Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1948-01-23 · Heft 14 (23.1.1948) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1948
Issue
Heft 14 (23.1.1948)
Date
1948-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2431292-2431304-2431306--0061-2431641
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 14 CDie Stimme Seite 3 Flugblätter in arabischen Dörfern. In einigen arabischen Dörfern und Beel uinenlagern wurden Flugblätter der Häganah in arabischer Sprache verteilt. „Wir wollen kein Blutvergießen, wir wollen Frieden und friedliche Arbeit. Wir wissen auch, daß Agitatoren und Hetzer Buch zum offenen Kampf mit den Juden auffordern. Wir warnen Euch,, lasset nicht zu, daß Hure Dörfer Schauplätze des Kampfes weiden, weil wir gezwungen wären, Gegenmaßnahmen zu treffen, die in Huren Reihen große Verluste verursachen würden. Wir hoffen, daß Ihr uns helfen ten! Friede allen, die Friede wollen.” # Hütet Euch vor Spionen. Palcor (London) ,,Die Stimme Israel”, der Sender der Haganah, hat die Juden Erez Israels zu wiederholten Malen vor britischen Agenten gewarnt, die jüdische Häuser besuchen, sich Jungen und Mädchen nur zu dem Zwecke anbiedern, um Informationen zu erhalten. Plakate mit „Hütet Euch vor britischen Spionen” sind in öffentlichen Lokalen und an verschiedenen Plätzen angebracht. Ein Pfund Strafe für illegale Emigration. Palcor (London) Ein arabischer Richter in Jerusalem verurteilte wegen illegalen Ueberschreitens der Grenze Palästinas syrische Araber zu je 1 Pfund Geldstrafe. Ein Ausweisungsbefehl wurde nicht erteilt. Eine arabische Jugendorganisation bezahlte die Strafe für die drei Araber. Wir sind doch Nachbarn. Palcor (London) „Wir sind doch Nachbarn, warum sollen wir miteinander kämpfen!” Mit diesen Worten kamen zwei Vertreter aus dem Dorfe Pedschah nach Petach Tikwah, um als Sprecher ihres Dorfes Frieden anzubieten. Auch aus anderen Gebieten weiden ähnliche Freundschaftskundgebungen der Araber berichtet. Der Muchtar von Ezur, einem Dorf in dem der Irgun vor einiger Zeit eine Strafaktion durchführte und der Muchtar von Dschebeliah besuchten den Vorsitzenden von Holon und meldeten, daß sie in ihren Dörfern keine Fremden mehr dulden werden. Ihr Freundschaftsbekenntnis ging sogar soweit, daß sie sich bereiterklärfen, den Juden Bericht zu erstatten, wenn vnP arabischer Seite der Versuch gemacht werden sollte, aus ihren Dörfern Ueberfäl'le auf die jüdischen Siedlungen zu organisieren. Eine Warnung der Haga iah. Palcor (London) Die ernsten Kämpfe bei Ho’on, d!e Angriffe im Negev und die letzten Ueberfälle auf den Straßen Palästinas sind ein sicheres Zeichen für einen organisierten Guerillakrieg, der nach der hier herrschenden Meinung die Vorbereitung für einen offenen Kampf sein soll. Es ist klär, daß der Mufti eben entscheide den Kampf solange vermeiden will, bis die Araber vorbereitet sind. In maßgebenden Kreisen des Jishuv glaubt man, daß jetzt noch die Möglichkeit bestehe, einen offenen Konflikt zwischen Juden und Arabern zu vermeiden. Es ist aber unbedingt nötig, daß die Vereinten Nationen sofort Maßnahmen treffen, die die Heganah in den Besitz von schweren Waffen setzen, damit die jüdische Verteidigung frei und ungestört ihre Tätigkeit entfalten könne. Die Jewish Agency hat energische Schritte unternommen, um die Anerkennung der Haganah als offizielle Verteidigungsarmee zu erwirken. Es ist klar, daß mit der Zunahme der Stärke der Haganah,, die Gefahr eines jüdisch-arabischen Konfliktes kleiner wird. La Tofchidonu. Palcor (London) Ein Haganah-Schiff, das den Namen Lo Tofchidonn (Ihr schreckt uns nicht), trägt, ist mit 800 Einwanderern an Bord unter stärkster britischer Eskorte in Haifa eingelaufen. Die Maapilim, 400 Männer, 293 Frauen und 130 Kinder, wurden sofort nach Cypern transportiert. Es wurde kein Widerstand geleistet. Das Schiff war an dem Tag, an dem in Erez Israel die Unruhen begannen, aus einem europäischen Hafen ausgelaufen. Die Türkei beteiligt sich nicht am heiligen Krieg. Palcor (London) Aus Ankara wird gemeldet, daß die türkische Regierung alle Gesuche, die von türkischen Staatsbürgern ei,''gebracht wurden, um in die arabische Armee, die für den heiligen Krieg aufgestellt werden soll, eintreten zu dürfen, abgelehnt hat. Die Motivierung lautet, daß die Türkei es nicht zulassen könne, daß angesichts der internationalen Lage, in der die Unabhängigkeit der Türkei bedroht ist, ihre Staatsbürger das Land verlassen. Pogrome in arabischen Ländern. Palcor (London) Der jüdische Weltkongreß meldet, daß nach den Judenpogromen in Pakistan alle Juden Peschawah verlassen haben und nach Bombay fliehen. Einer Nachricht aus Bombey zufolge, sind die ersten 300 Flüchtlinge, die aus Afghanistan nach Indien geflohen waren und dort anfijüdische Exzesse begannen, schon unterwegs nach Palästina. * Ein Vorschlag zur Evakuierung des Negev. Die palästinensische Regierung hat auf inoffiziellem Wege der Jewish Agency vbrgeschlagen, die Siedlungen im Negev zu evakuieren, da es schwer sei, die Kibbuzim auf ei :em ,so großen Raume zu schützen. Sowohl die Jewish Ag.ncy als auch dieChaluzim haben diesen Vorschlag kategorisch abgelehnt. * 280 Kinder aus Cypern. Am 19. XII. 1947 brachte die Jewish Agency 280 Kinder aus Cypern nach Palästina. * Die Palästina - Kommission konstituiert. Die Palästina-Kommission, die In Lake Success am 9. Jänner 1948 zu ihrer ersten Sitzung zusammengetreten ist, besteht aus folgenden Delegierten : Dr. Karl Lisicki Czechoslowakei Raoul Diez de Medina Bolivien Por Federspeil Dänemark Dr. Eduardo Morgan Panama Viente I. Francisko Philippinen * Dr. Emanuel Newmann über das Verbot der Ausfuhr von Waffen und Munition aus den Vereinigten Staaten Amerikas. Palcor (London). Hinsichtlich des Verbotes der Ausfuhr von Gewehren un^ Munition aus de n Vereinigten Staaten Amerikas in die Staaten des Nahen Ostens, wies Dr. Emanuel Newmann, der Vorsitzende der Zionistischen Organisation Amerikas darauf hin, daß diese Verordnung des Staatsdepartements dem Jischuw in Palästina die Möglichkeit nimmt, sich zu bewaffnen, während die Araber dauernd Waffen aus den arabischen Ländern und aus anderen geheimen Quellen bekommen. Dr. Emanuel Newmann rühmte die Einigkeit des amerikanischen Judentums, die besonders während der Verhandlungen vor der UNO, zum Ausdruck kam. Er wies auf die große Rto-lle der amerikanischen Zionisten beim Aufbau des jüdischen Staates hin, wozu eine finanzielle und politische Unterstützung nötig sei. Haganah besetzt VerteiJigungspunkte. Palcor (London). Die Hagar.ah hat auf dem Wege nach Jerusalem einen wichtigen strategischen Punkt in den Bergen bei Poaw Al Ouas besetzt. Dieser Punkt bietet die Möglichkeit, den Verkehr auf der Straße zwischen Jerusalem und Tel- Aviv zu kontrollieren und zu sichern. * Laut International News Service sind seit dem UNO-Beschluß über die Teilung Palästinas 315 Mann gefallen Hievon sind 170 Araber, 130 Juden, 9 Engländer und 5 anderer Nationalität. * Kämpfe in Tel-Mond. Palcor. Nach einem offiziellen Kommunique sind in den schweren Kämpfen einer jüdischen Patrouille mit einer arabischen Bande von 50 Mann in Tel-Mond Cfar-Jawez und Tel - Kerem 2 Araber gefallen und wurden mehrere schwer verwundet. Jüdischerseits wurden 1 schwer und 4 leicht verwundet. Einer ist vermißt. Nach einer späteren Meldung ist die Zahl der gefallenen Araber viel größer. * Die Kämpfe in Haifa. (Palcor). Die Kämpfe in Haifa und Umgebung haben mehr als 28 Stunden angehalten. Das Ziel des arabischen Angriffes war, die Stadt vom Hinterland, hauptsächlich von Emek-Israel und dem jüdischen Gebiet in Mifraz-Haifa, abzuschne'den. Die Haganah hat aber alle Versuche starker arabischer Kampftruppen, die hauptsächlich aus gut aus-gebildeten, durch die syrisch-palästinensische Grenze geschmuggelten syrischen Araber bestand, abgewehrt. In diesen Kämpfen sind 60 Araber und zw'ölf Juden gefallen, während siebzig Araber und zweiunddreißig Juden verwundet wurden. Eine Gruppe der Haganah hat sich dadurch ausgezeichnet, daß sie die wichtige Raschmijah-Brücke zwischen Haifa und dem Hinterland besetzte. * Chef der Jugendauswanderung tot. (Palcor). Hans Beil, der Chef des Departements für Jugendauswanderung, fand im Verlaufe einer Beschießung eines jüdischen Convoys bei Mozar den Tod. In die. cm Convoy befanden sich unter anderen auch d e Mitglieder der Jewish Agency, Golda Meiersohn und Izchak Grünbaum. Dk Me'"düng, daß Golde Meiersohn verwundet wurde, entspricht nicht den Tatsachen. Weitere Opfer des Anschlages sind: der 25-jährige Student der Medizin, Aron Milchmann und ein gewisser Tischbi. Die Haganah Von M. P. Wafers Aus dem Englischen übersetzt von Ing. Siegmund Kornfein 4. Fortsetzung Wie jeder Beduine war Joseph Ben David bewaffnet; er war aber für den Gebrauch einer Flinte nicht eingenommen. „Die Flinte”, pflegte er zu sagen, „ist eine Waffe für Frauen. Mit einer Flinte kann jeder schießen. Din Lanze und der Speer sind die Waffen für den Mann.” Einmal unternahm der starke Abu Jarmana-Stamm, der nach Petach Tiqwah gekommen war, um seine Herden $ufden Feldern weiden zu lassen und Korn zu stehlen, einen heftigen Angriff. Joseph Ben David (Yussuf ibn Daoud) trat ihnen entgegen. Er spießte ihren Scheich auf seiner Lanze auf, ritt in ihr Lager und vertrieb sie von den Feldern.Dieser Beduinenjude, sein sefardischer Kamerad, sowie Stamper, Katz und die übrigen Männer und Frauen von Petach Tiqwah erhöhten das Ansehen der Juden und trieben den Arabern den Gedanken aus, daß es möglich wäre, die Juden von Ihrem Boden zu vertreiben . ...” Erst als im Jahre 1905, nach der Revolution in Rußland, die zweite Welle der Einwanderer nach Palästina kam, wurde die jüdische Selbstverteidigung zu einer organisierten, über das ganze Land verbreiteten Formation umgebildet. Selbstverteidigung war diesen russischen Zionisten nicht unbekannt. Viele derselben hatten sich zu Gruppen zusammengetan, um den Angriffen während der Pogromwellen, durch die zu Beginn des Jahrhunderts jüdische Dörfer in Rußland verwüstet wurden, entgegenzutreten. Bis zu diesem Zeitpunkte waren die Juden in Rußland stets den Ueberfäl'llen antisemitischer Banden, die nach Belieben in ihre Dörfer kamen um dort zu morden, zu rauben und zu brandschatzen, ausgeliefert. Sie genossen nie den Schutz staatlicher Sicherheitsorgane. Die Polizei schloß sich den Angreifern häufig an und teilte nvit ihnen das sadistische Vergnügen des Mordens und die materiellen Vorteile der Beute. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts, mit dem Wiederaufleben der jüdischen Arbeiterbewegung und ihrer Betonung der jüdischen Würde und Selbstachtung, schufen diese russischen Juden ihre Verteidigungsgruppen. Sie waren illegal!, denn Waffentragen war nur staatlichen Formationen gestattet. Aber sie retteten Menschenleben. In den Pogromen des Jahres 1905 haben sich diese Verteidigungsgruppen bewährt. Sie traten ihren Angreifern entgegen und kämpften. In Orten wo es keine Verteidigungsgruppen gab, wurden die Juden wie Schafe hingeschlachtet. Die russischen Zionisten, die nach Palästina kamen, hatten Aufklärung oder Instruktionen über Selbstvertrauen nicht nötig. Von den alten Siedlern lernten sie viel über die lokalen Bedingungen und Gebräuche. Den alten Siedlern brachten sie aber etwas Neues, den Gedanken eines allgemeinen Verteidigungskörpers, der für die Hauptaufgaben der Sicherung jüdischen Bodens verantwortlich sein sollte. Sie würden pflanzen u. säen, sich ausbreiten u. entwickeln, bewachen was sie eri ungen haben u. Frauen u. Kinder schützen. So entstand im Jahre 1907 der Haschomer, die Organisation der Shomrim, der jüdischen Wachleute. Die Shomrim bahnten der Besiedlung des Landes den Weg, sichelten entlegene Posten landwirtschaftlicher Siedler und ermöglichten die Errichtung landwirtschaftlicher Kolonien an der Grenze. Sie waren die Elite der zionistischen Siedler in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts. Und sie gaben der zionistischen Pionierbewegung eine gewisse Würde, die sowohl von ihren arabischen Nachbarn als auch von allen Juden respektiert wurde. Viele der jetzigen Führer d:r Jewish Agency, einschließlich des gegenwärtigen Präsidenten David Ben Gurion, waren Mitglieder dieser Elitegruppe Hasehomer. Ben 'Gurions Interesse an der jüdischen Selbstverteidigung zeigte sich gleich bei seiner Ankunft in Palästina. Er pflügte als landwirtschaftlicher Arbeiter d e Felder von Sedjera, als einer seiner Kameraden, der neben ihm arbeitete, von einer arabischen Ueberfallsgruppe erschossen wurde. Ben Gurion ging mit seinen damaligen Kameraden den harten Weg des Zionismus, die eine Hand am Pflug und die andere am Schwert. Als der erste Weltkrieg kam, dienten viele dieser Shomrin bei den britischen Streitkräften in der jüdischen Legion, ebenso wie dann später ihre Nachfolger, die Mitglieder der Haganah, im zweiten Weltkrieg in der jüdischen Brigadegruppe der britischen Armee dienten. Die Idee der Shomrin barg gewisse Gefahren in sich, deren sich ihre Mitglieder wohl bewußt waren und die mit der Entwicklung Palästinas und dem Anwachsen der jüdischen Einwanderung nach der Balfour-Deklaration im Jahre 1917, in Erscheinung traten. Die ursprünglichen Gründer des Haschomer verloren aber ihren eigentlichen Zweck urd ihre Mission nie aus den Augen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.