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Die Stimme · 1948-11-06 · Heft 26 (6.11.1948) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 26 (6.11.1948)
Date
1948-11-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 26 3)ie Stimme Seite 3 CHAIM WEIZMANN der erste Präsident Israels tritt Die Ankunft Prof. I)i\ Weizmanns in Israel erweckte größtes Interesse im ganzen Lande. Ls wurde ihm ein ungeheures Willkommen auf dem Flugplatz bereitet. Kr lieg aus Genf in einer P.C.-4. dem ersten Flugzeug der Jsraelisehen Aviation Co. In seiner Begleitung befanden sieh Frau Doktor Weizmann, der berühmte Arzt Prof. Dr. Zondek und IJr. Bergmann. Direktor des Weizmannschon Forschungsinstituts. Auf dem Flugplatz wurde Dr. Weizmann von einer gewaltigen Menschenmasse und von Mitgliedern der Regierung herzlichst begrüßt; unter anderen befanden sieh Eliezer Kaplan, Finanzminister, Dawid Remez, Verkelirsminister, Zeev Scherf, Regierungssekretär, vertrat Ben Gurion, Dr. W alter Eytan aus dem Außenamt Mosche Schertok. Letzterer hatte auf seinem Weg nach Paris mit Dr. "Weizmann in Genf eine Zusammenkunft. Andere hohe Vertreter der Armee-. Luft- und Marino-Streitkräfte sowie der Polizei waren anwesend. Dr. Weizmann nahm die Parade der Ehrengarde auf dem Flugplatz ab und war tief gerührt über das warme Willkommen, das ihm als Präsidenten der jüdische Staat bereitet hatte. Er wurde von einer Ehrentruppo nach Rechovot geleitet. In seiner Ansprache an den Staatsrat sagte Präsident Weizmann: ,,Ich kam viele Male hierher zurück, doch vier Daten verdienen besonders erwähnt; zu werden. 1907 war cs nach dem Haager Kongreß, der einem Kampf für eine Synthese zwischen politischem und praktischem Zionismus gefolgt war. 1918, nach der Balfour- Dcklaration, unserer ersten politischen Errungenschaft. Das Jahr 1944, gegen Ende des zweiten Weltkrieges, zeigte uns, daß die Errichtung des Staates Israel eine unbedingte Notwendigkeit ist. Während dieser Zeit verwandelte sich das Land in einen Staat, eine politische Realität, die von der Welt anerkannt wurde, und wir können seiner entscheidenden Entwicklung in der Geschichte unserer Nation entgegensehen. ..Diesmal“, fuhr Prof. Weizmann fort, ,.komme ich nach einem politischen Kampf am Forum der Vereinten Nationen, welcher zur Anerkennung unserer Forderungen führte. Ich komme nach den Kämpfen auf dem Schlachtfelde und nach der Gründung unseres Staates. Ich komme als Bürger des Staates Israel! Diese Errungenschaften verdanken wir der großen Arbeit., die in diesem Lande während der letzten dreißig Jahre geleistet wurde. Dieser Augenblick ist groß und heilig für midi. Ich denke, es ist der richtige Augenblick, allen, die Zion aufgebaut haben, unsere Anerkennung zu zollen. Laßt uns derer, die bei seiner Verteidigung fielen und auch all der Millionen gedenken, die in Europa niedorgemetzelt wurden und mit ihrem Tod den heiligen Namen geweiht haben.“ Die große Elire, die Sie mir erwiesen haben, legt eine große Verantwortung auf mich. Ich werde mein möglichstes beitragen, um mein altes politisches Prinzip, von dem ich mich bis jetzt habe leiten lassen, fortzuführen: .Durch Gerechtigkeit, wird Zion erlöst werden und durch Rechtschaffenheit werden sie zu Zion zurückkehren.4 Der Krieg ist; uns aufgezwungen worden. Wir werden den Staat mit all unseren Mitteln verteidigen. Wir kämpfen für die Kxistenz unserer Nation und ich möchte bei dieser Gelegenheit nochmals betonen, daß das jüdische Arolk ein friedliebendes Volk ist und wir sehnen allo den Tag herbei, an dem wir das Schwert gegen die Pflugschar tauschen können. Ich hoffe und bete, daß dieser Tag nicht fern ist. In dieser schweren Stunde möchte ich David Ben Gurion, dem Premierminister. der in den dunkelsten Stunden am Steuer stand, Eliezer Kaplan, Mosche Schertok, Josef Sprinzak. allen, die in diesen schweren Zeiten die Verantwortung für den jungen Staat tragen. wünschen, daß sie stark und mutig sind, weise und verständnisvoll. Ich habe Gelegenheit gehabt, die Arbeit Mosche Shertoks zu beobachten und ich glaube, wir können mit Recht sagen, sie hätte nicht besser sein können. Jede politische Erfahrung, die ich während meines langen Lebens gesammelt habe, will ich vorbehaltlos in den Dienst des Staates stellen. Die beste Garantie für unseren Erfolg ist der Wille, unseren Pflichten mit aller Befähigung nachzukommen. Nur das Interview mit Tel Aviv, 27. Oktober. Oberst Yadin, der 31jährige Befehlshaber der israelitischen Armee in Nordpalästina, gab Kenneth Bilby, dem Korrespondenten der „New York Heralcl Tribüne“, ein Interview. Er wiederholte die Feststellung David Ben Gurions, daß die ägyptischen Streitkräfte, die 20.000 bis 30.000 Mann umfassen, zerschlagen sind. Eine ägyptische Brigade von 2000 bis 3000 Mann ist in der Faluja- Tasclio eingeschlossen, eine andere bei Majdal-Isdud umzingelt; größere Einheiten befinden sich bei Jerusalem in einer „Tasche“ und können nur durch König Abdullahs Arabische Legion gerettet werden. Oberst Yadin sprach sich begeistert über die Heldentaten der israelischen Piloten aus. Der Großteil der ägyptischen Flugzeuge wurde durch Bombenangriffe auf Tel B o e r s h e b a, 25. Oktober. Die israelische Negev-Armee cröfTnete die Land- und Jloeresstraßen durch Siidpalästina für den allgemeinen Verkehr und säuberte Beorshoba von Landminen. Die 3000 Einwohner dieser Stadt sind schon vor vielen Tagen gellüchtet. Zusammen mit zirka 20.000 arabischen Wüstenbewohnern, größtenteils Nomaden, gehören sie nun zur großen Schar der arabischen Flüchtlinge. Die biblische Stadt, berühmt durch ihre Quellen, an denen einst Abraham und Abimelech zusammentrafen, liegt zwischen sanftabfallenden braunen Hügeln. Nur das spiralenförmige Minarett; ihrer llauptmoscheo — jetzt Beobachtungspunkt der jüdischen Wache — lieht sich scharf vom llorisein Amt an Beste ist gut genug für das \ olk Israel. Ich wünsche Ihnen Glück zu Ihren ersten Schritten. Mögen sie dem Staate Größe und Frieden bringen.“ Weizmann untertützt Stellungsnahme der ZOA In Genf wurde Präsident Weizmann von Bartley Orum, Herausgeber des ...New York Star“ interviewt. Crum kommt aus Israel, wo er in besonderer Mission im Aufträge Präsident Trumans weilte. Bezug nehmend auf die Entscheidung der letzten Sitzung des Aktionskomitees, lobte Präsident Weizmann die geschaffene Trennung zwischen der ZOA und der Regierung Israels. Er erklärte sich in jeder Hinsicht mit der Stellungnahme Dr. Silvers . und Dr. Neumanns bei den Sitzungen in Jerusalem und Tel Aviv einverstanden, welche von allen Parteien, außer der Mapai, unterstützt wurde. „Es ist eine scharf umrissene Tatsache. Die Bürger Israels sind Israeli; die Bürger der Vereinigten Staaten sind Amerikaner. Man kann eine Parallele zwischen Iren und Amerikanern irischer Abstammung ziehen. Das ist eine ganz normale Beziehung. Er hat Sympathie für Irland, er verfolgt irische Angelegenheiten mit Interesse, er besucht Irland gern und hilft Irland, wo er kann. In derselben Lage werden sich die Juden befinden. Die Jewish Agency for Palestine, die die Juden außerhalb Israels vertritt, wurde bei der Sitzung des Aktionskomitees in Jerusalem vollkommen von der israelischen Regierung getrennt. Die israelische Regierung besteht aus palästinensischen Juden. Die Jewish Agency übt keinerlei politischen Einfluß auf Israel aus. Und so soll es sein.“ Oberst Yadin Arisch — einer ägyptischen Flugbase bei der Grenze Ägyptens — vernichtet. Betreffs des Befehls Dr. Bunches, die Positionen vom 14. Oktober wiederherzustellen, äußerte sich Oberst Yadin: „Wir würden das Datum vom 14. Mai vorziehen.“ Er zeigte an Hand einer Landkarte die großen Erfolge südwestlich Jerusalems, wodurch die Breite des jüdischen Korridors nach Jerusalem streckenweise verdoppelt wurde. Yadin erklärte, der ägyptische Bericht über die Versenkung ihres Flaggschiffes „King Farouk“ sei den Juden willkommene Nachricht. „Unsere Marine berichtete, daß sie den ,Iving Farouk4 nachts angegriffen hätte, aber das genaue Ergebnis war uns bis jetzt nicht bekannt.“ zont ab. Die von den Briten erlmute Polizeistation hißt den Davidstern. Ara,bische Gefangene räumen die Trümmer, die von den jüdischen Luftangriffen verursacht wurden, weg. In den niedrigen braunen und weißen Häusern sind die 'Truppen, die ihren Weg nach Beorshoba erkämpft haben, untergebracht. Der Oberstleutnant, der die erfolgreiche Einnahme der Stadt befehligt hat, erzählte, die Ägypter befänden sich im Hebron und hätten bis jetzt noch keinen Versuch zur Rückeroberung der Stadt unternommen. „Durch die Eroberung Beershebas“, fuhr er fort, „besitzen wir eine Schlüsselstellung, die dien ganzen Negev beherrscht und haben so die Belagerung unserer Siedlungen zunichte gemacht,“ Korrespondenten besuchen Beertheba der Hs)eit Heuer {Krieg in {Palästina In ihrem Leitartikel vom 20. Oktober bespricht die „New York Ilerald Tribüne“ die Kämpfe im Negev und führt, unter anderem aus: „Ob der Waffenstillstand — oder was von ihm übriggeblieben ist — weiter bestehen kann, ist bis jetzt noch nicht sicher. Die arabischen Staaten haben ihre eigenen tiefgehenden Differenzen und sind aufeinander eifersüchtig; transjordanische, syrische und libanesische Truppen haben keinen Versuch unternommen, die ägyptischen Truppen zu befreien. Alle Feuereinstellungs- oder Waffenstillstandsbefehle haben sich als unzulänglich erwiesen, gleichgültig, ob sich dio Kämpfe weiter ausbreiten werden oder nicht.“ „Wird es möglich sein, die neuen Kämpfe zu begrenzen oder ihnen Einhalt zu gebieten — sicher ist. daß die Basis des Bernadotte-Planes schon untergraben ist. Das Wesen dieses Planes war der Status quo — mit einbegriffen die Anerkennung Israels als eine bestehende Nation einerseits und eine Neugestaltung der Grenzen, wie sie durch militärische Operationen bestimmt wurden, andererseits. Araber und Juden verwarfen diesen Plan. Jede Seite versuchte, während des Waffenstillstandes ihre Truppen für neue Kämpfe vorzubereiten. In solch einem Waffenstillstand gibt es keine Stabilität, und wenn er auch zeitweilig wiederhergestellt werden kann, so ist er doch dazu verurteilt, früher oder später zusammenzubrechen.“ ^Die Vereinten Nationen können keine Lösung ohne eigene Truppen durchsetzen. Es ist auch nicht vorauszusehen, wie sie — auch wenn sie noch einen „Plan“ erzeugen — beide Seiten dazu bringen können, diesen anzunehmen. Werden sie jemals diejenigen verurteilen können, die diesen ,Plan‘ verletzen oder sich weigern, ihn anzunehmen?“ „Der endgültige und dauernde Ausgleich kann nur geschaffen werden auf Grund aktueller Kräfte — militärischer, ökonomischer und moralischer.“ „Es ist fraglich, ob die LTN mehr tun könnte oder sollte, als ihre Entscheidung aussprechen. Ein Teil dieser Entscheidung steht aber fest, Israel ist ein Staat und sollte als solcher anerkannt werden. Dieses ist eine unwiderrufliche Tatsache und ist als solche in die Geschichte eingegangen. Y ieles andere ist unklar; aber eines scheint sicher, daß Israels endgültige Grenzen nur durch seine eigene Kraft entschieden und gehalten werden können, und das ist etwas, was ein Waffenstillstandsbefehl nicht, erwirken kann. Vielleicht wird man dieses auch in Paris einsehen.“ Israel führt Ui der .Aufnahme roii 3)&s. ln den letzten zwei Monaten hat; Israel mehr DP.s aus der US-Zone Deutschlands aufgenommen als jedes andere Land. Im September d. J. sind 3483 jüdische DP.s nach Israel eingereist; an zweiter Stelle steht Kanada mit 2Ö53, an dritter Australien mit 930; an elfter Stelle die USA mit nur 74 versetzten Personen. Die jüdischen DP.s sind die größte Nationalitätengruppe, die wieder angesiedelt wurde; die nächsten sind die Ukrainer, darauf folgen Polen und die Balkanstaaten.

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