Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1947
- Issue
- Heft 1 (12.8.1947)
- Date
- 1947-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Lj)ie Stimm: ,S<;t< „Exodus 1947“ Tatsachenbericht. Vie Stimme der Welt t (Presse-Übersicht) Die brutnle Deportation unglücklicher Einf.nc'^rer vor den Toren ihrer Heimat, die Hinciiluna dreier junger Juden, wegen des Ueberii!es auf das Gefängnis in Acre, sowie die Imrichtung zweier englischer Sergeanten durch ■mn 7.f". Lrumi, haben lebhaften Widerhall in , Presse der ganzen Welt hervorgerufen. >io ae o ikanische Zeitung ,,P. M. bespricht rem! eitartikel vom 14. Juli 1947 die •!ry* des Todesurteiles der Nazi-Genee _,id zweier weiterer Marschälle, die wegen rtegsverbrechens abgeurteilt worden waren: „Die Gnade, die dte ,Sirs' gegenüber dn drei Massenmördern walten lieben, gelt nicht für?• gewöhnliche palästinensische junge M;nner, Nakar, Weib und Habib, die niemand getötet hatten. Ihr einziges Verbrechen war, dab sie an dem Sturm auf das Gefängnis in Acre teilgenommen hatten. Da die Briten in Palästina durch Gewalt und zu Unrecht sind, haben sie die Jünglinge zum Tode durch den Strang verurteilt und Gnade abgelehnt. Nak -r, VVe b und Ha' ibi heib' es;mP. M gehören scheinbar nicht zum richtigen ,C!ub . Die Pointe der Geschichte liegt im Klassenunterschied. Die Generalität, cb Beruf, hat ein .Gewerkschaftsgefühl für ihre Generalskollegen, und im britischen Empire werden Generalsangelegenheiten nach bekannten Richtlinien von Kasten und Privilegien und mit gewohntem Rassenunierion erledigt. Für die britische Regierungsklasse sind Italiener nicht Angehörige der Herrenrassse, wie deutsche Offiziere sind.“ Die französische Zeitung „l’Aurore“ schreibt rer die ,.Seeschlacht“ mit der Exodus: „Diese Schlacht, sowie die Attentate auf Engländer sind Folgen einer Tragödie, einer Tragödie, die man sich vor 2 Jahren kaum hätte vorstellen können. Die toten und verwundeten Juden haben vielleicht jahrelang in Nazi-KZ.'s geschmachtet; der englische Soldat, der in Rechovot getötet wurde, war vielleicht einer derjenigen, die diese Menschen aus den Nazi-Lagern befreit haben, wozu ist es nötig, dab noch Juden umkommen, die leben geblieben sind, nur um ihre letzten Hoffnungen zu verwirklichen. Wozu ist es nötig, dab Soldaten umkommen, die den Faschismus besiegt haben?" Die Antwort auf diese tragische Frage finden wir in einem Arlikel des „News Chronicle“: „Vom britischen Standpunkt aus können wir nur mit Verachtung auf die britischen Transporte schauen, die ihre Verzweiflungsladung rund um die europäischen Häfen herumschleppen. Und weiter: „Es besteht kein Zweifel, dab die Regierung den Juden eine Lektion erteilen wollte, um denen, die die illegale Aliah führen, den Mut zu nehmen. Aber die hiefür verantwortliche Regierung versteht nicht, dab Juden, die in Europa so viel gelitten haben, eine solche Lektion nicht annehmen können und trotz aller Schikanen Wege suchen werden, um den Kontinent zu verlassen.“ Wie w:r sehen, gibt sich dieses englische Blatt nen Illusionen hin, dab die Juden alle ihnen Geb h stehenden Mittel anwenden werden i die Küste Erez Israels zu erreichen. Der lews Chronicle“ gibt mit Recht weiter zu: „Die Einzigen, die von so unrichtiger Politik der britischen Regierung profitieren werden, sind die Terroristen in Palästina, die jelzt ohne die Gegnerschaft des jüdischen Volkes befürchten zu müssen, freie Hand haben werden alles zu tun.“ Der Artikel schliefst mit einer Behauptung d gleichzcilig einer Empfehlung.- „Wieder einmal ist unser gesunder Menschenverstand, unser politisches Denken in Palästina der Politik dummem Zorn gewichen. Diese Politik muh sofort geändert werden, bevor es zu spat ist. Es ist dem Hagan;h-Schiff „Exodus 1947 gelungen, die briiisch? Bl :k 'de, die sich über fast alle europäischen Häfen erstreckt, zu durchbrechen und den Kontinent ui beachtet zu verlassen. Auf dem Schiff befanden sich 1600 Männer, 1282 Frauen, 1017 Jugendliche und 655 Kinder. 18 Melen auberhalb der p lästinensischen Hcheüsgewässer wurde die „Exodus“ von 5 Zerstörern und 1 Kreuzer der britischen Kriegsflotte angehalten. Die Bordw-che der englischen Kriegsschiffe machte von Tränengasbomben und Feuerwaffen Gebrauch. Die „Exodus“ wurde von einem Kriegsschiffe gerammt und so schwer beschädigt, dab das Schiff gezwungen war sich zu ergeben und in den Hafen von Haifa einzulaufen. Dorf1 In wurde es v n e rr iibefischen Kriegsschiff begk itef. Während der Zusammensföbe zwischen den jüdischen Einwanderern und der britischen Flotte wurden 3 Juden getötet, 37 schwer verwundet und gegen 120 leichter verletzt. Die Namen der Toten sind: Hersch Jakubowitz, ein 15jähriger Junge aus Bendzin, Polen; Mordechai Bernstein, 25 Jahre alt, Besatzungsmitglied d r „Exodus“, Bürger der USA; Mordechai Barstein, en 23-jähriger DP aus Deutschland. Der amerikanische Journalist John Stanley Gruer, Korrespondent der Zeitung „Cfurchman“, der auf der „Exodus“ die Reise mitmachte, befindet sich augenblicklich in Jerusalem. Er sagt aus, dab die Auswanderer keine Waffen besahen und sich nur mit leeren Konservenbüchsen verteidigten. Alle anderen Behauptenden seen schmuizige Lügen. Die 4500 Flüchtlinge wurden in Haifa auf 3 Dampfer umgeschifft. Auf Befehl Londons liefen die Schiffe, anstatt Cypem, den französischen Hafen Port du Bouc cn. Die französische Regierung hat sich bereit erklärt die jüdischen Flüchtlinge bei sich aufzunehmen, doch weigern sich dieselben, die Schiffe zu verlassen. Auch das Anerbieten, die Verwundeten in Spitäler aufzunehmen, wurde von den Juden abgelehnt. Trotzdem der britische Gesandte in Frankreich, Duff Cooper, seinen persönlichen Einflub geltend machte um die französischen Behörden zu veranlassen, eine gewaltsame Ausschiffung vorzunehmen, hat sich die französische Regierung geweigert, von ihrer traditionellen humanitärer Politik abzuweichen. Letzten Berichten aus London zufolge beabsichtigt diie britische Regierung die 3 Schiffe nach Hamburg zu dirigieren, da sie die Juden dort zur Landung zwingen könne. Als Protest gegen die unmenschliche Deportation und angesichts der 3 Toten wurde am 21. Juli 1947 um 4 Uhr nachmittags ein Generalstreik in ganz Palästina proklamiert, de: alle Arbeiten sowie den Handel und Verkehr des Yishuv stillegte. Eine Stunde später wurden Massenmeetings in allen jüdischen Städten und Dörfern abgehalten, an denen alle führenden Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in Palästina aktiv teiln ahmen. Die Haganah, die jüdische Widerstandsorganisation, aus deren Reihen während des letzten Krieges die jüdische Legion hervorging, hat durch ihren Sender „Die Stimme Israels“ erklärt, dab selbst die gröbten Repressalien der Regierung gegen Flüchtlingsschiffe, die jüdische Einwanderung nicht unterbinden können und diese Aktion unter allen Umständen fortgesetzt werde. Die offizielle Erklärung, dab die Repatrianten der „Exodus“ nach Frankreich zurückgeschickt werden sollen, haben den ganzen Yishuv auf das tiefste erschüttert. Die Reaktion der palästinensischen Presse kann nicht in vollem Mabe der Entrüstung des palästinensischen Judentums Ausdruck verleihen. Wir Juden bedauern den Kampf, den die Mandaismucht uns aufgezwungen hat, nämlich den Kampf gegen das englische Polizeiregime iin Erez Israel. Wir haben ihn nicht gewollt und wollen ihn auch in Zukunft nicht; wir waren nie anti-britisch, ganz im Gegenteil! Wir ,,Haare7 schreibt: Der letzte Schritt der britischer, Reg-eiuna wird nicht imstande sein, aie Versuche der Leberlebendendes europäischen Juden!ums, nach Palästina zu kommen, aufzuhalien. Im Gegenteil, die letzten Ereignisse werden den iontschlüb dei Juden, ihr Ziel zu erre'chen noch stärken. Wenn die Lage sich zu e nern offenen Kampf zwischen dem Starrsinn des brif eher. Ministers und dom Lebenswillen des verzweifelnden Volkes entwickeln sollte, kann niemand voraus sagen, wer der Sieger sein werdm Aber Starrsinn kann nicht politische Weisheit und menschliches Gefühl ersetzen. Es wird immer klarer, dab die Pnlästinafraqe niclte von England allein gelöst wenden kann, sondern dab diese Frage ein internationales Problem geworden ist. „Habokr" sagt- Niemals vorher ist die Tragödie des jüdischen \ nlkes so deutlich zu Tage getreten, als mit dieser zwangsweisen Rücksendung der 4500 Flücht'inge in ihr Elend, „Mishmar“ meint, dab wir in die ernsteste Phase unseres Kampfes um Palästina getreten sind. „The Palesiine Post“ schreibt: Die Tatsache, dab auber das eigene Volk, die ganze übrige Welt die Aufnahme der jüdischen Flüchtlinge ablehnl, stört Mr. Eevin nicht; störend für ihn ist nur der Widerstand der Flüchtlinge, hinter Stacheldraht zu bleiben und deshalb werden sie ins Exil und in Ungewisse zurückgeschickt. Dr. Emanuel Neumann, der Präsident der Zionistischen Organisation in USA, erklärte bei einer Pressekonferenz: „Wer immer auch den Befehl zur Deportation der 4500 von der „Exodus“ gegeben hat, — man mub daran zweifeln, ob das britische Volk die Ungeheuerlichkeit dieses Verbrechens seiner Regierung und die Folgen dieser Tur erfabt hat. Während die politische Zukunft Palästmas gerade behandelt wird, — wäre der Entscheidung der Frage nicht vorgegriffen worden, wenn ein paar lausend Flüchtlinge einen rettenden Hafen in ihrem Lande gefunden hätten. Die Forderung Englands, während der Zeit der Untersuchung der UN-Kommissio-n, jedwede Anwendung von Gewalt zu unterlassen, wurde v n Grob-Britannien selbst auber Acht gelassen. Seit vielen Monaten waren die Jewish Agency und die verantwortlichen zronis'ischen Führer bemüht, die Tätigkeit der Untergrundbewegung in Palest na auszuschalten. Wir stützen nur die Haganc.h, die die einzig legitime und veranlwor'I.cho jüdische Organisation ist. Auch die Mehrheit des Yishuv unterstützt die Haganah. Aber die britische Regierung tut alles, um die Arbeit der verantwortlichen jüdischen L-Jtung zu erschweren. Sie verfolgt das Ziel, die Jugend Palästinas zu entflammen, zur Verzweiflung zu treiben und einen bewaffneten Aufsiand zu provozieren. Das würde England zu weiteren milifärischen Repressalien Anlab geben. Was soll mit den Flüchtlingen in den Lagern geschehen, jetzt, im nächsten Monat, im kommenden Winter? Das britische Aubenministerium sollte doch Verständnis dafür haben dab es für die Juden Amerikas eine heilige Pflicht ist, von der sie unter keinen Umständen abweichen werden — für die Rettung ihrer europäischen Brüder alles zu tun was nur möglich ist. Dr. Neumann schieb: Wir werden fortfahren weitere Millionen für dieses Werk der Barmherzigkeit und der Retiung zu geben und wir fordern alle wohlgesinnten Menschen, welchen Glaubens sie auch sein .mögen, auf, uns in diesem Rettungswerk zu unterstützen und zu helfen. Kauften. sind gegen jeden individuellen Terror, ganz gleich, von welcher Sciio er kommen möge. Die Hauptschuld an der Tragödie, die sich in Erez Israel abspielt, trägt dos englische Weibbuch und die Pmtek Mr. Bevi.ns. Sie sind auch für das in Palustniu vergossene Blut verantwortlich. Jüdische RPs in Österreich Von Zeit zu Zeit erscheinen in der csterim duschen Presse Klagen über die D.P.'s —- ge nannt die versetzten Personen. In vielen Faller, wird offen herausgesngt, dab man damit dm jüdischen LTP. s meint. Dort aber, wo die Pres so nicht ausdrücklich hervorhebt, dab es sich um Juden handelt, sondern erwähnt, dab es sidi um Ausländer handelt, die den armen Oester reichern das Brot weges'sen, identifiziert der Oesterreicher, die D.P.’s mit den Juden. Das ist eine neue Methode maskierter anti-jüdischer Propaganda. Der beste Beweis hiefür sind die Gespräche, die man auf der Strabe, in der 'Sfrabenbahn, beim Grejibler usw. belauschen kann. Leider hat sich im neuen demokratischen Oesterreich noch keine Zeitung gefunden, die in dieser Hinsicht aufklärend wirken würde. Wir wollen keine Sympathien für uns, wir haben aber das Recht, dab die Oeffentlichkoit richtig informiert werde. Die Tatsachen sind nämlich folgende-. Von den ungefähr 500.000 D.P. in Oesterreich sind alles zusammen nur 23.500 jüdische D.P.’s und Flüchtlinge. Sie verteilen sich folgendermaben: In der amerikanischen Zone: 12.000, in der englischen 1.500, in der französischen 80 und in den Wiener Flüchtlingslagern 10.000 Aub ersem gibt es in Wien c-.i 9000 Juden, die auberhalb der Lager wohnen, von denen aber 7000 österreichische Staatsbürger sind. Es befinden sich also in ganz Oesterreich nicht einmal 33.000 Juden. Hinsichtlich des Vorwurfes, dab diese Juden den armen Oesterreichern das Brot wegessen, mub ein für allemal festgestellt werden, dab die 23.50) Juden, die m den Lagern zusammengezogen sind, in Oberösterreich von der amerikanischen Militärmacht und dem American Joint Distribution Committee, in Wien aber ausschlieblich vom Joint Committee verpflegt werden. Die hiezu nötigen Lebensmittel werden ausschlieblich aus dem Auslande importiert. Es mub auberdem hervorgehoben werden, dab die jüdischen D.P. s und Flüchtlinge sich gegen ihren Willen nur vorübergehend in Oesterreich aufhalten und sehnsüchtig auf den Moment warten, an dem sie in ihre wirkliche Heimat, nach Pa ’äsiina zurückkehren können. Für die Rückkehr dieser traurigen Ueberreste des europäischen Judentums nach Palästina gibt es keine illegalen Wege, denn jeder Weg dorthin ist legal im Sinne des internationalen Rechtes, das im Mandat niedergelegt ist. Das Gewissen der Weit ist erschüttert von dem heroischen Kampfe, der für die Zurückbringung dieser Unglücklichen und Heimatlosen geführt werden mub. Sie werden auch nicht allzu lange darauf warten müssen. (Auszug aus dem Bericht der anglo-amerikanischen Untersuchungs-Kommission 1946.) Der Jude, der im Nationalheim lebt und arbeitet, ist sich darüber klar und sich dessen bewubt, was tatsächlich erreicht wurde, was aber mit aktiver Unterstützung der Mandatar-Macht, hätte ei reicht werden können. Seine politische Konzeption ist somit ein Gemisch von persönlichem Stolz und biiterer Enttäuschung. Stolz, weil er die Wüste und Sümpfe in eine Erde verwandelte, wo Milch und Honig flieht; Entiäuschung, weil man ihm das Recht der Kolonisierung Erez Israels zu neun Zehntel nicht gewährt, die er als sein Recht betrachtet; Stolz weil er die Theorie widerlegte, dab die Juden ke'ne gesunde Gemeinschaft, basierend auf der Bearbeitung des Bodens, bilden können; Enttäuschung, weil er sich durch britische Beamte behindert fühlt, die er oft als weniger fähig, denn er selbst betrachtet; Stolz, weil er sich in Palästina endlich als freies Mitglied einer freien Gemeinschaft fühlt; Enttäuschung, weil er nicht unter einer frei gewählten Regierung lebt, sondern ur kr einerp automatischen, wrin auch menschlichen Regime. Ii ^^85825235