Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 17-18 (17.3.1948)
- Date
- 1948-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Botschafter Gromykos erste Erklärung zum Palästinaproblem bedeutete schon in der Frühjahrssession der Generalversammlung der Vereinten Nationen ein außergewöhnliches, historisches Ereignis und wies bereits damals auf die Möglichkeit eines Uebereinkommens mit Amerika hin. Gromykos Rede war ein Wendepunkt in der* sowjetischen Politik und gab uns allen die Hoffnung auf eine baldige, fruchtbringende Lösung. Der Beschluß der Vereinten Nationen vom 29. November, der die Schaffung des .Judenstaates in einem Teil Palästinas vorsieht, bildete seit zweitausend Jahren den Kulminationspunkt in der jüdischen Geschichte und einen Höhepunkt seit Bestand der Organisation der Vereinten Nationen. In gewissem Sinne kann man sagen, daß die Bedeutung des Palästin.abeschlusses für die Vereinten Nationen genau so groß ist wie für das jüdische und das arabische Volk. Der ganze Teilungsplan mit dem ökonomischen Bund zwischen beiden Staaten in Palästina ist in langen und schwierigen, einzelnen Beratungen innerhalb der Kommissionen und der Vertreter der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zustande gekommen. Lange Wochen Seite an Seite und Hand in Hand arbeitend, haben diese Kommissionen damit allein schon ein wunderbares Musier harmonischer Zusammenarbeit gescaffen, ein Vorbild, das in uns allen die Hoffnung auf den dauerhaften Frieden, internationale Freundschaft und Verständigung erweckt. Wenn es möglich war, durch einen Meinungsaustausch, durch Geduld und gegenseitige Konzessionen ein Uebereinkommen in einer so delikaten und komplizierten Frage in einem strategisch so wichtigen Territorium der Welt zu treffen, warum soll es denn nicht möglich sein, auch eine Lösung für andere Fragen in anderen Teilen der Welt zu finden? Oft wird die Frage gestellt, wie die Orientierung des neuen Judenstaates sein wird. Diese Frage kann nur durch die Bürger Wie ist d:e eigentliche Stellung der zionistischen Bewegung zum jetzigen historischen Streitfall zwischen zwei Weltmachtkombinationen die angelsächsische und die sowjetische 7 Sowohl in der jüdischen Presse als auch sonst in der Weltpresse wird schon seit langem eine lebhafte Diskussion über dieses Problem geführt. Der Rücktritt Dr, M. Sneh’s als Mitglied der Exekutive der Jewish Agency hat dieses Problem noch mehr kompliziert. Diese Resignation wird in gewissen Kreisen als Protest gegen die sogenannte angelsächsische Orientierung der Mehrheit der zionistischen Exekutive und als Beginn eines Kampfes um eine Neuorientierung nach der Sowjetunion bezeichnet, insbesondere wird versucht den Eindruck zu erwecken, daß die Ansicht der zionistischen Führer hinsichtlich der Orientierung des zukünftigen Judensfaafes, gefeilt sei. Eine autoritative Erklärung, die sich mit der Stellungnahme der zionistischen Organisation und dem Problem der Orientierung auf Ost oder West befaßt, ist von Dr .Neumann dem Präsidenten der zionistischen Organisation in Amerika abgegeben worden. Diese Erklärung kam in der Rede Dr. Neumaim’s bei dem zu Ehren des Sowjctdelierten bei der UNO, Gromyko, und des amerikanischen Botschafters Herschi Johnson gegebenen Freundschaftsbankett in New-York, zum Ausdruck. Der volle Wortlaut dieser sensationellen Rede wurde erst durch die Presse bekannt. Es ist bezeichnend, daß ein bekannter jüdischer Führer, der an diesem Bankett teilnahm, sich über diese Rede folgendermaßen äußerte: „Die Aufgabe Dr .Neumann’s war vielleicht die schwierigste, die ihm während seiner Karriere als zionistischer Führer gestellt wurde. Aus leicht verständlichen Gründen waren die Blicke der amerikanischen und ausländischen Pressevertreter auf Dr. Neumann gerichtet und alles war gespannt, was er in dieser heiklen Angelegenheit sagen werde. Die Spannung war groß. Nachdem eine Reihe von Rednern die besonderen Verdienste der Sowjetunion in der Frage Birobijans und des Uebereinkommens in der Palästinafrage, hervorgehoben hatten, erteilte der Vorsitzende Dr. Neumann das Wort. Es war eim Moment von historischer Bedeutung. Ruhig begann Dr. Neumann seine Rede, von Minute zu Minute aber nahm seine Stimme und seine Haltung einen solchen Ernst an, legte er so eine Dynamik, Stolz und Ueberzeuguing in seine Worte, wie ich es in meiner langjährigen zionistischen Laufbahn wohl selten gehört habe. Vor uns stand ein Staatsmann ersten Ranges, ein wahrer Wortführer des jüdischen Volkes. Im Saal herrschte eine derartige Stille, daß man eine Stecknadel hätte fallen hören. Die Rede machte auf alle Teilnehmer des Banketts, auch auf Gromyko einen ungeheuren Eindruck. Einer der Teilnehmer ' äußerte sich : „Wenn Dr. Neumann zu den führenden Männern im Judenstaat gehören wird, können wir sicher sein, daß sich unser Staat mit jedem anderen Staat wird vergleichen können. des Judensfaates beantwortet werden, nachdem er geschaffen ist. Einstweilen will ich nur für mich und die Organisationen, welche ich die Ehre habe, zu vertreten, sprechen. Der Judenstaat kann und wird nicht vergessen, daß er die Schöpfung der Vereinigten Völker ist, die ihn zur Welf gebracht haben. Der Judenstaat wird sich, wie ich glaube, ganz auf die Vereinten Nationen orientieren, auf welche Sicherheit er das größte Gewicht legt. Der Judenstaat wird mit allen Kräften für eine internationale Verständigung und gemeinsame Kooperation zwischen den großen Weltmächten, die eine Notwendigkeit für den Weltfrieden bilden, arbeiten. Wir wären sehr unglücklich gewesen, wenn die Lösung des Palästinaproblems in einer Atmosphäre des Zwistes, in einem Wettstreit zwischen Ost und West, wenn eine Völkergruppe der anderen ihren Willen aufgezwungen hätte, erfolgt wäre. Es ist wirklich ein Glück für uns, daß dies nicht geschehen ist. Wfr haben alle Gründe, die Verständigung in der Welt zu begrüßen, welche in der Frage des Palästinäproblems erreicht worden ist, und darin einen Ausdruck der Freundschaft zwischen den Völkern und ihrer friedlichen Zusammenarbeit zu sehen. Wir, Kinder eines alten Volkes, das so lange und so viel gelilfen hat, finden einen gewissen Trost darin, daß unsere Tragödie und unsere verzweifelte Lage wenigstens in einem gewissen Ausmaße dazu beigefragen haben, zwei Großmächte in einem kritischen und sehr wichtigen Punkt ihrer internationalen Beziehungen zusammenzuführen. Ich erinnere mich daran, daß mich Botschafter Litwinow, als ich während des Krieges mit ihm über das Paläsfinaproblem sprach, darauf aufmerksam machte, daß die negative Einstellung der Sowjetunion zum Zionismus ihre Wurzeln in der geschichtlichen Rolle — der wahren oder der gedachten — hätte, die die zionistische Weltbewegung als Werkzeug des britischen Imperialismus gespielt hat. Dazu kann ich nur sagen.- Wäre die zionistische Organisation bereit, eine solche Rolle zu spielen, danni hätte ich weniger Schwierigkeiten, den englischen Außenminister Bevin davon zu überzeugen, daß England kein Risiko auf sich nimmt, wenn es bereif Ist, unserem Verlangen nach einem Judensfaaf in Palästina nachzugeben. In meinen Verhandlungen mit Außenminister Bevin vor zehn Monaten ist ein solcher Vorschlag der zionistischen Organisation gemacht worden; aber ich habe dieses Angebot entschieden abgelehnt. Deshalb vielleicht klagt Bevin beständig inseinen antizionistischen Reden über New York. Meiner Ueberzeugung nach ist es heute der ganzen Welt klar geworden, daß weder der Jischuw noch der Judenstaat das Instrument irgend einer Macht sein werden. Nicht deshalb, um fremden Interessen dienen, sind wir zweitausend Jahre durch die ganze Welt gewandert bis wir zur Rückkehr in unsere Heimat gelangten. Eigenes Heim haben bedeutet für uns: Herr im Hau» Gesandter Gromyko hat in seinem L> A|pion große Dinge vllbrachf und ich glaube, daß ihm noch eine glänzende diplomatische Zukunft als einem der führenden Staatsmänner einer der größten Mächte der Welt bevorsteht, bezweifle aber, daß ihm in seiner glanzvollen Karriere eine Leistung mehr Befriedigung geben wird als diese große Tat, welche allein schon ihm einen großen Namen zu machen geeignet ist: Das sowjetische Uebereinkommen in der Frage des Judenstaates. In kommenden Jahren, wenn der gefestigte Judenstaat seine Minister und Gesandten in der ganzen Welt haben wird, hoffe ich, dem Bürger Gromyko in der Hauptstadt des Judenstaates als Gast oder als Vertretet seines Staates zu begegnen — er wird uns allen willkommen sein. k" Häufet und vw&wiJUt den „fet&Uäums - ScUekel!" SCHEKELAKTION 5708 (1948) Die allweltliche zionistische Bewegung im Kampfe für die Anerkennung der Unabhängigkeit Palästinas ist in die letzte entscheidende Phase getreten. Die Juden Palästinas, die Pioniere für die Verwirklichung des zionistischen Gedankens, stehen seit Jahren, insbesondere seit dem Beschluß der Vereinten Nationen, in hartem Kampfe gegen Feinde,, die uns unser Recht streitig machen wollen. Der Kampf ist schwer und hat in der letzten Zeit große Opfer gefordert. Trotzdem verlieren wir nicht den Mut und sind entschlossen de nuns aufgezwungenen Kampf bis zum Sieg unserer gerechten Sache fortzusetzen. Die heroische Verteidigung und der ungebrochene Geiist unserer Jugend isind ein Beweis des unbeugsamen Willens des jüdischen Volkes,, die Ketten der Knechtschaft zu sprengen. Seit 50 Jahren war der zion. Kongreß der Wegweiser der zion. Bewegung, der Kongreß hat uns die pol,. Linien vorgezeichnet und uns de nWeg für den Wiederaufbau Palästinas gezeigt. Mit der Gründung des jüdischen Staates sind die zionistischen Ziele noch nicht verwirklicht worden. Bis zur Verwirklichung haben wir noch einen schweren Weg zu gehen. Der Kongreß wird uns, wie bisher, den neuen Weg zur Realisierung unserer praktischen Pläne zeigen. Die zionistische Bewegung tritt nunmehr in das entscheidende Stadium. Wir halben jetzt die Juden der ganzen Welt für den zion. Gedanken zu mobilisieren. Wir gehen nunmehr daran, gleichsam eine Zählung des Volkes durchzuführen„ zu welchem Zweck der Schekel unter den Juden, wo immer sie leben, verbreitet werden muß. Der in Bälde stattfindende zion. Kongreß wird an Hand der Schekalim festzustellen haben, daß der größte Teil des Volkes von der zion. Idee erfaßt ist. Der Schekel-Kommission fällt die Aufgabe zu, sich an alle Schichten der jüdischen Bevölkerung mit der Aufforderung zu wenden, einen Schekel zu erwerben. Juden und Jüdinnen! Erwerbt den Schekel und beweist eure Verbundenheit mit dem neu zu errichtenden Staat in Palästina. Auch in Wien hat die Schekelaktion für das Jahr 5708 (1948) bereits begonnen. Der Erwerb eines Schekels bedeutet heute nich nurt ein Bekenntnis zum Judenstaat sondern auch die bedingungslose Anerkennung desselben und einen winzigen Beitrag zum Aufbau dieses unseres Staates. Kaufet und verbreitet daher den Schekel in allen Kreisen. Schekalim sind im Zionistischen Landesverband in Oesterreich, Wien, IX., Universitätssfraße 4/4 jederzeit erhältlich.