Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 25 (15.10.1948)
- Date
- 1948-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2431292-2431304-2431315--0136-2431725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 25 $)ie Stimme Seite 3 I S R Wahlen in Israel T o l Aviv'. I'rsiuiinvlirli hallen flio ersfen Wahlen im Simile Israel im Oktober laufenden .labres slalllinden soll(Mi. Nun wurden .-de alier für Alille Xovember atigesel zl. Israel kauft in USA ein X o \v York. Kine israeli.-rlie Mission kaufte Lebensini!lei und Alaschineu um (ko Millionen Oollar in den USA. Wirtschaftskrieg gegen Israel T e 1 A v i v. David 11 o r o w i I z. der Dcpartementleiter im Finanzministerium. hielt hier eine Pressekonferenz ab. in der er erklärte, daß der P a l ä s t i n a k r i e g von der militärischen in die wirtselmft liehe Sphäro iibergegangen ist. Die Feinde versuchen nun die Wirtschaft Israels zu zerstören, da sie den jungen Staat militärisch nicht besiegen konnten. Gleiches Recht in Israel Haifa. Der israelische Innenminister Jizschak (1 r ii n b a u m hielt an die hiesigen j ii d i s e h e n und a r ab i s c, h o n Stadträte eine Ansjirache, in der er nasführte, daß es nur ein o i n h o i 11 i c h e s Gesetz für alle Bewohner gebe. Kein Bürger fies Staates werde wegen seiner Passe oder seiner Religion eine Benachteiligung erfahren. Beweis der Humanität Jerusalem. Die israelischen vStreitkräfte übergalten das von ihnen besetzte Lazarett, in R am leb dem ägyptischen Roten Kreuz. Jüdische Fluglinie Tol Aviv. Die .jüdische Fluggesellschaft „I s r a e 1 A i r“ wird in Kürze den normalen Flugdienst zwischen Israel und E u r o p a aufnehmen. Die Gesellschaft ist ausschließlich mit jüdischem Kapital finanziert und der Dienst wird zu hundert Prozent von jüdischen Besatzungen und Angestellten versehen. Dr. Mautner und Herr Dachs gingen am Sclunini-Azeretli-Eest gemeinsam zum Tempel des Io. Wiener Gemcimlebezirkes. Herr Dachs, dessen off enos Antlitz ein Anliegen widerspiegelle, begann nach verlegenem Räuspern: ..Herr Doktor! Als wir vor Monaten den 70. Geburtstag von Herzl gefeiert haben, haben wir beschlossen, im 15. Bezirk einen zionistischen Kindergarten zu errichten. Freundlich erwiderte Dr. Mautner: „Sehr schön! Wirklich sehr schön!” Dachs dachte: Du wirst es bald nicht mehr schön linden! und setzte fort: „Aber wir haben das Geld bis jetzt nicht aufgebracht und darum wende ich mich an Sie, den bekannten Oisoher . . ." Tief holte er Atem und schoß ihn endlich an: „Zweitausend Schilling brauchen wir, Herr Doktor!” Der Verletzte bedurfte einiger Sekunden Erholung, bis er erwiderte: „Herr Dachs! leb schätze die zionistische Bewegung, doch kann ich mich ihr nicht auschlicßcn, weil ich als bodenständiger Wiener nie von hier Weggehen werde!” „Vielleicht - vielleicht werden Sie müssen, Herr Doktor!" „Ich?? Wer wird mich zwingen?" - Dachs wollte verschiedenes Zut reifendes erwidern, doch waren sie indes zum Tempel gekommen und traten ein. Gewaltige Bauvorhaben T o 1 A v i v. I )ie Pläne zur Kon .-friikfiou eines Kwisli (Pcirli.-.-fraßp) zwu-Mien der Bergstedt, Mo! u I n h. dem nürdliehsten Punkt Israels;m der svri.-ehen Grenze, und A k k a b a am P o t; e n Meer werden bald fertigm'-- tollt; sein. I >ie Länge der Straße belle gl, HiO kni. .V i m wird auch bereits an den Plänen, einer Ei-enbaluilinie Tol Aviv.Haifa, die teilweise linier der Erde verlaufen soll, gearbeitet. Diese Mitteilungen maelite der israelische Arbeifsminislor Alordeehni Bon <; o v. Ausnahmegesetze in Israel sind in Kraft getreten Die neuen Ausnahmegesetze, die ('ine Kommission dreier Minister. .1. (ri-iinbauni. Dr. F. Bosonhlilth und B. Shitrif. zwecks Bekämpfung der Terroraktionen ausgoarboitot' hat. sind veröffentlicht worden und gleich in Kraft getreten. Laut dieser Gesetze können gewisse Organisationen oder Gruppen als illegal verboten und aufgelöst werden. Das Gesetz siebt eine Kei kersirafe von 15 bis 20 Jahren für aktive Teilnahme an Terrorakten vor. Bei Unterstützung illegaler Organisationen droht; eine Strafe bis zu 3 Jahren Gefängnis oder eine Geldstrafe bis zu 1000 Pfund. Die Entscheidung. ol) eine Organisation eine Terror-Tätigkeit nusübt, liegt in der Hand des Chefs des Genoralstabs und des Tlauptinspektois der Polizei. Auflösung der Irgun Zwai Leumi in Jerusalem Nachdem der Irgun Zwai Leumi in Israel aufgelöst, wurde, wie wir vor einigen Wochen berichtet haben, wurde er nunmehr auch in Jerusalem liigiidiert. Der Verteidigungsminister David Ben Gurion hat an die Anfülirerscliaft des Jrgun ein 2-Jstündiges Der 'Tempel war wegen der be\ erstehenden Maskir-Amlacht last überfüllt. Der Rabbiner, auf einer erhöhten Estrade sitzend, neben den z\lindcrgeschiniickteu Gabaim. streichelte, befriedigt oh des starken Besuches, seinen ergrauten Vollbarl. Der Scliammascli. erregt durch die vielen naelikomniendeu Besucher, rückte* nervös den Zweispitz seiner Kopfbedeckung um links nach rechts und wies hoheitsvoll Plätze an. Während des Eintritts der heidert Nachzügler wurde die llafthora vorgelesen und nachher begann die Maskir- Amlacht. Geräuschvoll entfernten sieh die glücklichen noch Ellern besitzenden Menschen, während di** anderen in weihevoller Stimmung der beginnende ii Maste ir-Andacht lauschten. Ein wundersames Gefühl beschleicht den elternlosen Menschen während d**s Maskirs: Di** Eltern leben nicht und scliw eben dennoch unsichtbar im heiligen Baum! Kein Mensch, ob Mann, ob Trau, ob Greis, ob Kind, bleibt unbewegt, denn 1»<*i dem Maskir fühlt jeder schmerzlich, was einst war mul nicht mehr ist! .Misker elauhim uLchmas aha mori . . . Gedenke, o Gott, meines hingescliiedeuen Vaters, der entging zu Dir in ein** besrilinuliini gestellt. I );i.- Pllinialum fei dei i: n ) da ß der Iraun in Jerusalem -ii Ii den Gesetzen Prnels in bezug niif Armee. Mobilisierung und Wulfen iiiilerwei-fen soll: b) daß ullo Mitglieder des Irgun im mililarpfliehtigcn Aller in die Aimee Prnels sofort, eintrelen und den militärischen Eid leiden: e) alle Walten des Irgun sollen der Aimee l.-raels übergeben werden; dl ,-ollle der Irgun alle (liest* vorgenannten Bedingungen akzeptieren, wird für seine Mitglieder ein«' allgemeine Amnestie erlassen werden. — Xachdem sich der Irgun bis zur vorgesehenen Stunde nicht, aufgelöst hat. ist sein Lager von starken militärischen Einheit ('ii der Armee Israels umzingelt; worden, wobei der Kommandant des Lagers aufgefordert wurde, alle Waffen und militärischen Geräte auszufolgen. Der Befehl wurde ohne Zwischenfall ausgeführt, ln den nächsten Tagen sind hunderte und tausende früherer Mitglieder des Irgun in langen Reihen vor den Musterungslokalen Israels gestanden, um ihrer MilitariJlielit nachzukommen. Weitere Anerkennung Xaeh Paraguay hat nunmehr auch San Salvador den neuen Staat Israel anerkannt. Insgesamt haben bisher 17 Staaten diesen Beschluß gefaßt. ‘Während der Abstimmung bei der G eneralversammlung der Vereinten Xationen vom 29. Xovember 1947 hatte sich San Salvador der Stimme enthalten. Verhaftungen unter den Mitgliedern der Sterngruppe Im ganzen Lande werden weitere Verhaftungen und Revisionen bei den Mitgliedern der Sterngruppe vorgenommen. 250 Mitglieder der Sterngruppo. die im Sinne der neuen Gesetze als illegale Organisation gilt, sind verhalt et worden. Auch sämtliche Redaktion*- und Administrationsmitaibeiter der Zeitung „II amawr ak" befinden sich in Haft, sere Welt! leb gelobe eine Spende für Wohltätigkeit! --- Jiskor elauhim nisclimas imL morati . . . Gedenke, o Gott, meiner hingeschiedenen Mutter . . . Ich gelobe ein** Spende für Wohltätigkeit!" betete Dr. Mautner aus lieislem Herzen. aber plötzlich, iiberlallsarlig pochte sein Gewissen: Hast du jemals etwas für deine Eltern gespendet? Maskir war beendet, die Thora zuriiekgelrageti, aber in Mautners Seele lobte noch immer der Vorwurf: Hast du dies** Pflicht erfüllt? Und als der Gottesdienst beendet war und er mit den anderen Besuchern aus dem Tempel strömte, ging er gedankenvoll und unschlüssig-. da in seiner Brust - - sil venia verho — der Geiz mit der Pllicht rang. ln diesem innern Kampf merkt*' er nicht, daß Dachs, verletzt über die I riihere Ablehnung, ihn mied und in Begleitung eines anderen Herrn, eines Herrn Färber, ging. Dachs wies auf Mautner, der einige Schrille vor ihnen ging und bemerkte: ..Ich hab" ihn gebeten, daß er für den Kindergarten etwas hergibt!” Mit gespitzten Ohren, gleich den Tempelbesuchern während des ..Schnoderns' neigte sieh Färber zu Dachs und fragte: ..Nu, was geht er?” „Nichts!! Du kennst doch unsere reichen Juden! Sie sollen . und er schloß mit einem kräftigen Fluch. Herr Färber wollt** Mautner verteidigen. aber Dachs ließ ihn nicht zu Wort kommen: ..Schlecht und blind sind unsere reichen Juden! Statt daß Alijah nach Israel Auf einer Pressekonferenz in Jerusalem hai der ( lief des I mmieralion-- dcpni-lciik n1< J. Werfel erklär!, daß gewisse Im min-rnl ionbegren Zungen, die von Zeit, zu Zeil, niigewendei wurden. die Folge vmi Trunspurlselivieriükeilri) And. Im Laufe de- Mounts September 19-IS sind 1! 090 < Tun ins Lund gekommen. In allen I,ändern, die für diu Fmigrnlion midi Israel in Lotraelit, kommen, sind Fmigrnl nnw ander errichtet worden, die ihre Aufgaben mit, großer .Energie und viel \ ('rautworlliebkeit erfüllen. Wie V erfol ferner mit teilte, müssen .47.000 AYolmungen innerhalb eines .Jahres für die zu erwartenden 100.000 (Mim bereitsteben. Die Kosten dieser Aufbereitung betragen rund 22 Millionen Pluncl. Ungleiche Verteilung Von 405 Beobachtern der Vereinten Xationen sind nur 55 in den an Palästina angrenzenden Ländern verteilt, so daß dort Truppen- und Materialverschiebiuigen unbeobachtet weitergehen. In ganz Irak, einschließlich dem Hafen Basra. sind nur 6 Beobachter. in ganz Syrien nur 14. während in Tel Aviv allein sich 18 Beobachter befinden. Die ganze südliche Küste Palästinas, die in ägyptischer Hand ist. ist ohne Überwachung und ägyptische Eisenbahnzüge verkehren ohne Kontrolle zwischen der Suez-Kanal-Zonc und den ägyptischen Stützpunkten in Süd-Palästina. Jüdische Konsulate in den europäischen Hauptstädten. Die Legierung Israels hat; in den letzten Tagen ihre konsularischen Aertreter für Paris, Pom und Athen ernannt. Die Xamen der ernannten Konsilien werden in den nächsten Tagen bekaimtgegeben. er hilft, das Land aufbauen, das einmal auch für ihn eine Zukunft sein kann, sitzt er auf dem Kreuzer!” Während dieses Gespräches waren sie zu einem freien Platz gekommen. Dr. .Mautner blich stehen und sah einigen Kindern zu, die auf dem Platz spielten. Es waren christliche Jungen, die ..Fangerl" spielten. Ein Judenjunge wollte sieh beteiligen und hat: „Laßts mi mitspieln!” „Fahr ah, Saujud! Du g hörst net zu uns!” rief man ihm zu. W »'inend entfernte sieb das jüdische Kind. Dr. Mautner fühlte mit dem verstoßenen Jungen und rief: ..Komm her zu mir!” Das Judenkind näherte sieh. Mautner streichelte den Jungen und tröstete: „Mach dir nichts (Irans! Es . .!” Plötzlich (lammte ein seine Pllicht erlösender Gedanke* in ihm auf und er vollendete: ..Du wirst nicht mehr allein bleiben! Wir . . . Herr Dachs!” riel er zu Dachs, der eben voriiherging. ..Herr Dachs! Bitte, einen Moment!” ..Was gibt's?” fragte Dachs kurz und unhüliieh. da der Respekt vor dem Reichtum schwindet, wenn er sieb nicht melken läßt! Aber zum großen Erstaunen des Molkers sprach Mautner: ..Sn* haben recht, Herr Dachs! Man muß etwas tun Lir unsere jüdischen Kinder! Ich . . . üb errichte den Kindergarten auf den Namen meiner Eltern!” Eine Geschichte aus dem Jahr 1930 von Leopold Ehrlich-Hichler