Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 15-16 (15.2.1948)
- Date
- 1948-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 CDie Stimme Nr. 15/16 Grandioser Empfang Dr. Silver} in Pari} Wir haben über die Ankunft Dr. A. H. Silver’s in Paris, über die musterhafte Ordnung und die Begeisterung der Massen bei seinem Empfang auf dem Bahnhof St. Lazar bereits berichtet. Die allgemeine zionistische Organisation hat zu Ehren Dr. Silver’s im Palais Chaillot einen großen Empfang gegeben. Es war eine überwältigende Manifestation des allgemein zionistischen Gedankens. Mehr als 3000 Juden haben sich in einem der größten und schönsten Säle von Paris eingefunden, um die Worte des großen allgemein zionistischen Führers zu hören. Die Exekutive der Allgemein Zionistischen Partei und die Mitglieder des Zentral- Komitees haben auf der herrlich geschmückten Tribüne Platz genommen. Am Präsidialtisch sitzt der Präsident des Zentralkonsistoire von Frankreich, Herr Leo Meis, an der Seite steht eine Delegation der allgemein zionistischen Jugendbewegung „Haoved Hazioni” die in „Blau Weiß” - Uniform mit der nationalen blau-weißen Fahne angetretdi ist. Advokat M. Bernfeld, Präsident des Zentralkomitees der allgemeinen zionistischen Organisation in Frankreich eröffnet die große Versammlung und begrüßt den großen Führer des amerikanischen Judenutms. Er hebt die bedeutende Rolle, die die zionistischen Führer, mit Dr. Silver an der Spitze bei der Erringung des großen Sieges in Lake Success gespielt haben. Er dankt auch der französischen Regierung für die dem jüdischen Volke bewiesenen Sympathien bei der Abstimstimmung in Lake Success. Herr Leo Meis, Präsident des Zentralkonsistoires in Frankreich, begrüßt Dr. Silver in herzlichen Worten und hebt die Bedeutung der positiven Stellungnahme Frankreichs in Lake Success hervor. Sam Segal, Generalsekretär des europäischen Büros der allgemein zionistischen Weltkonföderation begrüßt Dr .Silver als einen der ersten Kämpfer für die jüdische Sache in Lake Success und betont die große politische Bedeutung der jetzigen Reise Dr. Silver’s nach Palästina, wo der Jischuw im Kampfe für unsere Freiheit steht. Dr. Thon, Vorsteher der amerikanischen zionistischen Organisation hebt die große Leistung Dr. Silver’s in Lake Success und den großen Beitrag den das amerikanische Judentum zum Siege geleistet hat, hervor. Als Dr. Silver das Wort ergreift, erhebt sich unter großem Jubel die ganze Versammlung und auch nach Absingung der Hatikwa will der Jubel kein Ende nehmen. Dr. Silver beginnt seine geist- und schwungvolle Rede in englischer Sprache um sie dann in einem markigen jiddisch fortzusetzen. Aus dieser Rede konnte man den unbeugsamen Willen des jüdischen Volkes zur Errichtung des Judenstaates und die Liebe und den Glauben an den heldenhaft kämpfenden Jischuw in Palästina entnehmen. Dr. Silver’s Rede hat einen unauslöschlichen Eindruck auf alle Zuhörer gemacht. Am 10. Jänner 1948 hatte sich die Elite des französischen Judentums zu einem Festbankett im Hotel Lutetia eingefunden, an dem auch prominente Vertreter des französischen politischen Lebens, des Pariser diplomatischen Corps und eine große Anzahl Journalisten aller Richtungen teil nahmen. Der Vorsitzende Dr. Madinanoh, Präsident der zionistischen Organisation in Frankreich wies auf die wichtige Rolle Dr. Silver’s zur Verwirklichung der großen Gedanken Theodor Herzl’s hin. Er erinnert an die zahlreichen Schwierigkeiten, denen Dr. Herzl in seiner Tätigkeit zu begegnen hatte. Eine rührende Szene ergab sich, als zwei Kinder des „Hanoar Hazioni” den großen Führer des amerikanischen Judentums in fließendem Hebräisch begrüßten. Tief gerührt umarmte Dr. Silver die beiden Kinder und dankte ihnen für die große Freude, die sie ihm bereitet haben. Rechtsanwalt Bemfeld, feiert Dr. Sil/ver als den großen und unermüdlichen Kämpfer für den Judenstaat. Er begrüßte die prominenten Persönlichkeiten und drückte sein Bedauern darüber aus, daß England die Teilnahme so vieler Juden am letzten Krieg und die Zusagen die es gemacht hat, bereits vergessen hat. Frankreich dagegen, das manche Gründe gehabt hätte, vorsichtig und neutral zu sein, hat für den Judenstaat gestimmt. Das werden und wollen wir ihm nie vergessen. M. Jarblum, der Präsident der zionistischen Föderation in Frankreich gab seiner Freude Ausdruck, daß sich in Lake Success die volle Einigkeit in der zionistischen Bewegung gezeigt habe und es zum Wunder des russisch-amerikanischen Uebereinkommens gekommen sei. Er begrüßte Dr. Silver als einen derjenigen Zionistenführer, der zum Sieg in der UNO am meisten beigetragen habe. Großer Jubel erhebt sich in dem Moment, als auch der Gesandte der Vereinigten Staaten au fdem Feste erscheint. Sodann ergreift Marc Sonie, der betagte geistige Führer der katholischen Bewegung Frankreichs, das Wort. Er feiert Dr. Silver als hervorragenden Kämpfer für Gerechtigkeit und betont, daß die christliche Welt eine große Schuld an dem jüdischen Volke abzutragen habe und es ganz natürlich gewesen sei, daß Frankreich der jüdischen Sache zu Hilfe geeilt ist und erinnert an die großen Verdienste und die bedeutenden Beiträge der Juden zur Kultur und Große Frankreichs. Marc Sonie versichert aus tiefstem Herzen, daß jeder wahre Katholik die Pflicht habe, den Juden zu helfen und mitzuwirken, daß die Judenfrage nach den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Menschenliebe gelöst werde. „Wir hoffen - rief Marc Sonie mit erhobener Stimme - daß der Judenstaat nicht nur auf politischem und sozialem Gebiete, sondern auch auf edm Gebiete des Geistes, ein Vorbild für alle Völker sein werde. Es wäre schon die höchste Zeit, daß nach so vielen Blutopfern, nach so viel Leid und Tränen, eine Zeit der Freude, der Freiheit und des Glückes für das jüdische Volk kommen sollte.” Mr. Leopold Sera Sanga, der sozialistische Abgeordnete Senegal’s gab seiner Bewunderung für die Arbeit und die Treue Dr. Silver’s zum jüdischen Volke Ausdruck und hob die revolutionäre Kampftätigkeit des jüdischen Volkes für eine bessere und schönere Welt besonders hervor. Er glaube zuversichtlich an eine Verständigung der Juden mit den Arabern und mit dem fortdauernden Kampf gegen die Unwissenheit wird das jüdische Volk der zivilisierten Menschheit noch große Dienste leisten. Namens des religiösen französischen Judentums begrüßte Rabbiner I. Kaplan den hervorragenden Führer der Zionisten Amerikas. Er sehe im Zionismus die Verwirklichung des messianischen Gedankens nach den Lehren unserer heiligen Thora und ein Bindeglied zwischen drei großen Kulturen. Für die Haganah begrüßte G. Schuchowitzky Dr. Silver als einen der verdienstvollsten Führer in der zionistischen Bewegung und erklärte, daß es nur den Bemühungen Dr. Silver’s zu danken sei, daß es in Palästina zu keinem Bruderkrieg kam. Heute genüge es nicht zu applaudieren, sondern auch tatkräftig mitzuhelfen. In der Zeit der Gefahr müssen die Juden in der Diaspora den Judenstaat bis auf’s äußerste verteidigen. Dr. Silver müsse in Palästina erklären können, daß auch das französische Judentum in diesem Willen zur Verteidigung einig sei. Zum Schlüsse feierten noch Jacques Maserie, Präsident der sefardischen Gemeinde, Dr. Weil Halee, Präsident des Keren Hayesscd und Dr. Josef Thon aus Amerika, Dr. Silver in begeisterten Worten. Bericht des Keren Hayessod Im Jahre 5707 (Oktober 1946 September 1947) sind 25.921 Juden, gegenüber 15.887 im Jahre 5706 und 13.135 im Jahre 5705 in Palästina eingewandert. Von den 25.921 Einwanderern sind 15.180 mit Zertifikaten der Alijah-Abteilung der Jewish Agency im Sinne der bestehenden gesetzlichen Vorschriften ins Land gekommen, während 10.741 in die Kategorie der Flüchtlinge fallen. Diese stellen zwei Gruppen dar : 7429 Flüchtlinge kamen aus Cypcrn und 3312 sind Personen, die die englische Marine seinerzeit aufgebracht, in Palästina interniert hat und dieses Jahr freigegeben wurden. Die Flüchtlinge stammen aus folgenden Ländern : Polen 37.20/0, Rumänien 27.9%,, Ungarn 11.2%, Csl. Republik 9.4%,Griechenland 3.1%* Deutschland 2.8%, andere europäische Länder 5.7%, U. S. A. 0.3%, verschiedene Länder 2.4%. Im Jahre 5707 hat der Keren Hayessod aufgewendet: Für Alijah Lstg. 1,881.019 — d. s. 19% der allgemeinen Ausgaben und Investitionen des Keren Hayessod und der Jewish Agency. In dieser Summe sind Pf. St. 320.180. - die für das Werk der Jugendalijah gewidmet wurden, nicht enthalten. Die Investitionen in landwirtschaftliche Kolonisationswerke wiesen im Jahre 5707 den Gesamtbetrag von Pf. St. 2,721.612. auf d. s. 27.4% der Gesamtausgaben und Kapitalsan lagen. Obige Summe verteilt sich folgendermaßen : Investitionen in landwirtschaftliche und städtische Arbeitergenossenschaften und Siedlungen, die vor dem Jahre 5705 gegründet wurden: Pf. St. 1,034.453. Investitionen in 30 neue landwirtschaftlichen, die im Jahre 5707 gegründet wurden Besondere Investitionen im Negev Für demobilisierte Soldaten Für Inhaber von Citrus- Investitionen bei Kolonisations- und Wassergesellschaften Ausgaben für landwirtschaftliche Versuchsstationen und Rechowoth Verschiedene Ausgaben für Anleitungen in den Landwirtschaften, Bau von Chaussen in den landwirtschaftlichen Siedlungen u. s. w. Pf. St. Darlehen an div. Wirtschaften zwecks Tilgung ihrer Schulden Pf. St. Pf. st. 362.581.- 1 Pf. st. 590.196. Mt Pf. st. 214.143 — Pf. St. 140.519.- Pf. St. 104.000.- Pf. St. 74.101. 134.886. 66.733. Gesamtbetrag Pf. St. 2,721.612.- OEL IN EREZ ISRAEL? Ein paar Kilometer westlich von Gaza hat in der zweiten September-Hälfte die „Petroleum Development (Palestine) Company”, eine Tochtergesellschaft der Iraq Petrol Company, eine Oelbohrung begonnen. Das ist an sich nicht verwunderlich. Zu guter Letzt sind alle denkbaren Schürfrechte Palästinas seit Jahrzehnten von den großen Oelkonzemen belegt, ohne daß je vorher ernstlich gebohrt wurde. Es war Zeit, daß einmal begonnen wurde. Aber warum wurde gerade jetzt begonnen 7 Und warum, vor allem, wird für diese Bohrung, die längst nicht fündig ist, längst nicht fündig sein kann, eine Propaganda gemacht, die nach der üblichen Geheimnistuerei mit allem, das mit Oel zu tun hat, einigermaßen überrascht 7 Die Frage der Erdölvorkommen Palästinas ist seit der Mandatsübernahme durch England ein heikles Problem. Ich hatte einen ersten Vorgeschmack in den zwanziger Jahren als reichlich vera.itwortungsloser Redaktionsvolontär eines reichlich verantwortungslosen Wiener Mittagsblattes. Wir waren darauf trainiert, den Chef nicht zu belästigen, wenn eines Tages sich der Leitartikel als zu kurz herausstellte und keine passende Nachricht vorhanden war. Die ad-hoc-Fabrikation eines netten, kleinen Kabels wurde von uns erwartet. Nun, an einem Tage eines zu kurzen Leitartikels hatte ich gerade ein interessantes Buch über Erdöl frisch im Gedächtnis und zog es als „Privattelegramm der... von Erdölfunden im Süden Palästinas in der Nähe von Aqaha auf. Es war ein schönes Telegramm und wirklich nicht vorauszusehen, daß dabei etwas „herauskommen könnte”. — Nun, was dabei herauskam, war erstens ein Anruf des Presseattachees der britischen Botschaft und zweitens der Anruf einer Oelcompany, die ihren Inseratenauftrag erweiterte. Und ..wenn Ihr wieder eine interessante Oelnachricht habt”, schloß der generöse Herr, „dann zeigt sie uns, bevor Ihr sie druckt 1” Und nun wird in Palästina auf einmal nach Oel gebohrt und nicht nur gebohrt in aller Oeffentlichkeit gebohrt, mit Pressefahrten und einem offiziellen Besuch des High Commissioners. In einer Woche ist man 850 Fuß tief gekommen und verspricht mit einiger Bestimmtheit das erste Oel bei einer Tiefe von 3000 Fuß. Man kann sich also so ziemlich ausrechnen, wann... Nicht ganz so leicht ist einzusehen, warum aus der Fülle möglicher Bohrstellen, die nach den Angaben von Experten völlig gleiche Chancen haben, gerade ein Platz gewählt wurde, der einen Interessenkonflikt hervorrufen muß. Nach dem UNSCOP-Teilungspian liegt die Bohrung im Judenstaat. Der einzige mögliche Endpunkt der künftigen kurzen Pipeline aber ist Gaza Lm arabischen Staat. Die Konsequenzen von Oelfunden, praktisch am Mittelmeer, sind nicht abzusehen. Das verschlafene Gaza mit seiner versandeten Reede würde in kurzer Zeit Haifa den Rang ablaufen. Soll das Oel ein Trostpreis für die Araber sein 7 Soll es einen Zwang zu arabisch-jüdischer Zusammenarbeit schaffen 7 Wir wissen es nicht.... Völlig klar ist es aber, warum für diese erste Bohrung in Palästina die Propagandatrommel so laut gerührt wird. Die neuen Bohrtürme zehn Meilen vom Mittelmeer sind ein Warnungszeichen für die Potentaten der arabischen Staaten, welche die neuen Pipelines kreuzen müssen. Dem Laien mag es ein Rätsel sein wieso Ihn Saud in der Lage ist, eine Druck auf die Oelkonzerne auszuüben. Es ist evident, daß er keine anderen Kunden für sein Oel hat. Es ist evident, daß er mit seinen Tantiemen tief im Vorschuß ist. Es ist ebenso evident, daß er sein Wüstenimperium schon zu weitgehend europäisiert hat, als daß er ohne die Ocltantiemen auskomme nkönnte. Dasselbe gilt für die Pipeline-Staaten, deren Finanzen einer gründlichen Revision bestimmt nicht standhalten würden. Nichtsdestoweniger ist aber das arabische Oel ein gewichtiges Argument in der Diskussion um Palästina, welche die Diskussion um die überfällige Neuordnung des Mittleren Ostens ist. In diese Diskussion bringen die Bohrtürme bei Gaza ein völlig neues Element. Die Erdölgeologie ist so weit fortgeschritten, daß der Erfolg ziemlich sicher ist, wenn ein Weltkonzern zu bohren beginnt - noch dazu in Gegenwart von Regierung und Presse. Es Ist völlig denkbar, daß eines nahen Tages Palästina ein „Oelland”, Gaza ein neues „Mossul” sein wird. Die Felder Palästinas sind karg. Ob es die Menschen, welche sie pflügen, glücklicher machen v ird, wenn sich herausstellt, daß flüssiges Gold un' c den steinigen Aeckern fließt, bleibt abzuwarten... Theodor F. Meyseh --^ 11 anmvMiriirn II