem IS. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, verringert sich die Kluft zwischen Konfessionen. Das religiöse Motiv, das zum Judenhaß beiträgt, wirkt nur mehr nach dem Gesetze einer psychologischen Nachwirkung, während nun die Fremdheit des Diasporajuden mit seiner nationalen Eigenart als Begründung fragwürdiger Bassentheorien dient. So geschah es zum Beispiel bei den Nationalsozialisten, deren ganze Politik sich schließlich auf die primitive Pormel reduzierte: Der Jude ist schuld. Bs ließe sich nachweisen. daß weder! eine anthropologische, noch eine sittliche 'Minderwertigkeit des jüdischen Menschen gegenüber den arischen \ ölkern he.-l eht ll11<i d l ß hei a Heil \ ölkeri) und Bassen Stark und Schwach in gleichem Maße verteilt sind. Bs ist, aber ebenso eine geschichtliche Tatsache, daß alle in der Zci- .-11 (‘iiting lebenden nationalen Minderheiten dem grellen Scheinworferlicht einer sehr kritischen Beobachtung durch die bodenständige Bevölkerung ausgesetzt sind, daß jede ihn*]* nationalen Bigenheiten in eine der .Mehrheit, schädigende Untugend imigcdeutel und jede indi viduelle Entgleisung verallgemeinert wird. Der jüdische Händler, der einen Käufer übervorteilt, wird als charakteristischer Vertreter dos Judentums bezeichnet. obwohl ('s auf der arischen Seile (*in (jogonstiirk in vielfacher Auflagt' gibt, wie wir es aus jüngster Vergangenheit und (1 egenwart, wissen. ( Beifall.) Besinnt, man sich auf diese Tatsachen und hält man sich frei von billigen Sehlagworten. dann erscheint der Antisemitismus als eine (lefiihls- und Denkungsarl. die ihre Berechtigung fälschlich aus einer geistigen und sittlichen Überlegenheit über das Judentum herleitet, und die mit ihren furchtbaren Konsequenzen, wie wir sie in den Jahren BUS bis P)45 erlebt haben, mit aller Entschiedenheit abgelehnt, und bekämpft werden muß. (Starker Beifall.) V o r s i t z e n d e r: Ich. bitte Herrn Präsidenten Marek um seine Stellungnahme. Präsident M a r ek: Ich glaube nicht, daß dieses Haßgefühl gegen das jüdische Volk nur mit religiösen oder nationalen Vorurteilen erklärt werden kann. Wir österreichischen Sozialisten wissen aus der Geschichte des Sozialismus in Österreich, daß der Judenhaß in dem jahrzentelangen Kampf der sozialdemokratischen Arbeiterschaft um bessere Lebensbedingungen und um gleiches Beeilt vom politischen Gegner als Kampfmittel in der Absicht verwendet, wurde, die wirklichen sozialen Probleme, vor allem den ökonomischen Gegensatz zwischen Kapitalisten und Proletariern zu verdunkeln. Der Groll der Ausgebeuteten sollte nicht gegen die Klasse der Ausbeuter wirksam werden, sondern nur durch die ..jüdisch»' Habgier“ abgelenkt werden. Daß für diese Gründe die Konkurrenz auf wirtschaftlichem Gebiet ."lots die stärkst!' Triebkrafl gewesen ist. ist, a Heu Wissenden klar. Die ökonomischen Lehren von Karl Marx haben uns erkennen lassen, daß der K Inssengegensatz titia bhä tigig voll nationalen oder konfessionellen Gegen- ,Mit zen immer in aller Schärft' besteht und daß der Kampf gegen jede Bonn der Ausbeutung, gegen jede Bonn der Klussenherrschn ft. gegen jede Bonn der Unterdrückung in logischer Konsequenz dieser Urkenntnis vom Kla.ssenkampf ebenso unabhängig voll nationalem und religiösem Haß geführt, worden muß. Die österreichische Arbeiterschaft hat, diesen llal.s in der Bekenntnis, daß der Antisemitismus nur ein Vorwand ist. um die wahren Gegensätze zu tarnen, immer auf das schärfste abgelehnt. Sit' hat in dem ausgehend et jüdischen Proletarier den K lasscngenossen und Menschen gesehen. Der Sozialismus ist, für Menschlichkeit. für Menschenrecht, für die Gleichheit der Menschen und für ihre Preiheit. Wenn wir daher das soziale Unrecht beseitigen und allen Menschen — also auch den Juden — ihre Beeilte erkämpfen wollen, dann wird der Antisemitismus für immerwährende Zeiten verschwinden. (Starker Beifall.) V o r s i 1 z cn d e r: Danke sehr, ich bitte Herrn Dr. Lewin. das Wort zu ergreifen. Dr. Lewin: Meine Damen und Herren! Bür mich ist der Antisemitismus etwas weit primitiveres als für meine Vorredner und meine Erklärung wird daher viel primitiver sein. Der Judenhaß ist. wie Professor Dobrowolny richtig festgestellt hat, eigentlich gegenstandslos. Der Jude, wie ihn der Judenhasser sieht, existiert nicht. Ich weiß nicht, wie deutlich ein Volkscharakter sein kann; wenn er aller deutlich sein kann, dann gewiß nur in einem Volk, das jahrzelinte- oder jahrhundertelang in einem Land gelebt und eine Sprache gesprochen hat. das die gleichen Gesetze und Sitten besitzt. Zwischen einem jüdischen Arzt in New York und einem kleinen jüdischen Händlerin Polen oder einem jüdischen Arbeiterin einer Siedlung in Israel,- einem Juden, der fast als Araber lebt, gibt es keine gemeinsamen Züge, die nach außen sichtbar sind. Man nennt die Juden, wenn man sie beschimpfen will, manchmal Kommunisten und manchmal Kapitalisten — man beschimpft sie auf jeden Ball. Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen: Als sich Juden zur Auswanderung nach Israel vorbereiteten und den Beruf der Landarbeiter lernten. war eine Gruppe Arbeiter in einem europäischen Lager, die gute Sportler waren. Als die Deutschen schrieben: Die Deutschen haben große sportliche Befolge, sagten sie: W ir sind keine Deutschen, wir sind Juden. Darauf sagte man ihnen: Ihr arbeitet und seid große Sportler, ihr seid keine Juden. Wozu braucht man den Antisemitismus und wer braucht ihn? Ich kann das in der kurzen Zeit, natürlich nur sehr verallgemeinert, sagen. Zwei Gruppen von Menschen brauchen den Antisemitismus: Einmal die Gescheiterten. Wenn, im Mittelalter ein Dauer zu faul war. um seinen Hof zu pflegen oder wenn er Unglück hatte und Vieh und Bruten ihm kaputt gingen, suchte er eine Brau, von der er sagte: Das hat diese Hexe getan; und man verbrannte sie. Bs ist, ein wunderbares Gefühl für die G('scheiterten und Untüchtigen im Leben, vielleicht auch für die Unglücklichen. sagen zu können: Ich hin ein großartiger Mann, der Judo hindert mich. Di»* zweite Gruppe: Die abendländische Welt, die große abendländische Boligion und die moderne Entwicklung der Kultur haben es den Menschen verboten, seine Brau zu schlagen. Oeneralrepräsentanx der Atlantic Lloyd Tel Aviv —Haifa ISRAEL REISEBUERO bei der Firma Capri WIEN E GRABEN io Offizielle Ausgabestelle für alle Flug-, Scliiffs^ und Bafink arten aß— und Visabesorgung