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Die Stimme · 1947-09-05 · Heft 3 (5.9.1947) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1947
Issue
Heft 3 (5.9.1947)
Date
1947-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 1 Schilling timme e/Illgemein zionistischeJdo chens chrift Redaktion und Administration« Wien IX, Universitätsstraße Nr. 4/4 Telefon A=26-4-73 Postscheck* Konto Nr. 5. September 1947 Erscheint jede Woche Zionistischer Landesverband Wien rrr 12 a''bbzn a'jran nmsm Nr. 3 - 1947 fff OOiVA Die spezielle Palästinakommission der Vereinten Nationen, die UNSCOP, befindet sich schon mehrer Wochen im Lande, und ihre sichtbare Tätigkeit bestand bis jetzt hauptsächlich darin, verschiedene Punkte des Landes, Städte und Dörfer des jüdischen und arabischen Sektors zu besuchen, industrielle und landwirtschaftliche Einrichtungen zu besichtigen — mit einem Wort; Tatsachen und Eindrücke zu sammeln. In diesem Prozeb stehen einander drei Parteien gegenüber; die Duden, die Araber und die Engländer. Die Engländer tun jedoch so, als stünden sie der ganzen Angelegenheit ferne und als handelte es sich hier nur um einen jüdisch-arabischen Konflikt. Die Araber hingegen, angeblich auf englische Ermunterung, boykottieren die Kommission und verweigern jede Zusammenarbeit mit ihr. Dieser Umstand erschwert zweifellos die Arbeit der Kommission, es ist aber anzunehmen, dab er sie nicht wesentlich beeinflussen wird. Die Kommission hatte schon bis nun Gelegenheit — und wird während ihres hiesigen Aufenthaltes noch reichlich dazu Gelegenheit finden — trotz arabischen Boykotts und englischer Intrigen, ein vollkommen klares Bild darüber zu gewinnen, welches die Wahrheit in der Palästinafrage ist. Diese Wahrheit liegt nämlich so klar auf der Hand, dab sie bisher noch jeder gefunden hat, der sie auch nui halbwegs unbefangen gesucht hat. Der Dischuw selbst verfolgt einerseits hoffnungsvoll andererseits mit einem gewissen Mißtrauen die Arbeit der Kommission. Diese gemischten Gefühle entspringen den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit. Aus der bisherigen Zusammenarbeit der führenden jüdischen Organisationen mit der Kommission gewannen erstere den Eindruck, dab ein grober Teil der Kommissionsmitglieder mit der nötigen Objektivität und mit gutem Willen das Wesentliche der Frage zu erkennen bemüht ist und eine gerechte Lösung sucht. Dieses Moment erweckt gewisse Hoffnungen im Dischuw. Gleichzeitig ist aber auch deutlich fühlbar, dab die Mitglieder der Kommission keinen einheitlichen Standpunkt, sondern die Auffassung ihrer Regierungen und Staaten vertreten; diese Staaten sind aber ausnahmslos in irgendeiner Form in der weitverzweigten internationalen Auseinandersetzung engagiert, in der Palästina zwar einen wichtigen, aber in seinem Ausmab unbedeutenden Faktor darstellt. Es ist schwer vorstellbar, dab die Kommission das Bestehen dieser Interessengegensätze vollkommen übergehen kann. Trotz dieser Zweifel ist anzunehmen, dab die Kommission auf Grund ihrer Erfahrungen, der UNO. positive Vorschläge unterbreiten wird. Die Kommissionsmitglieder mußten nämlich — unabhängig von ihrer Weltanschauung und politischen Einstellung — auf Grund der bisherigen Erfahrungen drei unbestreitbare Tatsachen, die die Richtung der möglichen Lösung bestimmen, in Betracht ziehen. Diese Tatsachen sind: Drei grundlegende Tatsachen 1. Das bisherige System des Mandates kann nicht weiter bestehen bleiben. Sowohl Duden wie Araber fordern die sofortige Abschaffung dieses Systems, ja selbst die Engländer sind sich darüber im Klaren, dab dieses in Despotismus entartete System in den letzten Zügen liegt. PoliHsdbe 2. Das intransigente und gehässige Verhalten der Araber überzeugte die Mitglieder der Kommission in eindrucksvoller Weise davon, dab die binationale Lösung — so vorteilhaft sie manchen auch scheinen mag — in absehbarer Zeit nicht zu verwirklichen ist. 3. Das jüdische Aufbauwerk ist bereits in ein Stadium getreten, das schon gebieterisch den staatlichen Rahmen fordert, der allein den Bestand und die Weiterentwicklung dieses Werkes gewährleisten kann. Auch die weltpolitische Lage des jüdischen Volkes fordert einen staatlichen Rahmen. Diese Tatsa:hen zeigten sich der Kommission in so überwältigendem Realismus auf Schritt und Tritt, dab sie ihn nur schwer übergehen könnte. Was fordert die Jeiwish Agency Die Exekutive der Dewish Agency hat in ihrer Session Anfang Duni eingehend erörtert, welche konkreten Vorschläge sie der Kommission unterbreiten solle. Die Beschlüsse der Exekutive wurden nicht veröffentlicht, es besteht aber kein Zweifel darüber, dab die Vertreter der Dewish Agency im Namen des jüdischen Volkes die sofortige Errichtung des jüdischen Staates in Palästina fordern werden. Die Forderung wird sich auf ganz Palästina erstrecken, zweifellos wird aber die Dewish Agency, in Anbetracht der gegebenen politischen Realitäten, auch geneigt sein, eine solche Lösung in Erwägung zu ziehen, welche den jüdischen Staat nur in einem Teil Palästinas verwirklicht, wenn das verfügbare Gebiet genügend grob ist um einen lebensfähigen jüdischen Staat zu errichten. Bei den Beratungen der Exekutive kam es zu lebhaften Debatten zwischen den Anhängern und den Gegnern der Teilung. Die Palästinensische Zentrale der klalzionistischen Partei hielt am 17. Duni eine Sitzung ab, in welcher die klalzionistischen Mitglieder der Exekutive ihre gegensätzlichen Meinungen in der politischen Frage äuberten. An der Sitzung nahmen auch die Mitglieder des Landesparteirates und des Sekretariats des Haoved Hazioni teil. Wiir halten die eingehende Erörterung dieser auf hohem Niveau gestandenen Debatte für notwendig, damit auch unsere Leser die verschiedenen Auffassungen im Rahmen unserer Partei kennenlernen. Dr. Nadhum Goldmann’s These ,,Sie wissen, dab ich für die Teilung bin und wünsche, dab wir dies offen bekennen. Die überwiegende Mehrheit der zionistischen Bewegung ist heute für die Teilung, das heibt, für die Errichtung des jüdischen Staates in einem Teil des Landes. Meiner Ueberzeugung nach ist dies der einzige Ausweg aus der Sackgasse und der einzige Plan, der in der Welt Chancen hat. Dies meine ich nicht theoretisch, sondern auf Grund meiner konkreten, unmittelbaren Erfahrungen. Leider habe ich trotzdem nicht viel Hoffnung, dab die Leitung unserer Bewegung mit dieser klaren Forderung vor die Kommission treten wird. Bei der gegenwärtigen Struktur der zionistischen Leitung wird jeder Entschlub danach erwogen, wie er vom parteipolitischen Standpunkt aus gewertet werden kann. So gerieten wir denn in die tragische Lage, nur Beschlüssen negativen Charakters eine Majorität verschaffen zu können. So wird z. B. der Vorschlag, der das Aufrechterhalten Ubersidii des jetzigen Mandatssystems ablehnt, Majorität bekommen. Meiner Meinung nach müssen wir aber weiter gehen. Mich mub keiner davon überzeugen, dab ein jüdischer Staat in ganz Palästina besser wäre als nur in einem Teile des Landes. Aber die Frage ist — politisch gesprochen — die Frage der Möglichkeiten. Die Politik hat selten die Wahl zwischen guten und besseren Möglichkeiten, sondern mub meistens zwischen schlecht und weniger schlecht wählen. Dieses Axiom ist besonders für das jüdische Volk gültig. Die Aufrechterhaltung des heutigen Zustandes kann zum Zusammenbruch des Dischuw und zur Liquidierung des Zionismus führen. Wer davon träumt, dab die Verhältnisse zur Zeit vor dem Weibbuch wieder herbeigezaubert werden können, wiegt sich in falschen Illusionen. Die Räder der Geschichte können nicht zurückgedreht werden. Wir brauchen heute eine sofortige Lösung. Die Geduld der Menschen in den Lagern schwindet. Mit offenen Augen müssen wir Zusehen, wie unser mühevoll bereitgestellter Men sehen Vorrat zusammenschrumpft und zu Nichts wird. Eben deshalb ist es unsere erste Pflicht, offen und klar zu sprechen. In der Welt gibt es eine Hilfsbereitschaft für uns — unsere Freunde fragen aber überall: was wollt ihr, was fordert ihr, welche Lösung schlägt ihr vor? Man kann zwar verschleierte Beschlüsse fassen, man kann aber damit keine politische Arbeit verrichten und man kann damit auch die Kraft unserer Freunde im Kampf, den sie für uns führen, nicht stärken. Wir verwirren und entmutigen sie nur damit. Das war im vorigen Dahr in Washington der Fall, wo man schon bereit war, unseren Teilungsplan zu unterstützen, wo man aber angesichts unserer eigenen Unentschlossenheit zurückschreckte. Klare Sprache ist unsere erste Pflicht. Ich glaube, niemand ist darüber im Zweifel, dab wir das, was wir im Biltmore-PIan forderten, nämlich — den jüdischen Staat in ganz Palästina — heute unter keinen Umständen erlangen können. Es gibt keinen Staat in der Welt, der sich für diesen Plan einsetzen würde. Auch das Mandat kann nicht weiter aufrechterhalten bleiben. Ich glaube nicht, dab es auch nur einen unter den 55 Staaten der UNO gibt, der für die weitere Aufrechterhaltung des Mandats stimmen würde. Wahrscheinlich weiß dies auch schon Bevin selber. Meiner Ueberzeugung nach kann die UNO-Kommission nur zwischen zwei Lösungen wählen: die eine ist das UNO-Treuhandsystem (Trusteeship), die andere ist die Teilung. Ich kann mir keine schlechtere Lösung vorstellen, als es das Treuhandsystem für uns wäre. Es wäre vielleicht noch ärger, als das jetzige Regime. Die UNO-Kontrolle würde bedeuten, dab wir uns in der unbedeutendsten Angelegenheit an das UNO-PIenum oder an ein anderes Plenum wenden mübten, und das würde zur ewigen Sabotage der Sache führen. Wir dürfen nicht vergessen, dab die Araber heut — morgen 10—11 Stimmen in der UNO. haben werden, wir aber keine einzige. Ich habe den Eindruck, dab die Kommission keine Trusteeship Vorschlägen wird, wenn wir sie ablehnen werden. Das müssen wir ihnen aber sagen; wir müssen ihnen aber auch sagen, dab wir eine angemessene Teilung vorschlagen. Die Vogel-Straub-Politik führt dazu, dab kein einziger Vorschlag in der Kommission und später im Plenum eine entsprechende Majorität bekommen wird. Bevin rechnet nach seinem ersten Miberfolg scheinbar damit und wird später unter dem Vorwand, dab auch die UNO. keine Entscheidung treffen konnte, seine bisherige Politik fortsetzen. Dies kann nur unser entschlossenes Auftreten verhindern. Der Teilungsplan hat ernste Aussichten und mit entsprechenden Anstrengungen können wir uns diese Entscheidung erkämpfen. In Kreisen der UNO-Länder sind heute Selbständigkeit und Unabhängigkeit beliebte Schlagworte. Die kleinen Nationen werden uns unterstützen, denn sie sehen hierin eine Phase ihres Kampfes gegen die Unterdrückung der Grobmächte. Und England kann es sich nicht so leicht erlauben, über die Beschlüsse der UNO. hinwegzugehen, aus dem einfachen Grunde, weil die UNO. die wichtigste Stütze der internationalen Politik Englands ist. Ich weib, wenn die Teilung stattgefunden haben wird, wird mehr als einer seufzen: hätte man sie doch nie gemacht! Und trotzdem, ist dies die einzige Möglichkeit, um unsere Arbeit fortsetzen zu können. Bis 1928 hätten wir uns das ganze Land verschaffen können. Wir haben es nicht getan. Wir sind zwar gelaufen, aber nicht schnell genug. Und dies ist nicht Englands Schuld — es ist unsere Schuld. Die Duden kamen nicht, sie lieben sich Zeit. Deshalb können wir heute nur so viel bekommen, als wir uns bis jetzt verschafft haben. Aber auch das ist ein bedeutender Erfolg. Wahrscheinlich konnte unsere Generation auch nicht mehr erreichen. Keine Generation kann sich dazu verpflichten, den ganzen Traum eines Volkes zu verwirklichen. Es wird eine neue Generation kommen und einen Schritt weitergehen. Wir verzichten auf nichts. Eine Nation verzichtet niemals. Im übrigen: wer hat das Recht dazu, im Namen der Geschichte zu sprechen? Ich würde dies nicht einmal im Namen meiner Enkelkinder tun. Wer versichert mich, daß sie genau so denken werden, wie ich, dab sie wollen werden, was ich will? Unsere Aufgabe ist: die Mission dieser Generation auf uns zu nehmen und das zionistische Werk über die Gefahren der nächsten Dahre hinwegzuführen. Moshe Sneh gegen die Teilung Der Auffassung Nachum Goldmanns stellte sich Moshe Sneh entgegen. — Ich debattiere nicht gerne mit Nachum Goldmann. Wenn ich seine Ausführungen höre, habe ich das Gefühl, dab uns Welten trennen und dab wir zwei verschiedene Sprachen sprechen. Er spricht die Sprache des XIX., ich die des XX. Dahrhunderts. Deshalb stelle ich die Frage*. Wie grob ist das Gewicht, der Wert seiner Argumente im Duni 1947? Die politische Erwägung hat verschiedene Methoden. Er berichtet darüber und stützt sich darauf, was ihm ein Politiker oder Staatsoberhaupt gesagt hat. Er läbt sich von ihnen täuschen, weüf er sich betören lassen will. Und ich muß gestehen, dab man ihn psychologisch verstehen kann. Aber diese Selbsttäuschung ist gerade unser gröbter Fehler auf dem Gebiet der politischen Aktivität. Wir Duden lernen nie! Goldmann sagt uns, dab England gezwungen sein wird, den Beschlub der UNO anzunehmen, weil ihn der Rat der 55 Nationen gefabt hat. Dasselbe sagt er uns auch

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