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Die Stimme · 1947-09-05 · Heft 3 (5.9.1947) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1947
Issue
Heft 3 (5.9.1947)
Date
1947-09-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 £)ie Stimme Nr. 3 Hinter dem eisernen Vorhang Ein Auszug aus dem Buch Bartly Crum’s. In der letzten Zeit hat das Buch „Hinter dem seidenen Vorhang" große Beachtung gefunden. Sein Autor ist Bartly Crum, Mitglied der anglo-amerikanischen Untersuchungskommission, die im Jahre 1946 das Palästinaproblem zu untersuchen hatte. Wir bringen einen kleinen Auszug aus diesem interessanten Werke, das jetzt anläßlich der Tagung der neuen Untersuchungskommission besonders aktuell ist. Die Außenpolitik der USA ist selbstverständlich ein außerordentlich wichtiger Faktor für das amerikanische Volk. Es interessiert sich natürlich für eine geradlinige und offenherzige Poltiik, gegründet auf dem Prinzip des Gewissens, sowohl gegenüber China, wie der Atombombe, als auch gegenüber Deutschland oder Palästina. Und das ist die grundsätzliche Frage, die hinsichtlich Palästina gestellt wird. Richten sich auch die Demokratien der westlichen Länder nach dem Prinzip des Gewissens? Wenn dem so ist, so wird man dies uns, den freiheitsliebenden Völkern des Westens zugute schreiben. Sollte das aber nicht der Fall sein, so wird der Nahe Osten der Keim zu neuen Kriegen werden. Aber Klarheit ist unmöglich, wo man Tatsachen verschweigt. Von diesem Prir^zip lasse ich mich beim Schreiben der folgenden Zeilen leiten: An dem Tage, als ich zur ersten Sitzung der Kommission nach Washington kam, erhielt ich eine Lektion über Palästina. L. W. Anderson, der Leiter der Angelegenheiten für den Nahen Osten im amerikanischen Außenamt, kam auf mich zu und sagte: „Mr. Crum, den Interessen Englands und der Vereinigten Staaten stellt sich nur ein Interesse entgegen, und zwar das, der Sowjet-Union." Nicht lange nachher hörte ich eine ähnliche Meinung von dem Leiter des britischen Außenamtes: „Die englische Politik basiert auf der Verteidigung der englischen Interessen gegenüber der Sowjetunion. Wenn sich auch die Vereinigten Staaten zu dieser Politik bekennen werden, wird sie auch für diese von guter Wirkung sein." Dieselbe Anschauung habe ich auch gehört, als wir uns auf der „Queen Elizabeth" nach Europa einschifften. Als ich zur ersten Besprechung aufs Oberdeck ging, knüpfte ich mit A. Wilson, vom Departement für den Nahen Osten im amerikanischen Außenamt, der gleichzeitig Vorsitzender der uns zugeteilten amerikanischen Experten war, ein Gespräch an. Wilson sagte: „Wenn die Kommission hinsichtlich Palästinas Beschlüsse zu Gunsten der Juden fassen wird, wird die arabische Welf ungehalten sein und sich in ihrer Verbitterung um Unterstützung an die Sowjetunion wenden. Das muß die Kommission sehr ernstlich in Befracht ziehen." Ich antwortete ihm: „Wenn diese Worte die Ansicht Ihres Außenamtes zum Ausdruck bringen, wie vereinbart sich diese mit den Zusagen, die Juden von der amerikanischen Regierung und der Labourparfy erhalten haben. Gibt es übrigens jemanden, der die richtige Meinung des amerikanischen Außenamtes kennt?" Wilson blickte mich erstaunt an, und sagte: „Nicht immer kann das Außenamt seine Geheimprofokolle veröffentlichen, ich kann Sie aber versichern, daß sowohl unser Ministerium, als auch das englische Kolonialamt die erwähnten Sorgen feilen." Einige dieser Protokolle sind am dritten Tag unserer Reise in meine Hände gelangt. Es wurde mir ein Dokument eingehändigf, das folgenden Titel trug: „Mappe vertraulicher Nachrichten über Palästina vom Departement für die Fragen des Nahen Ostens für die anglo-amerikanische Untersuchungskommission." In diesem Dokument beruft man sich auf 17 Berichte, Telegramme, Briefe und Protokolle. Es war in gedrängter Form, der Inhalt einer „Geheimmappe", von deren Existenz wahrscheinlich Präsident Truman selbst nichts wußte. Aus dieser Mappe haben wir erfahren, daß vom 15. September 1938 an, das amerikanische Außenministerium die Angelegenheit so geführt hat, daß, so oft man den amerikanischen Juden Versprechungen betreffend Palästina gemacht hat, gleichzeitig eine Erklärung an die Araberstaaten übermittelte, die die Versprechungen, die den Juden gegeben wurden annullierten. Es wurde ihnen versichert, daß in der Praxis trotz der den Juden gegebenen Versprechungen, auch solchen, die ihnen öffentlich gegeben wurden ohne vorherige Verständigung mit den Arabern, nichts unternommen würde, was auf eine Aenderung der Situation in Palästina Einfluß haben könnte. Als ich im vorigen Jahre, die mittlere Beamtenschichf des amerikanischen Außenministeriums der Sabotage an der Palästinapolitik Präsident Trumans beschuldigte, trafen meine Vorwürfe auf die Verneinung des Vize-Außenministers Acheson. Ich verlangte von ihm, daß er die Dokumente der „Geheimmappe" sofort veröffentliche. Aber selbst jetzt, dfcp ich diese Worte schreibe, schweigt Acheson konsequent noch immer! Für uns Amerikaner war dies ein unangenehmes und bitteres Dokument. Als ich es zu Ende gelesen hafte, kam ich zu der Ueberzeugung, daß ich eigentlich sofort nach Amerika zurückreisen sollte, denn meiner Meinung nach war es zwecklos die Arbeit fortzusetzen. Der Engländer, Sir John Singelfon, einer der Leiter der Kommission, sagte in seiner einfachen Art: „Wahrscheinlich ist England nicht das einzige Land, das zwei gegenüberstehenden Seifen genau das Gleiche verspricht". Die Einstellung einiger englischer Mitglieder der Unfersuchungskommission zu diesen Geheimakten machte auf mich einen bedrückenden Eindruck. Sir Fredric Lagafte, ein bekannter Experte in Arbeiterfragen und Freund Bevins, war aufs Tiefste beeindruckt, als er sie las. So erklärte Richard Crossman, Abgeordneter der Labourparfy, er könne diese Niederträchtigkeit nicht verstehen, die die Amerikaner zu diesem Schrift veranlaßt hätte. „Ich muß gestehen, daß ich mich freue, daß die Engländer und Amerikaner in dieser Hinsicht einander gleichen", erklärte Crossman. Sir John Singelfon, der englische Vorsitzende, versuchte mich zu überzeugen und mir die Angelenheif zu erklären. „Bestimmt sind die Juden nicht der wichtigste Faktor", sagte er, „das Wichtigste ist die englisch-amerikanische Zusammenarbeit. Da nach den gegebenen Versprechungen beide Völker sich in der gleichen Situation befänden, so würde dies eine weitere Annäherung beider für die Zukunft möglich machen." Wenn ich die Reaktion der amerikanischen Kommissionsmifglieder vergleiche, so glaube ich, daß mich diese am meisten berührt hat. Dr. James Mac Donald, der Ehrenpräsident der „Gesellschaft für internationale Beziehungen" in New York, ein alter Diplomat, wie auch Gesandter K. Philips, waren nicht besonders erstaunt. Joseph Hutcheson, Richter aus Texas und gleichzeitig amerikanischer Vorsitzender der Kommission war hwar aufgebracht, meinte aber, als Abgesandte Präsident Trumans sollten wir uns durch das Portefeuille des Außenministeriums nicht gebunden fühlen. Franc Buchstone (zu jener Zeit Redakteur des „Boston Herold"), Republikaner und ehemals begeisterter Anhänger Willky’s, bemühte sich die Angelegenheit einfach aufzufassen und erklärte: „Trotz dieses Briefwechsels werden wir die Sache so behandeln, wie wir sie sehen werden." Ich war bemüht, den englischen Standpunkt hinsichtlich Palästinas aus dem Munde Harold Billy’s, eines Beamten des englischen Auchenministeriums, der der Kommission als Fachreferent zugefeilf war, zu hören. Als wir eines Abends im Lesesaal des Schiffes saßen, legre er uns, Buchstone und mir seinen Standpunkt dar. „Die Frage Palästinas muß im Lichte der Expansionsbestrebungen der UdSSR befrachtet werden. Die Sowjets wollen im Nahen Osten Vordringen. Deshalb ist es angezeigt, einen .Sicherheitsgürfel' aus arabischen Staaten zu bilden. Sollte Palästina zu einem arabischen Staat erklärt werden, so würde es ein starkes Glied in dieser Kette bilden". In London war ich begierig zu erfahren, wie die englische Arbeiterpartei ihren Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volk in Palästina nachkommen würde. Im Dezember 1944 nahm die Labour-Party folgenden Beschluß an: „Ohne Zweifel hat das jüdische Nationalheim nur dann eine Bedeutung, wenn wir den Juden, die es wünschen, den Eintritt in dieses kleine Land ermöglichen, und zwar in solcher Zahl, daß sie die Mehrheit erlangen. Hiefür gab es starke Argumente vor dem Krieg und heute kommen noch solche Argumente hinzu, gegen die man sich nach all den Leiden, die man kaum schildern kann, nach den Absichten des Hitlerismus, das europäische Judentum kaltblütig auszuroffen, überhaupt nicht stellen kann. Wie reagieren heute die Abgeordneten der Arbeiterpartei auf diesen Beschluß? Eine teilweise Antwort auf diese Frage erhielten wir durch die Aussage Thomas Reods’, eines Abgeordneten der Labour Party. Reed war aufrichtig. Die Kongreßbeschlüsse seiner Partei sind „in Eile" gefaßt worden. „Kaum daß darüber diskutiert wurde." Und fuhr er lächelnd fort: „Ich glaube, daß die Kenntnis eines Durchschniftsmitgliedes der Partei in Fragen Palästinas gleich ist meinen Kenntnissen über den Mond. Die Beschlüsse wurden, wenn ich mich richtig erinnere, gefaßt, weil sich ihnen niemand entgegenstellte." Hier griff ein englisches Mitglied, Mr. W. Cleack in die Debatte ein und formulierte die Frage genau und ausführlich: „Vielleicht wollen Sie so gut sein, speziell unseren amerikanischen Kollegen, Ihre Meinung über den Wert, dem man einen solchen Kongreßbeschluß beimessen soll, darzulegen? Letzten Endes muß man doch annehmen, daß eiln, auf einem Parteikongreß gefaßter Beschluß, Fortsetzung „Politische Übersicht“ im Zusammenhang mit der Anglo-Amerikanischen Untersuchungskommission, weil in ihr auch Amerikaner saßen. Das Resultat ist bekannt. Es ergeht ihm genau so, wie es Berl Locker ergangen ist. Während unserer Verhandlungen in Paris wußte Locker genau, Wieviel Mitglieder des englischen Kabinetts für die Teilung stimmen werden. Der Fehler war nur, daß nicht Locker, sondern Atflee die Stimmen im Kabinett gezählt hat. Meine politischen Untersuchungen basieren also nicht auf dieser Betrachtungsweise. In der Bewertung der Zukunft ist für mich wichtiger, was die Engländer im Negev machen und wieviel neue Militärlager siedort anlegen. Und wertvoller, als Goldmanns Informationen, ist für mich, was mir ein hoher englischer Generalstabsoffizier in London sagte : „Wozu braucht ihr im Negev ein Wasserleitungsnetz — dieses Gebiet wird euch ja niemals gehören!" In Wirklichkeit ist das, was wir vorderhand machen, noch keine politische Aktion, sondern höchstens politische Propaganda. Die Forderung nach Teilung erschöpft sämtliche Kriterien der schlechten Propaganda. Bevin hat einen genügend großen Apparat, den er gegen uns in Aktion. treten lassen kann, es ist gar nicht nötig, daß wir ihn auch noch unterstützen. Wir müssen verstehen, daß wir, solange England danach trachtet, unser Werk zu erdrosseln und uns in die Lage der Minorität zu drängen, mit der Betonung der Teilung gerade das beweisen, was England beweisen will: daß dieser Konflikt im Grunde genommen ein arabisch-jüdischer Konflikt sei und daß England dabei nur eine passive Rolle spiele. Goldmann glaubt an die Möglichkeit einer günstigen Teilung. Dies beweist seine völlige Unkenntnis der geographischen Lage des Landes. Auch in London konnten wir im Kolonialministerium die Landkarte studieren. Man erzählte uns, der Teilungsplan Peels mit Angliederung des Negev wäre eine günstige Lösung. Aber — was zeigte man uns? Den Peel-Plan ohne den Negev, ohne die Wasserquellen des Landes, ohne den nördlichen Galil. Jeder Teilungsplan führt heute zwangsgemäß zum Morrison-Plan und nicht zum jüdischen Staat, zur Verstümmelung des Landes ohne wirkliche Staatlichkeit. Im Jahre 1937 hat Weizmann selber den Peel-Plan für so schlecht befunden, daß er ihn, ohne vorherden Kongreß zu befragen — bereits in seiner Eröffnungsrede abgelehnt hat. Die Engländer aber erachteten sogar diesen Plan noch für derart günstig, daß sie sich beeilten, ihn durch Entsendung der Woodhead-Kommission und durch das Weißbuch entsprechend zu korrigieren. Der Teilungsgedanke wird dasselbe Schicksal haben: statt zum jüdischen Staat, führt er zum Kantonsystem, in dem die vom englischen Gouverneur ernannten Minister selbständig das Weißbuch verwirklichen können. Dies ist das wahre Antlitz der Teilung. Das Schlagwort selber aber erweckt unbegründete Illusionen. Die Juden lernen nicht und vergessen leicht. Den Illusionen folgt Verzweiflung, die das Wasser auf die Mühle jener treibt, deren einziges Ziel das Brechen des zionistischen Rückgrates und die Vorbereitung der Massen zur völligen Unterwerfung ist. (Moezet Hachaklaut Hapratit) -Vom Rat für private Landwirtschaft— Diese Organisation, die mit Hilfe der allgemeinen zionistischen Partei in Erez Jisrael ins Leben gerufen wurde und die Interessen von mehr als 1000 Landwirten vertritt, entfaltet eine lebhafte Tätigkeit. Sie ist die Gründerin der ersten allgemeinzionistischen Kolonie „Bnei Zion", deren Aufbau in stetem Fortschritt begriffen ist. Nun hat auch die Jewish Agency einen Beitrag zum Budget in der Höse von mehr als 20.000 Pfund bewilligt und die „RASSCO" beginnt demnächst mit dem Baue der ersten 15 Häuser. Für eine Gruppe von 30 neuen Olim wurde in der Kolonie ein Hachscharah-Lager errichtet, in dem sie ihre landwirtschaftliche Ausbildung genießen werden. Ein Teil derselben wird sich wahrscheinlich in der Kolonie ansiedeln können. Der allgemein-zionistische Weltverband und besonders der Orden „Bnei Zion" in Amerika werden dem Ausbau dieser Kolonie ihre besondere Unterstützung zuteil werden lassen. Der „Fond für private Landwirtschaft" unter Beteiligung der Landwirte und des „Konstruktivfondes" der allgemeinen zionistischen Weltorganisation dürfte in nächster Zeit seine Tätigkeit aufnehmen. Seine Aufgabe besteht in der Gewährung billiger Kredite für Saisonbedarf, für Mechanisierung und Intensivierung der Wirtschaften, usw. Es besteht Aussicht, daß sich auch die Jewish Agency an diesem Fond beteiligen wird. Der Rat befaßt sich auch mit der Zentralisierung der Ein- und Verkaufsorganisationen für den privaten Sektor der Landwirtschaft und steht er mit verschiedenen Organisationen, die auf diesem Gebiete tätig sind, in Kontakt. Der Erweiterung bestehender Kolonien wendet der „Rat" besondere Aufmerksamkeit zu und befaßt er sich auch mit der Vorbereitung des geeigneten Menschenmateriales. Am 23. Juni I. J. veranstaltete der Rat eine sehr stark besuchte Konferenz der privaten Landwirte im Saale der allgemeinen Zionisten in Tel-Aviv die dringenden professionellen Fragen gewidmet war.. Die Vertreter der Regierung und der nationalen Behörden haben die Konferenz begrüßt und ihr Interesse an den Bestrebungen der Landwirte in Aussicht gestellt. Die allgemeine Zionistische Partei in Erez Jisrael ist in diesem Rat durch Vertreter der Parteiinstanzen vertreten und nimmt sie an der Entwicklung dieser Institution lebhaften Anteil. Andererseits sind viele Mitglieder dieser Organisation in den Kolonien sehr aktive und treue Mitarbeiter aut allen Gebieten des öffentlichen Lebens, an denen die Partei interessiert ist. Die Institution „Mador Leklitat Olim“, die vor einigen Monaten im Rahmen der pa-< lästinensischen Klalzionistischen Bewegung geschaffen wurde, betätigt sich auf einem der wichtigsten und verantwortungsvollsten Gebiete konstruktiver Arbeit, nämlich: Beim Empfang, bei der Beratung und der Unterbringung der neuen Olim. Trotz des bescheidenen Apparates, der ihr zur Verfügung steht, gelang es

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