Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1949
- Issue
- Heft 32 (3.5.1949)
- Date
- 1949-05-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 iZ)/e Stimme Nr. 32 Die Staatigründung Israels und der amerikanische Zionismus Hose L. ITiilprin National President of Iladassnh Die ökonomische Entwicklungslinie Kliozor Kaplan, Fiiiuimiimisfcr dos Staates Israel Am Ijar leiert Israel den ersten Jahrestag seiner Wiedergeburt und l nabhängigkeit. Die grolle Errungenschaft wurde ein Wunder genannt. Doch dieses Wmnler ist mit Hint. Seliweil.i und Tränen jener entstanden. die dieses Wunder geschalfen haben: durch die Hingebung. Treue und Unterstützung aller, die dahei mithalfen. Die FTriehtung des Staates Israel als eine souveräne politische Einheit hat alle .luden lief berührt. Das weniger greifbare, aber wichtigste Ergebnis des zionistischen Programms — die Errichtung des jüdischen Staates würde den .luden in aller Welt eine neue Würde gehen — scheint der Verwirklichung nähergerückt. ln den Vereinigten Staaten hat sich der Fon der Presse last über Nacht geändert. Die Berichte über den Staat Israel reflektierten Amerikas wahre Bewunderung für Tapferkeit und Mut in der Sache der Unabhängigkeit. Amerika hat eine traditionelle Sympathie für Völker, welche für ihre Freiheit kämpfen, und Milgefiilü für die Schwachen, welche tapfer genug sind. die Starken zu bekämpfen. Obgleich jetzt das politische Ziel (Urs Zionismus erreicht ist. wissen wir doch, dal.! die Verpflichtungen der zionistischen Bewegung noch nicht erfüllt sind und da 1.1 sich die .luden aul.lerhalh Israels nicht ihrer Verantwortung entziehen können. Natürlich können die ganzen Folgen eines so ungeheuren Geschehens wie die Errichtung des jüdischen Staates nicht abgeschätzt werden. Monatlich kommen gegen 30.000 Einwanderer ins Land. Es gibt keinen Präzedenzfall in der (ieschichte für (dm* so große Einwanderung in ein so kleines Land. Ungeheure (.ieldsummen werden benötigt, um diesen Juden, die so lange Zeit in der Verbannung leben mul.lteil, eine Lehensgrundlage zu geben. Der United Jewisli Appeal bat sich zum Ziel gesetzt. 250 Millionen Dollar zu sammeln. Es ist erfreulich, daß die ganze jüdische (jemeinde entschlossen ist. dieser enormen Forderung zu begegnen. Die amerikanischen Juden - als größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels — halten es für ihre Pflicht und ihr Privileg, dem jungen Staate bei seiner schweren Aufgabe erfolgreich beizustehen. Hadassah. die grüßte zionistische Organisation in den USA, breitet ihre 'Tätigkeit auch aut Israel aus. indem sie den medizinischen und sozialen Forderungen der Funwanderer entgegenkommt. Als Frauenorganisation hat sie die einzigartige Gelegenheit. den Standard des jüdischen Heims zu heben. Die Frauen der Hadassah. als Allgemeine Zionisten, können auf das jüdische Lehen Amerikas einen gesunden. heilsamen Einfluß ausüben, weil sie unparteiisch sind. Dieser Einfluß hat zu guten lind nützlichen Besultaten in Israel geführt. Das Parleizugehürigkeitsgefiihl in Island ist aus verständlichen Gründen sehr stark und intensiv. Israel muß, wenn es als normaler und demokratischer Staat wachsen und sich entwickeln soll, den Begriff der Staatsbürgerschaft der über der Parfeizuge- WERBEDRUCK ZEI rSCHIUFrBNVKRLAC, HERMANN HALPERN Wien IX,Mari;innenga8se21 hörigkeif steht — pllegen. Dies soll kein Vorschlag für ein Einparteiensyslem sein: der beste Schulz für eine wahre Demokratie ist (»ine gesunde Opposition. Docdi die Integrität einer Nation verlangt, daß die Parteien ein Instrument des Staates im nationalen Dienst sind. Dies sind die Probleme, welche nicht nur die amerikanischen, sondern die Juden in der ganzen Well berühren. Mit großer Demut hat Amerika die Führung, welche ihm unterlegt wurde, übernommen. Wir wollen inbrünstig hoffen, daß nie mehr in der Geschichte Juden die* Opfer unwissender Vorurteile oder der Launen von Diktatoren sein werden. Wir alle luden und hoffen, daß Israel ein Land des FTiodens und Gedeihens sein wird und daß. wo immer Juden leben werden, sie es in Würde. Frieden und Sicherheit tun können. Der jüdische Staat wurde1 durch die Zionistische Weltorganisation und die Jewisli Agency geschaffen. Die Idee des Staates und die praktischen Vorbereitungen wurden von diesen Organisationen getragen. Rückblickend scheint uns, daß die zionistischen Kongresse 'Vorgänger für die Knesselh waren und die Leitung der Jewisli Agency eine Vorbereitung für die Regierung Israels. Der Beschluß, den jüdischen Staat auszurufen, und seine Proklamation wurden auf einer Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation, die im April Ht-LS in 'Fel Aviv stattfand, angenommen. Es war unvermeidlich, daß die Errichtung des jüdischen Staates Änderungen in den Funktionen der zionistischen Organisation und der Jewish Agency mit sich brachte, und es wird längere Zeit beanspruchen, bis diese Änderungen sich kristallisieren und klären. Es ist klar, daß die Regierung Israels nicht imstande ist. zu ihren anderen Lasten auch die Verantwortung für die größt“ IGnwanderung und Absorbierung o h n e Hilfe des jüdischen Volkes zu tragen. Der jüdische Staat ist das unentbehrliche Instrument für die Lösung des Problems der jüdischen Heimatlosigkeit. Das jüdische Volk muß dieses Programm finanzieren, und die Jewisli Agency ist sein Agent für (1 ii •sen Zweck. Fdne Immigration von 200.000 Menschen jährlich erfordert ein Kapital von 250 Millionen Dollar, da der Unterhalt für einen Funwanderer zirka 1000 Dollar beträgt, bis er auf eigenen Füßen stehen kann. Das Fünkommen der Jewisli Agency beträgt ein Viertel dieser Summe. Der übrige, weil größere 'Feil muß durch Anleihen und private Investitionen zusammengesetzt werden. Wenn solche Hilfsquellen sich nicht finden, werden wir gezwungen sein, den allgemeinen Lebensstandard — Nah- Das erste Jahr unseres jungen Staates war nicht nur durch militärische Erfolge gekennzeichnet, cs ist auch der neuen Regierung trotz der schwersten Bedingungen gelungen. die ökonomischen und bilanziellen Probleme zu meistern. Die Hoffnung unserer Feinde, die unsere Überlegenheit auf dein Schlachtfeld anerkennen mußten, daß wir unter den ökonomischen Schwierigkeiten zusammenbreehrn werden. wurde auch darin glücklicherweise gründlich enttäuscht. Dieses war nur durch die totale Mobilisierung des Jisclmw und durch die außerordentlichen Leistungen seiner Menschen möglich gemacht worden. Die gute Organisation unserer staatlichen Institutionen, die Konzentrierung aller Hilfsquellen. die Mililärsleuer und alle anderen normalen staatlichen Steuern haben uns die Kräfte1 gegeben, schier rung, ärztliche Fürsorge, Wohnung. Kolonisation - - zu senken. Die andere Alternative ist die Verringerung der Immigration auf einen den finanziellen Mitteln entsprechenden Stand. Doch gegen diesen Entscheid wehrten sich sowohl die Jewisli Agency als auch die Regierung Israels und so übernahmen beide die Verantwortung. Ein bemerkenswertes Beispiel für Zusammenarbeit zwischen Regierung und der Jewisli Agency haben wir auf dem Gebiet des llünserbnues für die Einwanderer. Eine Wohnung ist der Schlüssel zur Beschäftigung und damit zum Selbslunterhalt. Daher sind die Kosten für Wohnbau die konstruktivsten Ausgaben. Die Jewisli Agency in Zusammenarbeit mit der Regierung Israels und dem Jüdischen Nationalfonds hat die Wohnbau-Gesellschaft „Amidar" gegründet, mit einem Grundkapital von IL 5,000.000. Durch Verkauf israelischer und ausländischer Schuldscheine — hauptsächlich in den USA — hoffen wir weitere IL 12,000.000 aufzubringen. Das erste Bauprojekt umfaßt 20.000 Wohneinheiten, welche aus einem Raum, Küche und Badezimmer bestehen und drei bis vier Personen Unterkunft gewähren sollen. Die Miele wird gegen 15% vom Einkommen der Bewohner betragen. Wintere 20.000 Wohnungen, sollen bis Faule 1050 vollendet werden. Es besieht jedoch Bedarf für die doppelte Wohnungsanzalil. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist die ,,Amidar“ das bedeutendste nationale Wolmbauprogramm, welches je von einer Nation unternommen wurde. So gibt der jüdische Staat im ersten Jahr seines Bestehens ein Beispiel für Zusammenarbeit zwischen der Regierung Israels und der Je wisli Agency, welche sich zum Wolde für Israel und das jüdische Volk aus wirken wird. unüberwindliche Probleme zu lösen. Das stellt ein wunderbares Zeugnis unserem jungen Staat aus, welcher im ersten Jahr seiner lUxislenz eine derartige Lebenskraft beweisen konnte. Der lisehuw hat eine große Opferwilligkeil bewiesen, eine Opferwilligkeil, zu der nur ein Volk fällig ist, wenn es weiß, daß es um seine Existenz gehl. Die militärischen Aufgaben wurden erfüllt und sind beendet. Aber die ökonomischen Probleme noch nicht. Zwei wichtige Voraussetzungen für die ökonomische Füllwicklung wurden im ersten Jahre des Bestehens unseres Staates geschaffen: die definitive Slaalsgründung und der Frieden. Es gilt jetzt eine stabile ökonomische Füxisfenz für die immer steigende Anzahl unserer Bürger zu schal feil. 10s ist unser Wille, unsere Bevölkerungszahl im Laufe der nächsten vier Jahre zu verdoppeln. Schon im ersten Jahr haben wir bewiesen, daß die große Füiiwanderungsplanung nicht nur in der Theorie besteht. Im Laufe der ersten neun Monate haben wir trotz des Krieges 103.000 Menschen angesiedelt. Unsere Bevölkerung hat sich dadurch um 20 Prozent vermehrt. Gewaltige Arbeiten und Planungen müssen durchgeführt werden, um die wirtschaftliche Existenz einer verdoppelten oder noch größeren Fünwolmerzahl zu sichern. Die Gründung neuer Städte, die Agrarwirtschaft, Straßen- und Bahnbau, die Bewässerung der Wüste, die Schaffung von industriellen Unternehmungen, die See- und Luftflotte sind nur ein Feil der Probleme, die wir in verhältnismäßig kurzer Zeit zu lösen haben. Fun großer Teil unseres Landes liegt seil 2000 Jahren brach und verwüstet und es ist jetzt unsere Aufgabe, diesen Boden urbar zu machen. Die große Ansiedlungsaklion und ihren Aulhau werden wir nicht allein aus eigenen Kräften leisten können. Die* neuen Olim müssen nach ihrer Ankunft in jeder Weise unterstützt werden. Die breiten Massen müssen zu produktiven Arbeitskräften geformt werden und wir müssen ihnen entsprechende Arbeilsmöglichkeiten geben. 500 Millionen Dollar sind erforderlich, um 200.000 Olim anzusiedeln. Fun großer 'Feil dieses gewaltigen Betrages muß für den I läuserbau aufgewandl werden. Unsere eigenen Funkiinfte betragen jährlich 150 Millionen und wir hoffen, daß wir in den nächsten vier Jahren die allgemeinen Staatseinkünfte werden verdoppeln können. Nur mit der Unterstützung des Welljudeiilums, dessen Ptlieht es ist, alle \nslreiigungen zur Aufbringung dieser gewaltigen Summen, welche den Aufbau in Israel gewährleisten werden, ist es möglich, unsere Planungen zu verwirklichen. Kapitalisten, Techniker und Wissenschaftler, welche sich in fremden Ländern bewährt haben, werden nach Erez kommen und dort wird ihn* Tätigkeit und ihre Fälligkeit zum Aulbau der «Wirtschaft des Landes beitrugen. Die Investition dos Privalkapilals wird eine wichtige Rolli* in der Ökonomie und Industrie einnehmen. Die Mobilisierung aller Kräfte des Volkes, Arbeit und Kapital, wird das Fundament der ökonomischen Enlwicklungslinic sein und damit die Lebensgrimdlage für die Zusammenfassung aller Juden in der Medinalli Israel. PAPIERFRANKL '!!ll!l!liill!li!il!llllllllll!ll!lll!llll!ll!llll!!llllllllll!IH GroRos keiner in Packpapier, Kanzleipapicr, Duichschln£>pcipicr usw. Papier Großhandlung Viktor Frankl T«i«f«i» u < t 9 4«) Wien III, Otzclt^üsse i b Das erste Jahr des jiidisdien Staates Dr. Israel Goldstern Schatzmeister der Jewisli Agency