Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 24 (1.10.1948)
- Date
- 1948-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mmmmm ” Nr. 24 S)ie Stimme Seite 7 AUS DER BEWEGUNG Fortsetzung von Seite 6 Freiwillige Demokratie worden waren, die sieh auf alle Gchieto der jüdischen Politik, Kullur und lTganisntion beziehen. Diese Kinstinmiigkeit, in bezug «auf Zweck, Idee und Durchführung, war das Resultat, der während der letzten zwölf schicksalsschweren Jahre von uns allen gemachten großen Anstrengung, einander besser zu verstehen. Alle von uns versuchten, die negierende Tätigkeit, (die Neinsagerei) des jüdischen politischen Lebens zu überwinden, und das Gebiet der Verständigung zu erweitern und zu bereichern, um uns ein wirkliches Zusammenhalten zu ermöglichen. Langsam und mit; unermüdlicher Ausdauer haben wir die üble Gewohnheit, untereinander zu kämpfen, ausgemerzt, und unsere ganze Energie dem Kampf gegen die gemeinsamen Feinde entgegengestellt wirklicht; werden kann, eine gowal- Das allgemeine Abkommen in Montreux war kein Wunder. Es war das Ergebnis der harten, ausdauernden und klugen Bemühungen der freiwilligen jüdischen Demokratie, und ist für uns alle, dio wir daran glauben, daß der Sieg der fortschrittlichen und demokratischen Ideen und Organisationen durch unsere Generation verwirklicht werden können, eine gewaltige Ermutigung. Wir verließen Montreux moralisch und geistig geeinigt und gestärkt. Wir haben unsere divergierenden Meinungen nicht aufgegeben; wir bleiben weiterhin Männer und Frauen mit verschiedenen politischen Anschauungen, mit verschiedenen kulturellen und religiösen Ticstrebungen, aber wir tragen diese ideologischen -Kämpfe nicht im Itahnicn des WJO aus. Das jüdische Volk braucht den World Jewisli Gongress «als Waffe zur Verteidigung seiner jüdischen und menschlichen "Rechte und für die Aufrechterhaltung seiner kulturellen Integrität und jeder von uns arbeitet im Kongreß an einem gemeinsamen, anerkannten Programm. Die Errichtung des «Staates Israel ist die größte Hoffnung, daß dieser Kampf ein siegreicher sein wird. Der Staat Israel wird: ein Sammelpunkt sein für alle jüdisch, schöpferischen Ideen und Inspirationen, welche in vielen Sprachen, in allen Teilen der Welt geboren worden. Gleichzeitig aber muß der World Jewisli Gongress. zusammen mit dem Staate Israel, seiner Aufgabe, das Welfjudentum als eine demokr.atiseho Kraft in den Leihen der Fortschrittlichen Menschheit zu organisieren, an der Lösung der jüdischen Probleme und an der Verteidigung der jüdischen Lochte milzuhelfen, treu bleiben. „Samstag, den 2. Oktober wird der Redakteur Theodor Monlosor um S Uhr abends im Kaffee Beethoven. Wien IX. Gniversitä.tssfraße II. anläßlich einer geselligen Zusammenkunft einen Vertrag ..Ober dio romantische Zeit des Zionismus“ halten. Gesinnungsgenossen. erscheinet' zahlreich! Gäste willkommen.“ Verstärkte Organisationsarbeit im Zionistischen Landesverband I )or Z i o n i s t i s c h o L a n d e sverband in Wien führt eine durchgreifende Reorganisation seiner Arbeiten durch. Während der ganzen Dauer seines Postamtes hat er seine Aufgabe darin erblickt, die durch Wien strömenden Massen zehntausender jüdischer Flüchtlinge «aufzunehmen, zu betreuen und im Lahmen der Allgemeinen Zionistischen Bewegung zu organisieren. AVir können mit Genugtuung feststellen, daß ein Großteil der in 0 b e rö s t e r r c i c h und Italien weilenden Olim dank unserer systematischen Schulung in AA7 i o n gesinnungsmäßig für unsere Bewegung gewonnen wurde. Den gleichen Erfolg hatten wir mit unserer .Tugend-Alijah, die in AAhen in chaluzischen Gruppen organisiert des Gründungskongresses der zionistischen Organisation vom Jahre 1897; Josua Berschel Farbstein. Der ATrstorbeno war einer der Gründer der religiösen Misraehi-Bcwcgung in Polen, deren Präsident er von 1918 bis 1931 gewesen ist. Zehn Jahre war er Mitglied des Stadtrates von AVarschau und elf Jahre Abgeordneter im polnischem Sejm. Als Präsident der jüdischen Gemeinde AVarschau und später als Vizepräsident des Zionistischen Aktionskomitees war er allgemein geachtet. Nach seiner Übersiedlung nach Jerusalem, 1931, wurde er bald Präsident der jüdischen Gemeinde in Jerusalem und. nach seinknn Rücktritt von diesem Amt, deren Ehrenpräsident. Als die Nachricht von seinem Tode am 27. August während der Sitzung des zionistischen Aktionskomitees bekannt wurde, widmete der Labbi Meier Berlin, dem Alerstorbenen warme Worte des Gedenkens. Ein arbeitsames Leben für die jüdische Sache hat Nun wendet sich der Landesverband seiner internen Organisation zu. Zu diesem Zweck hat er in den Monaten August, und September eine große Werbeaktion durchgeführt, die bisher weit über 200 neue Mitglieder brachte. 1 )er Z i o n i s t i s c h e L a, n d e sve rliund hat überdies beschlossen, in einigen Bezirken Sektionen ins Leben zu rufen, die anfangs Oktober ihre Arbeit «aufnehmen werden. Die erste dieser Sektionen, nämlich die im IX. Bezirk, ist bereits in voller Tätigkeit, Ihr Sitz befindet sich im Kaffee B o o t h o v e n (eigenes Klublokal), IX.. Fnivorsitätsstraßo 11. Dort finden die Zusammenkünfte jeden Samstag um 19 Uhr statt, AVir erachten es als unsere Pflicht, getreu der Tradition zionistischer Arbeit, Zellen solcher Art in «allen von .J u d o n bewohnten Bezirken zu schaffen, um unserer Organisation ein festes Gefüge zu verleihen. Dies ist im gegenwärtigen historischen Augenblick in der Gallith das Gebot der Stunde. AA7ir laden alle Zionisten, die weder nach rechts noch nach links gravitieren, ein. sich dem geraden und zum Ziel führenden AAhg, den unser großer Dr. Theodor Herz] gewiesen hat, anzuschließen. sein, daß es dem Alerstorbenen noch vergönnt war, die Arerwirklichung der ersten Etappe des zionistischen Ideals, für das er sich sein Leben lang stets eingesetzt hatte, in Israel zu erleben. | Perez Hirschbein | Aus Los Angeles ist soeben die Trauerbotschaft, eingetroffen, daß dort der jüdische Poet. Dramatiker und Schriftsteller, Perez Ilirschbein im Alfer von G8 Jahren gestorben ist, Ilirschbein war einer der Gründer der neuzeitlichen jüdischen Literatur. Fr wurde besonders durch seine Dramen, seine lyrischen Schöpfungen. Kindermärchen und Romane bekannt, Zu den besten seiner AA’erke gehören die Dramen „Die grünen Felder“ und „Die verlassene Schenke“. Ungeschminkte Wahrheiten Dr. A. H. Silver spricht vor Pressevertretern X e w Y o r k. Auf der ersten Pressekonferenz nach sein«')’ Rückkehr aus Israel hat, Dr. A. II. Silver mi Igel eilt. daß der J i s c h u w wogen der Änderung der DSA-Politik in bezug auf Israol sehr beunruhigt ist. Alan vermutet, daß das S I; a a I s d e p a r t, e m o n t in letzter Zeit Unterhandlungen mit Bevin führt. In maßgebenden Kreisen Israels, sagt Dr. Silver, ist die Meinung vorherrschend, daß Bevin Israel durch einen langen Waffenstillstand ö k on omiseh zu ruinieren hofft, nachdem in der nächsten Zeit keine militärischen Siege der Araber zu erwarten sind. B evin will durch diese Politik die Juden zwingen, auf eine solche Lösung einzugehen, die in den Interessen des britischen Außenministeriums liegt. Nur eine positive Aktion seitens der USA., endete Dr. Silver, die in der formellen Anerkennung des Staates I s r a e 1 und in der Erteilung einer laschen Anleihe von 100 iMillionen Dollar zum Ausdruck kommt, kann die Araber überzeugen, daß der Frieden mit Israel für sie der einzige Ausweg ist. Israels Gesandter in Moskau Der Außenminister der UdSSR. M o 1 o t o w hat im Außenministerium den ersten Gesandten I s r a o 1 s in AI o s k a u, Frau Golda AI e y e r s o n, empfangen. AAJihrend der Audienz sind die Einzelheiten der Übergabe der Beglaubigungsschreiben an den A'orsitzenden des Obersten Sowjets der UdSSR durch Frau Aleyerson erörtert worden. Am 10. September ist der Gesandte I s r a e 1 s in AT o s k a u, Frau Golda Af e y e r s o n. durch den A'izevorsitzenden des Obersten Sowjets der UdSSR.. AV 1. a s s o w. im Kreml empfangen worden. Frau Aleyerson hat dem A'izovorsitzenden AV 1 a s s o w die Beglaubigungsschreiben überreicht. Der I s r a e 1 i s c h e Gesandte befand sich in Begleitung des Arilitärattaches Oberst L a t t n e r und des ersten Sekretärs der Legation Herrn Lewawi. sowie anderer Amrsteher der Legation Israels in Aloskau. Dem Empfang wohnten der Arizeaußenminister der UdSSR. Zorin und der Sekretär des Obersten Sowjets, Go r k i n. bei. | Josua Herschel Farbstein | AVährend der Tagung des zionisti- I seinen Abschluß gefunden. Seinem in sehen Aktionskomitees starb einer der Zürich lebenden jüngeren Bruder, wenigen noch lebenden Teilnehmer Dr. David Farbstjein, mag es ein Trost mil einem scheuen Seitenblick musterte. „Habe ich aufgebaut, habe in dieser Zeit gedarbt, bis ich endlieb das Blatt so festigte, daß es mir eine Existenz bot. Und da ... ist Hitler nach Österreich gekommen und ich mußte flüchten!1" „Warum?“ „Ich habe in meinem Blatt gegen Nazideulschland geschrieben und . . . Konzentrationslager mit allen Martern stand mir bevor, wenn ich geblieben wäre! leb bin mittellos nach Karlsbad, in die Tschechoslowakei, zu einem Verwandten geflüchtet! lind kaum batte ich mir dort, durch Berichte an auswärtige Blätter, eine dürftige Existenz geschaffen, wird die Aiischlußfrage im sudetendeulschen Gebiet akut und ich mußte wieder flüchten! Das — ist mein Los!" Und bitter, fast gereizt, schloß er: „Und Sie, Herr Baruch, behaupten, daß Gott uns nicht verlassen hat?!" „Ich vertraue!" erwiderte der alle Herr mit fester Stimme und ghiuhiggliihcmlcm Blick. „Ich vertraue aul Gott, obgleich mir..." er würgte* an den folgenden Worten, „viel Schwereres widerfahren ist! Aber kommen Sie! Er faßte l)r. Bosenfeld unter dem Arm und zog ihn zur Tür. Als beide in dem selunalen, langgestreckten Verbindungsgang standen, wagte Dr. Ilosenfeld zu fragen: „Schwereres, Herr Baruch?“ Der alte Herr seufzte tief und schwieg, aber der teilnahmsvolle Blick Dr. Rosenfelds regte ihn zur Frage an: „Haben Sie Kinder?“ „Ja. Zwei.“ „Wo sind Ihre Kinder?“ „In Palästina.“ AVie der Pflug den Acker, so durchfurchte tiefer Schmerz des Alten Antlitz, als er fast stöhnend rief: „Danken Sie dem lieben Gott, daß Sie Kinder haben! leb - bin allein!" Dr. Rosenfeld schwieg, aber seine Augen spiegelten fast deutlich die Frage: Hatten Sie Kinder?, so daß der alte Herr sagte: „leb hatte einen Sohn! Arzt war er und wurde ins Konzentrationslager geschleppt!" „Oh!" flüsterte Rosenfeld bedauernd. „Und vor einem Monat haben sie mir aus dem Konzentrationslager..." ein Seufzer entrang sieh seiner Brust, so schwer, so herzzerreißend, daß Doktor Rosenfeld hat: „Nicht weiter, Herr Baruch!", aber der Alte wiederholte: ..... haben sie mir — seine Urne geschickt! Mein einziger Sohn!“ schrie er fast, und wie aus einer anderen Welt klang seine Frage: „Habe ich Grund zur Klage?! In die Starkstromleitung sei er gekommen . . . stand in dem Brief, den ich mit der Urne erhielt!- AYissen Sie. wie klein eine Urne ist? Und das ist mein Sohn, mein Kind?! Dafür habe ich gelebt und gearbeitet? Das ist mir geblieben? Glauben Sie mir, Herr Doktor! Ich habe, Gott behüte, nicht gezweifelt, aber, um weiterzuleben, mußte ich mir laut zurufen: .Adaunoi natan. waadaunoi lakach, jehi schein adaunoi incworach!'- Und jetzt gehe ich", er deutele zum Deck hinauf, „zu Selichoth. Gott bitten, daß er mir und allen Juden verzeiht und uns beislehl! Denn ich...“ Man merkte an seiner wankenden Stimme den neuen inneren Kampf, den er aber siegreich bestand, denn er schloß fest und überzeugt: ..Ich glaub’’ an Gottes Hand und Hilfe und ich weiß, er wird uns Juden nicht verlassen!" Sprach s, reichte Doktor Rosenfeld die Hand und ging aufrechten Schritts, ein Glaubensheld, zum Gehet. Beschämt, wie ein Kind, das wegen eines versagten Spielzeugs geschluchzt hat. deuchte sich Dr. Rosenfeld und sah starr, erschüttert und bewundernd dem alten, verlassenen, einsamen Vater nach. Einmal, nur einmal hätten die führenden Nazi in mondloser Nacht, fern von Menschen, fern ihrer Macht, unter sternklarem Himmel stehend. der Worte ihres AVeisen gedenken sollen: „Der gestirnte Himmel über mir und das Sittengesetz in mir!" Und wenn sie. in solcher Nacht, in das zertretene Herz dieses alten Juden und in die Gemüter der vielen von ihnen geschaffenen jüdischen Waisen und Witwen geblickt hätten, daun wäre ihr Menschentum lebendig geworden und sie hätten nicht mehr die Kraft gehabt, die Juden weiter zu verfolgen!