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Die Stimme · 1948-10-01 · Heft 24 (1.10.1948) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 24 (1.10.1948)
Date
1948-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 3)ie Stimme Nr. 24 Freiwillige Demokratie Von N. Baron, Pli. I). (Econ) London Die zwi'ito Tagung dos World .fewish Congress in Montreux hat in der iraiizon M olt, sowohl in jüdischen wie in nicht-jüdischen Kreisen, das größte Interesse hcrvorgeruton. Dieses Interesse ist leicht zu verstehen, wenn man hedenkt. daß das Schicksal der Juden in den letzten Jahrzehnten ein gotimuos Spiegelbild der politischen Entwicklumr der Menschheit darstellt. Es ist ein wesentliches Merkmal der jüdischen Politik, daß das Judentum hauptsächlich Gegenstand politischer Aktionen ist. die von der Majorität der Völker, die Juden in ihrer Mitte beherbergen, geführt werden. Pa die Juden überall in der Minderheit sind, sind sie von den politisehen Parteien der Majorität abhängig und der allgemeinen politischen Tendenz und Entwicklung auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Die einzige Hoffnung für die Zukunft des Judentums liegt daher in der Tatsache, daß die Bedürfnisse und Interessen der Juden mit den Interessen der fortschrittlichen Menschheit zusammenfallen und die Feinde des Judentums gleichzeitig die Feinde des Fortschrittes und der Demokratie sind. Eine politische Weltorganisation, wie der World Jewish Congress. die erst vor 12 Jahren gegründet wurde und sich hauptsächlich während der tragischen Kriegsjahre entwickelt hat. muß notwendigerweise dieses allgemeine Stigma jüdischer Politik tragen. WJC ist eine freiwillige Organisation, die nicht auf die Möglichkeit, ihre Minoritäten zur Mitarbeit zu zwingen, aufgebaut ist. sondern mit moralischen und geistigen Argumenten zu überzeugen trachtet. Die Verständigung zwischen den verschiedenen sozialen, politischen und kulturellen Elementen des Welt.iudentums. so umfangreich diese auch sein mag. braucht noch immer weiteren Ausbau. Viel Verständnis. Geduld. Takt und guter Wille, sowie intellektuelle Initiative werden nötig sein, um Zweck und Mittel zu vereinen, vor allem aber um diese Einheit aufrecht zu erhalten. Es ist eine schwere Aufgabe, die Autonomie der nationalen Organisationen mit der Einheit der Aktionen der Weltorganisation in Einklang zu bringen, die große politische Wendigkeit verlangt. Tn unserer Generation sind freiwillige Organisationen ganz besonders Anfeindungen ausgesetzt und durch politische Zwangsmaßnahmen größten Ausmaßes sogar schwer bedroht. Die soziale Entwicklung unserer Generation ist durch das rapide Anwachsen der sozialen und politischen Staatsorgan isat innen gekennzeichnet. Dies fl LUCH®™ Ruhig, friedlich, wie schlummernde Kinder unter »lern schützend-wachenden .Mutterauge schliefen in einer Kabine des Dampfers ,,G< rusalernme” fünf Palästinaein Wanderer. Fest und tief, als hätte ein gütiges Geschick ihre Seelen von allem Leid befreit, schlummerten sie, nur zuwe ilen zuckte über eines Schlafenden Antlitz ein Kummerschauer, wie eine Wolke über tiefblauem Himmel, und er stöhnte in dem Augenblick, als würde ihm im Traum bewußt, was er besessen, was er verloren, daß er ausgestoßen worden und seine frühere H<;imat verloren habe! O. du unglückliches, gehetztes Volk! Was hast du d enn verbrochen, daß du so gequält, gemartert, verfolgt, geachtet, vom Pöbel gestoßen und geschmäht wirst!? Sind unsere Ve rgelien so schwer und groß? Der fromme Jude bejaht »lie-a* Krage, beugt sich und hofft. gilt in gleicher Weise für Ost und West, für Europa- und Südamerika, für Asien und Australien. Das Problem, freiwilligen Organisationen ihren Platz im Leben der Völker zu sichern, ist vielleicht, das wichtigste Problem der modernen Zivilisation, und wir sind stolz und glücklich, daß wir in der Lage sind festzustellen, daß das Weltjudentum durch die Gründung und Entfaltung des WJC einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieses Problems geleistet hat. Wir sind überzeugt, daß die Weltöffentlichkeit an den Verhandlungen in Montreux nicht nur wegen der T^eiden und Verluste der .luden interessiert war. sondern weil das Judentum, das nicht mehr als ein halbes P r ozent der Menschheit umfaßt, auf seine eigene Art und Weise versucht hat, das große Problem der freiwilligen Demokratie zu lösen. Es gibt zwei HaupteinsehätZungen der Polle und Aufgabe des World Jewish Congress. Die eine bedeutet, daß der WJC die Vertretung des Weltjudentums werden muß und periodisch zu Diskussionen. Beratungen und Koordinationen zusammenzutretjcn hat: die zweite vertritt die Meinung, daß es die wichtigere Aufgabe des WJC sei. als Exekutivwaffe der ...Jüdischen Aktion” jüdische Rechte und Interessen zu verfechten. Diese beiden Aufgaben stehen in keinem Widerspruch zueinander; eine vollwertige repräsentative Organisation würde eher die Möglichkeit haben, eine wirksame exekutive Waffe zu sein, soferne sie eine exekutive Kampforganisation ist. Im ersten Jahrzehnt der Bildung des WJC. während der schrecklichen Jahre, da die Juden mehr als ein Drittel ihrer Angehörigen verloren, war es nur natürlich, daß der Schwerpunkt auf die kämpferischen Fähigkeiten des Kongresses gelegt wurde. Die wenigen Menschen und die geringen materiellen Hilfsmittel, die dom Kongreß in den Jahren 19-30 bis 1948 zur Verfügung standen, mußten zur Abwehr der Angriffe, die sich gegen die Juden der ganzen Welt richteten. zusannnengi»faßt werden. Wir könnten hier mehr als siebzig Fälle aufzählen, wo solche Angriffe; zuriiekgosehlagen werden mußten — in Afghanistan und Uruguay, in Tripolis und dom Vorkriegspolon. in Shanghai und Marokko, in eien DP.- Lagern in ganz Europa und in vielen ..demokratischen” Ländern in f'bersee. Der Kampf um jüdisches Lehen und jüdisches Pocht, der unsere ganze1 Energie in Anspruch gonommem hat. macht es oft unmöglich, der pedi- Eine Geschichte aus dem Jahre 1938 Von Leopold Ehrlich-Hichler Puter den fünf Palästinaein warul»*- rern war ein solch frommer Jude, ein älterer Herr, der, aus Furcht. die Stunde des Selichothgebetes zu versäumen, bisher den Schlaf bekämpft und wach gelegen hatte. Nun erhob er sich in dem Doppelbett, dessen obere Etage er innehalte, und in dem Bestreben, der anderen Schlaf zu schonen, kleidete er sich lautlos am Dies mißlang; denn eines seiner Kleidungsstücke, ein halber Hosenträger, ragte, wie ein Glockenstrang, in das Bett des unter ihm liegenden Schlafgenossen, geriet ins Schwingen, streichelt»; zart »les Schläfers Antlitz, als wolle er ihn zur Gebelsl und»* wecken und hatte Erfolg: Nach einigen vergeblichen Abwehrbewegungen erwachte der unten liegende Herr, blinzelte zunächst, schloß aber rasch vor dem gefährlich schwingemlen Pendel seine Augen und brummte leise: ..Schon wieder! tischen Schulung der Erwachsenen die gleich»' Aufmerksamkeit: zu widmen. Dies wäre aber unbedingt nötig gewesen, damit die M’eltjudonsehnft die Bedeutung einer zusatnmengefaßton politischen Aktion unter der Leitung einer fortschrittlichen und demokratischen Weltorganisation verstehe und schätze. Der WJC mußte die politische Tradition der alten und teilweise senilen jüdischen Organisationen mit ihrem ..Wohltätigkeitskomplex“ aus dem neunzehnten Jahrhundert überwinden, die nicht; verstehen konnten, daß materielle Unterstützung, wie großzügig sie auch sein mag. ohne die entsprechende politische Tätigkeit nicht wirksam sein kann. Der WJG mußte den Minderwertigkeitskomplex vieler kleinerer und jüngerer jüdischer Gemeinden überwinden. die so daran gewöhnt waren, von der jüdischen politischen Aristokratie des Westens geführt zu werden, daß sie das Vertrauen auf ihr eigenes politisches Urteil und in ihre demokratischen Aktionen verloren hatten. Es brauchte Zeit, ihnen begreiflich zu machen, daß es im World Jewish Congress keine „Geber“ und ..N e h in e r“, sondern nur G 1 e i c hberechtigte im gemeinsamen Kampf um das Leben gibt. Der WJC mußte den Opportunismus der Anhänger der Assimilation und Patienten, Krankenschwestern und Ärzte, etwa 20 an der Zahl, die wochenlang im Iladassah-Hospital festgehalten waren, wurden Ende .Juni unter Bewachung der UNO von dort herunter in die Stadt gebracht, Das Krankenhaus war seit dem 15. Mai ständiger Beschießung ausgesetzt und wertvolle Instrumente — abgesehen von Gebäudeschäden — gingen dadurch verloren. Auch die Universitätsbibliothek ist getroffen worden. Pläne für die Ausbesserung dieser Schäden sind in Vorbereitung. Auch der alte Plan einer ganzen „Universitätsstadt.“ auf (bau Skopus soll endlich verwirklicht werden und damit die Schaffung des geistigen Zentrum«, das Jerusalem für Israel und der gesamten \\ (*ltjudenheit bedeuten wird. Auch soll die medizinische Fakultät; ihre Gebäude erhalten. Di»' 11 adassah-Orga n isation i n Amerika hat, es iibernomirmn, den Gesundheit sdienst; auf »lern Skopus und in ganz L;ra»'l weiter zu unterstützen und auszubauen. J»'tzt plant man die Errichtung »'iiics gmßen Hospitals in der Jc»lcn Morgen weckt mich »ler mit seim*m Hosenträger! Aber...“ besann <‘r sich und hlinz<dt<* in die halbdunkle Kabine, „es ist »loch noch finst»‘r! Weshalb verläßt <‘r heut»* schon s<*in Lager?!” Währ»‘iid dieser Gedanken hatte »l»*r H»*rr ob»*n »hm baumelnden Gloekenstrang hinaufgezogen, angelegt und blickte nun von seinem hoehgeh*gen»‘n Belt mit Späherblick, wie »ler Schwimmer vom J'rampolin, in die Tiefe, erwäg»* ml, wie er unten geräuschlos lan- »l«*n könn»*? Mit kühnem, erstaunlich »dastisehem Schwung für s»*ine Jahr»* und Lichter lirschiitt<*rung »I»*s Dopp»‘lhetl»*s kam <*r auf »I» *m Boden an, atmet»; h»*fr»*it. schaltete »las <*I»*ktris»-Ii»- Li»*ht <*in und hi*m<;rkl<; staunend <li<* »>ff<*n<*n Augen s»*int*s S»hlafg»;noss»*n. „Guten Morg»*n, H»*rr Doktor!“ bt*- griißte <*r ihn fl iis t »* rn»I und fragt»* s('liitl(ll»(*wiißl-(l<*iiiutsv<>ll: „Hab" i»*h Sie viell»*i»*ht gcw<*<*kl?“ Eulgeg<*nkoinm<*n<l »*rwi»lerte Dr. Rosenfeld: „Eig<*nlli»*h m*in, Herr Barucl»! das allzu groß»' Selbstvertrauen d»'r extremen Nationalisten ülx'rwinden, die beid»' nicht, verstanden, »laß »Im* Jude »'in int.regraler, aber hesomh'n'r B»'stan»H»*il der Menschheit, ist., und daß ihre Zukunft, untrennbar von den Siegen oder Niederlagen der Menschheit, im allgemeinen, ist. Der WJC, der vom Augenblick sein<T Gründung (193b) an dem jiidisclmn Staat; in Palästina — dem Staate Israel — voll»' und bedingungslose Unterstützung gewährte, hatte eine schwere Aufgabe, die Notwendigkeit einer Aktion im Interesse der Bildung eines jüdischen Palästinas, gleichzeitig mit, Aktionen im Interesse der Organisation. Aufrechterhaltung, Ermutigung und Erziehung der fortschrittlichen Kräfte des Judentums der ganzen Welt, zu propagieren. Diejenigen von uns, die einen guten Teil ihres Lebens während der letzten zwölf Jahre im VV.JC verbrachten, sahen in Montreux deutlich, daß ihr mühevoller Kampf in den Reihen des World Jewish Kongress seine historische Rechtfertigung erhalten hatte. Wir trafen in Montreux Juden aus der ganzen Welt, aus allen politischen Parteien und sozialen Schichten, aus allen religiösen und kulturellen Gruppen, und nach zehn Tagen harter Arbeit verließen wir Montreux, nachdem einstimmige Beschlüsse gefaßt Fortsetzung auf Seite 7 Küstenebene und einer Poliklinik in Jerusalem. Verwaltungsbeamte werden sowohl auf der Universität wie im Hadassah-Krankenhaus bei ihrer Arbeit; bleiben. Zu den Plänen auf dein Skopus gehört auch die Errichtung eines unterirdischen Operationsraumes, den die Uadassah bauen will. In anderen jüdischen Hospitälern hat man die Operationssälo verstärkt, um sie geg»*n Bombardements besser zu befestigen, doch sind sie geg»'ii starke Angriff»; noch nicht gesichert. Der Untergrund-Operationssaal der Iladassah hingi'gen wird di»' Fortführung der Arbeit auch unter den schwit'rigsUm Wrhältnissen »'rmöglichi'H. Man bereitet auch t*in drittes Notstands- Hospital vor. Mit der Ankunft des mi'dizinische Artikel führenden Flugz»'Ug»'s der Uadassah aus New Vork und mit, den nach Tel Aviv verschifften Vorrähm ist die Organisation, soweit M('dikam('n1e, Instruim'nte und sonstige wichtig»' Ausrüstung in Frage kommen, für iiK'hrer»' Monat»' versorgt. Aber...“ wagte er nach »'incin vor« wurfsv»)ll»*n Blick auf Banuhs g»*slreift»'n Hos»*nträger zu l>»*inerk»*n. „ . . . weshalb st»‘h»*n Si»* luMit»* so zeitlich auf? Es ist »lo»*h noch dunkel?“ „W<*g»*n Sidiclioth“, erwidert»; Herr Barmh, wähiM'iid er si»*h nach Brau»*h und Vorschrift wusch. „Selichoth?" wi('«lerholle Dr. Rosenfehl und erhob sich. „Gehen Si»* auch zu S«*li<holh?“ fragt»* »ler alt»* Il»*rr mit fr<'U<lig<*n Augen, aber Dr. Kos<*nfehl «*rwi<l<*rle kühl: „Nein. Ich »*rhol’f»* mir nichts davon! Gott hat uns verlassen — - aufgegehen!“ „Nein, nein, Herr Doktor!“ rief <l»*r Alle fast lleh(*ntlich. „Sprechen Sie nicht so!“ „Ich bah»* Grund dazu.“ „Grund, an Gott zu zweifeln?! Was ist IImk'ii geschehen?“ „Ruiniert hin i»*h! Verni»,ht»*t! Ich war 11erausgeh»*r «l«*r Wiener Z»*ils»*hrifl ,|)er Jml»*4. Fünfundzwanzig Jahr«*, Herr Baruch! Fünfundzwanzig Jahr»* . . .“ ri«*f er so »*rr«*gt, daß Rarmh «lie anderen «lr»*i sehlaf»*n»l»*n Passagiere Von der Universität und dem Hadassah-Spital auf dem Skopus

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