Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1947
- Issue
- Heft 8 (1.11.1947)
- Date
- 1947-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 'J)ie Stimme Nr. 8 Das neue WIZO-Kinderheim auf dem Berge Karmel Wiederum ist das Bauen in Jüdisch-Palästina an der Tagesordnung. In allen Erziehungsinstifutior.en ist cs notwendig, mehr Raum und bessere Unterkünfte 7,u schaffen, um die stets wachsende Anzahl Kinder, die an die Tore pochen, unterzubringen. Im dieser Not abzuhelfen, hat die WIZO ein Bau-Vorhaben beschlossen, für das 500.000 palästinensische Pfund zur Verfügung stehen. Das Ergebnis dieses Planes sind neue Häuser in den landwirtschaftlichen Schulen sowie Neubauten von Kinder- und Säuglingsheimen. Kürzlich wurde au fdem Berge Karme, in Anwesenheit zahlreicher Persönlichkeiten des jüd. Lebens ein neues Gebäude im Kinderheim der WIZO eröffnet. Früher das ,,häßliche Entlein” unter den Einrichtungen dieser Art im Lande, hat das Heim jetzt Dank der Leistungen der zionistischen Frauen Australiens, die das Heim unter ihre Fittiche genommen haben, eine bemerkenswerte Veränderung erfahren. Ursprünglich ein Sommerlager fiir kranke Kinder, hat das Institut während seiner dreizehnjährigen Geschichte die Züge von Notstandserweiterungen getragen .Fast über Nacht mußten die Holzhütten und Zelte die Aufgabe einer Dauereinrichtung erfüllen, als bald zu Beginn des Krieges, den überlebenden Kindern der ,,Patria” hier eine Unterkunft geboten werden mußte. In den folgenden Jahren zwangen die dringenden Bedürfnisse der zahlreichen ins Land strömenden, heimatlosen Kinder, zusammen mit der wirtschaftlichen Not vieler Soldatenfamilien, das Institut, zusätzliche Notstandsvorkehrungen für Kinder im schulpflichtigen Alter zu treffen. Es war eine schwere Zeit und viel Pioniergeist und ein gut entwickelter Sinn fiir kollekftive Verantwortlichkeit mußte dem jungen Volke cingeimpft werden, um das Gemeinschaftsleben trotz aller widrigen L mstände zu einem Erfolg zu führen. Nun ist eine neue Zeit angebrochen; die neuerlichteien Schlafräume, Klassenzimmer, Gemeinschaftsräume und die große Speise- und Versammlungshalle erleichtern allen Beteiligten das Leben. Für Kinder, die erst kürzlich von dem Alpdruck Nazi- Europas befreit oder aus düsteren übervölkerten Wohnungen übernommen wurden, ist das neue Heim mit seinen herrlichen Gebäuden und schön angelegten Gärten ein wahres Paradies. Das Kinderheim am Berge Karmel ist eine der zahlreichen Institutionen des jüdischen Palästina, die errichtet wurden, um die Körper und Seelen der jungen jüdischen Generation, die aus allen Ländern der Diaspora nach diesem Lande drängen, neu aufzubauen. Die guten Resultate dieses Beginnens sind der beste Beweis dafür, daß nur ein Land diese Kinder retten kann: das Land der Kinder Israels. Keren Hayessod Neben dem Keren Kayemeth Leisrael (Jüdischer Nationalfond), dem Fond für Erwerbung von Grund und Boden in Erez, ist der wichtigste Fond der Keren Hayessod, der eigentliche Aufbaufor.d für alle Gebiete des jüd. Aufbauwerkes in Palästina. Gerade jetzt in den Tagen und Wochen, da wir vor der Errichtung des freien, unabhängigen Judenstaates stehen, gerade jetzt im entscheidenden Moment ist es die erhabene Pflicht für uns alle, selbst unter den größten Opfern dem Keren Hayessod die unbedingt nötigen Mittel für den nun beginnenden neuen Abschnitt unseres Aufbauwerkes zur Verfügung zu stellen. Bald werden weitere tausende, hunderttausende gesunder Kräfte in unsere neue alte Heimat, nach Erez strömen, um die Arbeit fortzusetzen. Diese große Aufgabe muß der Keren Hayessod mit seinen Mitteln allein bewältigen. Der Keren Hayessod ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes das Finanzinstrument des jüd. Volkes für alle Aufbauarbeiten in Erez. Der Keren Hayessod sorgt für die Einwanderung, finanziert die landwirtschaftliche Kolonisation, errichtet alle Arten von Versuchsstationen, gewährt Kredite an Kleingewerbetreibende, Geschäftsleute, Genossenschaften, Industrien; unternimmt alle Arten öffentlicher Arbeiten, gründet Finanzinstitute und fördert die Gründung neuer Industrien. Gemeinsam mit der Hadassa und Kupat Cholim (Krankenkassa) hat er das ganze Sanitätswesen im Lande aufgebaut und wesentlich zum Aufbau des hebräischen Schulwesens (Universität, Technik usw.) beigetragen. Welche Bedeutung die zionistische Weltorganisation dem Keren Hayessod beimißt, geht aus der Tatsache hervor, daß unmittelbar nach der im Jahre 1920 erfolgten Gründung, der Präsident der zionistischen Weltorganisation Prof. Weizmann, der Präsident der Exekutive Nahum Sokolow, sowie die Mitglieder der Exekutive Dr. Arthur Ruppin, Louis Lipsky, Col. F. H. Kish und Ing. Kaplansky, sich in den Dienst des Keren Hayessod stellten und zu diesem Zwecke ausgedehnte Reisen nach Europa und Amerika unternahmen. Die Erkenntnis, daß ein weiteres Fortschreiten des Aufbauwerkes in Palästina, ohne günstige Entwicklung des Keren Hayessod nicht möglich ist, hat, wie in anderen Ländern der Welt, maßgebende Kreise in Oesterreich veranlaßt, im Jahre 1924 den Keren Hayessod umzugestalten und aufzubauen, wobei die Gründung der „Gesellschaft der Freunde des Keren Hayessod” zu dem Zweck erfolgt, auch unter den Nichtzionisten Gönner zu gewinnen. Die Arbeit in Oesterreich hat achtunggebietende Erfolge gezeitigt und das Interesse großer jüdischer Kreise geweckt, die dem Keren Hayessod außerordentlich wertvolle Hilfe angedeihen ließen. Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten, nimmt der Keren Haessod seine Tätigkeit in der Zuversicht wieder auf, daß es ihm vergönnt sein werde, in Zusammenwirken mit dem Keren Kayemeth das Aufbauwerk in Palästina tatkräftigst zu fördern. Von der Wiener Judenschaft wird erwartet, daß sie den historischen Augenblick des jetzigen Geschehens verstehen und dem Keren Hayessod als Förderer beistehen wird. Der neue Leiter des Palästinaamtes in Oesterreich. Anläßlich des Eintreffens des neuen Leiters der Jewish Agency in Oesterreich, Dr. Baruch Joffe, fand Montag, den 27. Oktober d. J. ein feierlicher Empfang statt, bei welchem dem bisherigen Leiter des Palästinaamtes Dr. Jehuda Gaulan der Dank und die Anerkennung für seine Tätigkeit ausgesprochen wurde. Aus den Abschiedsworten an Dr. Gaulan konnte man ersehen, welch wichtige Rolle er in Oesterreich besonders auf dem Gebiete der Organisierung der Seerit Hapleta gespielt hat. Dr. Joffe gab interessante Aufklärungen über das soziale und kulturelle Leben in Palästina und drückte die Hoffnung aus, daß es uns in Oesterreich möglich sein werde, die gesamte zionistische Bewegung unter der Führung der nunmehr gegründeten zionistischen Föderation zusammenfüssen und eine gedeihliche Arbeit zu leisten. Aus technischen Qmnden mußte die Jlufcik „Unseee Stimme" diesmal entfalte*" die Redaktion. Die Rede Dr. Weizmanns vor der UNO Mit dem Text in der Hand, den Kopf abgewendet von dem hlenclen Licht einer Deckenlampe entschuldigte sich Dr. Weizmann wegen der stockenden Art seines Vortrages die in seinem schlechten Augenlicht seinen Grund habe. Er bezeichnete es als einen bewegenden Versuch vor dem Komitee der UNO zu sprechen und die Gesichtspunkte, die Gefühle des jüdischen Volkes an diesem Wendepunkt seines Schicksals zusammenzufassen. Er erinnerte an die Zeit vor mehr als einem Viertel Jahrhundert, als die Nationen der Welt das zionistische Programm für die Wiedererrichtung des jüdischen Natioalheimes in Palästina bestätigten. Sie alle glaubten, daß der uralten jüdischen Zivilisation, die das Denken und den Geist der Welt bereicherte, endlich ein freies Heim an ihrer wirklichen Geburtsstätte gegeben werde. Das jüdische Volk mußte ein Heim finden, keine Zuflucht oder ein Asyl, nicht bloß ein Obdach, sondern eine Heimat, die durch die Erinnerungen und zukünftigen Hoffnungen untrennbar mit ihr verbunden ist. Das jüdische Volk muß seine eigenen politischen und sozialen Institutionen nach seiner eigenen Idee gestalten können, seinen eigenen Charakter und seine Tradition auf der Grundlage der Gleichheit mit allen anderen Nationen der Völkerfamilie, bilden können. Dr. Weizmann sagte, er könne bestätigen, daß die Konstituierung der Juden als Nation unter den Nationen der Welt, di ewahre Absicht und das Motiv des internationalen Vertrages war, der von der Liga der Nationen bestätigt wurde. In Kenntnis dessen könne er sich nur belustigen über die frivolen Beschuldigungen der arabischen Delegierten, die das Motiv des Mandates als Belohnung Dr. Weizmanns für die Erfindung eines Giftgases hinstellen. Er sei genötigt den Schluß zu ziehen, daß diejenigen, die diese Beschuldigungen erhoben, von der politischen u. ökonomischen Literatur jener Zeit nichts wußten. Das Mandat wurde von hohen Absichten inspiriert, die allen Anstrengungen und Opfern die sie erforderten, wert waren. Die Bemühungen der Juden in Palästina zeigen, daß neue und kulturelle Werte entstanden sind, daß neue wirtschaftliche Gelegenheiten, nicht nur für die Juden sondern auch für die Nachbarn in Uebereinstimmung mit dem internationalen Vertrag eröffnet wurden. Die Zeiten haben sich geändert, neue .Situationen hahfn sich ergeben und neue Bedingungen müssen gesucht werden, damit die Juden imstande seien, ihr einzigartiges Geschick als Nation in Palästina zu erfüllen. Nach einer Verbeugung vor der Vision, dem Mut und der Gerechtigkeit, die die 52 Nationen, die das Palästinamandat Unterzeichneten, bewegte und dem jüdischen Volke ermöglichte, sich der Schwelle der Unabhängigkeit zu nähern, sagte Dr. Weizmann, daß es kein Zufall sei, daß die Staatsmänner, die die Idee einer organisierten internationalen Zusammenarbeit entwickelten sich nun hervorragend mit dem Kampfe des jüdischen Volkes für nationale Gleichheit befassen müssen. Er bezog sich auf Präsident Wilson, Balfour, Lloyd George, Smuts, Masaryk, Lord C’ecil und andere Führer, die für die Bildung der vereinten Nationen wirkten und 'Jab seiner Freude Ausdruck, daß die UNO angesichts ihrer allgemeinen Schwierigkeiten Zeit fand, einen Plan für einen jüdischen Staat zu entwerfen. Dr. Weizmann betonte das Recht des ii'dische/T Volkes auf seinen eigenen Staat. Er kommentierte den Majoritätsbericht, der wie er sagte, über die objektiven Bedingungen arabisch-jüdischer Zusammenarbeit in korrekter Weise entschieden hat. Die Juden waren tief gerührt, den Sowjetde’egiertcn in so überzeugender Weise von der großen Tragödie des jüdischen Volkes sprechen zu hören, die mit so schrecklichem Nachdruck die Folgen des Mangels eines Nationalheimes gezeigt hat. Die Juden haben ebenso wie irgend ein anderes Volk das Recht, für ihre eigene Sicherheit und Wohlfahrt vorzusorgen und nicht Immer abhängig zu sein von der Gnade und dem guten Willen eines oder des andern Staates. Die Sowjeterklärung zeigte tiefes Verständnis für die historischen Gefühle des jüdischen Volkes. Zum Schluß sagte Dr. Weizmann, daß er nicht enden könne, ohne einen Appell an dieses große Forum des Weltgcwissens zu richten; eine Welt die uns in diesem Augenblick nicht hören würde, vürde taub sein für die Stimme der Gerecht'gkeit und des menschlichen Gefühls. Er hiA, dem jüdischen Volk Gelegenheitzu geben, den vornehmen Idealen treu zu bleiben, denen ihre Ahnen immer treu blieben und diese Ideale als ein kostbares Erbe der Welt überlieferten. Rees^estUnmen Zur Erklärung des britisJien Koloniilininisters Creech Jones. „I) a v a r” : „Die britische Regierung hat der Beendigung des Mandats und dem Rückzug ihrer Truppen aus Palästina zugestimmt. Diese feierliche Erkläumg ist verständlich, da die Mitglieder des UNSCOP so entschieden haben. Die Mehrheit der UNSCOP-Mitglieder hat die Errichtung eines jüdischen und eines arabischen Staates empfohlen. Der Kolonialminister jedoch nimmt zu diesen Empfehlungen selbst keine Stellung. Die britische Regierung, als ein Mitglied der Vereinten Nationen, gibt ihre Stellungnahme zu dem Weltproblem nicht bekannt und macht die Stellung der Welt abhängig von dem Vetorecht einer Nation. Niemand wird in Großbritanniens Erklärung Mut, Aufrichtigkeit und Anerkennung der historischen Pflicht einer Regierung sehen, die ihren internationalen Auftrag zu einem ehrenvollen Abschluß bringen sollte. Diese Erklärung jedoch ebnet der Versammlung der Vereinten Nationen den Weg, diesen Auftrag selbst durchzuführen. Von nun an wird das Problem des jüdischen Volkes vor dem Weltgericht stehen, von nun an wird die Versammlung der Vereinten Nationen frei sein, gemäß ihrem eigenen Gewissen zu entscheiden”. „Haaret z” : „Großbritannien hat seinen Entschluß gefaßt. Sollten nach dem bril Lehen Rückzug Aufruhr und Anarchie im Lande herrschen, Großbritannien wird seine Hände in Unschuld waschen. Die letzte Erklärung Creech Jones’ setzt alle interessierten Parteien unter Druck, zu einer Verständigung zu gelangen» solange noch die britische Verwaltung und die Militärmaschinerie im Betrieb sind. Wir haben eine Analogie in Indien, als eine ähnliche Erklärung die beiden feindlichen Lager zwang, sich auf Teilung zu einigen. Weit davon entfernt, eine Lösung mit Gewalt aufzuzwingen, behält Großbritannien sich selbst das Recht vor, sich gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen an der Durchführung der Beschlüsse zu beteiligen. Das ist der einzige Hinweis auf Englands Stellungnahme in Bezug auf eine Endlösung. Es besteht kein Zweifel, daß die Mehrheit der in Lake Succes versammelten Nationen den Mehrheifsbericht des UNSCOP unterstützt. Jeder Versuch, seine Durchführung zu verhindern, muß als ein Resultat der arabischen Drohungen und der britischen Drückebergerei verstanden werden.”