Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1949
- Issue
- Heft 32 (3.5.1949)
- Date
- 1949-05-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 £)ie Stimme Seite 5 Israels Kampf um seine Existenz Jakob Unserer ersten Kiiinprj)<*rio<l<*. welche :im 29. November IP17 ihren \ n I: i n i'enomineii IimI. folgte um <S. .Mürz 1918 ein entscheidender Umbruch. die berühmte ..Nachschon-Akl ion" die Verbindung mit .T(*nis;ilcm zu erzwingen. l)i(‘se Periode war der Übergang aus der bisherigen Selbst Verteidigung gegen Angriffe zu einer breiten (HTcnsive. In der Zeit unseres Yerleidiguugskampl’es ist es uns nicht nur gelungen, unsere Positionen im Lunde zu bullen, sondern mich eines der wichtigsten Probleme zu lösen, die volle Kroll lind nlle Fülligkeiten unseres Volkes zu organisieren, um eine slurke militürisebe Kupuzilül zu schaffen. Die Ilaganah-Fpoche hui eine SehulzmuiKU' gebildet, die l‘iir die Weilerführung des Kampfes von entscheidender Bedeutung wurde. Luter den schwersten Bedingungen wurde die Ilnehschurn (Vorbereitung) l’iir den Angriffskrieg durchgefülirt, zu einer Zeit, als noch die Briten im Lunde wuren. Formell gölten diese Briten nicht uls Feinde, über in Wirklichkeit wnr England der Feind Nr. 1. Die Bestrebungen Großbritanniens wuren in erster Linie dnrnuf gerichtet, nlli' Vorbedingungen zu schaffen. die zu unserer völligen Vernichtung rühren sollten. Und uls die urnbischcn Armeen in Israel eingedrungen wuren, stund neben der lebenswichtigen Abwehr die ebenso wichtige Aufgabe — die Orgnnisntion und Vorbereitung zum Angriff zu lösen. Die Ilngnnnh wurde uns ihrer bisherigen Untergrundbewegung zur israelischen Armee entwickelt und so sehr verstärkt, daß sie die Schlagkraft inner Angriff su r m e e erreichte. Die Ausbildung der Armee wurde unter besonderen Bedingungen durchgeführt, — als Untergrundbewegung. Unter den schwierigsten Verhältnissen muhte gearbeitet werden, während das Land von einem uns feindlich eingestellten Regime verwaltet wurde. Unter diesen Umstünden war es fast unmöglich, eine Luftflotte, motorisierte Kräfte und Arlillerie-Finheiten oder gar eine Seetlolte auszubilden. Trotz allem wurde ein Fundament geschaffen und die llaganah ist zu einem militärischen Potential geworden, auf welches man sicher bauen konnte. Aus kleinen Anfängen, welche in keiner Weise den Bedürfnissen entsprachen, haben wir durch intensive Arbeit und Anstrengungen, welche grobe Mittel erforderten, den notwendigen Prozeß durchgeführl. Fs besteht kein Zweifel, daß wir starke Kräfte zur Sicherung der Zukunft unseres Staates haben müssen, ohne irgendwelche agressive Absichten zu haben. Wenn man einen Blick auf unsere Landkarte wirft, so muß man kein Spezialist für Mililärangelegenheiteu sein, um zu sehen, welche Bedeutung der Schulz für unsere langen, allzu langen tirenz.cn einnehmeu mul.). Man muß die spezifische Form des Landes und besonders den schmalen Landstrich an der Küste, welcher beide größeren territorialen Komplexe verbindet, betrachten. Fs ist klar, daß wir unsere Bevölkerungszahl nicht mit der unserer Nachbarländer vergleichen können. Hier ist ein gewaltiger Unterschied, der sich besonders in der Zeit des Krieges auswirkl. Die Lage ist heute so: Millionen gegen 11underlausendi*. Und wenn sich sogar das Tempo der Alijah verstärken soll (was wir alle hoffen), werden wir auch keinen Ausgleich in der Bcvülkerungsz.ahl erreichen können. Andererseits werden wir kaum imstande sein, eine große Armee ständig zu erhallen. Doi'i. ( ienernlslubsehef der isrneliselm Deswegen müssen wir eine andere Lösung des Problems suchen. Dies« Lösung wird von der Ausnützung ries gesamten militärischen Potentials des .lischuw und des ganzen jüdischen Volkes nhhängen. Jeder Wehrfähige muß auf eine militärische Sin ft» gebracht werden, wie es seinerzeit die llaganah darslellle. Im (irunde genommen liegt hier der Unterschied nur im Maßstab. Wir können jetzt, da wir einen eigenen Staatsapparat besitzen, unter ganz, anderen Voraussetzungen und in größtem Rahmen arbeiten. Mit anderen Worten, wir müssen erreichen, daß wir zu einem kämpfenden Volk werden, im vollen Sinne des Begriffes. Jeder Bürger und jede Bürgerin müssen sich in schweren Zeilen, auch wenn sie nicht uniformiert sind, als Soldaten fühlen, welche ständig bereit sind, unter die Fahne zu treten. Wir haben eine große Reihe praktischer Probleme in diesem Zusammenhang zu realisieren. Das Grundproblem hiervon ist die Mobilisation Der jüdische Staat kann nur bestehen. wenn er seine 'Lore für die Rückkehr des jüdischen Volkes weit öffnet. Diese Tatsache wurde zur Grundlage für den ungeheuren zionistischen Kampf, vom Augenblick an, in welchem zionistische Ideale Gestalt annalmien. Fin Rückblick auf das erste Jahr des Bestehens von Israel zeigt, daß politische Errungenschaften, militärische Siege und die Aliyah aus allen Enden der Welt aufs engste miteinander verbunden sind. Freie jüdische Einwanderung nach Israel gab die Stoßkraft zum Kampf für die Errichtung des Staates. In erster Linie mußten die Tore „für alle Juden, die auszuwandern wünschten oder dazu gezwungen waren“ — nach llerzls Worten —, geöffnet werden. Die bitteren Erfahrungen des zweiten Weltkrieges, die DP-Lager und die politischen Ereignisse vermehrten die Anzahl, die an Israels 'Pore pochten. Die Nachricht von der Errichtung des Staates entfachte in den Herzen der Massen eine große Sehnsucht nach ihrer Heimat, 'rausende packten ihre Habe und begaben sich auf die lange Wanderung. Der Krieg in Israel war noch nicht beendet, unsere Söhne und Töchter kämpften gegen eine überwältigende Übermacht: unsere Siedlungen waren die Ziele Staatspräsident Prof. Dr. GhaimW cizmanu ife: iii? all? * .._ Ulli! Armee und eine stabile Krall, welche jederzeit bereit sein muß. einen Angriff abzuwehren. und die Möglichkeit gibt, alle verfügbaren Mittel zu aktivieren, welche zur Verfügung der Medinah stehen. Dm* einzige Wog hierzu ist die Organisation unseres Militärwesens zur ständigen Bereitschaft, wobei nicht alle militärischen Kräfte im Rahmen der Armee sich befinden müssen. Der Plan dieser Organisation muß genau ausgearbeilet und streng eingehalten werden. Militärische Übungen aller Waffengattungen werden auch dann durchgeführl werden, wenn der Soldat noch nicht mobilisiert ist. Diese Notwendigkeit muß allen Schichten unseres Wilkes zum Bewußtsein kommen. Wir werden auch weiter den Geist der llaganah pllegen, den Geist einer Volksmiliz, in welcher jeder Bürger sich als Soldat fühlt. Diese militärische Organisation wird mit den modernsten Wallen und. allen technischen Errungenschaften ausgestattet werden, und feindlicher Angriffe, auf unseren Straßen wurden wir überfallen, unsere Küsten waren vermint — doch diese Leute kamen aus allen Enden der Welt, trotz allen Gefahren. ■Im Laufe dieses Jahres — seit der Errichtung des Staates Israel — sind nicht weniger als 19b.000 Juden eingewandert, davon 98.000 während der ersten vier Monate dieses Jahres — verglichen zu 20.000 in der glei eben Zeitspanne des vorigen Jahres und 2LÜ00 für das ganze Jahr 1947. Im April 1948 lebten 030.000 Juden in Israel, im Laufe dieses Jahres hat sich der Yishuv um 25 Prozent vergrößert. Die Einwanderung aus den verschiedenen Ländern während des letzten Jahres ergibt in abgerundeten Zahlen folgendes Bild: Deutschland und Österreich 45.000, Bulgarien 35.000, Jugoslawien 8000, Tschechoslowakei 20.000, Ungarn 1000, Rumänien 3000, Polen 1500, Nord- Afrika (Tunis, Marokko, Algier, Tripolis) 22.000, Türkei und andere arabische Staaten 8000, das jemenitische Lager in Aden 5200, Aden 2800. Cypern 23.000, Shanghai 3000, Afghanistan und Pakistan 400, Frankreich, Italien und aus den angelsächsischen Ländern 17.500. zusammen 190.000. Ministerpräsident Ben Gurion *t**t«t«*.. * wenn wir dieses in kurzer Zeit durch setzen können, dann glaube ich. daß wir einen so starken Kralllaklor schalten, welcher uns im lalle einer Gefahr den notwendigen Schutz geben wird. Der (reist dei* llaganah wird weilerbesleheu und jeder Bürger unseres Staates wird alles zum Schutze unseres I leimallandes aufbringen. Die heroische Haltung der llaganah hat uns die Möglichkeit gegeben, die Kräfte zu mobilisieren, um aus der Verteidigung zum Angriff überzugehen. welcher mit den Erfolgen unserer militärischen Aktionen in Je rusalem. im Negev. im Galil gekrönt wurde. Das Geheimnis unseres Erfolges bestand darin, daß wir Kräfte in jeder Hinsicht sammeln konnten, Menschen, Wallen. Erfahrungen, Ausdauer und Mut. Und das alles hat uns schließlich und endlich jene Errungenschaften gegeben, welche wir jetzt ernten. Zur Sicherung des Friedens und unserer Existenzmöglichkeit ist es unbedingt notwendig, über einen großen und schlagkräftigen militärischen Machtfaktor zu verfügen. Die Absorption der Einwanderer ist eine große lind schwere Aufgabe und bildet ein Kapitel für sich. Mit Beginn der Aliyah mußte eine Hotte organisiert und aufgebaut werden. In den Tagen der „Illegalen Aliyah“ kamen unsere Olim in kleinen, nicht immer seetüchtigen Boten. Jetzt fahren sie auf ihren eigenen Schiffen, die hebräische Namen tragen, mit jüdischer Besatzung, unter Israls Fahne. Die „Negba“, „Galila“, „Atzmaut“, „Kommemiyul“, „Theodor Ilerzl“, „Carmel“, ..Eilat“ fahren auf hoher See und viele andere werden ihnen bald folgen. Die Alijah mit ihren Mühen und Kämpfen wird eines 'Tages den kommenden Generationen als ein großes Wunder erscheinen. Es wird beabsichtigt, noch weitere 150.000 Juden bis Ende dieses Jahres nach Israel zu bringen und somit soll die Gesamtanzahl der Einwanderung für 1949 eine viertel Million betragen. Es ist das Ziel unserer Regierung lind der zionistischen Bewegung, den Yishuv im Laufe von drei bis vier Jahren zu verdoppeln. Unser Volk verlangt es und die Situation erzwingt es; wir müssen so viele retten, als es irgend geht. Wir müssen alle Gefahren überwinden und unser Volk aus der Schande des Exils erlösen. Und unser Land muß aufgebaut werden, unser Staat muß eine feste Grundlage haben, seine Sicherheit muß verstärkt, das Zerstörte wieder aufgebaut werden. Das Brachland muß urbar gemacht und seine Bodenschätze entwickelt werden. Wir hoffen, bis Ende 1949 alle Flüchtlinge und DP.s herübergebracht zu haben und die Lager, in denen die Überreste unseres Volkes die Befreiung ihrer Heimat sehnsüchtig erwarteten, zu schließen. Gleichzeitig treffen wir Vorbereitungen für eine gut organisierte Einwanderung aus jüdischen Zentren - die Initiative und Schöpferkraft mitbringen wird ----- für ein Volk, welches das Land aufbaueu und ihr eigenes Leben darin umformen will. Für die Aliyah soll sich das Judentum dieser Länder vorbereilen, physisch und geistig, in Gedanken und in Taten. Jerusalem, April 1949. 3)er Staat Israel und die JUifah Von Itzliak Rupliael (Werfel), Leiter der Immigrationsabteihing der Jewisli Agency