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Die Stimme · 1948-04-03 · Heft 19 (3.4.1948) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 19 (3.4.1948)
Date
1948-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 CDie Stimme Seife 3 Dr. VICTOR E. PORDES I a r i! t ■i » e in li n ii li it c 1 “ii IC c 0 SCI c lisl in nij >c Id lll ni in! Li & of in; er di In d( va; “IV jii Um eine jüdische Kultusgemeinde Kandidaten der Jüdischen Föderation 1. Dr. David Schapira, Rechtsanwalt, Wien I, Schulerstraße 18 2. Dr. Victor E. Pordes, Rechtsanwalt, Wien XVIi, Frauenfelderstraße 15 3. Dr. Ernst Feldsberg, Präsident der Chewra Kadischa, Wien IX, Porzeilang. 19 4. Benzion Lazar, Präsident des Verbandes jüdischer Kriegsopfer, Mittelschullehrer a. D. Wien II, Franz-Hochedlinger-Gasse 25 5. Bernhard Braver, Bankinspektor i. P., Wien IV, Große Neugasse 32 6. Josef Rubin-Biftmann, Kaufmann Wien II, Schöllerhofgasse 5/7 7. Dr. Rudolf Braun, Rechtsanwalt, Vorstandsmitglied der Rechtsanwaltskammer, Wien I, SeLlergasse 4 8. Josef Ludmerer, Fiilmunternehmer, Wien VII, Neubaugasse 38 9. Kommerzialrat Arnold Weiner, Industrieller, Wien XV, Markgraf-Rüdiger-Str. 2 10. Frau Ada Neuspiel, beeid. Gerichts-Dolmetsch, Wien IX, Nußdorferstraße 14 11. Dr. Wolf Herzberg, Rechtsanwalt, Wien V, Sonnenhofgasse 6 12. Dr. Sigmund Fuchs, wirkl. Hofrat, Staatsbeamter i. R., Wien IX, Seegasse 9 13. Dr. Wilhelm Popper, Rechtsanwalt Wien IX, Hahngasse 6 14. Prof. Dr. Berthold Hirschl, Mittelschullehrer, Wien XXI, Schrickgasse 19 15. Ing. Isaak Lerner, Hofrat, Staatsbeamter i. P., Wien I, Ebendorferstraße 4 16. Isidor Weißmann, Bürstenfabrikant, Wien, XV, Pater-Schwartz-Gasse 7 17. Salomon Guttmann, Kaufmann, Wien XIX, Paradiesgasse 20 18. Simon Adler, Kürschner, Wien I, Naglergasse 2 19. Heinrich Birnbaum, Kaufmann, Wien IX, Nußdorferstraße 3 20. Egon Belf, Beamter, Wien XIX, Silbergasse 8 21. Chaim Welsch, Bethaus Vorstand, Wien IX, Währingerstraße 60 22. Rudolf Stappler, Beamter, Wien II, Taborstraße 47 18 23. Ottilie Gröbl, Präsidentin der jüdischen Frauenorganisation „Wizo”, Wien IX, Seegasse 9 Ein neuer Begriff wird damit für uns lebendig : der Begriff der jüdischen Staatstreue. Man kannte bisher nur den Begriff des gesetzestreuen also des orthodoxen Juden. Vom staatstreuen Juden sprach man nur in der Bedeutung, daß er dem Staate gegenüber, in welchem er >ieser Beiter seine es Juden die Treue den Zweiietet uns 2re Ethik. Während olk gegerenze getsehen in mmer lomimt für;r Staats- ’reue für en Staat, znz, kein e zu Palt einmal ch einen Bindunlich und re Liebe ande une künden, is Gebot; besagt, not tut. entums uration” also naen Riehsammen- Einheit, ene, die lern Gell ihrem s Juden jo jeder ht „iwri r dieser uns dieluch et-;n Wahi unser hen — Politik, ber 1947 ler Bedürfen eh und ohl ein kleines d unter un dürich mit ite der m heuunserer iht ein trastleologien immer icht Eig : dawerden eit der Welche ür alle lt, Ost nicht r dem ,ugl eich reiheit, es, für! er nur zuletzt sich und sein Volk in den Abgrund, in Schande und Rutin, geführt. Sein Gesetz ist gefallen. Die Gesinnung ist geblieben. Warum sprechen wir davon 7 Weil doch heute jedem Juden, auch einem, der es zum Zionisten noch nicht gebracht hat, eines klar sein muß : wäre in der Zeit, wo jener Wüterich, jener geisteskranke „Sojne Israel” die Macht antrat, Palästina für uns offen gewesen, wäre das zionistische Postulat schon damals verwirklicht gewesen, so hätten hunderttausende Juden nicht in den Gaskammern neuen jüdischen Lebens,, jüdischen Fühlen« und Wollens werden. Was haben wir Juden in der Galuth denn anderes als Mittelpunkt 7 Und wer soll der Hüter und Bewahrer, der Verwalter und Anreger dieses jüdischen Lebens, Glaubens und Wissens sein, wenn nicht die K. G.7 In sie muß vorerst diese Wandlung jüdischen Lebens einziehen, in ihr zum Ausdruck kommen, in ihr wahr werden. Jüsches nationales und religiöses Leben soll aus ihr strahlen und so ist nur das nationale und religiöse Judentum sie zu bilden und zu führen berufen. ig ent- __ v» hui viwui V.1HC11 OU.CJT anderen Lager verschreiben, immer wollen wir ein Volk der Mitte, der Versöhnung, ein Mittler des Friedens und des Verstehens, sein. Jude sein, das heißt weder nach links noch nach rechts blicken, unserem Gott und unserem Volk dienen, auf jener hohen Warte stehen, die zugleich abseits und oberhalb der Alltagspolitik steht. Wir können es daher nur aufrichtig bedauern, daß unsere K. G. nicht seit heute in die politische Debatte gezogen wurde, daß sich Zeitungen in Wien und im Ausland mit ihr befassen. Und umsomehr bedauern wir, daß zu diesen Wahlen Listen aufgesfellf wurden, deren politischer Charakter unverkennbar ist. ( Da ist zuerst die .Sozialistisch“ Liste , die kein Hehl daraus macht, daß sie eine , sozial ist i sch ge1 iihrte Kult usgemeinde will. Sie verspricht ihr Programm mit Hilfe der Sozialistischen Partei Oesterreiehs zu verwirkliehen. Abo sozialistisch das Endziel, sozialistisch die Mittel und nur von einer Kleinigkeit ist keine Rede, vom Judentum als solchen, vom jüdischen Glauben, und jüdischen Volk, von jüdischer Erziehung und jüdischem Staat, denn so etwas kann ja Juden dieses Schlages nur wenig interessiern. Dazu gesellt sich eine zweite Liste politischer Natur, die sich zwar auch jüdisch nennt, aber gleichfalls politisch anderswo tendiert. Wir kennen zwar die sog. Brill-LUte noch nicht, aber man braucht kein Prophet zu sein, um mit Sicherheit vorauszusagen, daß alle ihre prominenten Kandidaten der K. P. angehören. Zwei politische Richtungen ziehen also auf, um sich die K. G. streitig zu machen. Ihr, die eine eminent konfessionelle, religiöse und rituelle Einrichtung darstellt, droht das Schicksal zum Zankapfel zweier feindlichen politischen Brüder zu werden. Das ist vom jüdischen Standpunkt so grotesk und absurd zugleich, daß man sich an den Kopf greift. Was soll das heißen7 Zeigt plötzlich der Marxismus der einen und anderen Observart religiöses Interesse 7 Oder kann man bezüglich der Kaschruth, der Mikwe und des Rabbiners, des Schocket und der Chewra Kadischa vom Standpunkte der beiden Parteien entscheiden 7 Sind sie und der Schulchan Aruch irgendwie in Beziehung zu bringen 7 Bestimmt nicht. Es handelt sich da um etwas ganz anderes. Jüdische Werte und jüdische Strebungen sind den beiden Parteien ganz egal. Es handelt sich um rein politische Schachzüge. Glaubt eine Partei, daß die andere in der K. G. bereits Fuß gefaßt hat, so will sie dasselbe tun. Sind K. P. Juden drin, so soll es dort auch S. P. Oe. Juden geben. Und während sich beide Teile Juden nennen, besorgen sie das politische Geschäft ihrer Parteien. Man wird mir einwenden : dürfen denn Juden keine politischen Ueberzeugungen haben, dürfen sie keiner außerjüdischen politischen Partei angehören 7 O ja, es ist gewiß ihr gutes Recht. Jeder Jude mag es, wenn er will. Er kann einfacher Soldat oder höherer Offizier einer außerjüdischen Partei sein, er mag sich politisch betätigen und politische Kämpfe führen, aber in rein jüdischen Institutionen ist er damit fehl am Ort. Man kann eben nicht zwei Herren dienen. Die Zugehörigkeit zu einer Partei das ist mehr als ein Parteibuch, das ist Bindung und Unterwerfung, das ist Disziplin und zugleich eine bestimmte Marschroute. Und das hat weder mit einer konfessionellen Institution etwas zu tun, noch ist es mit ihr vereinbar. Ich will nicht mißverstanden werden. Ich spreche damit nicht gegen Parteien und Parteiprogramme als solche. Ich spreche auch nicht gegen irgend eine Einzelperson. Auf beiden Listen, die ich als Jude ab* hne, gibt es hochachtbare Menschen, die ich schätze und ehre. Ich achte alle ihre Qualitäten, aber ich spreche ihnen aus obigen Gründen nur eines ab : die Eignung heute im national-religiösen Leben unseres Volkes irgend eine Rolle zu spielen. Sie haben ein anderes Tätigkeitsfeld, das sie erwählt haben. Ihre und unsere luteressen und Absichten kreuzen sich. Denn wir wollen, daß die K. G. ihrem eigentlichen Zweck dient, dem jüdischen Volke, dem jüdischen Glauben, der jüdischen Zukunft. Für sie kommt dagegen nur eines in Betracht: die K. G. zum Stützpunkt ihrer Partei zu machen. Es ist leicht zu verstehen, welche Gefahr für uns darin besteht, daß die K. G. diese oder jene politische Farbe bekommt. Denn gehört sie der Partei A an, dann hat sie gegen sich die Partei B, (Fortsetzung auf Seite 4)

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