Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 24 (1.10.1948)
- Date
- 1948-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 jDie Stimme Nr. 24 Th. Hatalgi Von einer Reise durchs Land Sommer 1948 Wege und Städte in .Israel W rnn (Irr Autobus utti Jerusalem nach l'rl \\ i\ führt, führt srin W «’g iibrr di*' staubig«' ..Burma-Straße". di*' angelegt wurde. da di*' Hauptchauss«*«' durch den Kries: uubrfahrhar war ein wagemutiges Pionierwerk. Hi*' S t r a lä *' windet sieh /.wischen den lel- ■ds:rn Höhen und S«*iiken des G«'birges Judäa hin. Daneben sehen wir eine /weite, nicht minder wichtig*' Großtat, die neue Leitung, di*' dem durstigen Jerusalem aus der Ebene \\ asser zuführt. I nd plötzlich erüflnct sieh vor linst'ren Augen das I al von Ajah'ii. w o man die feindlichen Stellungen in Latrun erblickt. Das ist der einzige noch in Feindeshand befindliche Abschnitt der Hauptstraße, wodurch uns die freie Benützung der letzteren unmöglich gemacht ist. Dort befindet sich auch die zerstörte Hauptpumpstation vonLatrun. obgleich als eine der \ oraussetzungen für den Waffenstillstand die freie Benützung der V asserleitung von Ras-ei- Ain zugesagt war. Einen I ag. ehe sie wieder in Betrieb gesetzt werden sollte, wurde die Station in die Luft gesprengt. Auch hieliir hat man einen Ausweg gefunden: Wasser strömt bereits aus der Quell*' von Hulda durch die neue Leitung nach Jerusalem. Di«* A erteilung geschieht nach wie vor. da «las Wasser aus technischen Gründen noch nicht in «lie Tanks auf «len Häusern gepumpt werden kann, «lurch AV agen. Ein 60 km breiter Landstreifen bei- «lerseits der Hauptchaussee zwischen Jerusalem und «len jüdischen Siedlungert wurde in den letzten Monaten durch die israelitischen Heere erobert, wobei uns auch jeder Fußbreit Boden teuer zu stehen kam. Wäre der Waffenstillstand dem nicht zuvorgekommen, so wären auch Latium und die Hauptstraße völlig in unserer Hand gewesen. Irr der Kette der Verletzungen der Waffenstillstandsbedingungen ist die Verweigerung des Weges über Latrun für unsere Geleitzüge nur ein Glied. Durch den ..Burma-Weg” ist der Verkehr zwischen Jerusalem und Tel Aviv aufr*'chtcrhalten und Jerusalem ist mit den übrigen Teilen des Staates Israel verbunden, wenn auch der neue AVeg nur ein vorläufiger und schwieriger ist und «lie Reiseun«l Transportmöglichkeiten beschränkt bleiben müssen. Qespräche auf dem „ißurma-Weg“ Neben mir sitzt ein Mann von etwa 60 Jahren; er hat bereits zwei Söhne im Kampf verloren, einer steht noch im Heer. un«l jetzt fährt er nach Tel Aviv, um von der einzigen Tochter Abschied zu nehmen, die morgen zur allgemeinen Mobilisi«*rung geht. „Denken Sie nicht", sagt er, zum Fenster hinausblickend. „«laß ich an dem Bau dieser Straß«* keinen Anteil habe. Drei läge und \ä«‘hte hall«' ich mitgearbeitt't. und erst, als ich fühlt«', «laß es über mein«' Kriift«' ging, bin ich nach J«'rusalem zurückgek«'brt." Das Gespräch wemh't sich den Pr«>- hlcineti der Stadt zu, die all ihren Bewohnern und dem ganzen Volke so t«Mier ist. ..Wir lassen die schwen'ii \\ oclien an uns vorübcrzichen. die Jerusalem hint«-r si«h hat und freuen uns. daß das Leben in <I«*r Stadt wieder in geregelte Rahnen kommt. I)ur«b di«' schwarzen Rohr«', «li«' unseren Weg begleiten. fließt wi«'il«*r W ass«*r muh J«*rusalem. Die \ ersorgung mit Lebensmitteln und elektrischem Strom ist viel böser geworden. Dutzende neu eingewanderter l'umilicu sind in die Sta«lt gckoninii'ii. Pliin«* zur Wiederaufrichtung der Wirtschaft sind in einem vorgeschrittenen Stadium, das Kunstleben wird wi«'d«'r lebendig. Denn der Wunsch aller Bewohner Jerusalems, wie aller Juden überhaupt, ist, Zion in seiner Bracht als Hauptstadt Israels wieiler <*rsU'lit'n zu lassen. Noch ist nur «'ine Hoffnung, aber wir glauben fest daran, daß «lies«: Floffnung zur Wirklichkeit werden wird.” W o von der Chaussee nach Latrun der Burma-Weg abzweigt, «ler nach Hulda führt, hält ein junger Mann das Auto an. Als er den Autobus besteigt, merkt man an seinem Hebräisch, daß er noch nicht lange im Laude ist. Ich fragte ihn: „Woher stammst du? S«‘it wann bist du im Lande?” ..Aus Frankreich vor zwei Wochen angekommen.” In Wirklichkeit, so erzählte er, sei er erst 161. o Jahre. Doch, da er erfuhr, «laß man mindestens 18 s«‘in müsse, um rnitzukäinpfcn, habe er sein Alter mit 19 angegeben. Der Bus fährt an dem zerstörten arabischen Dorf Akir, «lann nahe am jüdischen Militärflugplatz vorbei, fährt an «lern alten Ekron vorbei, dann geht es über Seitenwege nach Rechowoth. wo kurzer Aufenthalt ist. Hier ist ein lebhafter militärischer Verkehr. Schnell «lurchfährt man Rischon, wo man noch «lie Zeichen des Bombardements durch die Ägypter erkennen kann — und bald ist man in den Straßen der jungen jüdischen Hauptstadt — in Tel Aviv. Fühlt man die Wirklichkeit des Staates schon auf dem Wege außerhalb der Stadt, in Tel Aviv atmet man sie sozusagen mit «ler Luft ein, spürt sie in dem starken Straßenverkehr, in den Aufschriften an den Mauern und Anschlagsäulen, fast auf den Gesichtern der Menschen. Schnell hat Tel Aviv «lie Aufgaben als Hauptstadt übernommen, mit Verantwortung, doch auch mit jener Leichtigkeit, «lie für j«'«le jung«: Hauptstadt charakteristisch ist. Eine Tel Aviver Redensart ist: „Alle Wege führen nach Kiyah4* «las ist «las Regierungsviertel, zwar w«*it vom Zentrum der Stadt, aber um «lieses und die zahlhiM'ii Broblcim'. dir mit unserer jung«‘ii Regierung verknüpft sind, drehen sich vi<d«' Gespräche. Sagt jemand: ..f«h komme gerade vom Inunenminislerium". so tut <*r das mit einem gewissen Stolz in der Stimm«'. Tel .flviv, die fiingsle Wauplsladl der Welt Auch «li** Anw «'s«'iilu'it verschiedener auswärtiger Regi<'rungsvertreter macht si«ii im Straß«'ubil«l von Tel Aviv!>«*- nu'rkbar. Vom Dach «les Gatli Rim«>- Hotels w«'ben «lie Falim'n «h'r I NO und «h-r I SA nrb«'n der jüdisch«*!! Fl agg«': <li<* Fremden ergehen sieb am Stramle, «lie Autos mit den Fahnen «ler fremd«*n Staat«'ii fahren vorüber. Die Straßen. Bliitz«'. Läden von T <*I Aviv sind voll mit Vh'iisclx'ii. zum großen Teil in Uniform. Ttd Aviv mag weiter von dm- Front «'iitlernt sein als Jerusalem, aber man vergißt auch w ähri'tid des W affenstillstamles nicht «lie krü'geriseh«* G«*genwarl. Daran «'rinnert «‘inen alh's auf «l«*r Straß«*, vor allein «lie v ielen Männer und Frauen in L niforin. die zum Teil nur auf kurzem Erlaub hier sind. Di*' \ «'rdunk«dung in Tel Aviv ist aufgehoben und nun sind «li«* Geschält«' und Cafes alumds wieder bell beleuchtet. Man ergeht sieb in «len Straßen, auf «l«*r Stramlpromenade, man sitzt in «len CalY*s. besucht Kino und Theater, in «(«‘neu fast k«*in Platz zu haben ist. Di«' Ausgaben der vielen Abendzeitungen siml schnell vergriffen. Tel Aviv ist auch das Zentrum «ler obersten Heeresleitung, eine Sta«lt v«»11 Arbeit und Energie, von deren Antlitz alx'r trotz alb'ii Schaflä'ns untl Miihens «las Lachen «h'r Jugenil nicht g«'wichen ist. So wie si«h «las tägliche Lelxm in Tel Aviv von «lern in Jerusah'in unti'rscht'i- «let. so unt«‘rschei«Iet sich auch «l«*r Verkehr auf der Straße zwisclu'ii Tel Aviv un«l Haifa von «lern auf «lern INotstandsvv«*g, dem „Burma-Weg”, «ler Tel Aviv mit Jerusah'in verbimlet. Aus «ler zimtralen Autobusstation in Tel Aviv fahren ohne Unterlaß «lie grauen Egge«l- Autobusse aus, bis zum letzten Platz gefüllt mit Bürgern und Soldaten im Dienst oder auf Urlaub. Fährt man los, so spürt man die starke Bewegung auf «ler z«*ntralen Chaussee unseres kämpfenden Staates: Hunil»:rte Wagen all«*r Typen; Jeeps rasen mit UM) Kilometer Geschwindigkeit vorbei, Militärwagen,, vollbebulen mit allem, was zur Versorgung der Armee nötig ist, Privatautos, <li<* all«* für die Kriegführung n:quiriert sind, eil«*n von Stadt zu Sta«!t, von Dorf zu Dort, von den Kibbuzim und Mos«*hawim zur Front. Es ist «'in Erhdmis ohneghüchen, wenn man hier «lurch ri'iri jüdisches Laml fährt. Man vergleübt diese Straße mit «l«*m .,Burma- Weg4’ und es wird einem klar: Das v«*rilanken w ir den Siegen «ler israelitis«heii Heere. Sit' haben »'rreieht. was sieb vor wenigen Tagen mxh niemand vorstellen könnt*'. Man kann Ix'iite zwischen Jerusah'in und Ifl Aviv um! «‘henso iingeliili r«l«*t von Tel Aviv muh Haifa reisen und man «larf hoffen, daß bald auch «ler Verkehr über «lie jmläisehen Berg«* so groß sein wird, wie auf «l«*r anderen Straß«'. Ton Tel Jlrir naeli Jüdin Auf «lern Wege nach Haifa, zwisclx'ii grünen l'Ylilern. an Häust'rn in ()raiig<*ngärt<*n. au Dutzen<l«*n jii«lis«hen Sie«llungen vorbei. sü*ht man 11 i«-111 \iele Zrühen von Zerstörung «lurch den Krieg. Und blickst du aus «len Fenstern auf «li«' spieh'iuh'n. singi'iulen Kindt'r. so sclx'int «*s. daß «h'r Kri«'g unscn'ii Siedlungen nicht viel geschadet hat. D«'nnoch weißt <lu natürlich, «laß es nur «'in äußerlicher Eindruck ist: «lie N ät«*r «li«*ser Kinder sti'him als Siddaten im Heere. Die arabisclu'ii Dörfer beiderseits des VV«'g«'s liegen verlass<'«i. Ihre Einwohner siml gefliü'h t <* t. Nur in i'iiK'Fii I )orlf südlich von Sichron Jaaknv sitzen noch «'in paar alte Araber mit ihr«*n Fram'ii vor ihr«'ii Häusern. Aber sonst gibt es in «ler G<'g«*n<l von Tireh. wo sich «lie mörderischen Bamlen. wch'lie «lie Konvois iilx'rfieh'n. v«*rborgen hi«'lten. k«'iu«' Aralx'r mehr. Das Lager von Athlit, «las zur Z«*it der englisch«'n Herrschaft «'in Leid«*nsort für «lie neuen Einwamh'rer war. ist jetzt ,.Gefang«'ncnlager Nr. 2” g«'worden- W ir konmx'ti nach Haifa. Di«* Stadl ist ihr«'m Rufe als Sta«lt der Zukunft tr«'U g**bli«'ben. L«'bhaft ist «ler Verkehr im Hafengeld«'!, jedes Schiff, das ankommt. bißt die jüdische Fahne. Niel«* Dutzend«* jii«liscbe Arbeit«*r sowi«* Alatrosen und Offiziere «l«*r jüdischen Marin«* sind hier Ix'sehäftigt. In «l«*n Raffin<*ri«*n und in «l«*n Eis<*nbahmv«'rkstätten wurd<* «lie Arbeit wieder aufgenommen. Die Fabriken in und um Haifa stehen ganz im Dienste des Krieg«'s und ihr«' Hauptaufgabe ist tlit* Versorgung <I«'s Herrrs. In «h'ii Stralx'ii <l«'i* uiilcmi Stadt, in d«*r Nälu* <h*s Hafens und im G('s*,häftsviert«*l, in «h*n ausgt'dehnten Wohnvierteln von Hadar Hakarnu'l, in den All«*<*n un«l schönen Gärt<‘ii «l«'s Hakarnu'l spüdt sich das Leben nicht weniger lebhaft ah, als in Tel Aviv. Ain'h hier ist das Straßenhild hell«* rrsclit von den vi«*l«*n Sol<lat(*n: inslx'somh'r«' fallen «lie INeueinwan- «lerer auf, und auf den Spaziergängen durch «li«*se schöne Stailt hört man fast alle Sprachen reden, di«* «lie Menschen aus «ler Golah mitgebrachl haben. Uml als ich an <lies«*m Sommerabend auf «l«*r Höh«* des Har Hakarnu'l stand, von «h'r aus man ein«* Landschaft wie aus Taus(*udund(*in(*r Nacht vor sich hat, auf «li<* glitz«*rn«l<*n Licht<*r bli«‘k«*ml. «he unt«*n in «l«*r Sta«lt, am Hafen, in <!<*r Haifa-Bai aiiffiammt(>n, und hinter mir si«b «*inig«* u«*ue Olim in fremder Spra«'he unterhü'lten. «li«* aber schon «lie Uniform «l«*s H«*er«'s Israids trugen, da war mir klar, «laß auch sie in «liesem Aug<*nbli«'k «li<* IL'imat in all ihr«*r Prailit und Scbönh«*il sah«*n. * S)em ganzen jüdischen ^Oolke in Israel und in der Qolah, allen lieben Xesern, freunden und Organisationen entbietet die herzlichsten Qratulationen anläßlich des ^Jahreswechsels iZ)ie Redaktion der „Stimme“