Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1947
- Issue
- Heft 2 (25.8.1947)
- Date
- 1947-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 iZ)/e Stimme Nr. 2 Unsere (, )f/itnme Noch einmal die DP’» In unserer ersten Nummer haben wir statistische Daten über die DP's, in Oesterreich gebracht und auf die irrige Meinung aufmerksam gemacht1, dab man unter DP's eigentlich nur Jucte.n zu verstehen hat. Wie notwendig diese Feststellung war, beweist der Artikel im „Neuen Oesterreich“ von e. f. Gerade von einem Manne in so exponierter Stellung und marxistisch wissenschaftlichem Range hätte man mehr Objektivität bei Behandlung dieser Frage erwartet. Den Unterschied zwischen jüdischen ur.d nichtjüdischen DP’s hat er verschwiegen. Die nichriüdischcn DP’s aus Polen oder Jugoslawien usw. haben ja ihre Heimatländer und jedermann weih, dab sie aus gewissen politischen Gründen in diese ihre Heimat nicht zurückkehren wollen. Die jüdischen DP’s dagegen wollen aus der Unsicherenif und .ständigen Verfolgung in ihre ••reite fdeimat nach Palästina gehen, und weil rnen sie dort nicht heminlassen will, sind sie verurteilt, in einige" europäischen Ländern dos schreckliOo Leben der Flüchtlinge zu führen. Herr e. f. möge nicht übersehen, dab, obwohl Oer . erreich heute als befreites Land gilt, ^,'G Oesterreicher doch in jeder Hinsicht ben und "mir er schwohl in welchem Made die Cesterrcicher dafür verantwortlich sind, dar sich inte1 so viele jüdische Flüchtlinge in Elend und Mer in diesem Lande aufhaiten müssen, eis essen kein österreichisches ßrot; sie werden von den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes bzw. von der IRO und amerikanischen Hilfsquellen versorgt, aber Herr e.f. weih nur zu gur, dab Oesterreich ohne die Liebesgaben aus dem Auslande und die Lieferungen der UNRRA einer furchtbaren Hungerkatastrophe cusgesetzf gewesen wäre. Die Oss'erreicher leben noch heute g röhrenteils von diesen Gaben, die aber nicht nur für Oesterreicher sondern für alle hungrigen Menschen in diesem Lande bestimmt sind. Wie grob die Zahl der jüdischen DP’s ist, die in den Hotels von Bad Gastein und anderen Kurorten leben, wissen wir nicht, wir wissen ober und Herr e.f. weih es noch besser, dab eine grobe Zahl schleichhandelnder Nazi, in deren Händen sich noch das Vermögen befindet, das sie den 3ua'en in Oesterreich und sonst in ganz Europa geraubt haben, in den schönsten und teuersten Hotels und Kuranstalten Oesterreichs ein Scblemmerleben fuhren. Sie haben noch immer die besten Geschäfte, die schönsten Posten und herrliche Wohnungen im demokratischen Oesterreich und nützen die prekäre Lage und die Rechtlosigkeit der Duden aus um sich überall breit zu machen. Unsere Brüder aber, die man auch als Schmarotzer bezeichnet, gehen, wenn man sie läßt nach Palästina und werden dort prächtige Arbeiter, die aus Wüsten blühende Siedlungen machen. e. f. weih auch sehr gut, daß die jüdischen DP’s in Oesterreich nicht bleiben wollen. Dieses Land ist nur eine Notetappe auf dem Wegs in ihre Heimat. Wir würden die Mithilfe des Herrn e.f. beim Abtransport der jüdischen DP s aus Oesterreich nach Palästina wdrrnstens begrüben, aber nicht mit den Mitteln die er jetzt anwsndet. Wenn aber e. f. aus der Frage der DP’s Parteikapital schlagen will, weil sie einen kleinen jüdischen Einschlag hat, so wird die Zinsen nicht er, sondern andere ernten. Wir verurteilen! Täglich bringen die Zeitungen Nachrichten über Bombenanschläge in Palästina. Detzt sogar in Oesterreich und Deutschland, wobei der Verdacht ausgesprochen wird, dab Duden beteiligt sind. Mit der ganzen Kraft der Ueberzeuguna müssen wir diese unverantwortlichen Taten Einzelner und besonders die Organisatoren, die den Auftrag dazu gaben, verurteilen und ablehnen. Vor der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit präzisieren wir noch einmal unseren Standpunkt in dieser Frage. Das Gebot der Zeit in den tragischen Bemühungen um die Zukunft des jüdischen Vol- Der erste Zionisten=Kongreß vor 50 Jahren Am 29. August werden es 50. Dahre sein dab der erste Zionisten-Kongreb in Basel eröffnet wurde. Es war ein Sonntag, an dem 197 Delegierte aus aller Welt in Frack, mit weiber Halsbinde zum „Dudenkongreb“, wie ihn die freundlichen und gemütlichen Basler nannten, zusammentraten. Nach der etwas zu lange geratenen Eröffnungsrede des Alterspräsidenten Lippe, bestieg Herzl die Rednertribüne. Mehr als 15 Minuten stürmischer Duhei, Händeklatschen, 1 ücherschwenken. Der grobe 2000-jährige Traum unseres Volkes schien in Erfüllung zu gehen. Es war, als hätte sich ein historisches Wunder vollzogen. Ein König, Meschiah, schien dort oben zu stehen. Gleich zu Beginn seiner Rede legte Herzl mit einem Satz die .Aufgabe des Kongresses fest: „Wir wollen den Grundstein legen zu dem Haus, das dereinst die jüdische Nation behorbc-.jcn wird.“ Mit erhobener Stimme folgte dann im Laufe seiner Rede, sozusagen als Festlegung, als Definition des Zionismus, der später viel besprochene Satz: „Der Zionismus ist die Heimkehr zum Dudenrum, noch vor der Rückkehr ins Judenland.“ Und dann der Appell an das gesamte jüdische Voik, qle.chs.am als Vorbedingung fite das Gelingen des begonnenen Werkes der Betretung des jürdseben Volkes aus mehrtausendjähriger Dudennot: „Ein Volk kann sich nur selbst helfen; kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu helfen. Wir Zionisten wellen aber da: Voik zur Selbsthilfe anregend' bin btaaismann habe gesprochen, nicht ein otectemann jüdischer Abkunft, der die Politik eines fremden Staates führte, sondern e'n jüdischer Staatsmann, für das jüdische ahn.'er I ragweife, denn die 197 Delegierten Lüideten mehr als einen Kongreb. sie Ulcischen '/okkes, ja noch mehr, eine Nationalversammlung, eine Vertretung der Nation. Die Duclonrrage, die bis dahin kaum bekannte zionistische Bewegung waren aus dem Ghetto in dis Welt getreten. f 'Geh Hause zurückgekehrr, schrieb Herzl in sein Tagebuch: „Fasse ich den Basler Kongreb in e:n Wort zusar nmen, ■ — das ich mich hüten v/erde öffentlteh auszusprechen - — so ist es Ge-cs: In Base;I habe ich den Du densfaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Viel— kes ist Displizin, eiserne Displizin und weitgehendste Beherrschung. Unser Kampf muS gemeinsam sein und darf es nur e i n Dispesitionszenfrum geben, das Anordnungen zu treffen hat, und das ist die zionistische Exekutive. Dedes Abweichen Einzelner oder ganzer Gruppen von diesem Weg ist gegen die Lebcnsi,nieressen des jüdischen Volkes gerichtet und mub gebrandmarkr werden. Alie gefühlsm.äbigen Reaktionen müssen aus unserer I akfik entfernt werden, sie bringen nur Schaden und sind Wasser auf die Mühle unserer Feinde. Dede Terroraktion führt zu brutalen Repressalien an Schuldigen und Unschuldigen. Dede unverantwortliche Aktion zieht den eisernen Ring des Polizei- und Okkupations-Regimes in Palästina immer enger und bedroht die Existenz des Dishuv. bin y/ichfiges Aktivum in unserem Kampf ist die Sympathie der Welt in unserer Sysiphusarbeit und unseren ungebrochenen Willen. Um aber diese Sympathie zu erhalten, zu stärken und in Taten umzusetzen, mub unser gerechter Kampf rein sein. Kein Stob cius dem Hinterhalt. Kein unschuldig vergossenes Blut! Nicht die Gefühle, die den jüdischen Terroristen zum Sprengstoff greifen lassen verurteilen wir, wir verurteilen aber sein I un und den Mangel an Selbstbeherrschung. Mit verbissenen Zahnen müssen wir unseren Ärger unterdrücken und unsere Arbeit foilsetzon, aber mit Methoden, die unseren groben Traditionen würdig sind. In seinem Bericht vor der UN-Kommission sagte Prof. Weizrnann: „Ich verhülle mein Antlitz in Scham, wenn ich von jüdischem Terror spreche. Mein einziger Trost und meine Hoffnung ist, dab die endgiltige Lösung des Palästinaproblems diese Wunden heilen wird.“ Das ganze jüdische Volk solidarisiert sich mit diesen Worten unseres alten Staatmannes. Ben Dakob. leicht in 5 Dahren, jedenfalls in 50 Dahren, wird es jeder einsehen. Um zur völkerrechtlich gesicherten Heimstätte zu gelangen, muhten wir zunächst unser Volkstum in Erscheinung treten lassen. Ist das Volk da, so schafft es sich das Stück Erde, dab es braucht...“ Und das jüdische Volk hat sich selbst geholfen, hat sich ein Stück Erde geschaffen, wird sich weiter helfen und wird weiter schaffen. Das ist die grobe historische Bedeutung des 29. August 1897. Wer sich aber heute, 50 Dahre nach dem welthistorischen Ereignis der ersten Tagung der jüdischen National-Versammlung und der schon zum gröbten Teil verwirklichten Ideen Theodor Herzl's, nicht zu uns bekennt, der möge es vor Gott und seinem Gewissen verantworten, dab er in einer Zeit, da die Lage des jüdischen Volkes sich neuerlich ins Tragische gesteigert hat, sich dieser Sache nicht angenommen hat. Sikor. Hofra^ Ing, Leopold Herzka In aller Stille und Bescheidenheit beginn kürzlich Hofrat Ingenieur Leopold Horzka seinen 75. Geburtstag. Und an diesem Tage fügte er den zahlreichen Werken, die den Ruhm der österreichischen I echniker in alle Welt trugen, e'n neues, umfangreiches und grundlegendes Werk hinzu. — Gleich hervorragend a’s oiaküschter ’ngenieur in seiner ehemaligen '.Vollung als Chef einer Brückenbau-Abteilung österreichischen Staatseisenbahnen, wie ais Wissenschafter, Forscher, Sachverständiger und Experte gehört er zu den wahren Zier Un des Ingenieurstandes, dem aber das Austens! gröber;.' Ehren erweist als seine andere Heimat. Eine Professur an einer Technischen Hochschule, die ihm gebührt hätte, Hat er, nach dem Beispiel anderer Geistesgcöbon jüdischen Glaubens, nicht bekommen. Bleibt vie!!eteht uotei die Hoffnung, dar. die Technische Hochschule in Wien, die er vor 50 Dahren verlassen Fat und der Oesterreichieche Ingenieur- und Architok'en-Vcrein, dein er seit 50 Dahren eds eines der verdienstvollsten Mitglieder angehört, ihn doch noch für eine besondere Ehrung würdig halten werden. Wir begrüben ihn umso herzlicher als unseren freund, der seit den Tagen Herzls in unseren Reihen steht und sich schon zu dieser Zeit als Gründer der jüdisch-akademischen Verbindung „Makkabüa“, die zu emem Sammelpunkt begeisterter, junger zionistischer Kämpfer wurde, grobe Verdienste um den Zionismus und die jüdische Sache erworben hat. Wir begrüben den grobzügigen Förderer der technischen Hochschule in Haifa, der sich damit ein dauerndes Denkmal in Erez Israel gesetzt hat. Wir begrüben den Meister der lechnik, der heute, besonders im Auslande, von seinen zahlreichen Düngern und den vielen Talenten die er gefördert hat, mit Recht herzlich gefeiert wird. Wir wünschen dom Dubilar, der auch ein vornehmer und würdiger Vertreter des Wiener Dudentums im Vorstand der Kultusgemeinde ist, ein langes Leben in Freude und Gesundheit! Sikor. Cnnnilfit bei ^eder Ge,e§enheit für dpOlUCl den KEREN KAYEMETH BWKBWMEy.wffMw (Düdischer Nationalfonds) Der Besuch der UNO=Kommission in Negev CD. A. D. 178.) Am Tage nachdem die Delegierten der UNO Tel-Aviv besichtigt hatten, V,erbrachten sie einen heiben und staubigen Tag. in den Siedlungen der Wüste dos Südens. In der Kolonie Revivim wurden ihnen Gladiolen und reife Granatäpfel, die ersten Blumen und Früchte des Dahres überreicht. Die Kommissiorsmitglieder besichtigten das Bewässerungssystem der Siedlung mit ihren Schleussen aus Beton und Stahl. Sie waren stark beeindruckt von dem groben asphaltierten [Reservoir für das Frühlingsschmelzwasser das 20 Dunam bedeckt. In nächster Nähe ist auch ein Behälter für Frischwasser, ungefähr fünf Fub tief, und hoffen die Siedler, diesen Teich im nächsten Dahr mit 50.000 Kubikmeter voll zu füllen, so dab sie Frischwasser für den ganzen Sommer hätten. Um ihre Erfolge in der Bodenbearbeitung zu zeigen, servierten die Siedler zum gemeinsamen Frühstück frischen Tomatensalat. Die 30 Pioniere hatten einen erfrischenden und einfachen Tisch vorbereitet für ihre 100 Gäste, sicherlich das gröbte Gastmahl das im Negev staffgefunden hat. Tische und Bänke waren im Leseraum und im bpeisesaal des Kibbutz aufgestellt, an denen die Delegierten und ihre Sekretäre sich zum erstenmal niederlieben, um gemeinsam mit jüdischen Bauern in Palästina das Brot zu brechen. Dosef Hepner, einer der Siedler sprach ein paar Willkommensworte. „Wir kamen um Land zu finden und wir fanden sehr guten Boden. Das Problem war nur Wasser zu finden. Wir sind überzeugt, dab wir Platz für tausende und abentausende junge Männer und Frauen,-die nach Land lechzen, finden werden.“ Richter Sandström, der Vorsitzende der Kommission dankte dem Kibbutz für seine Gastfreundschaft und sagte ihnen sie könnten siolz sein auf ihre Erfolge, diese Wüste in eine Oase verwandelt zu haben. In Beantwortung einer Frage sagte Hepner, dab die Beziehungen zu den benachbarten Arabern freundschaftlich und natürlich seien und dab cs keinerlei Streit zwischen ihnen gegeben habe. Die Delegierten konnten ein Zelt am Eingang zürn Kibbutz sehen, in dem während des ganzen Tages Beduinen ein und aus gingen um Kaffee zu trinken und die Zeit zu verbringen. Auf ihrem Rück//ege verweilte die F ommirsion in ihren s'aulvoedecIden ^Waiungsarboiter, die im Begriffe waren, eine Rohrleitung zu logen. Während des ganzen laros zeigten Mr. bandstrom und die anderen //Gy lieber der Kommission regstes Interesse für alles was sie sahen. S3 es 12 cli der UMO=Kombis« sion m der LeWaisdaen UmversHäi Die Kommission wurde von Sir Leon Simon und dem Präsidenten Dr. Magnes empfangen. Dr. Mcgrves sprach über die Ziele und den Wirkungsbeieich der Universität und brachte die Frage „Was ist Dadaismus?“, die auf einer der Sitzungen ge.Eillen war wieder vor. „Das ist die Frage, die wir uns oft selbst stellen. Alles, was wir in unseren Instituten für jüdisches Wissen unternehmen, tun wir in der Hoffnung, eine Antwort auf diese grundlegend wichtige Frage zu finden.“ Dr. Magnes erwähnte, dab die Schule für orientalische Studien unld die islamische Bibliothek gröber und umfangreicher sei, als die mcslemitischen Bibliotheken in Kairo, Irak, Syrien und dem Lybanon. Dr. Magnes gab der Hoffnung Ausdruck, dab dieses Moment viel dazu beitragen wird, die Fragen des Komitees bezüglich arabischjüdischer Beziehungen zu beantworten. „In politisch glücklicheren Tagen kamen manchmal arabische Studenten, um sich die Rücken der Bücher ihres eigenen Volkes anzusehen.“ Die Delegation ging langsam an hunderten von Bücherregalen mit ihrer halben Million von Bänden vorbei und besichtigten nachher die Sammlung von Originalexemplaren unter denen sich auch das Manuskript von Einsteins Relativitätstheorie, Erstlingsdrucke und alte illustrierte Gebetbücher befinden. Im Rainoffschen Medizinischen Institut sahen siu junge jüdische Gelehrte bei ihren Krebsforschungen. Im Hadassahspita! wurde die Kommission von Direkter Dr. Chaim Dassky begrübt. Er sprach über die Arbeit der Hadassah. Das Spital hat 370 eigene Betten und 100 Betten in der Lungenhcilanslalt in Obergalilea. Au6erdem beschäftigt es sich noch mit Schutzimpfunger., Kinderkircorge, Schulhygiene, der Anriirachom= Kampagne und der Schulung der Aerzte und Pflegerinnen. Dr. Dassky betonte, dab bei all dieser Tätigkeit keinerlei rassische oder Glaubensunterschiede gemacht werden. „Deder ist hier Willkommen! Das ist der Geist, in welchem wir zur Wohlfahrt des Landes unseren 1 eil beisteuern.“ Während die Delegation durch die langen Korridore des Spitals ging, kamen sie an einer Abteilung vorbei, in der für 120 neugeborene Kinder ein Monat lang gesorgt wird. Der Anblick so blühenden jungen Lebens versetzte die Kommission in helle Begeisterung.