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Die Stimme · 1948-03-17 · Heft 17-18 (17.3.1948) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 17-18 (17.3.1948)
Date
1948-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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1 ■! Seite 4 CDie Stimme Nr, 17/18 17/1 Der Anfang vom Ende des Antisemitismus Von ING. ALBERT WELT (Präsident der Schutzgemeinschaft der rumänischen Naziopfer) G N Her Mögen manche unserer Leser zweifelnd ihre Köpfe schütteln und andere die Lippen spöttisch zu einem Lächeln verziehen; wir halten daran fest: der Anfang vom Ende des Antisemitismus ist da, und das dritte Jahrtausend wird diese geistige Sumpfblüte nur aus der Rumpelkammer der Vergangenheit kennen. Nun soll auch logisch begründet werden, womit diese Folgerung gerechtfertigt erscheint. Viele Köpfe der Weltliteratur versuchten die Wurzeln des Antisemitismus blobzulegen. R. N. Coudenhove-Kalergi kam nach ernsten Bemühungen zu der Erkenntnis, Antisemitismus sei ein Produkt jener Saat, die, durch den Religionsunterricht in die Kinderseelen eingepflanzt, später diese üble Frucht trägt. Hier mag tatsächlich die Geschichte vor Verräter Judas, der den Huden Hesu für 30 Silberlinge verriet, eine Gedankenassoziation zwischen Judas, dem Namen und, Huda dem Volke herbeiführen; angesichts des Umstandes jedoch, dab Jesu ebenso ein Sohn Huda des Stammes war wie Judas, muf?' dies unbegründet, ja sinnlos erscheinen. Die Kreuzigung selbst, ein Hoheitsakt des römischen Statthalters, dürfte weniger zum Hudenhab naiver Menschen beitragen, da diese., schlimmstenfalls das Vergehen einzelner Fanatiker darin sehen, deren Nachkommen frei von jeder Verantwortung für diese Handlung sind. Schönerers Rassenantisemitismus mit dem Motto: „In der Rasse liegt die Schweinerei“, ist schon deswegen unbegründet, weil gerade die Huden am wenigsten das Verächtliche im Worte „Schweinerei“ aus eigener Erfahrung kennen; von allen Rassen der Welt haben sie wohl am wenigsten mit dem Schweine animalisch gesehen, zu schaffen gehabt; dagegen haben politische Karrieremacher wie Schönerer, Lueger und Hitler aus dem Rassenantisemitismus eine Goidquelle qbgeleAetrf Lueger für seine Partei, die Qftifek f“r sich un<^ ^r€ Kumpane. ObwdHi es weder dem Leiter des tausendjährigen Rasseninstitutes, dem Nazibonzen Grob, noch irgendeinem anderen wirklichen Wissenschaftler der Welt gelungen war, untrügliche Merkmale biologischer Art zwischen Huden und anderen Menschen gleicher Hautfarbe zu finden, genügte die Tatsache einer hemmungslosen propagandistischen Verfechtung dieser Losung, um aus ihr alle politischen Vorteile für die Initiatoren zu ziehen. Ein illustratives Beispiel' für die Sinnlosigkeit der Rassentheorie innerhalb eines Menschenkreises gleicher Hautfarbe gibt uns ein amerikanischer Autor in dem Buche „Gentlemen’s agreement“ (Ehrenhaftes Uebereinkommen). Ein Schriftsteller soll für eine grobe Zeitschrift eine Artikelserie über Antisemitismus schreiben, und sucht krampfhaft nach einer Idee; „Ich war fünf Wochen lang Hude“, soll seine Artikelserie heiben, und er will sie wirklich selbst erleben. Nachdem er nun ausstreuen läbt, er sei Hude, geschieht zuerst nichts. Doch allmählich wird er den kleinen Sticheleien gegenüber empfindlich, hört tausend Nuancen im Tone anderer ihm, der jetzt Jude ist, gegenüber — bricht sogar mit seiner Braut, die unbewubt auf der anderen Seite ist, obwohl sie es war, die die Artikel vorschlug — kurz, er bringt dem Leser ohne viel Dramatik, aus tausend kleinen Details zusammengesetzt, das Bild des Antisemitismus von heute (dort natürlich), um den ganzen Unsinn dieser Theorie, die sich fünf Wochen lang unbarmherzig gegen ihn selbst richtet und prompt alle schlechten, den Huden zugeschriebenen Eigenschaften in ihm sehen läbt, zu er-, leben. Dieses hochinteressante Buch sollte in alle Sprachen übersetzt werden. Damit wollen wir auch aufklären, weshalb vorhin auf Menschen gleicher Hautfarbe hingewiesen wurde; ohne diesen Vorbehalt würde das Experiment des Amerikaners wertlos werden; da der biologisch nachweisbare Unterschied der Hautfarbe besondere Mentalitätsmomente auslöst. So wie es aber in den verschiedenfarbigen Völkern neben Christen und Mohammedanern auch Huden gibt, die möglicherweise antisemitischen Strömungen ausgesetzt sein könnten, so absurd wäre es, auch dort von einem Rassenantisemitisrnus zu sprechen. Der deutsche Geschichtsschreiber und Philosoph Mommsen versucht den Huden eine Einleitung Viele von uns, den Ueberlebenden einer der schrecklichsten Perioden der Weltgeschichte, waren während der Invasion der Nazihorden in verschiedenen Konzentratrationslagern, wo wir mehr oder weniger furchtbare Dinge sehen und am eigenen Leibe erdulden mußten. Wir sind jetzt, fast drei Jahre nach unserer Befreiung, bereits im Begriffe, dies alles zu vergessen und der Vergangenheit anheim fallen zu lassen. Etwas zu vergessen, um dessentwillen Millionen unserer Brüder und Schwestern unter grausamsten Bedingungen hingemordet wurden, zu vergessen, wieviel Leid und Elend wir Juden haben erdulden müssen. Und viele von uns wollen es immer noch nicht wahrhaben, daß wir heute, 3 Jahre nach dem Sturz unserer grausamsten Leinde, noch immer mit anschauen müssen, wie unsere ehemalige nPeiniger über uns triumphieren dürfen und uns frecher als je zuvor, ins Gesicht lachen ohne daß ihnen etwas geschieht. Gewiß, viele werden sagen : wozu dies alles jetzt wieder aufwärmen, wozu diese Erinnerungen an etwas, was wir nicht ungeschehen machen können .... Doch werden wir nicht wieder in denselben Fehler verfallen, der uns schon soviele Opfer kostete 7 Jn den Fehler des Nachgebens, der Toleranz, des sich Duckens, um ja kein Aufsehen zu erregen 7 Nein und wie der nein! Niemals darf dies wieder geschehen, niemals dürfen wehrlose Menschen, Frauen und Kinder zu tausenden von entmenschten Bestien hingemordet werden! Niemals vergessen! Nicht aus Rachsucht oder aus Kleinlichkeit, nein, aus der nüchternen Erkenntnis, der Selbsterhaltung müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, daß wir noch immer nicht frei sind, daß das millionenfache Leid unseres Volkes noch immer keine Sühne erhalten hat, soweit es überhaupt möglich ist, dies zu sühnen, daß wir noch immer von Lüge und Korruption umgeben sind und daß wir bis zum letzten Atemzug für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten müssen und werden! Wir bringen in dieser Spalte laufend einen Tatsachenbericht, der uns von der JHD Wien (Jüdischen Historischen Dokumentation) zur Veröffentlichung übergeben wurde und uns eine lückenlose Darstellung der Ereignisse in dem berüchtigten Vernichtungslager Tremblinka vermittelt. Die Redaktion TATSACHENBERICHT Wien, am 24. 12. 1947 Aufgenommen mit : Elias Rosen b erg geb. am 10. Mai 1924 in Warschau Name d. Vaters : Chaim, Mutter : Rifka geb. Ausländer Vorkriegsadresse; Warschau, Geszia 25 Derzeit: Auf dem Wege n a ch P a I ä s t i n a. Betrifft: den nationalen Gedanken zersetzende Geisleshaliung zuzusebreiben, die er jedoch als Bremselement einem agressiven Uebernationalismus gegenüber, als dem deutschen Volke sehr nützlich fand. Im gewaltigen Gegensatz zu dieser Auffassung steht die zielstrebige, unablässige Verfechtung des Gedankens der Wiedererrichtung des Hudenstaales, dem jetzt Verwirklichung beschieden wurde. Aber auch die Theorie des Besitz- und Stellenneides als Ursache für den Antisemitismus kann nicht befriedigen, da derselbe auch bei der Landbevölkerung und in jenei breiten Volksmassen zu Hause ist, die wenig Berührung mit dem Hudentum haben. Wollen wir trotzdem die richtige Lösung finden, so müssen wir Ursache und Wirkung getrennt beurteilen. Jedes der vorhin vermerkten Motive führt nicht unmittelbar zum Antisemitismus, sondern zu einer antisemitischen Regung in der Mentalität des einzelnen. Erst wenn diese Regung keinem oder nur geringem Widersfand begegnet, verdichtet sie sich zu antisemitischer Rede, Schrift oder Tat. Solche Widerstände können unmittelbar nach der Regung einsetzen. Beispielsweise durch die Gegenwirkung einer allgemein bekannten kirchlichen Einstellung gegen religiösen Aniisemitismus, durch die Popularisierung biologischer Erkenntnisse, die objektiv auf die aliquoten Leistungen von jüdischen Schaffenden aut allen Gebieten von Wissenschaft, Kunst und Arbeit hin weisen. Warum war es bis jetzt der antisemitischen Propaganda immer wieder möglich, solche Regungen zu judenfeindlichen Handlungen heran reifen zu lassen? Unsere Antwort darauf lautet: „Die Heimatlosigkeit der Huden trug daran Schuld.“ Ein Volk, das seit Hahrtausenden immer zwischen anderen Völkern unselbständig lebend, ein Gnadendasein führt, muh im Laufe der Jahrhunderte in seiner Umgebung eine psychologisch begründet Ge ringschälzung auslösen und in der Mentalität der anderer die Ueberzeugung vom kleinsten Widerstan hervorrufen. Erst dadurch kann die antisemitische Re gung Gestalt gewinnen! Um diese Behauptung zu beweisen, soll dei gegenwärtige Zustand mit jenem vergliche werden, der durch die Wiedererrichtung Hudenstaates mit Sicherheit zu erwarten ist Hier wollen wir die wichtigsten Erscheinungen skizzieren. Aug L D zwe micl Doc Z dies Bisher: Bestenfalls neutraie Haltung der Regierung des Gastlandes antisemitischer Bestrebungen gegenüber mit Rücksicht auf Wahrung der PopuIIarität in dei Wählermasse. Hetzt: Völkerrechtliche Verpflichtung, Angehörige eines fremden Staates odei Volkes ebenso wie Angehörige andere; Länder zu behandeln. Begegnung der Gefahr der Unpopularität durch Hinweis auf Reziprozität sowie auf völkerrechtliche Folgen. Bisher: Theoretische Gegenpropaganda den Behauptungen von jüdischer Minderwertigkeit auf den verschiedenster Gebieten des menschlichen kulturellen Lebens gegenüber. Hetzt-, Konkrete Tatsachenstütze durcfi Augenschein, Film, Radio, Fernsehen, Presse, von wissenschaftlichen und kolonisatorischen Erfolgen im jüdischen Staat. Bisher: Zweifel an der sozialen Gliederungsmöglichkeit des jüdischen Volkes im eigenen Staat. Herzt: Lösung des sozialen Problems durck Befolgung ethischer Grundlehren, die unsterblich im Dekalog enthalten sind und im Heiligen Lande seiner Entstehung natürliche Erfüllung finden werden. Die Realität des Hudenstaates strahlt unaufhaltsam, gleich dem krebstötenden Radium, die Vernichtung des Antisemitismus in die Umwelt. lieh ausi wo priv Zeit im es 1 alle Mai und Jud den trag rem Situ der D nich dori ren die Möi wirl len. E arat geri bisc ßen So kann jener Spruch wahr werden: „Ki Mizion Teze Thora. Die Lehre wird aus Zion kommen." eim Das Todeslager Tremblinka Ich war bis zum Jahre 1942 in Warschau, wo die ersten Aussiedlungen am 15. Juli 1942 begannen. Auch ich kam mit meiner Mutter und drei Schwestern am 2U. August zum Transport wohin wußten wir vorläufig noch nicht. Mit diesem Transport fuhren 6000 Menschen u. zw. bestand die Zugsgarnitur aus 60 Waggons, so daß in einen Waggon hundert Menschen hinein mußten. Der Transport ging, wie wir im Verlaufe der Fahrt bemerkten, in das berüchtigte Todeslager Treblinka. Es war dies ein Lager, ca. 83 Kilometer von Warschau entfernt, mitten in einem Wald. Das Lager bedeckte anfangs eine Flüche von ungefähr 4 Quadratkilometer und lag ganz einsam. Das nächste Dorf war ca. einen Kilometer vo ndem Lager entfernt, es hieß Kutaski Vuka Wigiriowska. Das Lager wurde im Jahre 1941 von denen errichtet, die die hiezu nötige Fläche ausroden mußten. Diese Juden wurden später getötet. Obwohl der Ort, zu dem wir zuerst fuhren er hieß Malkin nur 80 km von Warschau von unserem Ausgangspunkte entfernt war, dauerte die Fahrt ca. 11 Stunden, da wir einen riesigen Umweg machten, wahrscheinlich, damit die Leute nicht wüßten, wohin sie befördert würden. Wie erwähnt, fuhren wir zuerst nach einem Ort Malkin, 2 3 km vom eigentlichen Lager Treblinka entfernt und winden dann zu je 20 Waggons auf einem Nebengeleise nach dem Hauptlager Le fördert. * Kaum waren wir im Lager angekonimen„ als uns SS-Männer und ukrainische Polizisten mit Peitschen aus den Waggons jagten ur.d wir uns, in Reihen geordnet, Männer und Frauen getrennt, mit unserem Gepäck auf die Erde setzen mußten. Vor unserem Eintreffen war bereits eine unübersehbare Menschenmenge versammelt, die ebenso wie wir warten mußten. Wie wir später erfuhren,, au! den Tod. Nach einiger Zeit kamen zwe SS - Leute, der eine hieß Franz Oscharf. auf den Namen des zwei ten kann ich mich nicht mehr besinnen ich erinnere mich, daß er „Lake” (Puppe) genannt wurde, da er sehr hübsch war Dieselben deuteten mit ihren Peitschen stielen auf einzelne Männer, die sich in eine besondere Gruppe stellen mußten, Ich möchte erwähnen, daß es strenge verboten war, auch nur ein Wort zu reden. Um so mehr wunderte es mich, als mir plöfzlich jemand zufliis.'rrlc: nimm einen Besen und rette dich! Ich wußte anfangs nicht, was das bedeuten sollte, doch faßlich instinktiv einen in meiner Nähe sieden tun, zwir tier Mai sucl daz Mai gan mit Plö Lag lieft gew dafi eher lief Hai gro jed sigt fäh er! Bat kor der hat ren um Hg wel hat Sai me abt tre Ma um

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