Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 15-16 (15.2.1948)
- Date
- 1948-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 15/16 2)ie Stimme Seite 3 „Wie weeden Ui diesem liarnf^ Scfofy haßen!" erklärt Dr. Silver in einer Pressekonferenz in Tel-Aviv Tel Aviv (Eigener Pressedienst). Rabbi Dr. Aba Hillcl Silver ist am 15. J änner 1948 in Erez Israel angekommen. Am nächsten Tag fand i;n Tel Aviv eine Pressekonferenz statt, an der Vertreter der palästinensischen und ausländischen Presse und der Presseagenturen teilnahmen. Der Vorsitzende des Journalistenverbandes in Erez Israel, Josef Heftmann begrüßte den illustren Gast mit herzlichen Worten und hob seine großen Verdienste um das Zustandekommen des historischen Beschlusses der UNO hervor. Dr. E. Carlebach schilderte Dr. Silvers ' politische und Organisationen^ Arbeit bei der Vorbereitung und Beein flußung der entscheidende nFaktoren in Amerika zum Wohle des Zionismus. Dr .Silver hat in das amerikanische Judentum einen neuen Stil des politischen Kampfes gebracht. Bitten und betteln oder Mitleid erwecken waren für ihn nicht der Weg des politischen Kampfes. Dr .Silver hat die öffentliche Meinung Amerikas durch die Kraft der tausendjährigen messianischen Hoff- ' nung in den jüdischen Massen, durch ihren Willen auf Befreiung und Freiheit, mobilisiert. In seiner Erwiderung in hebräischer Sprache gab Dr. Silver seiner großen Freude Ausdruck, daß es ihm beschJeden sei, in der Zeit in das Land zu kommen, in der der Jischuw vor der Bildung eines jüdischen Staates stehe. Wir erleben Tage schweren Kampfes, die Schwierigkeiten auf unserem Wege sind groß, aber gerade deswegen freue er sich umsomehr im Lande zu sein, weil in solchen Augenblicken die geistigen Eigenschaften eines Volkes, die tief verborgen sind, zum Vorschein kommen. Auch komme der Glaube des Volkes, seine Opferbereitschaft und seine Bereitschaft zum Kampfe zum Ausdruck. Er überbringe die Grüße des amerikanischen Judentums, das zur Verteidigung des Judenstaates auf der Wacht stehe und hob den großen Anteil des amerikanischen Judentums an dem Zustandekommen des historischen Beschlusses in Lake Success hervor. Die Juden Amerikas sind überzeugt, daß die amerikanische Regierung auch in Zukunft ein entscheidender Faktor In der Frage Erez Israels sein werde. Das amerikanische Judentum hat von seiner Regierung eine klare Stellungnahme zu diesem Problem verlangt und war hiezu eine riesige Aufklärungsarbeit notwendig. Es wurde ein Spezial-Komitee „Emergency Council” gebildet, das in liberalen Kreisen, in Kreisen der Arbeiterschaft und sögar in kirchlichen Kreisen gearbeitet hat. Das Komitee konnte seinen Einfluß bei den amerikanischen politischen Parteien geltend machen und konzentrierte seine Bemühungen besonders auf das Weiße Haus und das Außenministerium. Diesen Bemühungen ist es zu danken, daß der Morrisonplan liquidiert und die Unterstützung der amerikanischen Regierung für den Plan der UNO gewonnen werden konnte. Nun fordert die zionistische Bewegung die Aufstellung einer internationalen Truppe zur Äufreehterhalfung von Ruhe und Ordnung und zur Durchführung des Teilungsplanes in Palästina. Die Ju« den Amerikas wissen ganz genau, daß diese Armee in kürzester Zeit auf gestellt werden kann, wenn Amerika seine Zustimmung dazu erteilt. Wir verlangen Waffen für den Jischuw und unterliegt es auch in diesem Falle keinem "Zweifel, wenn die amerikanische Regierung ihre Zustimmung dazu gibt, wir genügend Waffen haben werden. Dasselbe gilt auch in der Geldfrage. In Amerika werden jetzt Vorbereitungen für eine große finanzielle Hilfe für Europa getroffen. Von der amerikanischen Regierung ist es abhängig, ob wir die geforderte Hilfe bekommen werden. Die amerikanischen Juden üben nun eine ngdroßen Druck auf die Regierung aus, damit sie die Bestrebungen des Jischuw und seinen Kampf für de nJudenstaat fördere. Ich glaube, daß wir In diesem Kampf Erfolg haben werden. Das amerikanische Judentum hat beschlossen 250,000.000 Dollars für die Bedürfnisse Palästinas und die Länder der Diaspora zu sammeln. Für die Juden Amerikas ist der Zionismus keine Sache der Philantropie, keine Sache von Brot, Hunger oder Tachrichim. Sie sehen im Zionismus eine große historische, nationale Bewegung. Noch nie war das amerikanische Judenutm so einig in seinem Willen, am Aufbau eines jüdischen Staates mitzuwirken, wie jetzt. Aber eine Sache verlangen die amerikanischen Juden von Euch: die Konzentrierung aller Kräfte ohne Unterschied der Partei, das Schließen d:r Reihen aller die im Kampfe stehen. Nach Beendigung seiner Rede hat man an Dr. Silver Fragen über aktuelle Probleme gerichtet. Wir bringen hier einige Antworten. 1. ) Konfiskation von Waffen : Anfänglich hatte die amerikanische Regierung nicht die Absicht, eine Untersuchung in dieser Hinsicht vorzunehmen, aber als die Angelegenheit der Waffenfunde in die Presse gekommen war, hatte die Regierung keinen anderen Ausweg und mußte eine Untersuchung einleiten. Man darf aber daraus nicht schließen, daß die amerikanische Regierung feindlich eingestellt ist und in Zukunft die Lieferung von Waffen für den Jischuw verbieten wird. 2. ) Alijah und Amerika : Das amerikanische Judentum wird dem Jischuw nicht nur mit Geld helfen, sondern es wird auch eine Emigration aus Amerika beginnen. Es ist aber natürlich, daß das Vorrecht auf Alijah die Juden in den Lagern haben. Weiters erklärte Rabbi Dr. Aba Hillel Silver, daß hinsichtlich der Frage einer internationalen Streitkraft, die Haltung Amerikas entscheidend sein würde. Im Falle eines arabischen Einfalles würde Amerika, so glaube er, nicht einseitig handeln, es sei aber sicher, daß die Vereinten Nationen eine gemeinsame Aktion unternehmen werden, widrigenfalls es das Ende der Vereinten Nationen bedeuten würde. Dr. Silver betonte, er habe vollstes Vertrauen zur jüdischen Verteidigung bis zum Siege durchzuhalten und erklärte, daß man auf unbegrenzte Hilfe des amerikanischen Judentujns rechnen könne. Das amerikanische Judentum verlange aber eine Sache und die sei — Einigkeit. „Wir Juden sind stolz darauf, daß wir schließlich die Verwirklichung der messianischen Hoffnung erreicht haben.” Amerikanische Wir apellieren! Seit 46 Jahren verfolgt der Keren Rajenieth Leisrael ein einziges Ziel: Boden in Erez Israel zu erwerben, Boden, der für immer Eigentum des jüdischen Volkes bleibt. Auf diesem Boden, der fast die Hälfte des jüdischen Besitzes in Erez umfaßt, fanden tausende und abertausende unserer Brüder und Schwestern ein glückliches Leben. Hunderttausende aber warten noch vor den Toren Palästinas u. müssen somit in kürzester Zeit neue Siedlungen geschaffen werden. Mit der Errichtung des Judenstaate* sind dem KKL ungeheure Pflichten und Aufgaben erwachsen, die er nur dann erfüllen kann, wenn ihm neue und reichliche Mittel zur Verfügung »gestellt werden. Diese Pflichten und Aufgaben sind so bedeutungsvoll für die Zukunft des Jischuv in Erez und des gesamten jüdischen Volkes, daß zu deren Erfüllung die Opferbereitschaft aller Juden notwendig ist. Die wichtigsten und grundlegendsten Mittel fließen dem KKL aus der Selbstbesteuerung aller Juden in Form von Monatsbeifrägen zu. Wir bitten nun, durch entsprechende Beilträge die Ziele und den Zweck unseres jüdischen Nationalfonds nach Möglichkeit weitgehendst zu fördern und ihn in die Lage zu versetzen,, ein Maximum an Grund und Boden für das jüdische Volk zu erwerben. Ueberzeugt davon, daß jeder Jude die Wichtigkeit und die Bedeutung des Keren Kajemeth einzuschätzen weiß, bitten wir alle, entsprechende Monatsbeiträge zu leisten. Für das K. K. L. - Büro in Wien Dr. Schumer Juden würden nicht nur materielle Hilfe leisten, sondern viele wollen auch mit Kapital nach Erez Israel kommen. Sie wollen sich keinerlei Einfluß im Aufbau oder Struktur des jüdischen Staates anmaßen und wenn irgend ein Jude, Minister oder Beamter werden will, muß er sich zuerst In Palästina niederlassen und sich allgemeinen Wahlen unterziehen. Ueber den Rücktritt Dr. Sneh’s befragt, erklärte Dr. Silver, daß er mit ihm noch nicht gesprochen habe, wenn aber wie es in den Zeitungen stand, der Grund seines Rücktrittes darin gelegen wäre, daß die Orientierung der Jewish Agency nach den Westmächten gerichtet sei, so befinde sich Dr. Sneh in einem schweren Irrtum. „Wir haben die Ost-West Kluft erfolgreich überbrückt und es ist gefährlich, sich auf eine einseitige zionistische Politik zu berufen.” Die Haganah Von M. P. Waters Aus dem Englischen übersetzt von Ing. Siegmund Korn fein 5. Fortsetzung Die ursprünglichen Gründer des Haschomer verloren ihren eigentlichen Zweck und ihre Mission nie aus den Augen. Es bestand aber die Gefahr, daß die Hasehomer als Elitetruppe zu einer dominierenden Gruppe werden würde, die gelegentlich in der Lage wäre, durch Waffengewalt der Gemeinschaft ihren Willen aufzuzwingen. Einige Ihrer Mitglieder, Männer wie Eliyahu Golomb und Dov Hos, die in der Anwerbung für die jüdische Legion eine Hauptrolle spielten, drangen in ihre Kameraden, der Auflösung ihrer Gruppe zuzuistimmen und an ihrer Stelle einen Verteidigungskörper zu schaffen, in dem alle körperlich geeigneten Juden dienen sollten. Sie hatten Erfolg. Der neue Verteidigungslkörper wurde Haganah genannt. Die Verantwortung für die Verteidigung war fürderhin nicht mehr die Sache einiger ausgesuchter weniger, sondern Sache der gan^eiY'Cenciiischaft. Das würde allen Selbstvertrauen einflößen und jeden neuen Siedler mit wahrem Pio niergeist erfüllen. Noch mehr, es v;ip' die Verteidigungslkräfte mit einem; kratis/chen Geist erfüllen. Haschomer war eine Elitegarde. Die Haganah sollte die demokratldche Miliz des palästinensischen Judentums werden. Die Haganah konnte aber nicht über Nacht geschaffen werden. Einerseits verlangte die Werbung, die Ausbidung und die Ausrüstung einer großen Streitkraft im Frieden besonders wen|n dies im geheimen erfolgen mußte — Zeit. Andererseits war Palästina nun nicht mehr unter oltomanischer Herrschaft. Das Land war unter britische Herrschaft gelangt und für die Äufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung war nun eine britische Verwaltung verantwortlich. Tatsächlich, bald nach dem Jahre 1918 kamen britische Organe zu den Siedlern und erzählten ihnen,, daß nun die Engländer für die Sicherheit sorgen würden und forderten die Juden auf, ihnen ihre Waffen a'uszuliefern. Das geschah in vielen Fällen und es gehörte im Jahre 1919 nicht zu den Schönheiten, daß man ganze Wagenladut.gen mit Waffen und Munition aus ■Km Jüdischen Siedlungen wegführen sah. In den Jahren 1920 und 1921 kamen aber dann die arabischen Angriffe in Jaffa und Jerusalem, in denen viele Juden, ihrer Verteidigungswaffen beraubt, ihr Leben verloren. Die britischen Behörden hätten wenigstens eines von zWeL Dingen tun können. Entweder hätten sie in jede der entlegenen jüdischen Siedlungen entsprechende Truppen schicken können, oder sie hätten den dortigen Siedlern, damit sie sich verteidigen konnten, ihre Waffen belassen können. Sie weigerten sich, das letztere zu tun und unterließen es, die erstere Bedingung zu erfüllen. Sie versprachen Sicherheit, sie hielten aber mit den Mitteln zurück um das Versprechen zu umgehen. Nach den Vorfällen der Jahre 1920 und 1921, verlor die Haganah keine Zeit mehr. Es ist richtig, daß die britische Verwaltung nach diesen Zwischenfällen die Notwendigkeit erkannte, den isolierten jüdisdien Siedlungen in bestimmten Fällen die Erlaubnis zu erteilen, eine begrenzte Menge Waffen — niemals mehr als einige Schießgewehre zu halten. Tatsächlich wurde aber diese Erlaubnis nur in besonderen Notfällen, wo Schießgewehre allein sich als nutzlos erwiesen, erteilt. Eine offizielle Genehmigung für einen umfassenden jüdischen Verteidigungsplan konnte aber nie erreicht werden. Und so mußten die Vorbereitungen für die Entwicklung der Haganah geheim vor sich gehen. Diese Vorbereitungen wurden aber ständig fortgesetzt, denn die Juden wußten nun, wenn es wieder zu Ausschreitungen käme, sie sich nur retten könnten, wenn sie imstande wären, sich selbst zu verteidigen. Wie recht sie hatten, erwies sich in den arabischen Aufständen der Jahre 1920 und 1921, wo es offensichtlich wurde, daß die normalen Sicherheitsorgane nicht imstande waren, das Leben jüdischer Menschen zu schützen oder zu retten. Noch eindrucksvoller erwies sich diese Unfähigkeit im Jahre 1929, als die Araber, durch den Mufti von Jerusalem und seine Gruppe auf gehetzt, jüdische Siedlungen und jüdische Vororte in den Städten an griffen. Dabei wurden cirka hundertfünfzig jüdische Männer, Frauen und Kinder in Jerusalem, Hebron, Safed, Jaffa, Haifa, Hulda und Beer Tuvia ermordet, viele verletzt, Häuser in Brand gesteckt, jüdisches Eigentum geraubt und geplündert. Diese Massaker ereigneten sich kurz nachdem die britischen Behörden die für bestimmte Fälle belassenen Gewehre aus den jüdischen Siedlungen eingezogen hatten. Es ist eine Tatsache, daß in den Fällen, ln denen die Juden illegale Waffen hatten, sie imstande waren, die Angriffe erfolgreich abzuwehren. Wo sie keine hatten wurden sie hingeschlachtet.