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Die Stimme · 1947-08-25 · Heft 2 (25.8.1947) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1947
Issue
Heft 2 (25.8.1947)
Date
1947-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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3)ie Stimme Seife 3 fr. 2 Cypern die letzte Station von Palästina (Von unserem Korrespondenten in Cypern.) Die Kinder-Kibbuzim. Die Kinder-Kibbuzim stellen eine schöne Ueberraschung in unserer „Cypern-Wirklichkeit“ dar. Sie bereiten uns grobe Freude und versprechen viel für die Zukunft. — Ein besonderes Lager wurde für die Kinder zur Verfügung gestellt; — es heibt „Kfar Hanoar“. Eine besondere Leitung mit einem' ausgesuchten Lehrpersonal wurde für diese 2000 Kinder bestellt. Besondere „Shlichim“ sorgen für die verschiedenen Probleme der Jugend im „Kfar Hanoar“. Diese Jugend ist nach den verschiedenen zionistischen Richtungen eingeteilt. Stark vertreten sind Hanoar Hazioni, Hashomer Hazolr, Dror, Misrachi; kleinere Gruppen sind von Gcrdania und Betar. Grundsätzlich wird nach dem Lehrplan der Volksschule unierrichlet; einen sehr groben Wert wird auf fachmännische Ausbildung gelegt. Mit grobem Eifer arbeitet die Jugend in der ganz modern einge: ichfe'en Tischlerei, Schuhmacherei und der mechanischen Werksfärle. Die verfertigten I ische, Bänke und Bücherkasten finden guten Absatz in den Lagern. Grobe Initiative entfaltet die Jugend auf allen Gebiien und es haben auch schon viele Ihea er/orführungen und Sportveranstaltungen sk.ü.gefunden. Die schönste Leisung aber sind ciie Gartenanlagen! ÜP...! Wizo und Magen David Pflegerinnen beim Landen der kostbarsten Lastneugeborener Babys von gehetzten Müttern im Konzentrationslager von Cypern Ansiedlungen in Cypern? Gegenüber den Baracken von „Hanoar Hazioni“ befindet sich brachliegender Boden. In sengender Hitze arbeiten junge Burschen und Mädchen vom Kibbuz Hanoar Hazioni aus Ungarn und pflegen die schönen Pflanzen. Bewundernsv/ert ist die Bearbeitung des Bodens ohne Pflug und andere Geräte. Nur durch Fleib und starken Willen konnte dieser gelbe, lehmige Boden in einen blühenden Garten verwandelt werden. Um 4 Uhr morgens, wenn die Lager noch in tief er* Schlaf gehüllt und die grünen Blätter noch mit Fau bedeckt sind, arbeitet die Jugend schon im Garten und begrabt die Tomaten, das Kraut, den Salat und die Blumen. Nicht weit davon stehen hinter dem Stacheldraht englische Soldaten und bewundern den Fleib der jüdischen „Boys“. Aber das Leben ist weder für die Erwachsenen, noch für die Jugend ein Idyll. Es ist letzthin ein Mangel an Nahrung, Kleidung und besonders an Wasser fühlbar. Leider haben wir hier in Cypern ein stark fühlbares Wasserproblem. Für das Wasser und die Versorgung mit Wasser sind besondere Stunden bestimmt. Wenn die englischen Maschinen mit den Wasserzisternen ankommen, beginnt eine Jagd der Menschen nach dem Wasser; die Shlichim — ehemalige Soldaten der jüdischen Brigade — erinnern sich dabei an die Vorgänge in Benghasi, Tobruk oder Bizerta. Das Meer ist zwar nahe . . . Das Meer ist zwar nahe und nur einige Schritte trennen uns von ihm. Ein kühler Wind weht von dort; aber durch den Sfacheldraht mit den hohen Wachtürmen wird unser 1 mm von einem erfrischenden Bad zunichte. Glücklich sind die, die mit den Müüabfuhraufos zum Meeresufer fahren, um beim Ausladen mitzuhelfen und dabei ein Ooc! nehmen können. Seit einigen Wochen werden schon Verhandlungen mit den englischen Behörden geführt, um den Zutritt zum Meer zu erhalten, i reiz v ieiseiiiger Interventionen haben uns die kaltblütigen Engländer nur ihre kühlen Schultern gezeigt. Hingegen haben aber die deutschen Kriegsgefangenen, die nicht weit von uns sind, freien Zu!ritt zum Meer und vergnügen sich in den Bars bei Klängen einer griechischen Jazz und irinken englischen Cocktail auf das Wohl ihres „Vaterlandes“. „Großer Gott! In welchem Zustand werden die Babys ankommen?“ m.. Vermehret Euch! Im letzten Monat war bei uns ein Rekord an Hochzeiten. Im Verlaufe eines Monates haben über 100 Paare geheiratet. An erster Stelle steht das Lager 66, in dem die gräbte Zahl schöner Frauen zu finden ist. Neulich ist ein Schiff mit Frauen an gekommen; die Mehrzahl sind jüdische Frauen aus Polen, die sich wie durch ein Wunder aus der Hitlerhölie gerettet haben. Obwohl der Joint nur eine Flasche Wein und zwei Kerzen beisteuert, wird lustig weiter geheiratet. Hingegen bekommt aber jedes junge Ehepaar zu seiner Bequemlichkeit ein separates Zimmer. Warum soll man dann nicht heiraten?! (Die zionistische Stimme.) Odyssee der „Exodus 1947“ (Fortsetzung von eite 1) Versuchen Sie es noch einmal. Da niemand landen wollte, beschwerte sich der britische Beamte beim Präfekten, dab die Deklaration vielleicht falsch übersetzt worden sei und viele, aus Angst vor den anderen, das Schiff nicht verlassen wollten. M. Colavery wandte sich an zehn, wahllos aus der Menge genommene Flüchtlinge, und bat sie ihm aufs Deck zu folgen. Dort befahl der Präfekt dem Dolmetsch, Satz für Satz genau zu übersetzen und erklärte neuerlich, jeden, der wolle, mit an Land zu nehmen und ihm volle Gastfreundschaft zu gewähren. Die Flüchtlinge aber antworteten: „Lassen Sie uns zu den Ghettoriecks zurückkehren. Wir brauchen Wasser und Nahrung für unsere Kinder, aber wir werden nicht landen.“ Der Präfekt wandte sich an den britischen Offizier.- „Sind Sie jetzt zufrieden?" Dieser antwortete.- „O. K.“ Ein Mitglied der Kommission erzählt: „Ein 55 Jahre alter Mann mit Barr bat mich, ich solle ihm seine Tefilin verschaffen, die in reinem Rucksack sind. Keinem clier Flüchtlinge sei or. erlaubt, sein Gepäck zu berühren, er erzählte noch, dab er aus einem polnischen Dorf stamme, wo er unter dem Namen ,,Reb I'laohman der Daye.-i“ bekannt war und dab er einen Sohn irr Tiborias, Palästina habe. Er hat mich diesem mitzuleilen: „Es gehr mir gut, sorg Dich nicht, wir werden uns bald Wiedersehen.“ Dieses Verbot, zu seinem Gepäck zu gelangen, bedeutet, dab keiner der 4500 Flüchtlinge in der Zeit von mehr als 10 Tagen, seine Kleidung wechseln konnte. Die Babies sind nicht ganz stubenrein und man kann sich ihren Zustand vorsieHen. Ein höllisches Gefangenenschiff. Ein Arzt, der dio Transportschiffe besucht halte, erzählte unserem Korrespondenten, dab es auber im Krankooraum keine Schlafgelegenheiten gibt. „Sogar dieser Raum ist in einem furchtbaren Zustand. Voll Stickluft, fehlen dort Instrumente, Medikamente, ja sogar ein tisch, auf dem rnan eine Operation durchführen könnte. Die 40 Patienten im Krankenrauin sind nur ein kleiner leil derjenigen, die ärztliche Hilfe benötigen. Man draucht e ne Bestätigung des britischen Arztes, um eingelassen zu werden und nur wenige entschließen sich, ihn darum zu ersuchen. Es gibt zcblreiche Fälle von Frühgeburten. Ein Mädchen, das einen Blinddarmanfall hafte, weigerte sich an Land zu gehen und verlangte auf dem Schiff operiert zu werden. In Anbetracht ihres ernsten Zustandes zwang ich sie an Land zu gehen.“ Weiter erzählte der Arzt, dab stillende Mütter zwei Löffel Kondensmilch, in kaltem ungekochten Wasser gelöst, als Zubube erhalten. Kinder bekommen dasselbe, dazu zwei Biskuits. „Während ich an Bord war“, setzte der Arzt fort, „erbrach ein Kind in meiner Gegenwart, nachdem es ein Stück Biskuit gegessen hatte und ich sah im Auswurf Biskuifsfücke und Würmer. Das sind keine Passagierschiffe, das sind höllische Gefangenenschiffe“. Ein anderer französischer Arzt nickte und fügte hinzu: „Ich glaube, dab die Briten nicht einmal Vieh unter solchen Bedingungen führen würden.“ Ein Vertreter ces inierr.aiionalen ro'en Kreuzes ersuchte die Engländer um die Erlaubnis, Milch für schwangere Frauen, für stillende Mütter und Kinder, sowie Medikamente bringen zu dürfen. Bis jetzt keine Antwort. Die „Enlre-Aide Francaise“, eine französische Wohlfahrtsorganisaiion, übergab heute den Engländern Nahrungsmittel, sie vveib aber noch nicht, ob man sie den Flüchtlingen geben wird. Das einzige, das bis jetzt an Bord zu bringen gestattet wurde, war Wasser für die Flüchtlinge und Nahrungsmittel für die Mannschaft und die Militärwachen. Die Flüchtlinge verlangen, dab jüdische Aerzte und Vertreter des Roten Kreuzes die Transporte begleiten sollen, wenn sie den Hafen verlassen werden. Sie sagen, dab die Behandlung durch die Engländer, seif sie Anker geworfen haben, eine andere ist, als während der Fahrt, wo „die Passagiere“ wie Sklaven und Verbrecher behandelt wurden. Um ihnen den Mut zu nehmen, zwangen sie alle Männer, in den Zwischendecks zu bleiben und war es nur Frauen und Kindern aestattet an Deck zu gehen. Britische Kreise bestätigen heute, dab im ganzen 129 Personen das Schiff verlassen hätten. Es handelt sich dabei um Kranke und ihre Familienangehörigen, von denen 59 in ein Spiral geschickt, die übrigen in einem Lager untergebracht wurden. Morning News, 9. August 1947 Das Schicksal der 4500 Flüchtlinge an Bord der drei Transportschiffe bleibt noch immer ein Geheimnis. Ein Sprecher des Aubenamles in London weigerte sich die Behauptung des Zionistenführers, Dr. Moshe Sneh, zu bestätigen, dab die Flüchtlinge nach Kenya gesandt würden. „England wünscht nicht, dab jemand von den Juden, welche aus Palästina zurückgebracht wurden, nach Kenya, oder einem anderen Teil des britischen Imperiums gebracht würden“, sagte der Sprecher. Er behauptete jedoch, dab der erste 'nuten, den die Transportschiffe anlaufen würden, Gibraltar sei und fügte hinzu, wenn die Juden sich weigern in Frankreich zu landen und sich dann in einem fernen und ungewünschten Bestimmungsort finden werden, sie sich das selbst zuzuschreiben hätten. Hungerstreik Port de Bouc, 19. August (WA). Dem Ffungerstreik der sich an Bord der drei Auswandererschiffe befindlichen jüdischen Emigranten schlossen sich nun auch freiwillig Frauen, Kinder und Kranke an. Wie ein Sprecher der Israeliten an Bord der „Ooean Vigour“ bekanntgab, stellt dieser Streik den Auftakt zu einer aktiven Resistenz dar. Zusammensföbe und Schlägereien zwischen den Juden und englischen Soldaten gaben letzten Endes den Anlab zu dieser drastischen Maßnahme. An der Reling der „Ocean Vigour“ waren Spruchbänder mit folgenden Worten angebracht worden: „England sei dessen eingedenk, dab sich das jüdische Volk nicht knechten labt!“ „Gebt uns Palästina, unsere einzige Hoffnung, wieder!“ In einem Telegramm an Präsident Ramacher protestieren die Emigranten gegen die Einkerkerung in britischen „Schiffskäffigen“ innerhalb französischer Hohei'sgewässer. Gleichzeitig sprachen sie Frankreich für seine grobzügige Gastfreundschaft ihren Dank aus. Wie sie in dem Telegramm weiterhin betonten, seien sie fest entschlossen, keinen Fub an Land zu setzen. Die Intellektuellen der USA danken Frankreich. New York, 19. August. Die Haltung der französischen Regierung in der „Exodus“- Affäre veranlabfe zahlreiche amerikanische Persönlichkeiten zur Absendung des folgenden Telegrammes an den französischen Botschafter in Washington-. „Wir bitten Sie ergebenst, Ihrer Regierung unsere tiefe Dankbarkeit für die ehrenvolle und wohlwollende Haltung auszudrücken, die die französische Repubiick gegenüber den 4500 jüdischen Flüchtlingen an Bord der britischen Schiffe in Porf-de-Bouc eingenommen har. Die gerechte und vornehme Behandlung der schwergeprüften heimatlosen Emigranten ist ein Beweis für ciie edelsten Iradiüonen der Marien, die der Welt die demokratischen ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gegeben hat. Als Vorkämpfer der Demokratie sehen wir in der humanen Haltung Frankreichs eine Botschaft der Ermutigung an alle freiheitsliebenden Menschen.“ Die Botschaft wurde von Albert Einstein, Summer W e 11 e s, Fiorello La Guardia, George B i d d I e, Dorothy Canfield Fisher, Levis Mumford, Father Ford, James Luther Adam s. Mary W o!! e y, Dean A If a n g e, Bartiey C r u m, gezeichnet. Ein möbliertes Zimmer mit Küchenbenützung wird dringend gesucht Rn die Administration des Biattes Prof. Wetzmaim’s Aphorismen (Aus seiner Rede vor der UN-Kommission.) 'Jeher frühere Kommissionen: Sie können fast die gesamte Fläche Palästinas mit ausgezeichneten Berichten bedecken. Was ist ein Jude? Das ist ein Mensch, der eine lange Erklärung über sein Dasein abgeben muß und deshalb immer verdächtig ist. Ueber die Palästina-Verwaltung — Diese Juden sind lästig und nehmen niemals ein „Nein“ als Antwort entgegen. Wenn man sie zur Tür hinauswirn, kommen sie durchs Fenster zurück. Der syrische Premier, Jamil Mardam Bey, gehört zu jenen Menschen, die behaupten.- „Wir sind Freunde, aber grüben Sie mich nicht am Picadilly. Niemand mub wissen, dab wir Freunde sind.' Teilung ist in Mode; In Indien können Sie das mit einem groben Messer tun, hier mub es mit einem Mikroskop gemacht werden. Ein geteiltes Pulästina mub grob genug sein; es darf nicht nur „Stehplätze“ geben. Nur wenn ein Araber sehr krank ist, ruft er einen jüdischen Arzt zur Operation; ich treue mich sagen zu können, dab die Operation meist sehr erfolgreich ist. Arhfiinof Bis zur Eröffnung eines Mvfltlllis ■ Postscheckkontos werden Abonnements in der Administration des Blattes entgegengenommen. Täglich — außer Samstag u. Sonntag — von 9—12 und von 16-18 Uhr. Wien IX, Universitätsstraße 4/4.

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