Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 17-18 (17.3.1948)
- Date
- 1948-03-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8 17/18 CDie Stimme Seife 5 erer tarn Redei :hen de; ist, igen Re- :Her »ichi dei Anxlei ere; dei linvöiden Jersien Itujrcfi len, und jdiigsim ircli die sind :ntden un- Ranus Gad Lazer schreibt aus Erez Israel Mit Genehmigung des Empfängers, Herrn Heinrich Lazer, Wien, II., Untere Augartenstraßc 35, veröffentlicht. Lieber Onkel Heinrich! Deinen letzten Brief erhielt ich vor zwei Monaten und seit dem Tage trug ich mich mit der Absicht, Dir zu antworten. Doch geschieht es erst heute. Zwar habe ich unterdessen den Inhalt dieses Briefes vergessen und wahrscheinlich hältst Du es auch so, daß es nichts ausmacht, daß ich da nicht ankniipfe, wo wir das letztemal aufhörten. Mein privates Leben hat sich in der letzten Zeit nicht geändert, da ich auch vorher im Dienste der Heimat stand. Jetzt gibt es nur viel mehr Arbeit. Wir sind hier alle sicher, daß, wenn unsere „neutrale” Mandatarmacht sich endlich davonmachen und keiner mehr da sein wird, der die Juden entwaffnet und die arabischen Banden gewähren läßt und sie sogar vertragsmäßig mit Waffen beliefert, während man uns blockiert, werden wir der Situation Herr werden und den Beschluß der UNO zur Durchführung bringen. Das will nicht sagen, daß wir jetzt nicht Herren der Lage sind. Wenn ihr dort im Ausland etwas über uns zu hören bekommt, so geschieht dies durch die englische Propaganda, der gewiß mehr Möglichkeiten offen stehen als denen, die wirkliche Tatsachen bekannt geben wollen. Erstere zum Beispiel geben niemals arabische Verluste bekannt oder nur ganz geringe, um ja nicht den „heiligen, arabischen Krieg”, der der englischen Außenpolitik so schön in den Kram paßt, einschlafen zu lassen. Ich habe ein Schreiben von.bekommen als Antwort auf mein Schreiben. Inhaltlich sagt er so ziemlich dasselbe, was alle Assimilanten behaupten. Die Welt und die Menschheit wollen sie retten; daß aber die Menschheit sich mit Händen und Füßen gegen ihre jüdischen Retter wehrt, lassen sie außer Acht und drängen sich nur denen auf. Ich bitte Dich, daß Du womöglich mit zionistischen Elementen in Kontakt bleibst, da es bestimmt in der allernächsten Zeit mit der Aliah losgehen wird. Sei mir herzlichst gegrüßt Dein Gad Zuschrift des Vaters: Lieber Heinrich! Den Ausführungen von Gäd stimme ich vollkommen bei. Der Zeitpunkt, daß unsere „Beschützer” ihre Hand von uns nehmen werden, ist glücklicher Weise nicht mehr fern, unsere Zuversicht ist trotz aller Schwierigkeiten ungetrübt. Wir sind furchtlos, unserer Kraft bewußt und machen von ihr ausgiebigsten Gebrauch. Du darfst das nicht so auslegen, als ob uns der Kampf, den wir führen, Freude bereitet. Im Gegenteil. Wir bedauern, daß es so gekommen ist und führen nur einen Verteidigungskrieg, den man uns aufzwingt. Jedes Opfer schmerzt uns aufs tiefste. Befolge die Weisungen von Gad am Ende seines Briefes; denn das ist der einzige Weg für jeden Juden. Wir sind alle gesund und guten Mutes. Grüße Rudolf RITA ROSANI — eine jüdische Heldin Rita Rosani (Rosenzweig) war, als sic fiel, 23 Jahre alt, das einzige Kind ihrer Eltern und die Nichte unseres alten und bewährten Chawers Ob. Vet. Rat Heinrich Rosenzweig. Eine Straße in Verona wurde der Gefallenen zu Ehren „Rita Rosani” benannt. Sie wurde auf dem Friedhof in Verona in einem Ehrengrab beigesetzt und an der Stelle, an der si efiel, am Monte Comune, wird ein Gedenkstein errichtet werden. Die Redaktion 33. Reggimento Ärtiglieria da compagna „Folgore” „M a d a g 1 i a d’O r o“ Comando Padova, 16 febbraio 1948 N. 1/1400 di prot. OGGETTO : Concessione Medaglia d’oro al Valor Militare (alla Memoria) (Betr. Gewährung der goldenen Tapferkeitsmedaille (zum Angedenken) An Frau Rosa St rakosch- Rosani Via Milano 18 — T r i e s t e Mit gegenwärtigem teile ich ihnen mit, daß durch Dekret des Provisorischen Staatsoberhauptes vom 16. 3. 1947 - eingetragen beim Rechnungshof am 22. 4. 1947 Register Nr. 6 Blatt 365 — Ihrer Tochter Rita Rosani — als kämpfender Partisaniin - die Goldene Tapferkeitsmedaille (zum Angedenken) mit folgender Begründung gewährt wurde : Als politisch Verfolgte trat sie einer bewaffneten Partisanenhande bei und lebte das harte Leben der Kämpfer. Sie erwies sich als Genossin, Schwester, Beseligerin von einer unbeugsamen Tapferkeit und heißem Glauben. Auch bei sicherer Gefahr und trotz der Leiden dieser harten Existenz gab es für sie keinen Rückzug, wenn es galt, die heiklen und äußerst gefährlichen Aufgaben zu erfüllen, mit denen sie beauftragt war. Als ihre Bande von überwiegenden, nazifaschistischen Truppen umzingelt war, griff sie zur Waffe und, als Letzte sich zurückziehend, kämpfte sie bis zum Aeußersten, bis sie heldenhaft auf dem Felde fiel, ihr junges und tapferes Leben dem Vatcrlande opfernd. Monte Comune 17 September 1944 Der Oberst, Regimentskommandant ehemaliger Kommandant der Partisanendivision „P a s u b i o” - Umberto Rifo Ricca — gez. Ricca Achtung Juden aus Lemberg! Wer genaue Auskunft über den ehern. Polizei-Direktor von Lemberg in den Jahren 1941 44, Dr. Albert Ulrich, dzt. in Haft, welcher verschiedene Aktionen gegen Jeden und Polen durch führte,, geben kann, wird ersucht, dies mündlich oder schriftlich dem Büro der Jüd. Hist. Dokumentation, Wien, I., Seitenstettengasse 4, bekanntzugeben. Achtung Juden aus Krakau und Rzeszow! Wer genaue Auskunft über P a w 1 u Albert, bis 1941 Abteilungsleiter in der Treuhandstelle des Wohnungsamtes in Krakau und von 1941—44 Stadtkommissar in Rzeszow, dzt. in Haft, geben kann, wird ersucht, dies mündlich oder schriftlich dem Büro der Jüd. Hist. .Dokumennation, Wien, I., Seitenstettengas e 4, bekanntzugeben. Ni rd om ind ein k c ■ Milche ag rdmif zen lue nge ter au! we inz vei- ICH pe) var ich in :en. eilen. mir neu IlgS fJb itehenden Besen und begann die Waggons, aus denen wir ausgeladen wurden, zu kehren. Auch meinen neben mir sitzenden Onkel veranlaßte ich, das Gleiche zu tun, obwohl er sich anfangs weigerte. Inzwischen hatten die SS-Leute ihre „Sortierung” beendet und hatten etwa 30 Mann aus dem ganzen Transport ausgesucht. Wir stellten uns nun unbemerkt dazu. Als sich nun herausstellte, daß 2 Mann zuviel bei der Gruppe waren, begannen die SS-Leu'e zu brüllen und wild mit der Peitsche, um sich zu schlagen. Plötzlich riefen sie : „Im Laufschritt ins Lager!” Wir setzten uns in Bewegung und liefen so schnell wiir konnten, den uns gewiesenen Weg. Dies alles geschah, ohne daß von einem von uns ein Wort gesprochen wurde. Während wir so Ins Lager liefen, sah ich Gold und Geld auf einen Haufen zusammengeschlichtet, weiters große Mengen von Schuhen und Kleidern jeder Größe. An einer Wand war ein riesiges Plakat angebracht, auf dein ungefähr folgende stand : „Achtung Warschauer! Wenn man ankommt, geht man ins Bad, erhält dort frische Wäsche und kommt in ein anderejs Lager.” Wir wurden zu einem Haufen Schuhe gejagt und hatten die Aufgabe, dieselben zu sortieren, da sich darunter Männer-, Frauen- und Kinderschuhe befanden und gleichzeitig nachzusehen, ob darin nicht irgendwelche Wertsachen versteckt seien. Ich hatte damals keine Ahnung, woher diese Sachen stammen könnten. Ich hatte mit meiner Mutter und meiner Schwester verabredet, daß, wenn wir voneinander getrennt werden würden, wir zu demselben Mann in Warschau schreiben sollten, der uns jeden dann verständigen sollte, daß und wo wir lebten. Ich fragte daher einen Mann, den ich im Vorbeigehen sah, wo meine Mutter und Schwestern sein könnten. Er machte eine wegwerfende Handbewegung und bedeutete mir, daß sie in den Tod gingen. Ich konnte nicht weiter fragen, da ich sonst Gefahr lief, von einem der ukrainischen Polizisten, die das ganze Lager überwachten, erschossen zu werden. Wir mußten von 8 bis 12 Uhr arbeiten, dann wurden wir wieder in das Lager gejagt, wo wir uns bei einer Küche um Essen anstellen mutßen. Die meiste nvon uns hatten keinen Hunger, da wir uns im Laufe des Vormittags, natürlich ohne Wissen de rUkrainer, an weggeworfenen Lebensmitteln sattgegessen hatten. Wir wollten nur trinken und stellten uns daher bei einem Brunnen an, der auf dem Platz vor der Küche stand. Der Brunnen war ca. 30 m tief und stank bestialisch. Wie wir von Lagerinsassen, die schon einige Zeit in Treb- Jinka waren, erfuhren, hatten sich in diesen Brunnen Menschen gestürzt, deren Leichen im Wasser natürlich verwesten und diesen ekelhaften Geruch verursachten. Nicht weit von diesem Ort bemerkte ich eine Grube, ca. 60 m lang, 7 8 m breit und 4 m tief, die halbvoll mit Leichen war. Diese Grube führte, wie ich später erfuhr, den Namen „Lazarett” und es wurden jene Leute dort erschossen, die nicht arbeiten konnten, oder krank waren. Zu diesem Zwecke kam ein SS- Mann im weißem Kittel, der sich als Arzt ausgab, bei jedem Transport zu den Leuten und sagte, da ßsich die Kranken melden sollten, da sie dann ins „Lazarett” kämen. Tatsächlich meldeten sich eine Anzahl Menschen, die natürlich annahmen, daß sie in ein Spital geschickt werden würden. Der SS-Mann führte sie dann abseits und horchte sie mit einem Stetoskop ab, während ein zweiter die Opfer in den Kopf schoß. Auch wenn man bemerkte, daß während der Arbeit zwei Juden miteinander sprachen, kamen dieselben ins Lazarett. Dies alles erfuhr ich jedoch erst am Abend desselben Tages. Ich hatte inzwischen noch immer keine Ahnung, was mit den vielen Menschen geschah, die nach Treblinka kamen. In der Nähe unseres Platzes waren Baracken errichtet, in denen sich die Menschen, Männer und Frauen in eigenen Baracken vollständig entkleiden mußten. Aus diesen Baracken führte je ein schmaler Weg, die sich zum sogenannten Schlauch vereinigten, wo dann Männer und Frauen gemeinsam durch ein großes Tor in das Gebäude geführt wurden, das die „Badeanstalt” genannt wurde. Bis zu diesem Tor reichte das sog. erste Lager. Was sich im zweiten Lager abspielte, davon hatten die Menschen des ersten Lagers keine Ahnung, da es sehr streng verboten war, in die Nähe der Abgrenzungen zu kommen. Ich sah ebenfalls Menschen in die „Badeanstalt” gehen und beobachtete sie eine Weile, ob ich nicht Bekannte darunter sehen würde. Es war ein driikkend heißer Tag und als einige der Frauen nach Wasser riefen, ging ich mit einer Menageschale voll Wasser auf sie zu um ihnen etwas Erleichterung zu verschaffen. Plötzlich hörte ich hinter mir einen erschreckten Ruf: er geht in den Tod! und schon sah ich einen Ukrainer auf mich zukommen, ich entging mit knapper Not einem Hieb über den Kopf. Ich hatte keine Zeit mehr, zu fragen, was es eigentlich für ebne Bewandtnis mit der ganzen Angelegenheit hätte, da wir gleich darauf wieder zur Arbeit getrieben wurden. Ich mußte wieder Kleidungsstükke sortieren und auf Wertsachen achten. Ein Bekannter, der schon längere Zeit im Lager war, führte mich zur Lagergrenze, die aus einer Hecke von ^bepflanzten Bäumen bestand und so dicht war, daß man nicht sehen konnte, was außerhalb derselben geschah und führte mich zu einer versteckten Lücke, wo sich uns ein eigenartiges Bild bot: Wir sahen hunderte Mensthen vollkommen nackt in einem Kreise gehen, wohin, sahen wir nicht. Als ich meinen Kameraden fragend anblickte, flüsterte er mir zu, daß diese Menschen alle in den Tod gingen. Mehr konnte er mir nicht sagen, da er das selbst nicht wußte. Wir mußten den ersten Tag unseres Aufenthaltes bis 6 Uhr arbeiten, dann kehrten wir wieder ins Lager zurück. Von dem Transport, mit welchem wir angekommen waren, waren schon keine Menschen mehr zu sehen, ich wußte auch nicht, wohin sie gekommen waren, da wir nicht sprechen durften. Plötzlich, als die Arbeiter versammelt waren, hieß es, „alles antreten”. Ein genauer Stand war damals nicht bekannt, da ständig neue Menschen ankamen und in das zweite Lager geschickt wurden, sowie auch zahlreiche einfach niedergeschossen wurden. (Fortsetzung folgt.)