Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1947
- Issue
- Heft 3 (5.9.1947)
- Date
- 1947-09-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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r. 3 lZ)ie Stimme Seife 3 Besuch in der hebräischen Schule Trotz der Ferien herrscht in der Schule in hebräischer Sprache vorgefragen werden in der Zieglergasse reges Leben. Ich komme können. Eine Hauptaufgabe sehen wir auch gerade recht. Es ist grobe Pause, während darin, die Kinder unbeeinflußt von jeder Parder die Kinder ihr Gabelfrühstück, besteteipolitik, in nationalem Geiste und im Sinne hend aus Marmeladesemmeln und Kaffee, Herzls zu stolzen jungen Juden zu erziehen“, verzehren. Meine nächste Frage ist, ob auch Wiener Direktor Rojtenberg empfängt mich in einem Kinder die hebräische Schule besuchen? winzigen Kabinett, das zugleich Schulkanzlei, ,,Im vorigen Schuljahr wurde der Unter- Direktionszimmer, Lehrerzimmer und Raum zur rieht in zwei Teilen geführt. Am Vormittag Aufbewahrung der Schulbehelfe ist. besuchten die Schule fast ausschließlich aus- ,,Raummangel ist das größte Hindernis in ländische Kinder, deren Eltern sich nur vordiesem Schuljahr, mit dem wir zu kämpfen übergehend in Wien aufhalten und deren haben“, beginnt Direktor Rojtenberg. „Wir Ziel Erez Israel ist. Es waren unter ihnen verfügen nur über sechs Schulräume und in auch einige Wiener Kinder, deren Eltern den Lagern haben wir ca. 500 schulpfliches vorgezogen haben, ihre Kinder in eine tige Kinder. Aus diesem Grunde konnten wir jüdische Schule zu schicken. Am Nachmitnur 140 Kinder aus den Lagern in die Schule tag aber besuchten die Schule ausschließlich aufnehmen, weil wir auch für unsere vor- Wiener Kinder, die an Vormittagen in die jährigen Zöglinge Raum reservieren müssen.“ deutsche Schule gingen und Hebräisch, Reich unterbreche seine Klagen mit der Frage, ligion und jüdische Geschichte lernen wollwarum der Unterricht in der hebräischen ten. Ich muß betonen, daß die Wiener Juden Schule früher begonnen hat, als in den annoch wenig Verständnis für die Erziehung deren Wiener Schulen? ihrer Kinder in jüdischem Geiste haben. Des- ,,Unsere Kinder, die im Vorjahre die halb war auch die Zahl der Wiener Kinder Schule besucht haben“, antwortet Direktor verhältnismäßig gering. In der Sommerkolonie Rojtenberg, „genießen noch die Ferien in Neulengbach, wo die Kinder den ganzen Tag Neulengbach, wo sie höchstwahrscheinlich bis zusammen sind, kann man sich leicht über- 15. September bleiben werden. Sie machen zeugen, wie weit Kinderherzen von Vorurfeimir weniger Sorgen, da sie das ganze len, die bei den Eltern noch vorhanden sind, Schuljahr, ja sogar in den Wintermonaten, entfernt sind. Da gibt es keine polnischen, ruin Wegweiser sein soll für eine Regierung, ie zur Macht gekommen ist. Können Sie nsere amerikanischen Kollegen in dieser Hinicht aufklären? Sie werden doch zugeben, aß es nicht zum erstenmal vorkommt, daß ’arteien, wenn sie zur Macht gelangen, an rüher übernommene Verpflichtungen an- :nüpfen?“ „Ich fürchte, daß die Sache noch ärger ist,“;agt Reed, „es kommt vor, daß politische Pareien Versprechungen machen, die sie nie erwirklichen. Ich glaube, daß die Kommis-;ion, nebelhaften Beschlüssen, die auf Konjressen der britischen Labour Party gefaßt vurden, nicht allzuviel Bedeutung beilegen oll.“ Dr. James Mac Donald sagte scharf: „Diese Antwort beunruhigt mich, Mr. Reed. Als laiver Amerikaner lege ich auf Deklarationen der Arbeiterpartei großes Gewicht. Ich dachte, daß sie vielleicht nicht unbedingt bindend sind, daß sie aber den Standpunkt der Partei darsfellen. Ich glaube nicht, daß das der Standpunkt ist, von dem Sie gesprochen haben. Ist das richtig, Mr. Reed?“ „Bitte, mich nicht zu fragen," war die Antwort. Nach einigen Wochen hatte ich auch die Möglichkeit mich davon zu überzeugen, wie ein Versprechen und sein „Begräbnis" aussieht. In London waren wir zu einem Bankett bei Außenminister Bevin geladen. Er sprach mit uns offen: „Wir werden Ihre Empfehlungen annehmen“, sagte er. Ich habe später öffentlich erklärt, daß Mr. Bevin sich auch uns gegenüber verpflichtet hat. Bis zum heutigen Tage aber kam nur eine Antwort — daß im englischen Außenministerium nichts derartiges „notiert sei“. Ich muß erklären, daß mir nie in den Sinn gekommen ist, daß, wenn wir unseren Bericht über die Einwanderung von 100.000 europäischen Juden nach Palästina veröffentlichen werden, mir Mr. Bevin und Mister Attlee unsere Empfehlungen zunichte machen werden. Letzten Endes wurden diese Empfehlungen von einer Untersuchungskommission einstimmig angenommen, die die zwei Großmächte repräsentiert und auf Einladung der britischen Regierung eingesetzt wurde.. . Und trotzdem hätte ich den Verdacht schöpfen sollen, daß in der Bemerkung, die Mister Billy gegen Ende der Sitzung, als wir unseren Bericht redigierten, so nebenbei hinwarf, mehr Wahrheit als Phantasie sei. Er sagte so ganz unabsichtlich und lächelnd: „Das ihr schon in kurzer Zeit, wertvolle Erfolge zu erzielen. Wenn sie auch in keinem Verhältnis zu den Aufgaben stehen, die ihr gestellt werden, bewies sie dennoch, daß, nach vielen Jahren der Vernächlässigung, auch auf diesem Gebiet eine erfreuliche Aenderung eingetreten ist. Die Arbeit des Mador wird nicht nur durch innere Hindernisse, wie z. B. durch das Fehlen einer entsprechenden materiellen Basis und durch den Mangel an Arbeitskräften erschwert, sondern er hat auch mit äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen. Im Rechenschaftsbericht über den Monat April wird darüber Beschwerde geführt, daß es dem Mador nicht gelungen sei, sich Eintritt ins Lager von Athlith zu verschaffen — während doch die Instanzen, die sich mit dem Empfang der Alijoth beschäftigen, von den Behörden entsprechende Zulassungsbewilligungen für alle übrigen Parteien erhalten haben. Selbst im1 Bericht über den Monat Mai wird noch erwähnt, daß der Mador diese Bewilligung nicht bekommen konnte, obwohl sein Gesuch sämtliche zuständige Stellen der Sochnuth passiert hatte. Es ist klar, daß sich der MangeJ eines klalzionistischen Vertreters unter den Olim fühlbar machen muß. Der ganze Vorgang gehört aber zu der so wohlbekannten Methode. Trotz dieser Schwierigkeiten ist die Zahl der Olim, welche durch den Mador erste Hilfe erhalten haben, i,m Steigen begriffen. Der Mador befaßte sich im April mit den Angelegenheiten von 74, im Mai von 82 neuen Olim. Sie wurden in Chederah, Nathania, Haifa, Magdiel, Givath Schmuei, Petach Tikwah, Tel-Aviv, Kfar Saba und Jerusalem untergebracht. macht nichts, letzten Endes werden wir den Plan doch nicht ausführen.“ Ich erinnere mich auch, daß Sir John Singelton mehrmals zweifelnd bemerkte: „Wissen Sie Crum, unsere ganze Arbeit ist doch im Grunde genommen nichts anderes, als eine Empfehlung“. Selbstverständlich waren das nur Empfehlungen — aber aufrichtig beschlossene, in dem Glauben, daß die Regierungen sich bemühen werden ihre Aktionen auf Logik und Ehrlichkeit aufzubauen. Unsere Kommission hat die überfüllten Flüchtlingslager in Deutschland,, Oesterreich und Italien besucht, wir waren auch in Polen, und hörten Aussagen, durchaus verläßlicher Zeugen, sowohl Juden wie Christen und Araber. Wir haben die Beziehungen zwischen Juden und Araber in Palästina an Ort und Stelle untersucht und es wurde uns klar, daß Meinungsverschiedenheiten zwischen den politischen Führern keinen Einfluß auf die Beziehungen des einfachen Mannes der Straße zu anderen Volksangehörigen haben. Wir haben Beratungen gepflogen mit den englischen Militärbehörden in Kairo und Jerusalem, wobei uns erklärt wurde, daß man die Einwanderung von 100.000 Juden nach Palästina ruhig zulassen könne; daß das Echo, das eine solche Emigration in der arabischen Welt hervorrüfen würde, übertrieben sei, und daß man aus diesem Grunde keine großen Unannehmlichkeiten zu erwarten habe. Wir kamen zu der gemeinsamen Erkenntnis, daß man unseren Beschluß, sowohl aus allgemein menschlichen Gründen, als auch zum Wohle der Völker des Nahen Ostens zur Durchführung bringen soll. Unser Bericht, der dem Präsidenten Truman vorgelegt wurde, wurde zustimmend zur Kenntnis genommen. Der Präsident erklärte, es gäbe keine weiteren Gründe, die die Engländern an der Ausgabe von 100.000 Zertifikaten hindern könnten. Jedem Zeitungsleser ist der Verlauf der weiteren Geschehnisse bekannt. Die Unruhen in Palästina sind nur ein Teil der allgemeinen Reaktion im Nahen Osten. Zum Wohle des amerikanischen Volkes, zum Wohle der ganzen Welt, ist es notwendig, der demokratischen Politik eine solche Richtung zu geben, daß diesem Lande (Palästina) Ruhe und Frieden gesichert werde. Pnnmlnt bei ieder Gelegenheit für lj|JBllllCl den KEREN KAYEMETH mmmmmmm (Jüdischer Nationalfonds) Unsere Gesinnungsgenossen in Jeruschalajim verhalfen einer Gruppe von 9 neuen Olim zu einer Existenz. Diese Gruppe hat sich schon in Bergen-Belsen gebildet und ist sie von ernstem zionististischen und chaluzischen Geist erfüllt: ihr Stand wird in Kürze auf 40 erhöht. In Givath Schmue! stieg unsere ursprünglich aus 6 Personen bestehende Oleh- Gruppe auf 20 Familien, für die nun unverzüglich ein Schikun geschaffen werden muß. Die Verhandlungen in dieser Angelegenheit werden unter Mitwirkung der Mifde Esrachi geführt. Die Gruppe beabsichtigt, nach beendeter landwirtschaftlicher Hachscharah eine neue Siedlung zu schaffen; ihr Bund trägt den Namen „Bamivchan“. Es bestehen auch zwei weitere Garinim, zusammengesetzt aus Olim von Rumänen und Polen; der eine mit 30 Seelen, ist in unserer neuen Kolonie, Bnei Zion auf Hachscharah, der zweite, rumänische Olim, geht unter dem Namen „Dor Chadasch“ nach Ekron zur Ausbildung. Der Mador wendet sein Interesse auch dem Wohnungsproblem der neuen Olim zu. In Tel Chaem, in unmittelbarer Nähe von Tel- Aviv, wurde ein Heim für vorläufig 30 alleinstehende Olim geschaffen, in dem sie für mäßige Miete Unterkunft erhalten. Die Vormerkung für die neuen Wohnungen in Kfar Azar hat bereits begonnen; die Zahl den Anmeldungen übertrifft natürlich die Zahl der verfügbaren Wohnungen. Die Unterstützungskasse des Mador stellte bisher 500 Pfund für Aushilfen an unterstützungsbedürftige Olim zur Verfügung und leisete dadurch vielen von ihnen wertvollen Beistand in ihrer bedrängten Lage. Aber die Bedürfnisse wachsen ständig. in denen die übrigen Wiener Schulen wegen Kohlenmangel geschlossen waren, meist in ungeheizten Räumen fleißig gelerntl haben. Jetzt besuchen die Schule ausschließlich Kinder der rumänischen Auswanderer. Mit ihnen müssen wir früher anfangen, da wir sie mit Beginn des regulären Schuljahres in die normalen Klassen einreihen wollen. Sie haben noch viel nachzuholen.“ „Welche Gegenstände werden in eurer Schule unterrichtet?“ lautet meine nächste Frage. „Alle Gegenstände nach dem Lehrplan der österreichischen Schulen; wir legen jedoch das Hauptgewicht auf die hebräische Sprache, die jüdische Geschichte und Palästinakunde. Unsere Schüler vom Vorjahre haben bedeutende Fortschritte in der hebräischen Sprache gemacht, so daß Gegenstände wie Mathematik, Geschichte und Naturgeschichte schon ACHTUNG! Oie Annahme von Aufträgen fOr die Einschaltung von Glückwünschen und Gratulationen anläßlich der bevorstehenden hohen Feiertage hat bereits begonnen. Bestellen Sie rasch, damit wir Zoit und Gelegenheit haben ein hübsches Arrangement zu treffen. Wir werden alle Ihre Wünsche berücksichtigen. Mäßiger Tarifl Bestellungen täglich — außer Samstag und Sonntag von 9—12 und von 16—18 Uhr Wien IX, Universitätsstraße 4/4 Oie Administration mänischen, österreichischen Kinder, es gibt nur jüdische Kinder, die sich zusammengefunden haben. Ich hoffe“, sagt Direktor Rojtenberg, „daß in diesem Schuljahr die Eltern der Wiener jüdischen Kinder sich eines anderen besinnen werden und uns ihre Kinder in größerer Anzahl als im Vorjahr anvertrauen werden!“ Zum Schluß stelle ich noch die Frage, wer die Schule erhält. „Das A. J.D. C. bestreitet alle Kosten der Schule und sorgt auch dafür, daß die Kinder täglich schmackhaftes Essen bekommen. Die pädagogische Erziehung dagegen ist unter der Aufsicht der Jewish Agency in Oesterreich.“ Ich verabschiede mich vom Direktor, den Lehrern und Zöglingen und wünsche ihnen viel Erfolg in ihrer so wichtigen und nützlichen Arbeit. Dr. J. Schumer. Erstklassige Stenotypistin für die Administration gesucht. — Vorzustellen täglich — außer Samstag u. Sonntag — von 9—12 und von .6—18 Uhr in der Administration des Blattes Wien IX, üniversitätsstraße 4/4 Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Zionistischer Landesverband in Österreich Wien IX., Universitätsstraße Nr. 414 Redigiert von einem Redaktionskollegium Redakteur: Ing. Siegm. Korn/ein, II., Floßg.9 Druck: Stephan Szabo, II., Unt. Augartenstr. 30