Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 24 (1.10.1948)
- Date
- 1948-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 24 5)/e Stimme Seite 5 Unsere 'ra' nstpn d^sot “nstrx na Heilige Stadt Jerusalem hi'1 ersten Einwanderer h;iIhin im Schwei he ihres Angesichtes den (1 rundst ein /um AA’erk gelegt. das Frez I s r a e I heißt. I ’ns(M* Land ist in einem Rhythmus dm- Arbeit geschafl'en wurden und man kann ruhig behaupten. daß dileser Aufbau in dtir \\ elfiresrliirhle einmalig ist. Auf steinigem Leis sind fruchtbare Kibbuzim entstanden, dem sumpfigen l'i m e k Israel wurde neues Lehen eingehaund auf den Sanddiinen des Meeres u IVm's wuchsen Städte, deren Krnne T e I A v i v ist. Auf dmn schrmen K a. r m e I prangen wi(“cl(‘i* farbenprächtige (Milden und in dmi Tälern des Scharon fragen die H;iuine goldene Fri'nditi'. Lin neues (i('schlecht heldenhafter AI a k k a. h ä e r ist erstandmi. das keine Unterdrückung kmmf. Aber auch die ältere (leneration hat sich aufgerichtet und blickt stolz auf das Wunder der Wiedererneuerung des jüdischen Volkes. Die Existenz I s r a e I s. dir* durch die Blutopfer seiner Besten Söhne und Töchter gesichert, wurde, ist; eine unumstößliche Tatsache. Die jüdische (’hajalim sind im wahrsten Sinne des Wortes zur Freiheitsarmee geworden. Israel wird aber nur dann von dauerndem Bestand sein, wenn es den. Deist J o r u s a 1 e m s in sich aufninimf. denn diese ewige Stadt, wird immer die Leuchte unseres Landes bleihen. Das jüdische A’olk hat in seiner jahrhundertalten Leidensgeschichte in Jerusalem das Symbol seiner Freiheit erblickt. J e r u s a,l e m war der Kristallisationspunkt seines Glaubens und die A'erbindung zwisclimi ihm und seinem Gott. So war (>s in der Zeit, als das Volk in Frez ein freies Lehen führte, aber auch als es im b a, b y 1 o n i s c h e n Fxil war und als es ein zweites Heiligtum in M i z r a j i m aufbauen wollte. Seine Verbundenheit; mit J e r u s a 1 e m wurde nie in der zweituusendjührigen Diaspora schwächer. Alle guten Jahre der .luden, ihre Freuden und Leiden standen in inniger (ledankenVerbindung mit, .Jerusalem. Die Gebete und Gesänge tendierten zu der Stadt, in der sich der heilige Tempel erhöh, der sichtbare Ausdruck des unvergänglichen (Haukens. Als das jüdische Volk in grauer Vorzeit im Lande lebt«1, pilgerte es dreimal im Jahr nach J e r u s a 1 e m. Diese Pilgerfahrten wurden auch nie unterbrochen als das jüdische Volk verbannt und zerstreut war. Xacli der Zerstörung der Heiligen Stadt haben sich unsere Vorfahren ein J e r u s a 1 e in des (leistes aufgebaut, das ('s auf allen seinen Wanderungen begleitete. V as im (1 a 1 u t h 1 e b e n an Schönem und Frhabenem geschaffen wurde, war die Auswirkung des (leistes von Jerusalem. Während des (lotfesdienstes am Jom Kippur fühlt sich der Jude im heiligen Schauer seiner Andacht an die Stätte des großen Tempels nach J (' r u s a 1 e m versetzt . Der (lläubige sieht mit seinem geistigen Auge den Hohepriester bei der Verrichtung seines demütigen Amtes im Allerheiligsten. ln diesem Augenblick wird der (Haube des Juden, daß der Tag kommen wird, an dem sein Fuß das irdische Jerusalem betritt, zur (iewißheit. Am I). Ab, wenn wir in 'Trauer auf der Frde sitzen, unser Ilaunt mit Asche bestreuen und das Unglück unseres Volkes beweinen, richtet, sich unsere ganze Sehnsucht auf J e r u s a 1 e m. Von Josef Weinberg Wo immer sich unsere Brüder und Schwester befunden haben mögen. .1 e r u s a I (> m und der Berg Z i o n blieben stets in ihrem Blickfeld. Ist es nun nicht ('ine Tragik, daß jetzt, bei der ehaluzisehen Arbeit in F r ( z unser J e r u s a. I e m aus dem Gesiehtskreis geschwunden waiO Als wir Zionisten gigantisch!' Werke in unserem Lande vollbrachten. Kolonien. Dörfer und Städte bauten, ('haussen anlegten. Siimplä' austrocknMen und die Wüste urbar marhlen. ist auf Jerusalem vergessen worden. Und so ist, jetzt; unsere Heilige Stadt, trotz Wiederaufbau, vielleicht der schwächst!' Funkt von Frez Israel. Nicht wir. sondiert! die Fngländer und die Araber Indien die Bedeutung von .J e r usalom rechtzeitig erkannt. Nicht unsere, sondern ihr«' Politik war am J (> r u s a, 1 «'ui gerichtet. Seit Jahren bildeten wir in der Stadt die Mehrheit und dennoch setzten wir uns nicht energisch genug zur Vehr, daß dort bis zum Ausbruch des Krieges die Araber regierten. Frst die Kanonen der feindlichen Armeen und die Bestrebungen von (lluhh Pascha und dem englischen .Marionettenkönig A I) d u I I a h haben uns in Frinnerung gebracht, was uns Jerusalem bedeutet. Heute wissen wir es. daß weder Beschlüsse noch Resolutionen, wo immer sie von unseren Gegnern gefaßt, werden, das Band zwischen dem jüdischen Volk und der alt-neuen Hauptstadt; von Frez zerreißen können. Denn kein Volk auf der Welt ist; geschichtlich und geistig so sehr an eine Hauptstadt, gebunden, wie das Judentum an J e r u s a 1 e in. Fnd diese Zusammengehörigkeit, enträtselt das Phänomen des jüdischen Bestandes. Wir sind uns darüber klar, daß diese Stadt, auch das geistige Zentrum vieler anderer (Religionen ist und wir sind uns deshalb der Schwere unserer A'erantwortung bewußt, die die Eingliederung J e r u s a 1 e m s in den jüdischen Staat I s r a e l uns aufhiirdet. Unser (Haube an die Biickkehr des jüdischen Volkes nach. Jerusalem beinhaltete immer den AATmsch: „Zion bemischpat tibaneV (Zion wird in Gerechtigkeit errichtet werden). Und Fortsetzung von Stäto 4 Lebensmittel-Fragen K (i n 1; roll a m t, Um die Lebenshaltung nicht noch höhere Kosten erreichen zu lassen und ausreichende A'ersorgung mit; Nahrungsmitteln zu sichern, hat man für dien jüdischen Staat, ein Kontrollsystem eingerichtet. Hs gibt; einen Kontrollor für Importe, deren Finanzierung und Einlagerung (Dr. H. Fürder) sowie einen Kontrollor für die A’erteilung und deren richtige Überwachung (F. Bereisen, stellvertretender Bürgermeister von 'Tel Aviv). Außerdem gehören dem Konfrollamt, Vertreter der Jewish Agency, des AVaad Leumi, der Lokalverwaltungen, der Munizipalitäten von 'Tel Aviv, Haifa und Jerusalem, sowie der landwirtschaftlichen Siedlungen an. Die A'ersorgung soll das ganze Land berücksichtigen, während die A’erteilung an die A’erbraucher den lokalen Behörden übertragen sein wird. Das Hauptbüro dieses Amtes mit; 10 Abteilungen hat seine Büros in Sarona bereits eröffnet. (1 e m ii s e a n b a u. I bis Landwirtschafts-Ministerium hat eine große das mag der Voll die Gewißheit gehen. daß wir ihres A'erlraueiis würdig sind. AA'ir sind der festen Überzeugung, dal.s aus dein befreiten Z i o n wieder die erhebendsten Ideen der Menschlichkeit in die AA’elt a.usstrahlen werden und wir seihst haben die ehrliche Absicht, das schönste Beispiel von Freiheitsliebe. (lerechtigkeit und 'Tolleranz zu geben. Der Bibelspruch, dal.s von Zion die Lehre und das Gottesworl; ihren AA'eg in die AA’elt nehmen werden, wird sich in der Zukunft, wie in der A'ergangonhoil bewahrheiten. AAir schätzen die Gefühle der (lläuhigen aller Religionen ebenso hoch ('in. wie die eigenen. AA’ir werden. die Heiligtümer aller Bekenntnisse so schützen, wie die unseren. Kein internationales Regime würde die Unantastbarkeit der heiligen Stätten mehr respektieren als wir. Das ganze jüdische A’olk. wo immer es sich in der AA elf befinden mag. hat nun seinen Fid zu erneuern: ..Im eschkooheoh Jeruscholajim tisclikadi Jemini“ (Meine Rechte möge verdorren, wenn ich Dein vergesse. .1 (' r u s a 1 (' m 1 ) Die Machthaber der AA’elt werden die Konsequenzen dieses dreitausend Jahre allen Schwures zur Kenntnis nehmen müssen. Das jüdische A’olk hat. in den jüngsten Schlachten um die Hauptstadt; bewiesen, dal.s es bereit ist. für .1 ('r u s a 1 ('m einen teueren Preis zu. bezahlen. Innerhalb der Mauern der Altstadt befinden sich noch, die Kanonen und Tanks der Araber und Bevin benützt dies zu neuen Intrigen. Jerusalem seihst; ist; aller fest, in jüdischer Hand. Flor eiserni' AA’ille besteht, daß die Heilige Stadt; unser bleiben muß und an diesem AA’illen werden die bösen Absichten unserer AAddersaeher zerschellen. Jerusalem Jaakov Czernowitz Seit, meiner Kindheit kannte ich diese Straßen. Die engen, steinübersäten Dassen, die Steinhäuser und felsigen Bauplätze, die Gitter und Ahniem. das Leben und 'Treiben in den überfüllten AA’ohnvierteln. Und nun ist einiges vom Leben jener fernen 'Tage zu uns zurückgekommen: Das AA'asser. das man früher auf Eseln von Haus zu Haus transportierte, wird auch jetzt wieder von Haus zu Haus verteilt, — allerdings aus Behältern, die auf Lastautos aufgeladen sind; und wieder die Petroleumlampe oder die rauchende Kerze auf dem 'Tisch, Svie in jenen Jahren, wo es noch keine Elektrizität im Lande gab. Und auch die Einwohner haben sich kaum verändert; der „alte Jisclmw“ in Aleah-Shcarim. die Jeschiwahjünger, die kurdischen und georgischen und persischen Juden, nur daß zu ihnen einige Menschen der neuen Alijoth dazugekommen sind, und sehr, sehr viele Jugendliche, Jungen, die vor unseren Augen groß Aktion unternommen, um zu größerem Anbau von Gemüse anzuregen, und 20 Instruktoren ernannt, welche die Farmen im Lande besuchen und Rat erteilen sollen. Man rechnet, daß 1800 Tonnen mehr Gemüse durch verbesserte Methoden geerntet werden könnten. Die Öffentlichkeit, wird auch aufgefordert, Grundstücke und Gärten in den Städten zu bebauen, um zur Erhöhung des Gemüseertrages beizutragen. l)cr Sitz des Obersten Gerichtshofes in Jerusalem Auf einer Sitzung des Jerusalemer Stadtrates erklärte Minister David Remoz. dal.s der ständige Sitz des Obersten Gerichtshofes Israels in Jerusalem sein werde. In derselben Sitzung erstattete der Alilifärgouverneur Jerusalems. Doktor Bernhard Joseph, Bericht, über die Hrnährungslago in Jerusalem. Fr stellte fest., daß Jerusalem über mehr Lebensrnittel verfüge als alle anderen 'Teile dos Landes. geworden sind, stark und kräftig, und nun stehen sie an den vordersten Fronten, führen gewagteste Operationen in und bei Jerusalem und an fernen Fronten — vom Dalil bis zum N'egev — durch. Jedoch nicht über den Heldenmur der Jungen staune ich. AA’ir wußten ja. daß uns ein wunderbares Geschlecht heranwächst, ein Geschlecht, das die Furcht nicht kennt und sich kein Joch auferlegen läßt. Aber kommenden 'Tagen, wenn einmal die Geschichte des standhaltenden Jerusalems geschrieben werden wird, wird die Legende gerade von dem einfachen, ganz alltäglichen Juden erzählen: Jener Händler, dessen Tochter in der Schlacht gefallen ist, und der am nächsten (Morgen in seine Stellung in der vordersten Linie geht und sein „Spandau“ Maschinengewehr gegen den Feind im entfernten ATertel richtet, oder jene Alutter, die still und wortlos das Bündel für ihren Sohn schnürt, der an die Front geht;; und die Hausfrau, die mit, den paar Lebensmitteln und ihrem halben Laib Brot es fertigbringt, alle Familiemitglieder satt zu bekommen. Oder die junge Alutter, die ihr Kind unter einem Granathagel zur AAA'lt bringt; oder der Jeschiwahjünger. der zu Festungsarbeitjen herausgeht, und die Alte, die um keinen Preis ihr AAMhnviertel an der Front und ihr zerschossenes Haus verlassen will, auch nachdem sie dort ganz allein zurückgeblieben ist. Über all diese wird die Legc'nde Jerusalems geschrieben werden. Uber diese zerrissene und gegensätzliche Stadt, die in A'iertel und Landsmannschaften geteilt; ist und in der Stunde der W'rsuchung eine einheitliche Sprache und einen einmütigen Geist gefunden hat, die still den Alangel und das Leid trägt, die ihr zuteil geworden sind —- keine Klag«' wird laut, und man läßt die Hände nicht, sinken. Die feindlichen Granaten haben Risse in die Steinwäude Jerusalems gesprengt, aber ein Spalt in der bunten, aus aller AA’elt herstammenden jüdischen Bevölkerung, die die Mauern bewacht, ist nicht zutage getreten. Unser Jerusalem hat sich gehalten und wird es auch weiter tun.