Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 14 (23.1.1948)
- Date
- 1948-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4!'Die Stimme Nr. 1 ' Wie starh sind die opnbischenflrmeen? Von Jon Kimche (Schluß.) Vergeltungsmaßnahmen der Haganah. (Pal cor). Das Hauptquartier der Haganah hat eine spezielle Abteilung damit beauftragt, die arabischen Banden im Dorfe Silvan in der Nähe von Jerusalem unschädlich zu machen. Diese Banden haben sich dort festgesetzt, um dauernd Leberfälle auf Transportkonvoys, auf Leichenbegängnisse und Züge zum briedhof auf dem Har-Hassciti.m, zu unternehmen. Die Abteilung der Haganah war mit Maschinengewehren und automatischen Pistolen ausgerüstet. Die befestigten Punkte, fünf Häuser, in denen sich die Banden festgesetzt hatten, wurden gesprengt. Der Kampf mit den bewaffneten Dorfbewohnern und den Beduinen eines Lagers in der Nachbarschaft, hat von 10 Uhr früh bils 2 Uhr nachts gedauert. Drei Mitglieder der Haganah wurden leicht verwundet. Die Zahl der gefallenen Araber konnte man nicht feststellen. 677 nette Einwanderer in Palästina eingetroffen. (Pal oor). Ein Transport von 677 Emigranten ist in Haifa auf dem Schiff „29. November” eingetroffen. Sie wurden nach Zypern überführt. Im Transport befinden sich 331 Männer, 222 Frauen und 124 Kinder. Sechs Passagiere, unter ihnen eine Frau, mußten auf einer Bahre an Land getragen werden. Weitere Zwischenfälle sind nicht vorgekommen. * Jüdische Fabrik baut Flugzeuge. (Pal cor). Ein wichtiger Schritt auf dem Gebiete der Entwicklung des palästinensischen Flugwesens wur^,e Dienstag, den 30. Dezember 1947 getan. An diesem Tage begann eine jüdische Fabrik mit der Produktion von Flugzeugen, die von der Hamof-Luftgesellschaft in Bestellung gegeben wurden. Gleichzeitig wurde ^er Bau eines Flughafens bei Tel-Aviv, mit einem Kostenaufwand von 50.000 Pfund, in Angriff genommen. * Jerusalemer Handelszentrum soll evakuiert werden. Palcor. In einer Aussprache mit einer jüdischen Delegation erklärte ein Regierungsvertreter, daß das Jerusalemer Handelszentrum evakuiert werden müsse. Er forderte die Delegation auf, einen Plan betreffend die Aufrechterhaltung der Sicherheit für den Fall vorzulegen, daß die britische Macht die Stadt räumen werde. Die Delegation schlug vor, der Haganah die Sicherung des jüdischen Eigentums unter der Bedingung zu übertragen, daß sie in der Ausführung ihrer Funktionen nicht gestört werde. Der Regierungsvertreter ist einer positiven Antwort unter Hinweis darauf ausgewichen, daß dies eine Frage der „hohen Politik” sei. * E. Kaplan erwartet eine Masseneirigration nach Palästina. Palcor. In der Jahreskonferenz der Fatwa-Haoved in London erklärte E. Kaplan, der Finanzdirektor der Jewish Agency in seiner Begrüßungsrede, daß gute Aussichten für eine baldige Massenemigration nach Palästina vorhanden seien. „Wir benötigen mehr Juden, die Kraft Palästinas wird in unserer Fähigkeit liegen, moderne Wirtschaftsverhältnisse zu schaffen. Wir werden Wissenschaft ur.d Fachkeuntnisse aus anderen Ländern nach Palästina bringen.” E. Kap_ lan erklärte weiter, daß in den U. S. A. jetzt Schritte unternommen werden, um passendes Menschenmaterial für Palästina zu mobilisieren. Auch in England sollen die professionelle jüdische Intelligenz und die qualifizierten jüdischen Fachleute, die der Judenstaat benötigt, mobilisiert werden. Führer der Jewish Agency klagen die Engländer an. Palcor. In einer Massenversammlung der Organisation „Amerikaner für Haganah” in New-York, beschuldigte M.Shcrtok, Chef des politischen Departements der Jewish Agency, Groß-Britannien des „bewußten” Versuches, den Beschluß der L NO zu sabotieren. Pr. Emanuel Newmann, Präsident der zionistischen Organisation Amerikas erklärte, daß cs, um eine ,,jüdische Emigration in großem Maßstab” durchzuführen, notwendig sei, in allernächster Zeit ein entsprechendes Territorium mit einem Hafen von der britischen Kontrolle freizumachen. UNO-Kommission muß sofort nach Palästina kommen. Palcor (London). Rabbiner J. M. Lewin, Vorsitzender der palästinensischen Exekutive der „Agudas Israel” hat in einer Pressekonferenz in New-York betont, daß die UNO-Kommission sofort nach Palästina kommen müsse um ihr an Ort und Stelle den Ernst der Situation schildern zu können. Er erklärte weiters, daß es hauptsächlich britische Subaltemoffiziere sind, die den arabischen Banden Hilfe leisten. Diese Banden bestünden aus „Räubern und Culigans”, die von Syrien nach Palästina geschmuggelt werden. * Dr. James Macdonald für eine „symbolische Armee” in Palästina. Palcor. Dr. James Macdonald, gewesener Hochkommissar für das Flüchtlingswesen und Mitglied der amerikanischen Ausforschungäkommission erklärte im Laufe eines vom jüdischen Nationalfond veranstalteten Abends in Montreal, daß die Aufstellung einer „Symbolischen Armee” aus politischen ur.d militärischen Gründen notwendig s;.i. Eine internationale Armee von zwanzig bis dreißigtausend Mann mit Einbeziehung der jüdischen Miliz und der Haganah würde vollständig genügen, um die Ruhe und Ordnung in Palästina aufrechtzuerhalten. An diesem Festabend sind fünfzigtausend Dollar für eine „Stadt im Negew” gezeichnet worden. * - Dr. Silver über die Verpflichtungen Amerikas gegenüber dem Judenstaat. Palcor. Die Reg.erung der Vereinigten Staaten ist verpflichtet, die Teilung Palästinas durchzuführen” erklärte Dr. A. H. Silver in seiner Rede auf dem Abschiedsabend im Astor Hotel, vor seiner Abreise nach Palästina. Dr. Silver schilderte die gegenwärtige internationale Lage und wies darauf hin, daß der UNO- Beschluß, einen Judenstaat in Palästina zu schaffen, jetzt ein Teil der amerikanischen Außenpolitik geworden sei und dieser Teil mit derselben Entschlossenheit durchgeführt werden sollte, wie andere politische Pläne der amerikanischen Regierung durchgeführt wurden. Es sollten alle diplomatischen Einflüsse geltend gemacht werden, um die Durchführung des Teilungsplanes zu beschleunigen. Ein Aufschub in dieser Frage wäre gefährlich und ein Durchfall könnte zu einer Katastrophe führen. Dr. Silver wies auch darauf hin, daß die zionistische Bewegung ihre Orientierung weder auf den Ostblock noch auf den Westblock richten werde. Er wendete sich gegen jene Elemente Amerikas, die die amerikanische Mitarbeit in der palästinensischen Frage zu dem Zwecke stölren wollen, um auf diese Weise den UNO-Beschluß su sabotieren. „Wir orientieren uns ausschließlich auf die Vereinigten Völker, wir sind glücklich, daß unser Problem auf dem Wege eines internationalen Uebercinkommens zwischen Ost und West gelöst wurde. Es wäre wünschenswert, eine internationale Armee in Palästina zu halten, die die Realisierung des Teilungsplanes unterstützen sollte. Ob aber diese Armee aufgestellt wird oder nicht, dringend notwendig ist, daß der jüdischen Bevölkerung in Palästina die volle Möglichkeit geboten werde, sich zu verteidigen.” Saudi-Arabien hat nur eine kleine reguläre Armee von weniger als 10.000 Mann, die von Amerikanern und Engländern ausgebildet und im wesentlichen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit im Innern bestimmt ist. König Ihn Saud könnte jedoch viele Tausende von Kriegern aus den Stämmen rekrutieren und an die Grenzen Palästinas führen. Zu diesem Zweck müßten die saudi - arabischen Stämme aber transjordanisches Gebiet passieren, was König Abdallah niemals gestatten wird, da Ibn Ssaud noch immer Anspruch auf Transjordanien erhebt, und dessen jetzige Grenzen niemals anerkannt hat. Als saudi-arabische Stämme das letzte Mal in Transjordanien einfielen, wurden sie fast völlig von den in Transjordanien stehenden Truppen aufgerieben. Die einzige Alternative für König Ibn Saud wäre, Truppen zur See nach Aegypten und von dort durch die Wüste Sinai an die südpalästinensische Grenze zu schicken, aber derzeit hat die saudiarabische Armee weder die Schiffe noch die Organisation,, um eine solche Expedition durchführbar zu machen. Syrien, das im Norden unmittelbar an Palästina grenzt, hat eine Armee von etwa 10,000 Mann, die teilweise von den Franzosen ausgebildet, aber bisher nur gegen widerspenstige Stämme eingesetzt worden war. Der weitaus größte Teil dieser Armee muß die unzufriedenen Minderheiten von Syrien niederhalten die Äluiten, die Drusen und ein paar Kurden. Besonders jetzt, wo König Abdallahs Großsyrien - Propaganda ihm unter den Minderheiten viele Anhänger gewonnen hat, ist es unvorstellbar, daß viele dieser Truppen aus ihren derzeitigen Garnisonen abgezogen werden können, ohne den Bestand der syrischen Regierung zu gefährden. Würden die gegen Palästina operierenden syrischen Truppen einen Rückschlag erleiden, dann hätte das zur Folge, daß die syrische Regierung aus dem Gleichgewicht gerät. Es ist daher fraglich, ob die syrische Regierung sich augenblicklich auf eine solche Expedition einlassen und Rückschläge riskieren würde, die ihre eigene Existenz gefährden könnten. Für den Libanon gilt das Gleiche, wenn auch in etwas geringerem Maße. Die 3500 Mann starke libanesische Armee ist peinlich genau zwischen Christen und Moslems geteilt. Die Moslems agitieren seit einiger Zeit für Vereinigung mit Syrien, die Christen, die noch immer weitgehend unter französischem Einfluß stehen, sind gegen einen solchen „Anschluß”. Die libanesische Regierung stellt ein sorgfältig ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Moslems und Christen dar und die Armee ist kaum mehr als eine etwas besser ausgerüstete Polizei truppe zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des Status quo; sie ist weder genügend orgn nisierf noch ausgerüstet, um Expeditionen gegen britische Truppen in Paläst i na oder die Haganah zu unternehmen. Transjordanien, der an Bevölkerum; kleinste arabische Staat (350.000), hat di< bestausgerüstete und leistungsfähigste Ar mee : die Arabische Legion, 8000 Mann stark und von englischen Offizieren he fehligt und ausgebildet; sie verfügt über etwa 400 Panzerwagen und Tanks und eine vollmotorisierte Brigade. Die Kosten dieser Armee belaufen sich auf etwa das Doppelte der gesamten Staatseinnahmen Transjordaniens; sie werden durch Zuschiisse eder Kredite des britischen Schatzamtes gedeckt. Im anglo-transjordanischen Bündnisvertrag vom März 1946 wurde ausdrücklich bestimmt, daß die vertragschließenden Parteien sich verpflichten, „in fremden Ländern keine Haltung einzunehmen, die mit der Allianz unvereinbar ist oder Schwierigkeiten für den anderen Allianz Partner schaffen könnte.” Der gleiche Vertrag sah auch d'e erforderliche briti sehe Finanzhilfe für militärische Instruktionen, Standardisierung der Ausrüstung und eine Verpflichtung Transjordaniens vor, seine Offiziere nur auf britische Militärakademien zu schicken. Alle arabischen Armeen sir.d für Ausrüstung und militärische Versorgung entweder auf England oder die USA angewiesen. Sowohl dun ssaudi-arabischen wie dem irakischen Verteidigungsministerium sind britische Militärmissionen attachiert, eine dritte weitere ist in Aegypten. Die Irans jordanische Armee, die bedeutendste von allen arabischen Armeen, wird von England befehligt und bezahlt. Die RAF hat vertragsgemäß eine schlagkräftige Flugzeuggruppe in Amman stationiert. Der Oberkommar.dierende der Armee und Abdallahs Militärkommandant sowie 40 andere Offiziere sind vom britischen Kolonialministerium zur Verfügung gestellt. Es ist klar, daß die arabischen Armeen ohne britische stillschweigende Zustimmung und Unterstützung nicht in der Lage wären, in Palästina effektiv militärisch aufzutreten. Das ist aber nicht alles. Der Araber kann ein guter Guerillakämpfer sein und ein Guerilla-Ausbildungslager in Syrien unter dem Kommando eines Führers des arabischen Aufstandes in Palästina ist wahrscheinlich eine viel schlimmere Unruhequelle als alle arabischen Armeen zusammengenommen, die nicht Zusammenwirken können, nicht in großer Zahl ihre Länder verlassen können und nicht au fGrund eines gemeinsamen Planes marschieren können, weil die politischen Differenzen in einigen arabischen Staaten und dynastische Zwistigkeiten zwischen anderen das verhindern. (Nach ,.Tribüne”) Der Sportklub „Hakoah“ veranstaltet am Dienstag, den 27. Jänner und am Donnerstag, den 29. Jänner 1948 im großen Saal des Etablissements GSCHWANDNER, Wien XVII., Hernalser Hauptstraße 41 2 THEATER-ABENDE Unter Mitwirkung hervorragender jüdischer Künstler wird cmm mio's/scniir.w u/.cEt&OHafpr» in 3 Akten mit Prolog und Kpiiog von FROIMAN zur Aufführung gebracht. VV\ 'V’V'V’VW'W 1 I \