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Die Stimme · 1947-08-12 · Heft 1 (12.8.1947) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1947
Issue
Heft 1 (12.8.1947)
Date
1947-08-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Unsere Stimme Theodor Herzl und die Jugend Das Leben und Wirken Theodor Herzl's ist ish mrt Wien so innig verknüpft, Hab diese Stadt für jeden Zionisten eine besondere Anziehung ausübt. Hier studierte er die Rechtswissenschaften, hier feierte er seinen Aufstieg zu einem der angesehensten Schriftsteller, Dichter, Drama'iker und Künstler seiner Zeit, hier schuf und begründete er in strahlender Jugend die erfolqreichste und glänzendste Renaissancebewegung des modernen Judentums — den politischen Zionismus. Seine Grabstätte in Wien ist außerdem ein Heiligtum für das Judentum der ganzen Welt. Mit 35 Jahren dem jüdischen Volke ganz unbekannt, war er 9 (Jahre später sein Stolz und seine Hoffnung geworden. Er war vor allem der Stolz und die Hoffnung der Jugend, denn Herzl war für die damalige Jugend nicht nur der Inbegriff des jüdischen Menschen in seiner vornehmsten und edelsten Gestalt, sondern diese Jugend war stolz und begeistert, endlich wieder einmal ein Vorbild, einen Meister, einen Erzieher gefunden zu haben. Und Herzl seihet war, abgesehen von seiner majestätischen Ersche'nung, seinen weltmännischen Manieren, seiner edlen Sprache, ein stolzer Mann; nicht hochmütig, nicht eitel: stolz. Er empfand sein Blut als ein kostbares Erbe, seine Herkunft als eine Auszeichnung. Dadurch wirkte er besonders auf uns junge Studenten faszinierend; mit jedem Wort, mti jeder Geste versetzte er uns in Begeisterung. Er war es, der nach langer, langer Zeit, die damalige, durch wüsten Radauantisemifismus eingeschüchterte, man könnte beinahe sagen, gebrochene Jugend, wieder gera G ger.dhiet har. Er hat ihr Hoffnungen gescheckt und Wege gewiesen. Er hat mit großartig we iem Schwung in die jugendlichen Herzen die Saat gestreut, die dann so herrlich aufgegangen ist und der heutigen jüdischen Jugend und den kommenden Geschlechtern Gelegenheit bietet, im Lande der Urväter, in Erez Israel, nicht nur zu säen, sondern auch schon zu ernten. Von I ng. Siogmund Kornfern. Welch großen Wert aber Herzl selbst auf die Mitwirkung der Jugend legte, soll der folgende, in den ersten Anfängen seiner zionistischen Täigkeit an seinen Freund und späteren Widersacher Dr. S. R. Landau gerichtete Brief illustrieren : .M. X: 4 Sie kennen die Gründe, die mich veranlassen, vorläufig an keiner öffentlichen Discussion teilzunehmen, also auch nicht an der von Gamalah veranstalteten, zuo doch unsere Freunde sind. Die lumpigsten und dümmsten Angriffe können mich jetzt nicht aus meiner Zurückhaltung herausbringen... Tatsächlich handelt es sich nicht darum, ob mir ein paar schwere oder leichte Wunden geschlagen. werden, sondern darum, ob Zion schon die Jugend hat, die es braucht. Der Gedanke, der uns einigen soll, ist schon deutlich genug ausgesprochen. An die Massen wollte ich mich in meiner Schrift nicht wenden, sondern an die Gebildeten unseres Volkes. Die könnet durch ihre Beteiligung an der Verhreitun > unseres gemeinschaftlichen Gedankens zeigen, oh es keine lächerliche Schwärmerei ist, sich um Freiheit und Ehre unse/es Volkes schon jetzt zu bemühen. So steht die Sache für mich. Sehe ich, daß unsere Jugend gleich - giltig bleibt, wenn die Fahne der Nation auf gerollt wird, so habe ich keine Vc anlassung, noch weiter hervorzutreten Fliegt aber der Gedanke begeisternd durch die Reihen unserer Jugend, kommt der Schwung der Einigkeit über sie, bal- I len sie sich zu der Elitetruppe zusammen, i die sie sein können, so werde auch ich I mich ganz der Sache widmen, mit allem * was ich bin und habe und bis ans Ende meiner Kraft. Mit herzlichen Ziongruß Ihr ergebener Th. Herzl. Also jüdische Jugend voran! Zeigt Euch dieser höchsten Anerkennung würdig! Spannt vor Eure Jugend die Begeisterung, den Schwung und das Pflichtgefühl nach dem Vorbild Theodor Herzl s und stellt Euch in die vordersten Reihen der Kämpfer für die Rettung ur. 1 Erlösung Eures Volkes. Ihr seid nicht nur unser Stolz und unsere Hoffnung, sondern für uns Alten auch die Verkörperung des denkenden und handelnden Lebens, zum Wohle des, an sich unvergänglichen und unsterblichen jüdischen Volkes, das, trotz aller Anfeindungen, Schwierigkeiten und Hindernisse den ihm gebührenden Platz an der Sonne erringen wird. Es lebe die jüdische Jugend! (Jüdischer Naiionalfonds) erwirbt Boden, in Erez Israel! Heben HaqemeiH Spendet für den Keren Kayemefh, w«* o, v.Hu^im^uaßa m. #/« Quo Vadis Brifania? ln seiner vorjährigen Rede am Kongreß der hnbour Party gab uns Außenminister Bevin den Rat, den Widerstand gegen die britische Politik n Palästina aufzugeben, widrigenfalls es Antisemitismus im englischen Volke und der englischen Armee in Palästina hervorrufen würde. D o Fähen dieser Erklärung, in Verbindung mit einer fast ununterbrochenen antisemitischen Propaganda der offiziellen englischen Reuter-Agentur und großen Teilen der englischen Presse, die de englische Oeffentlichkeit über die Geschehnisse in Palästina einseitig und tendenziös inform orte, ließen nicht lange auf sich warten. Die, die sieb rühmen, mehr als alle anderen nie Bibel zu lesen, beginnen Bethäuser des Volkes der Bibel anzuzünden. Das Volk der G m Jemen läßt sich zu antijüdischen Ausschrei- Vicren nach Muster des zaristischen Rußland nreiben. Nach bekanntem Muster werden Kommuniques Herausgegeben, die besagen, daß die Ausscnreitungen in den englischen Städten unld der englischen Soldaten in Palästina nur eine spontane Reaktion sind, die jeder zentralen Leitung entbehren. Die obenerwähnte Erklärung Bevins, die ein Ansporn zu einer antijüdischen Hetze in England vor, beweist aber das Gegenteil. Vergessen wir nicht, daß das fortschrittliche tn-aod die Prügelstrafe für jüdische Freiheifs- :a.-:ofer in Palästina anwendet, ermessen wir nicht, daß das demokratische nr’cnd in Palästina Rassenunterschiede macht -d den Juden, palästinensischen Bürgern, den “ s.;; von Grund und Boden in gewissen Tei- . :s Landes verbietet. - i'S'-a; en vrr “icht', daß das humane Englrvid n ''oH sten, die, wenn sie auch Ire, :::; iecsn üaT davon überzeugt sind, sie;ür eine gerechte Sache kämpfen, , n vir rieht, daß das freiheitslie- . r. and die Taktik verfolgt, jedes Haus ■ 'Väsiira, in dem Waffen gefunden werden, - i zerstören. Vergossen wir nicht, daß alle diese Methoden ■ on den Deutschen angewendet wurden, die jefzt für solche Taten als Kriegsverbrecher büßen müssen. Wir erinnern uns der Erklärung der „Großen Drei", daß jeder Verbrecher gegen die Menschheit gerichtet werden wird, auch dann, wenn er nur einen,Befehl ausführte. Wir werden uns immer daran erinnern, daß das edle England mehr als 41 A Tausend unser--r unglücklichen Brüder und Schwestern, die s ch vor den Krematorien gerettet haben, wie e ne Skla /enladung, unter Bedingungen, die schon im 17. Jahrhundert schrecklich gewesen waren, herumschleppt. Und wenn diese Taten die Reaktion des d ishuv hervorrufen, so schreit England aus voli.m Hals über jüdische Banditen, im selben Ion? wie Goebbels aber die Widerstandskämpfer n den okkupierten Staaten Europas geschnen hat. Man greift auch zu Revanchemitteln gegen unschuldige Juden, die britische Staatsbürger sind. In diesem Frühjahr wurden in England zwei iWische Gotteshäuser angezündet, was als Reaktion auf die Prüqelung dreier britischer Of- I zjere erklärt wurde. Die jetzigen antijüdischen Unruhen werden als Reaktion auf die Hinrichh.ng zweier englischer Sergeanten und anderer : orrorakte in Paläsrina hingestellt. Unsere Auffassung über den Terror ist bekannt! Der Zion st;-.ehe Kongreß, d<a Jewish Agency, die Exe- V' r /e der zionistischen Weltorganisation und ■i. a Garenden jüdischen Institutionen Palästinas verurieilen den Terror als M|tel des Befreiungskampfes. Nicht nur aus moralischen Gründen, da es der Ethik und der Tradition des jüdischen Volkes widerspricht, sondern auch aus taktischen Gründen, da solche Gewalttaten unserer konstruktiven Aufbauarbeit in Palästina Schaden zufügen und zum Zerfall der jüdischen Gesellschaft beitragen. Nur in der „Haganah” besteht eine von unserer Leitung anerkannte Widerstandsbewegung, die mehr als 100.000 bestausgebildete Mitglieder zählt. Diese Organisation leitet auch die ganze illegale Aliah über alle Kontinente nach Erez. Diese Organisation schützt die jüdischen Siedlungen in den Teilen des Landes, in denen die Errichtung solcher Siedlungen von der englischen Verwaltung verboten und gestört wird. Nur eine — im Verhältnis zur Haganah — kleine Zahl von jungen Hitzköpfen gruppiert sich um Irgun Zwai Leumi und die Sterngruppe, deren Mitglieder sich von Zeit zu Zeit zu unüberlegten Taten hinreißen lassen. Die englische Politik in Palästina tut olles, um den Fanatismus dieser Jugend noch mehr zu entflammen. Das ist eine unkorrekte, aber konsequente Politik. Durch brutales Vorgehen einem schwachen Gegner gegenüber, das der Regierung einer großen Nation nicht zur Ehre gereicht, verleitet man gewisse weniger widerstandsfähige Elemente zu Verzweiflungstaten. Das so rechtliebende und rechtfordornde englische Volk, wird tendenzics informiert und dadurch selbst zu Ausschreitungen verleitet. Auch dieses Moment wird gegen uns ausgenützt, um uns oinzuschüchtern und uns zum Verzicht auf unser Recht in Erez Israel zu bewegen. Herr Bovin glaubt, daß er den Stoß gut berechnet hat. Er weiß scheinbar, wo unser wunder Punkt ist. Das Streben, unsere Politik so zu führen, daß sie Gott behüte keinen Antisemitismus hervorruff, führt immer zu lebhaften Diskussionen in unseren Reihen. Auch der gute Rat Mr. Bevin’s verbarg diese Absicht. Als Antwort darauf können wir versichern, daß solche Argumente, nach all den Lehren, die wir erhalten haben, veraltet sind. Unsere Politik wird heute nur vom Lebensinteresse unseres Volkes geleitet, deren Triebfeder Sein oder Nichtsein unseres Volkes ist. Wir können uns jetzt nicht darum kümmern, ob unser Vorgehen jemandem gefällt ocfer nicht. Die letzten Geschehnisse in England fügen einen weiteren Tropfen in den Kelch unserer Bitternis hlinzu, sie werden uns aber von unserem Weg nicht mehr abdrängen. Die Ausschreitungen englischer Gentlemen in London, Liverpool, Manchester und Glasgow sind eher ein refin englisches Problem und ein ernstes Memento für da^ englische Volk. Wird das englische Volk durch die Regierung der Labour Party in das Geleise gedrängt, das vor 15 Jahren das deutsche Volk betrat? Nicht die jüdische Gesellschaft in England ist in Gefahr, sondern das englische Volk, seine Kultur, sein guter Name und vor allem das Regime der Arbeiterpartei. Ben Jakob

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