Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 15-16 (15.2.1948)
- Date
- 1948-02-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 15/16 CDie Stimme Seite 5 DER NEGEW U Seit dem Beschluß der Vereinten Nationen, Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen, steht der Negev, der südliche Teil des Landes, im Brennpunkt des Interesses. Der Teil des Negev, den die Juden nach dem Teilungsplan bekommen, wird beinahe zwei Drittel unseres Staates ausmachen. Es ist deshalb auch kaum verwunderlich, daß der Jishuw seine besondere Aufmerksamkeit jetzt jenen 10.000 Quadratkilometern zuwendet, die bisher ein völlig unbekanntes und unbesiedeltes Gebiet des Landes darstellten. Die Bezeichnung des Negev als Wüste ist irreführend. Man darf sich ihn nicht als eine riesenhafte flache Sandwüste vorstellen. Kaum ein Achtel seiner Fläche ist Sandboden. Der Rest wäre eher als „Wildnis” zu bezeichnen, unbebaute Stevnwüsten, Hügel und an manchen Stellen kahles Gebirge das sich bis zu einer Höhe von tausend Metern erhebt. Meist ist der Boden von einer eigenartigen Mergelschicht, „Loess” genannt, bedeckt, die das wenige Wasser mit erstaunlicher Geschwindigkeit aufsaugt. Dürre, Einsamkeit und Monotonie sind heute die hervorstechendsten Eigenschaften dieses Gebietes. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 100—200 Millimeter und selbst dieses Minimum wird oft nicht erreicht. Bis auf die sechs Frühlingswochen, in denen sich der Boden in einen prächtigen Teppich aus üppigem Gras und vielfarbigen Blüten verwandelt, liegt der Negev während des ganzen übrigen Jahres braun, verdorrt und wüst da. Wenige alte Bäume, Ueberbleibsel aus der byzantinischen Zeit und hie und da einige Oasen, unterbrechen die Einsamkeit. Mit Ausnahme der zweitausend jungen jüdischen Chaluzim, die in zwanzig Vorposten und Versuchsstationen leben, ist dieses riesige Gebiet von bloß 50.000 Beduinen und Nomaden bewohnt. Die einzige „Stadt” Beersheba zählt 3000 ärmliche Einwohner; außer dieser Stadt gibt es im ganzen noch drei ständig besiedelte arabische Orte. Nicht immer lag der Nege vbrach; nicht immer war er nutzloser dürrer Boden. Die gut erhaltenen Ruinen von Kurnub, Subeita, Abda und Haluza legen davon Zeugnis ab, daß in byzantinischen Zeiten an diesen Stellen blühende Städte standen, die mit ihren Bewässerungsanlagen und Staubecken zu hohem Wohlstand gelangten. Uralte Eichen, Sykomoren und Palmen sind die traurigen Ueberreste ausgedehnter Wälder. Dann wurde das Land von den Ottomanen überrannt. Die kunstvoll erbauten Staubecken und Kanäle wurden zerstört, die Städte verwüstet, die Wälder abgeholzt. Die einst blühende Palmenstadt Zoar ist heute ein Steinhaufen inmitten übelriechender Salzsihnpfe. Infolge jahrhundertelanger Vernachlässigung ist aus dem Negev eine Wildnis, eine Wüste geworden. Und dennoch bleibt diese mitleidlose Landschaft die Hoffnung unserer Zukunft. Der Negev ist das große Reservoir, das lausende und aber Tausende neuer Einwanderer aufnehmen soll und wird. Seit mehreren Jahren gibt es in verschiedenen Teilen des Negev jüdische Vorposten und Versuchsstationen unter der Aufsicht der Jewish Agency, Punkte wie Revivim, Beth-Eschel und Tel-Zofim, wo jüdichse Pioniere und erfahrene Wissenschaftler der Wildnis trotzen und das Gebiet erfolgreich erforschen. Bewässerung, Aufforstung und Vorbeugung gegen Erosion sind die Hauptpunkte der Kultivierungspläne. Die heftigen Winterregen reißen die Erde von den Hängen der Berge und Hügel, schleppen sie hinab zum Meer, wo Regenwasser und Humus nutzlos verschwinden. Um der Erosion vorzubeugen, müssen die kahlen Hänge aufgeforstet werden; Tamarisken, Eukalyptus, Kasuarinen, Pistazien und Granatäpfelbäume haben sich für Äufforstungszwecke Im Der allgemeine Zionismus in EREZ ISRAEL Von Izchak J. Karpman Exekutive-Direktor der Zionistischen Organisation Amerikas Der allgemeine Zionismus anerkennt das Supremat und den Vorrang der nationalen Interessen über die Parteiziele einzelner Gruppen und Klassen. Er erstrebt die Verwirklichung des zionistischen Ideals durch Nutzbarmachung aller konstruktiven Kräfte für den Aufbau des jüdischen Staates auf der Basis demokratischer Einigkeit. Der allgemeine Zionismus wurde immer als zentral und grundlegend für die Bewegung betrachtet. Seine leitenden Prinzipien, sein ganzes Programm und sein Handeln konzentrieren sich darauf, alle Zionisten zusammenzufassen, die das Hauptgewicht mehr auf den Begriff der Nation und des Staates, als auf die Partei, die Klasse oder die Fraktion legen. Entgegen der von vielen Gruppen und Fraktionen hervorgerufenen Teilung des Zionismus, hält sich der allgemeine Zionismus immer das zionistische Ideal der Erlösung unseres Volkes durch Aufgehen aller seiner Teile — mit allen ihren verschiedenen Sprachen, Kulturen und Philosophien — In eine einheitliche homo« gäne Nation in Erez Israel, vor Augen. Einigkeit wesentlich. Bis der Palästinenser als Bürger des freien und demokratischen Gemeinwesens in Palästina in die Familie der Nationen aufgegangen ist, kann es kein Abweichen von dem historischen Ziel des Zionismus, geben, eines Zieles, das nur durch nationale Einigkeit und Zusammenarbeit erreicht werden kann. Es kann weder erwartet werden, noch wünschenswert sein, daß Erez Israel, wiedererstanden, keine Parteien, keine Fraktionen, keine inneren Differenzen haben soll, es Ist aber unzweifelhaft, daß solche Parteien, solche Fraktionen, solche interne Differenzen, während dieser Periode der Wiedergeburt, sich gänzlich dem Prozeß der nationalen Ernährung unterordnen müssen. Dr. Israel Goldstern, Präsident der Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten. hat dies folgendermaßen ausgedrückt: der Allgemeine Zionismus wird darauf bestehen, daß die Verwirklichung des zionistischen Ideals das Hauptkriterium jeder zionistischen Arbeit sein soll und daß die zionistischen Ziele über allen anderen Betrachtungen stehen sollen. Der Allgemeine Zionismus fordert die Stärkung der jüdischen nationalen Institutionen und die Ausstattung derselben mit den größtmöglichen Kompetenzen in jeder Hinsicht des nationalen Lebens. Alle von Parteien oder Gruppen ausgeübten nationalen Funktionen müssen unter nationaler Kontrolle stehen. „Der Allgemeine Zionismus glaubt, daß die jüdische Zukunft in Palästina in großem Maße von der Hebung des Gefühles der jüdischen nationalen Einigkeit im Jischuw als ganzes und in der jüngeren Generation im besonderen, abhängt. Um diesen Geist der nationalen Einigkeit, der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Verstehens und des demokratischen Fortschrittes innerhalb des jugendlichen Jischuw zu fördern, ist der allgemeine Zionismus durchaus eine Partei für die Erfüllung der Prinzipien geworden. Klares Programm entwickelt. Während andere Gruppen eine Parteimaschinerie und eine Organisation ins Leben riefen, erkannte der allgemeine Zionismus erst spät seinen Status als Partei. Selbst im Jahre 1929, als Delegierte aus 30 Ländern, die an dem Zionisten- Kongreß in Zürich teilnahmen, die Weltunion der allgemeinen Zionisten gründeten, gab es noch keine Parteifunktion und kein Programm. Erst in den Jahren 1945 bis 1946, mit der Gründung der Weltkonfcderation der allgemeinen Zionisten, versuchte der allgemeine Zionismus diesem Mangel zu begegnen. So wurde, angesichts des Vorstoßes der anderen hochentwickelten Parteien In Palästina, der Notwendigkeit einer wirklichen Parteiorganisation entsprechend, eine klare Formulierung des Programmes der allgemeinen Zionisten vorgenommen. Die Funktionen des allgemeinen Zionismus als Partei, wurden vom verstorbenen Dr. Moshe Glickson, einem Hauptinitiator des allgemeinen Zionismus in Palästina in folgender Weise deutlich umschrieben : „Der allgemeine Zionismus, der iim Sinne der alten, im Volke lebenden Ueberlieferungen, nichts von dem rechten oder linken kriegerischen Parteigängertum in sich hat, ist bereit, der Sache ohne Beachtung kleinlicher, engherziger Interessen, ohne unnachgiebigen Dogmatismus und ohne Vorurteil zu dienen. Es ist der Zionismus, der die Erneuerung der grundlegenden Lebensprozesse und das Wiederauftauchen der schöpferischen Nation in allen ihren fundamentalen Erscheinungen darstellt.” ..Der allgemeine Zionismus identifiziert sich ebensowenig mit irgend einem spezifischen Parteiprogramm, noch will er für eine spezielle Weltanschauung eintreten. Gleichzeitig aber, will er keine Richtung oder keinen Glauben — religiöser oder sozialer Natur — verwerfen, solange diese sich der gemeinsamen Sache unterordnen und positive Werte, die dem Aufbau des Landes dienen, enthalten. Durch eine Parteiplattform, die breit und umfassend ist und durch viele Grundsätze anderer Gruppen, jedoch ohne deren Engherzigkeit, fesselt der allgemeine Zionismus viele Anhänger aus allen Gesellschaftskreisen und Gedankenschattierungen. Innerhalb des allgemeinen Zionismus kann man Freunde und Förderer der Histadruth, fromme Juden, die die jüdische Tradition hochhalten und Zionisten, die auf kühne und phantasiereiche Diplomatie Wert legen, finden. Doch keiner dieser Grundsätze darf das grundlegende Ziel, den Bau des jüdischen Staates, in den Schatten stellen. Nationale Erziehung. Die allgemeinen Zionisten stehen heute in der vordersten Front gegen das vorherrschende Parteischulsystem innerhalb des Erziehungswerkes Palästinas. Der allgemeine Zionismus fordert die Einführung des einheitlichen nationalen Schulsystems mit voller Gedankenfreiheit, in dem den Kindern nicht weiterhin Parteigrundsätze und Ergebenheit zur Parteiführung gelehrt wird, eine Methode die nur zu andauernder Spaltung unid Verewigung der Differenzen im Leben des Jischuw führt. Der allgemeine Zionismus fordert eine rasche Reform des ständig sich erweiternden jüdischen Zivildienstes in Palästina, eine Reform, durch die Parteibegünstigungen abgeschafft und ein wirkliches Zivildienstsystem nach Verdienst eingerichtet werden muß. Der allgemeine Zionismus ist überzeugt, daß sowohl privater Unternehmungsgeist ur.d kollektive Bestrebungen nebeneinander bestehen und beide zum Bau des jüdischen Staates wesentlich beitragen können. Er anerkennt die wichtige Rolle des Arbeiters und des Chaluz sowie die Histadruth, den Hauptverband der jüdischen Arbeiter in Palästina, als die einzige und zentrale Arbeiterorganisation im Lande. Der allgemeine Zionismus fordert jedoch kategorisch, die gleiche Behandlung für den kleinen Geschäftsmann», den privaten Landwirt, den selbständigen Handwerker und Professionisten, die es vorziehen, lieber wirtschaftlichen alte kollektiven Formen zu folgen. Negev als besonders geeignet erwiesen. Das viele Wasser, das in der kurzen Regenzeit die ausgetrockneten Flußbette in reißende Ströme verwandelt, wird in Betonreservoiren gesammelt und für Bewässerungszwecke verwendet. Eine Wasserleitung aus dem Norden des Landes, bringt das kostbare Naß nach den Siedlungen. Die industrielle Entwicklung des Negev soll, da der Boden besonders für den Anbau von Rhycinus geeignet ist, hauptsächlich auf Grund einer Erfindung des Weizmar.n-Sieffinstitutes, Nylon aus Rhycinuspflanzen herzustellen, erfolgen. Es ist auch beabsichtigt, am Indischen Ozean, im Aquabagolf, der nach langen Verhandlungen dem jüdischen Staat zugesprochen wurde, einen großen Hafen anzulegen und den Fischreichtum dieser Gewässer auszunützen. Klimatisch ist der Negev zwar heiß doch ohne die Feuchtigkeit, die das Tropenklima für Weiße unerträglich macht. Besonders Einwanderer aus dem Yemen und aus Nordafrika werden hier ideale Bedingungen finden. Der Jischuw ist sich seiner großen Aufgabe bewußt. Der Pioniergeist unserer Jugend wurde durch die Herausforderung dieser trotzigen Erde von neuem angefacht. 2000 Jugendliche verließen die Schulbänke und die Werkstätten um als Vortrupp in den Negev vorzudringen und seine Wildheit zu bezähmen, „die Wüste blühend wie die Rose” zu gestalten; und aus tausend jungen Kehlen erklingt jubelnd das Lied : „Negev, du wirst erlöst 1” T. M. Kiwe