Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 21 (24.4.1948)
- Date
- 1948-04-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 21 2)ie Stimme Seite 3 21 ipf 7orh 5anz< i. Di nach •resst Goli all, Escha lit a i Mi Ernr in se lind Wal aelif h füt : rur hatte udei M»/o) 164 nmc t) II Stii: Gr ui ioriti i vo irticl 1. al Ische iahe o dt ion i ■ecke an de 7idci :h dt n, ni attei »ich ei engl asst'i chuf istät >rdei isdie :h ihi er S te la liehe iten, ir, jt je dt :tz z »erte n s. lefti . Ve: :hvvit n Pi e aß uigj!1 d. dt miid ic li n in l lia Wt\l Die Straße nach Jerusalem Eine ecllte Traoöllie . . Und führe uns wohlbehalten an unser Ziel ...” heißt es in der Tefillath lladercch. Diese Worte haben eine neue, traurige Aktualität erhalten und werden heute wohl so manches Mal an gleicher Stelle und mit gleicher Inbrunst gesagt wie vor etwa 100 Jahren, als die Reise von Jerusalem nach Jaffa ein gewagtes Unfernehmen war, auf das man sich nicht ohne sch rtriftige Gründe einließ. Zu jener Zeit war Jerusalem mit der Küste durch einen unwegsamen, nur für Reittiere gangbaren Pfad verbunden; vor allem aber standen die Berge Judeas unter der Herrschaft des räuberischen Abu Gosh clans, der nach Gutdünken die wil- Iden Schluchten und engen Pässe öffnen und schließen konnte. Wieviel Umsicht und organisatorische Vorbereitungen so eine Reise in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erforderte ersehen wir aus einem zeitgenössischen Bericht:... „Juden, die nach Jejjusa’em wollten (Neuankömmlinge) mußte nerst zwei bis drei Tage in Jaffa warten, da e damals in Jaffa nicht genug Reittiere gab, um die Reisenden (die den Weg immer nur in größerer Gesellschaft von mehreren Familien zurücklegten) nach Jerusalem zu befördern. Ueberdies war der Weg gefährlich, deshalb teilte der Herbergsvater in Jaffa den Gemeinde rnitgl ledern in Jerusalem immer die genaue Anzahl der Ankömmlinge mit. Ein Beauftragter der Gemeinde Jerusalem trieb in der Umgebung die erforderliche Anzahl Esel und Maultiere auf, so wie Tragsessel für die Beförderung Kranker und Schwacher .. . Der Gemeindevater begab pich dann in Begleitung eines oder zweier Diener nach Jaffa, um die Reisegesellschaft nach Jerusalem zu bringen. Ma nverließ Jaffa gegen Abend und übernachtete in Ramleh ... denn nachts war es selbst für eine größere Karawane zu unsicher; ungefähr in den Nachmittagsstunden des darauffolgenden Tages kam man am Ziel der Reisenden an. Der Gemeindevertreter und seine Diener „bewahrten die Reisenden vor dem Uebel .... und zahlten dem Scheich Abu Gosh der über das Dorf Karyet el Aneb herrschte, das übliche Lösegeld, entsprechend der Kopfzahl...” In seinem Buche „Voyage en Orient” schildert der Dichter Lamartine eine persönliche Begegnung mit dem berüchtigten Scheich. Abu Gosh erwartete den mit großem Erfolge durch das grüne Tal von Latrun heraufziehenden Gast in der Nähe seines Dorfes, ließ unter einem schattigen Feigenbaum Matten ausbreiten und bewirtete ihn mit Kaffee und Sherbet. Allerdings war der „fränkische Emir” von keiner geringerin als Lady Hester Stanhope, seinem besonderen Schutze empfohlen worden, und dieser Empfehlung wurde durch ein wertvolles Geschenk besonderer Nachdruck verliehen. Der Vater der Lüge (dies ist die wörtliche Uebersetzung des Namens) erwies sich des in ihn gesetzten Vertrauens würdig, er gab seinem Schutzbefohlenen einen Trupp seiner Leute mit, um ihm ungehindertes Umherstreifen in seinem Hoheitsgebiet zu ermöglichen. Eine Zeitlang wurde Abu Gosh sogar der offizielle Beschützer der Straße, wofür er von der Regierung ein festes Gehalt bezog. Dieses System schien sich aber nichU (b ewährt zu haben, denn kurz darauf, im Jahre 1846, wanderte er in Gesellschaft einiger revalisierender Stammeshäuptlinge ins Exil, kehrte jedoch sechs Jahre später zu seiner alten Tätigkeit zurück. Aehnlich wie die jüdische Gemeinde zahlten ihm die Klöster in Jerusalem regelmäßig Subsidien, um die oft recht armen Pilger vor Molestierungen zu bewahren. Für öffentliche Arbeiten zeigte die Türkische Regierung nie viel Interesse und erst der angekündigte Besuch eines ausländischen Monarchen, der noch dazu den Titel „König von Jerusalem” führte, gab den Anstoß, die Straße wenigstens so weit in Stand setzen zu lassen, daß sie für Wagen passierbar wurde. Und so konnten die erstaunten Bewohner Jerusalems im Jahre 1869, anläßlich Kaiser Franz Josephs Reise ins Heilige Land, die von Pferden gezogene Karosse bewundern. Aus einem Reisebericht aus dem Jahre 1879 können wir uns ein ungefähres Bild von der Sicherheitslage machen. Der englische-jüdischc Reisende Montagu Samuel beschreibt zwar den Weg als „normalerweise so sicher wie Paul Mall um 12 Uhr mittag”, aber im Gegensatz dazu erzählt er doch einige Schauergeschichten von Raubüberfällen, die kurz vor seiner Ankunft passiert wären. Nachdem die Straße nun befahrbar war, brachten zwei unternehmende Juden aus Jerusalem, Ben Zion Leon und Chaim Scherzer einen Wagen aus Aegypten, um einen regelmäßigen Personenverkehr' einzurichten, Der Wagen, der für die glatten, ebenen Straßen Aegyptens gebaut schien, erwies sich in den Bergen Judäas als unbrauchbar. Dagegen führten die praktischen Deutschen ein Wagenmodell aus dem bergigen Syrien eindas sie an Ort und Stelle kopierten und übernahmen somit die Führung im Verkehrswesen Jerusalem-Jaffa; es folgten einige Araber und Juden und im Jahre 1885 war die Straße bereits von 50 Wagen befahren. Äbet auch in den verbesserten, von drei Pferden gezogenen syrischen Wagen, scheint die 14-stündige Fahrt auf dem holprigen Weg, der nach Einsetzen des Regens wohl überhaupt kaum passierbar war, keine reine Freude gewesen zu sein. Die Fahrt wurde meist nachts gemacht und aus Sicherheitsgründen in Convoys von zwei bis drei Gefährten. Ging es bergauf so sagte der jüdische Fuhrmann „steigt bitte aus, um die Pferde zu schonen”; ging es bergab warnte er vor der Gefahr und kam man schließlich in die Ebene so hieß es „wenn Ihr mich fragt, so geht Ihr jetzt ei nbißchen spazieren”. In Kolonia (Moza) wurde die erste Rast gemacht, hier mußten die Männer in der Tat aussteigen und zu Fuß bis zur Paßhöhe ansfeigen. Die nächste Station war Bab El Wad, wo es auch damals ein arabisches und ein jüdisches Cafe gab; hier konnten sich die müden Reisenden und noch müderen Tiere einige Stunden von den Strapazen des Weges erholen. In Ramleh, wo man im deutschen Gasthof einkehrte, wurde nochmals kurz angehalten, um sich für die letzten zwei Stunden der Fahrt zu stärken. Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Jaffa—Jerusalem im Jahre 1892 brachte schließlich auch für das Heilige Land das Ende der Postkutscheaera. Erst während des ersten Weltkrieges baute die englische Okkupationsarmee die Straße aus, au fder man zwar die 63 km in eineinviertel Stunden zurücklegen kann, die aber sichtlich noch dieselben strategischen Mängel aufweist, wie der Reitweg zu Abu Goshs Zeiten. Hedda Bondi, Jerusalem In einem fortschrittlichen kleinen Theater einer Londoner Vorstadt, dem „Lyric Theatre” in Hammersmith, läuft im Augenblick ein Stück, das, wie keines zuvor, die Tragödie eines jüdischen Refugeemädchens in England überzeugend gestaltet. Das Stück, dessen Aufführung vom „Britischen Kunstrat” unterstützt wurde, heißt „Dark Summer” (Dunkler Sommer) und sein Autor ist Wynyard Browne. Der Hauptcharakter ist eine Jüdin aus Wien, Gisela Waldstein, die ihre Familie in Oesterreich verloren hat und selbst 14 Monate im KZ war, einst erfolgreiche Chemikerin, nun Köchin in einem englischen Haushalt der Provinz — deklassiert und vereinsamt, und viel, viel älter als ihre fünfunddreißig Jahre. In den ersten Jahren des Krieges gab es viele Gisela Waldsteins in England, aber diese hier hat ein besonderes Schicksal : im Hause, in dem sie dient, ist ein junger Flieger, der erblindet ist; sie betreut ihn und führt ihn aus, sie liest und schreibt für ihn, selbst die Briefe an seine Braut, und er wird ihre große Liebe. Er bricht mit seiner jungen, hübschen Braut, die er nicht mehr sehen kann, und will Gisela heiraten, die er nie gesehen hat. Aber eine Operation gibt ihm das Augenlicht wieder — er sieht, und sieht eine alternde Jüdin und seine frühere Braut, eine junge Engländerin. Das Stück ist feinstes Kammerspiel. Nur fünf Personen agieren, jede fein und subtil gezeichnet. Die Mutter, eine religiöse Christin; ihre Freundin,, eine altjüngferliche Antisemitin, die Gisela vorwirft, sie wolle einen Engländer nur heiraten, um die britische Staatsangehörigkeit zu erwerben; die Braut, „liberal” erzogen, aber im Streit mit der Rivalin bricht doch das Vorurteil gegen die Juden durch; und der Mann, hin und hergeworfen zwischen Leid und Liebe, Pflicht und Neigung. Eine der schönsten Szenen ist, als Gisela ihm von ihrer Versuchung erzählt, sich das Leben zu nehmen; als sie an ihrem ersten „freien Nachmittag” als Dienstmädchen in einer Kleinstadt Englands, ohne Menschen und ohne Freunde, zum ersten Mal wieder in ein Konzert gehen will, und auf einer Mauer die Anschrift findet „Nieder mit den Juden”; und wie dann am Ende doch die urjüdische Bejahung des Lebens in ihr siegt. Mit jenem Bekenntnis zum Sein rettet jene unglückliche, alternde, einsame Frau dem von ihr geliebten Mann, der selbst nahe dem Sebstmord ist, das Leben. Es ist klar, wo die Sympathien des Publikums nicht immer mit den seinen mitgingen; nicht immer wurden die antisemitischen Ausbrüche der anderen so abgelehnt wie es die Logik des Stückes erfordert hätte. Herbert Friedenthal ICCmdtotacUuHty ‘ ' _ an die im Ausland befindlichen Palästinenser 1. ) Alle ledigen und verheirateten kinderlosen Männer im Alter von 18 — 35 Jahren werden aufgefordert, ihrer Stellungspflicht beim Hauptquatier des Scherut-Haam, dem die Palästinaämter angeschlossen sind, nachzukommen. Sie haben ohne Verzug nach Erez-Israel zurückzukehren. 2. ) Ledige Frauen und verheiratete Männer und Frauen der obigen Altersklasse haben sich, auch wenn sie Familie haben, bei den genannten Ämtern zu melden. Die Verlautbarung über die Rückkehrerpfiicht wird rechtzeitig erfolgen. Diejenigen aber, die sofort zurückkehren können, werden ersucht, dies ohne Verzug zu tun. Die Mobiliaierungspflichtigen werden aufgefordert, sich sofort nach ihrer Rückkehr in Haifa oder TeJ-Aviv beim Mobilisierungsamte des Hauptquatiers des Scherut-Haam zu melden. Söhne und Töchter des Landes, wo immer Ihr auch seid! Beweiset Eure Treue im Kampfe unseres Volkes um die Freiheit und die politische Unabhängigkeit unserer Heimat! Schließt Euch der kämpfenden Front an! Hauptquatier des Scherut-Haam Anmerkung! Die Departements des Scherut-Haam in Erez-Israel werden Anfragen und Eingaben wegen Befreiung vom Dienste für diejenigen die sich im Ausland befinden, weder behandeln noch beantworten. Am Freitag, den 23. April 1948 um 15 Uhr Spricht Df. SieoueU Vorsitzender des jüdischen Zentralkommitees für die amerikanische Zone Österreichs im Sender Rot-Weiß-Rot anläßlich des pessacUfesies ^52062