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Die Stimme · 1948-02-15 · Heft 15-16 (15.2.1948) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 15-16 (15.2.1948)
Date
1948-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 CDie Stimme Nr. 15/16 Dr. Josef Thon in Wien Spezialdelegierter der Zionistischen Organisation Amerikas für Europa. Unsere uj/lüinnc Ober Parteipolemik Samstag ist in unserer Redaktion ein Brief unseres alten und bewährten Chawers M. Seidschnur aus Paris eingetroffen. Er unterzieht Form und Inhalt unserer Zeitung einer eingehenden Kritik, berührt die positiven und negativen Seiten derselben und hebt als ein besonders erfreuliches Positivum hervor, daß unsere Zeitung sich von nutzloser Parteipolemik und unfruchtbarem Parteigezänk fernhält. Diese Haltung unseres Blattes verdient kein Lob, sie entspricht den grundsätzlichen Richtlinien des Programmes der Allgemeinen Zionisten. Es ergeben sich aber Momente, in denen selbst gutmütige Menschen aus dem Gleichgewicht geraten. Die Begrüßung Prof. Ch. Weizmann’s und Moshe Shertok’s durch den Waad Leumi als denjenigen, der das Hauptverdienst an dem Zustandekommen des UNO-Beschlusses hat, hat in den Kreisen der Allgemeinen Zionisten ein Gefühl der. Unruhe hervorgerufen. Das europäische Büro der Allgemeinen Zionisten hat sich mit einem Protest an den Waad Leumi gewendet, da dieses Vorgehen als unrichtig und als Fälschung der Tatsachen zu bezeichnen ist. Wir unterschätzen nicht die Verdienste eines Professor Weizmann oder eines Moshe Shertok, gesiegt hat aber die Richtung Dr. Silver und Dr. NeumamTs, die vom letzten Zionistenkongreß eingeschlagen wurde. Diese Linie war darauf gerichtet, daß sich die zionistische Politik nicht auf Verhandlungen mit England, sondern auf die Entscheidungen der UNO gründen soll. Hiezu kommt noch, daß die Vorarbeiten der Führer der zionistischen Organisation Amerikas nicht nur eine übermenschliche Leistung darstellten, sondern auch entscheidend für den Beschluß der UNO waren. In einer Sitzung der Föderation, drei Tage nach dem historischen Beschluß der UNO, erklärte der Vertreter der Jewish Agency, daß er in der Festrede über den bisherigen Beschluß, Moshe Shertok als denjenigen hervorheben werde, der die größten Verdienste an dem Zustandekommen des UNO-Beschlusses habe. Wir wollten die feierliche Stimmung der Sitzung nicht stören und beschränkten uns auf die bescheidene Frage an den Vertreter der Jewish Agency, welche Motive der Hatung gewisser Kreise zugrunde lägen, die großen und bewundernswerten die im größten Teil der jüdischen und sogar der nichtjüdischen Presse Anerkennung gefunden haben, die großen Leistungen eines Dr. Silver, eines Dr. Neumann, Dr. Goldstein sowie überhaupt die Verdienste des amerikanischen Judentums zu bestreiten. Wir bekamen vom Vertreter der Jewish Agency die Antwort, daß er genaue Informationen aus Palästina habe und wenn er Dr. Silver und Dr. Neumann nennen müsse, müßte er auch zahlreiche andere Personen nennen, die ein Verdienst an dem Zustandekommen des historischen Beschlusses haben. Nach einer längeren Debatte erklärte er sich bereit, den Namen Dr. Silver’s „auf keinen Fall aber den Dr. Neumann’s” zu erwähnen. Wie man sieht, halten sich die Vertreter der Jewish Agency nicht an die allgemein staatlichen Interessen, sondern eher an Parteiinformationen oder besser gesagt an Direktiven, die höher gestellt werden als die Interessen des ganzen Volkes. Das ist ein Vorgang, der beinahe einer Geschichtsfälschung gleichkommt und einen Versuch darstellt, wichtige Tatsachen vor der öffentlichen Meinung zu verbergen. Eine richtige und treffende Würdigung der Faktoren durch die der Beschluß vom 29. November 1947 zustande kam, gab Dr. Silver in einer Rede in Paris : „Der Sieg gebührt in erster Reihe den mutigen Kämpfern in Palästina. Wenn das Unerwartet kam ein hervorragendes Mitglied der zionistischen Organisation Amerikas, ein führendes Mitglied der Allgemeinen Zionisten in Amerika, Dr. Josef Thon nach Wien. Auf den ersten Blick erkennt man gar nicht, daß einem das seltene Vergnügen zuteil wird, mit einem Weltmann Bekanntschaft zu machen. Im Gespräch aber kommt einem bald zum Bewußtsein, daß man einen Zionisten von seltenem Format, einem großen Geiste, einem Manne von hoher Bildung und Kultur, einem Mann von ungewöhnlicher Energie und Zielbewußtsein gegenübersitzt. Dr. Josef Thon, dessen Wirken sowohl in Europa als auch in Amerika bereits von den schönsten Erfolgen begleitet war, repräsentiert den jüdischen Genius in einer glücklichen Mischung europäischen und amerikanischen Geistes und Kultur. Er scheute keine Mühe und keine Zeit um das Leben und die Leiden der Juden in Wien kennenzulernen und sein erster Weg galt einem Besuch des zionistischen Landesverbandes in Oesterreich, der Organisation der Allgemeinen Zionisten. Dr. Josef Thon, aus der Familie des bekannten und berühmten Rabbiners und Zionistenführers in Krakau Dr. Osias Thon, Neffe des gewesenen Präsidenten des Waad Leumi und jetzigen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Jerusalem, ist von Beruf Chemiker, Inhaber mehrerer wichtiger Patente, Schriftsteller, Nationalökonom, Mitglied des Administrativ-Rates der zionistischen Organisation Amerikas, Gründer des zionistischen Kreises „Nahum Sokolow”, Präsident der National Organisation of Polish Jews, vor dem Kriege Herausgeber der Lemberger zionistischen Zeitung „Chwila”, Generaldirektor der polnisch-palästinensischen Handelskammer, Direktor der polnisch-palästinensischen Kooperativbank, Herausgeber der einzigen, in polnischer Sprache erscheinenden Wirtschaftszeitung in Palästina unter dem Titel „Palästina und der Nahe Osten”, Mitarbeiter von ca. 15 Zeitungen verschiedener Länder in hebräischer, jiddischer, englischer, deutscher und polnischer Sprache, Delegierter zu mehreren Zionisten-Kongressen, Mitglied des Redaktionskollegiums der großen zehnbändigen Universal Jewish Enzyklopädie. In der ersten Zeit des Weltkrieges war Dr. Thon Direktor des jüdischen Refugee-Office in Genf und übersiedelte dann nach Amerika. In einem Interview gab Dr. Thon folgende Erklärungen: Ich weile jetzt als Spezialdelegierter der zionistischen Organisation Amerikas in einer besonderen Mission in Europa. Ich besuchte Frankreich, Belgien, Deutschland und Oesterreich und werde in weiterer Folge auch Italien, Czechoslowakei, Rumänien, Ungarn, Schweden, die Schweiz und England besuchen. Eine mehrmonatige Reise, die mich in direktem Kontakt besonders mit allen allgemein zionistischen Organisationen bringen soll, wobei ich alle jüdischaktuellen Probleme kennen lernen will, jene Probleme, die jetzt nach dem Beschluß der UNO auftauchen. Die zionistische Organisation in Amerika zeigt das stärkste Interesse für die Nöte der jüdikleine jüdische Volk imstande war, das große britische Imperium zu zwingen den Scheinkrieg gegen die 600.000 Juden in Palästina aufzugeben, so ist das gleichbedeutend, daß Goliath vor David kapitulieren mußte. Der zweite Faktor der zum Siege beigetragen hat, ist die arme gemarterte und verfolgte Sherit Hapleita in den Lagern Europas, deren einziger Wille auf legalen oder illegalen Wegen nach Palästina zu kommen bewirkte, daß die öffentliche Meinung der ganzen Welt daß 33 Staaten für die Errichtung des sehen Bevölkerungsgruppen in Europa und will und wird in noch größerem Maße als bisher ihr Interesse daran bekunden und helfend eitigreifen. Meine bisherigen Eindrücke haben mich überzeugt, daß das europäische Judentum in seiner überwiegenden Mehrheit bestrebt ist, so rasch als möglich nach Palästina zu gelangen. Ich habe in sehr vielen Fällen die Wahrnehmung machen können, daß für viele Juden Einreisevisa nach verschiedenen Ländern bei den Konsulaten bereit liegen, sie diese Visa nicht ausnützen wollen, um direkt nach Palästina zu gelangen. Es ist bewundernswert, welchen Enthusiasmus diese Menschen trotz aller schweren und schwersten Leiden und Entbehrungen noch aufbringen und beuge Ich mein Haupt vor dem heroischen Entschluß unserer Brüder, daß sie trotz der schweren Jahre die sie hinter sich hafcjn, immer noch warten wollen. Ich glaube aber nicht, daß es im Interesse irgend jemandes gelegen ist, diese Menschen noch warten zu lassen. Es ist dringend notwendig, daß man die schöpferischen Kräfte dieser Hunderttausende in das richtige Fahrwasser lenkt, damit sie in Palästina noch Wunder wirken können. Das muß geschehen, denn sonst werden sie Dämme durchbrechen und kein Kulturvolk der Welt kann Interesse daran haben, daß sich diese schöpferischen Kräfte in falscher Richtung auswirken. Man empfindet es tief beschämend, daß in einer Zeit, in der unsere Leute noch den schwersten Entbehrungen ausgesetzt sind, Nazimörder noch in Freiheit und ungestraft herumlaufen. Es sind die Mörder, die nicht arbeiten wollen, die das den Juden geraubte Gut, an dem Blut klebt, verkaufen und davon fett leben. Warum arbeiten die Deutschen so wenig 7 Weil sie, doch noch immer im Besitze des geraubten Gutes, ein sorgloses Dasein führen können. Und das können die hunderttausende Lagerjuden nicht verstehen. Ich habe gefunden, daß die allgemein zionistische Bewegung in rapidem Wachstum begriffe nist. Wir stellen die Mehrheit der jüdischen Massen Europas und dies trotzdem man uns innerlichzionistisch verschiedene Schwierigkeiten in den Weg legt. I<;h will aber durch Ihre Zeitung, für die wir so große Sympathie und1 ■Gefühle haben, unseren Parteigenossen über- Judenstaates waren. Der dritte Faktor war das amerikanische Judentum. Wir haben die 5,000.000 amerikanischer Juden mobilisiert, haben ihre Kraft im entsprechenden Moment auf die Wagschale geworfen und haben gesiegt. Der Sieg gehört also dem ganzen Volke.” Wir Allgemeinen Zionisten haben dr Interessen der zionistische; i Bewegung, d „ Interessen des ganzen jüdischen Volk»* immer höher gestellt als unsere Part< ■ Interessen. Wir haben nie versucht, V 4 dienste anders orientierici Parteifüh. all sagen, daß die mächtige zionistische Organisation Amerikas, die mehr als 250.000 Mitglieder zählt und das Rückgrat der Weltorganisation bildet, ihnen in allen ihren gerechten Forderungen zur Seite stehen wird. Unserem Parteiprogramm gemäß werden wir trachten, daß Klasseninteressen nicht bevorzugt werden und daß unsere Emigranten und (’haluzim nicht schlechter behandelt werden, als es jetzt, sowohl vor, wie auch nach der Emigration der Fall ist. Rolle der Führer der Allgemeinen Zionisten bei der UNO. Ganz Amerika ist sich dessen bewußt, daß der Sieg der gerechten Sache eines Judenstaates dein Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden der ganzen Welt entspricht und gibt sich die öffentliche Meinung darüber Rechenschaft, daß das Resultat mit der Mobilisierung der besten Kräfte der amerikanischen Gesellschaft durch die zionistische Organisation Amerikas, erzielt wurde. Unsere Führer, der Präsident der amerikanischen Sektion der Jewish Agency, Dr. Aba Hillel Silver, der Präsident der zionistischen Organisation Amerikas, Rechtsanwalt Dr. Emanuel Neumann, der Präsident der Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten Rabbi Dr. Israel Goldstein, der prominente Führer der amerikanischen Zionisten Rabbi Irving Miller wie auch Daniel Frisch, Jacques Torczyner und viele andere, haben die ganze jüdische und nichtjüdische Oeffentlichkeit mobilisiert, so daß in den letzten Wochen vor dem Beschlüsse der UNO mehr als 20,000.000 individuelle Zuschriften, Briefe, Telegramme, Memoranden an die führenden Staatsmänner Amerikas, wie an Präsident Truman, Staatssekretär Marshall, führende Senatoren und Kongreßmänner gerichtet wurden. Das war das Resultat der ungeheuren und unermüdlichen Propaganda seitens aller Mitglieder der zionistischen Organisation Amerikas. Die amerikanischen Juden sind heute verbissene Zionisten und jede zweite jüdische Familie Amerikas hat Schekel gekauft. Sie sind heute bereit für Erez Israel und für die Rettung der Juden in aller Weit, jedes Opfer zu bringen. Die Juden Amerikas bilden heute eine geeinte Masse — ein Phänomen, das sich jetzt zum erstenmal gezeigt hat. Damit endete das Interview. In den verschiedenen Konferenzen, in der Ausschußsitzung des zionistischen Landesverbandes hatten wir noch Gelegenheit, sensationelle Mitteilungen über die kühne und erfolgreiche Politik der zionistischen Führer Amerikas zu hören, aus denen auch zu entnehmen war, welch ungeheuren Anteil diese Führer, mit Dr. Siliver, Dr. Neumann und Dr. Goldstein an der Spitze, an dem Zustandekommen des historischen Beschlusses der UNO hatten. Leider konnte sich Dr. Thon nur zwei Tage in Wien aufhalten. Wir haben aber das Gefühl und die Ueberzeugung, daß Dr .Thon noch eine große und bedeutende Rolle im zionistischen Leben Amerikas und in Erez Israel spielen wird. Ing. K. zu negieren oder herabzusetzen, wir nennen auch gerne die Namen aller ohne Unterschied der Parteischattierung, die zum Wöhle des jüdischen Volkes und des Jischuws in Palästina beigetragen haben. Unsere Führer, die Funktionen ln der zionistischen Bewegung bekleiden, vertreten immer die Tnte;:cssen des ganzen jüdischen Volkes und richten sich nie nach eindeutigen „Parteiinformationen”, die ~ Einheit der zionistischen Bewegung ohen könnten. J. Ben David

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