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Die Stimme · 1947-11-01 · Heft 8 (1.11.1947) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1947
Issue
Heft 8 (1.11.1947)
Date
1947-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 1 Schlllina timme e/Illgemein zionistischeJdo chens chrift Zionistischer Landesverband Wien at^sn D^sn nrnKnn Redaktion und Administration: Wien IX Universitätsstrnße Nr. 4/4 Telefon A-26-4-73 Postscheck« Konlo Nr. 134.292 1. November 1947 Erscheint jede Woche Nr. 8 — 1947 Mobillsierunfl des Jisihuw HacUdddcn aus Palästina Auf einer Tagung des Vaad Leumi wurde der von der Haganah ausgearbeitete Mobil isierungsplan eingehend besprochen, wobei beschlossen wurde, zwecks Beschleunigung der vorgesehenen Maßnahmen einen Mobilisierungsfond *zu schaffen. In einem nach der Tagung veröffentlichten Kommunique des Vaad Leumi, wird betont, daß die wohlwollende Stellungnahme der U. S. A. und der Sowjetunion auf der UN-Tagung die allgemeine Situation günstig beeinflußen werde. In diesem Kommunique heißt es weiter, daß der Jischuw den ihm drohenden Gefahren von Seiten „geheimer Provokateure”, durch die das arabische Volk zu Gewalttaten gegen die Juden aufgehetzt wird, mit offenen Augen entgegensehen müsse. Es wird augenblicklich in London viel über Antisemitismus geredet und geschrieben. Und das ist gut so. Bekanntlich sind die Komplexe, über die man schweigt, gefährlicher als die, die man frei heraus diskutiert. Es hatte ja sein können, daß man über die faschistischen Versammlungen im East End und den oft daraus resultierenden Schlägereien zur Tagesordnung übergeht. Presse und Parlament haben dazu wiederholt Stellung genommen. Der Innenminister hat sich in einem offenen Brief an den „New Statesmann und Nation” gegen Angriffe verteidigt. Eine Abordnung von Mitgliedern des Unterhauses hat neulich einer solchen Versammlung beigewohnt und einen Report für die kommende Parlamentssitzung vorbereitet. Praktisch alle Zeitungen haben entweder im Leitartikel oder in Reportagen auf die antisemitischen Hetzreden bei jenen faschistischen Versammlungen hingewiesen. Ja sogar das Institut für öffentliche Meinungsforschung hat die Zwischenfälle für wichtig genug gehalten, um eine Rundfrage über das Thema zu veranstalten. Der „Evening Standard” hat die Vorfälle für so wichtig genommen, daß er die bekannte Dichterin und Romanciere, Rebecca West, beauftragt hat, ein eingehendes Studium des Antisemitismus in London zu machen. Rebecca West ist nicht ohne Erfahrung in der Berichterstattung krimineller Vorgänge. Sie hatte seinerzeit für eine Reihe amerikanischer Zeitschriften über die Landesverräter- Prozesse gegen William Joyce und John Arnery berichtet, die beide zum Tode verurteilt wurden, und als sie vor ein paar Monaten in Amerika war, machte ihr Report über einen Lynchprozeß in South Carolina gewisses Aufsehen. Im ersten Teil ihrer Artikel-Serie kommt sie zu einem überraschenden Ergebnis. Sie analysiert sehr treffend die Anhänger und Mitläufer der „Britischen Gleichzeitig wird von der Exekutive des Vaad Leumi erneut ein kürzlich erlassener Aufruf bestätigt, In dem die Araber aufgeforderf wurden mit den Juden zusammenzuarbeiten. Es wird aber auch an den gesamten Jischuw appeliert, aus Gründen des Selbstschutzes, die allgemeine Mobilisierung durchzuführen und den Anordnungen der nationalen Institutionen diszipliniert Folge zu leisten. Vom Sekretariat der Histadruth (Gewerkschaft) wurden Maßnahmen eingeleitet, um die nötigen finanziellen Mittel für den jüdischen Staat und seine Verteidigungsarmee aufzubringen. Alle organisierten Mitglieder der Histadruth haben den Mobilisierungsbefehl erhalten. Ex-Soldaten-Liga”, die jene faschistischen Kundgebungen inszeniert, aber sie behauptet, daß die Redner so langwellig und schlecht sind, daß sie schon längst vor leeren Bänken hätten sprechen müssen, wenn nicht ja wenn nicht die Kommunisten ein Interesse daran gehabt hätten, diese Versammlungen interessant zu machen. Sie tun das durch Zwischenrufe, Sprechchöre, Gegenkundgebungen und alle die üblichen Kniffe, die wir nur zu gut aus eigener Erfahrung kennen. Rebecca West meint, der Grund für diese Taktik der Kommunisten sei klar: sic wollen vor der Wählerschaft so tun, als ob es keine andere Wahl gäbe, als zwischen Faschismus und Kommunismus. Die jüdischen Stimmen in jenen Bezirken sind erheblich, und schon jetzt, schreibt Frau West, hielten nicht wenige Juden dort den Kommunismus für die einzig wirksame Waffe gegen den Radau-Antisemitismus, wobei sie, wie gesagt, vergessen, daß die Kommunistische Partei jenen „Radau” bewußt am Leben hielt. Es ist schwer zu sagen, inwieweit die Analyse von Rebecca West richtig ist. Der Erfolg des faschistischen „Erwachens” im East End ist sicherlich auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen; unter ihnen mag die der kommunistischen Taktik eine gewisse Rolle spielen. Es ist jedenfalls begrüßenswert, daß alle diese Dinge In der Oeffentlichkeit diskutiedrt werden. „Millionen von Sozialisten in England”, schreibt der „New Statesman and Nation”, „haben die Lektion der Weimarer Republik begriffen und gelernt.” Im jüdischen Lager hat die „Abwehr des Antisemitismus” bereits zu einem positiven Ergebnis geführt: die Berufsschule des ORT, die bisher nur für Refugees zugänglich war, ist jetzt für alle jüdischen Jugendlichen geöffnet worden, um durch Berufsberatung und -leitung eine gesündere Berufsschichtung im britischen Judentum herbeizuführen. Pressekonferenz bei David Remes. Der Vorsitzende des Waad Leumi, David Remes, erklärte während einer Pressekonferenz, daß der Jischuw Vorbereitungen für seine politische Selbständigkeit treffen müßte, die nach den erfolgten amerikanischen und sowjetischen Erklärungen vor ihrer Verwirklichung steht. Remes führte aus, daß die Exekutive des Waad Leumi und der Jewish Agency bereits Pläne für eine gemeinsame Tätigkeit ausgearbeitet haben und Maßnahmen zu einer Koordinierung ihrer Arbeit getroffen haben. Hinsichtlich des Verteidigungsprogramms erklärte David Remes, daß die Juden In Erez Israel und im Galuth aufgefordert werden müssen, durch größten finanziellen Beistand eine wirksame Verteidigung des Jüdischen Staates zu ermöglichen und eventuelle wirtschaftliche Schwierigkeiten zu überwinden. Remes gab weiter bekannt, daß ein „Allgemeines Jischuw Komitee” in Gründung stehe, das sich mit den Verteidigungsmaßnahmen für den Jischuw zu befassen haben wird. Im Verlaufe seiner Ausführungen unterstrich Remes, daß besonders jetzt, in dieser großen historischen Stunde, jeder Jude des Jischuw sich der nationalen Disziplin zu unterwerfen haben. Hinsichtlich der jetzigen Tagung der UNO in der die Aufstellung einer internationalen Polizeitruppe besprochen wird,, gab Remes der Hoffnung Ausdruck, innerhalb dieser daß die jüdische Jugend aller Länder und besonders die amerikanische vertreten sein wird. Dies wird nicht nur ein Symbol unserer Befreiung sondern auch Anfang einer glücklichen Epoche für die ganze Menschheit sein. In Beantwortung einer Anfrage erklärte Rernesi, daß Juden und Araber die gleichen Rechte innerhalb des Jüdischen Staates genießen werden. Vor allem wird ein Gesetz beschlossen werden, nach dem für jüdische und arabische Arbeiter derselbe Arbeitslohn festgesetzt werden soll. Remes betonte, daß dies stets, jedoch immer ohne Erfolg von der Palästinaregierung gefordert wurde. Ben Gurion beim Hochkommissar. Ben Gurion, der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency stattete kürzlich dem britischen Hochkommissar Sir Alan Cunningham einen Besuch ab. Laut Pressemeldungen, erklärte Ben Gurion im Laufe der Unterredung, daß der Jischuw die Mandatsregierung für die Sicherheit und Ordnung im Lande verantwortlich mache, solange diese die Macht ausübe. Verdächtige Räumungspläne. Maßgebende Kreise verlauten, daß die britischen Armee-Hauptquartiere in Palästina aus Anlaß der bevorstehenden Räumung des Landes, mit der Ausarbei- Ltung von Plänen begonnen haben, die einen etappenweisen Rückzug vorsehen. Danach ist beabsichtigt, daß die Truppen zu bestimmten Terminen gewisse Gegenden räumen werden, die der Sicherheit des Landes Rechnung tragen. Laut diesen Plänen ist beabsichtigt, zuerst die arabischen Gebiete zu räumen, während die jüdischen Landesteile weiterhin unter dem alten Regime verbleiben würden. Der britische Abgeordnete Richard Croßmann hat kürzlich angedeutet, daß dies eine große Gefahr für den Judenstaat bedeuten werde, da durch eine weitere britische Besetzung des Jüdischen Staates den Arabern die Möglichkeit geboten werde, sich ohne jegliche Kontrolle zu bewaffnen und eine Offensive gegen den Jischuw zu organisieren. Die Haganah wacht. Im Zusammenhang mit den letzten Zusammenstößen zwischen arabischen Legionären und jüdischen Kolonisten in einigen Gegenden des Galil, hat die Haganah Ihre Kräfte sowohl im oberen als auch unteren Galil bedeutend verstärkt. Ein Sprecher der Haganah erklärte gegenüber Pressevertretern, daß alle Schritte unternommen wurden, um die Situation „in allen möglichen Fällen” zu beherrschen. Wichtiges Urteil des Palästina- Hochgerichtes. Einer Entscheidung des palästinensischen Hochgerichtes zufolge, erhalten die bisher illegal nach Palästina eingewanderten Juden die Möglichkeit Bürger des Landes zu werden. Dies ist darauf zurückzuführen, daß durch den Strom der illegalen Immigration die Einwanderungsquote verringert wurde. Dieses Urteil ändert den Status von mehr als 70.000 Juden, die bisher kein Recht hatten, die palästinensische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Arabische Extremisten rächen sich. Arabische Extremisten haben innerhalb der letzten Wochen zahlreiche Bombenattentate verübt. Von den Anschlägen wurden das amerikanische und polnische Konsulat in Jerusalem betroffen. Es waren keine Opfer zu verzeichnen und auch der materielle Sachschaden war gering. Einige Zeit vorher wurde bekanntlich auch au fdas schwedische Konsulat ein arabischer Anschlag verübt. Es steht fest, daß es sich in diesen Fällen um Racheaktionen gegenüber jenen Regierungen handelt, die in der Teilungsfrage eine günstige Stellung für die Juden eingenommen haben. Auf diese Weise glauben die arabischen Extremisten die Meinung der Weltöffentlichkeit ändern zu können . Ein Geschenk der Stadt New York an Tel-Aviv. Der Bürgermeister von New York, William O’Dwyer hat der Stadt Tel-Aviv eine moderne Feuerlöschmaschine zum Geschenk gemacht. DIE PRESSE DISKUTIERT ANTISEMITISMUS Von Herbert Friedenthal (London)

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