Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 15 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Neue Zeitung Nr. 15 glieder oder durch eine Spende den Verein zu fördern. Bei'Gelegenheit der hohen Feiertage geben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, daß dieser Appell zum Wähle unserer gemeinnützigen Bestrebungen von günstigem. Erfolge sein wird. .. Hochachtungsvoll Der Jüdische Schulverein für den IX. Bezirk. Im Lemberger „Jad Charuzim", der seit 37 Jahren besteht und ein eigenes schönes Heim besitzt, wurde jüngst Lei einem Festabende namens des Vereines „Schomer Israel" der Gedanke der; Einberufung eines allgemeinen österreichischen jüdischen Handwerkertages eifrig besprochen. Der Ausschuß wird sich mit der Anregung zu befassen und über epentuelle Schritte zu beraten haben. Ss. Tribüne. Auf der Suche nach einem Namen. In Ihrem geschätzten Blatt vom 15. d. M. lesen wir zwei Korrespondenzen, die sich mit der Nomenklatur des neu zu gründenden politischen Vereins in Lemberg beschäftigten. Die beiden Herren stimmen darin überein, daß der Namen „Tchiaß Sion" für einen politischen Verein in Galizien ganz ungeeignet sei, da derselbe unnützerweise den Zionismus in die innerpolitische Angelegenheiten hineinzerre und hiedurch gewisse Mische Kreise, abhält, sich dieser Organisation anzuschließen. Ich kann nicht umhin, dieser Ansicht beizupflichten und einen Fingerzeig zur Lösung, dieser formal scheinenden und doch ernsten Frage zu geben. Meiner unmaßgeblichen Ansicht nach sollte man sich dem ersten jüdisch-politischen Vereine „Schomer Israel" in Lemberg anschließen. Zur Bekräftigung dieses Antrages kann ich hervorheben, daß diese erste politische Körperschaft der Juden Galiziens seit vierzig Jahren der heiligen Aufgabe obliegt, Misches Interesse zu wahren, zu verteidigen und zu vertreten, das jüdische Volk über dessen politische und soziale Stellung aufzuklären und es zur Mitarbeit anzuregen. Es würde hier zu weit, führen feine grundlegenden: Taten nur dem Namen nach aufzu- - zHlen, aber, einiges sei hier doch verzeichnet: Zunächst ' die Neuorganisation der Lemberger. Kultusgemeinde auf Grund eines vom Vereinskomitee-Referenten Dr. Ph. Mansch verfaßten Musterstatuts, welches gleichzeitig auch allen Mischen Gemeinden Galiziens den Weg der modernen Verwaltung wies. Der Kampf gegen die Losreißung Galiziens vom österreichischen. Staatsverbande 1873 und Organisierung eines Misch-galizischen Wahlkomitees behufs Durchführung der direkten Reichsratswahlen gegen die Polen 1873. Die Erwiderung auf die Hetzartikel der polnischen Journalistik seit 1868. Ständiges Hinweisen auf die Dringlichkeit tüchtiger Mischer Handwerker. Die Einberufung der galizisch-Mischen Gemeindetage 1878 und 1902. Es muß schließlich hem Vereine „Schomer Israel" als größtes Verdienst angerechnet werden, daß derselbe noch 1883 gegenüber der Assimilation den jüdischen Nationalismus auf die Tagesordnung setzte und allen derartigen Bestrebungen seine Unterstützung bot, so z. B. dem Verein „Mikro Kodesch". . Der Verein „Schomer Israel" hat sich auch viel mit der Erziehungsftage beschäftigt und hat die Ideen eines geistig nationalen Judentums populär gemacht. Für die Politik 1890—1900 (Präsident Dr. Emil Byk, Mitglied des Polenklubs) kann man aber den „Schomer Israel'- nicht verantwortlich machen. Wie konnte er in dieser Zeit der Meuterei und Sektiererei im jüdischen Lager, in dieser Zeit der entsetzlichsten Korruption unberührt bleiben? Man darf ihn nicht entgelten lassen, was Unvernunft und Unehrlichkeit gesündigt haben. Er ist doch der Vater aller edlen Regungen, aller nationalen Bestrebungen im galizischen Israel, er hat der heutigen Generation die Grundgedanken gegeben. Es wäre im Interesse der geschichtlichen Kontinuität, diesen Verein zu erhalten und sein Arbeitsfeld zu erweitern. Namentlich müßte jetzt u. a. seine Aufgabe werden, ein jüdisches hiechtsschutz.bureau Ainzurichten, das während des gegenwärtigen Unterdrückungssystems in Galizien notwendiger denn je ist. Samuelsohn. Eine jüdische Assekuranzgesellschaft. Man hat in der letzten Zeit schon so oft über dieses Projekt gesprochen und alle seine Chancen hervorgehoben, daß es wirklich Wunder nehmen muß, wenn bis jetzt nichts geschehen ist, um es zu verwirklichen. Und die Sache ist doch, sollte man meinen, wichtig genug. Die Vorteile, die eine jüdische Versicherungsgesellschaft, namentlich den galizischen Juden böte, sind so einleuchtend, daß sich die Leiter der jüdischen Bewegung schon längst dem Werke hätten widmen müssen. Vielleicht beginnen sie jetzt endlich damit. Zwiniacze. David Seidmann. Nachbemerkung -der Redaktion. Wir werden auf den Gegenstand bald zurückkommen. Schule und Haus. Die Kinder sind unser kostbarstes Gut. Alle einsichtsvollen Ellern sollen sich daher mit der Gesundheüspflege des Kindes beschäftigen. Wie passiv verhält sich aber die Majorität der Eltern-dieser Notwendigkeit gegenüber! Und woher kommt das in der Hauptsache? Aus Mangel an Verständnis auf diesem Gebiete und aus alter Gewohnheit, jeden auch wie immer gearteten Ausgang dem Schicksale zu überlassen. Es ist der Glaube: Es war so beschieden, es hat eben anders nicht sein können. Diesem elterlichen' Aberglauben fallen tausende Kinder zum Opfer. In {einem Buche „Gesundheit und Erziehung", sagt ein »eutscher Pädagoge: Es hängt von den Eltern ab, ob ihre Kinder gesund und schön und weise und gut, ob sie Blüten der Menschheit oder ihr Abschaum sein werden. Sache des Elternhauses soll es sein, der Schule körperlich und geistig möglichst gesunde Kinder zu übergeben. „Nur im gesunden Körper webt eine kraftvolle Seele. Ein siecher Leib schwächt auch den Geist." Damit bin ich bei dem entscheidenden Punlle angekommen. Da wir Juden den meisten Strapazen ausgesetzt sind, so möge jeder von uns seine Hauptsorge darauf verlegen, der Heranwachsenden Jugend die richtige Wertschätzung der Gesundheit beizubringen. Unsere Jugend wird dann ein brauchbares Glied der Menschheit sein und nicht als Parias angesehen werden. SindaberunsereKindergesund,dannverkommen sie auch geistig nicht. Um dem weitern Uebel abzuhelfen, muß auch eine gründlicheReform des „Cheders" vorgenommen werden. Das ostgalizische „Cheder" ist zur Genüge ^bekannt und mit Recht von allen „Modemen" gehaßt und gemieden. Wie gut ist es bei. den Andem. Da begegnen wir sogar schön hygienischen Schulbänken. Schöne Anschauungsmittel, leichte Methoden, längere Pausen.^ In dem Cheder hockt das Kind auch auf einer Art „Schulbank-', wird kurzsichtig und von dem, ganz unsystematischen Unterrichte, den das Kind da genießt, kann es sich höchstens einen Buckel ins Leben mitnehmen. Es muß eben auch in der jüdischen Schule Wandel geschaffen' werden. Dazu mögen'sich schon einmal die löblichen Kultusvorstände herablassen. Sie mögen schon zur Einsicht kommen, daß sie nicht bloß dazu da-sind, um. das Judentum und die. Juden nur mit Bücklingen-vor den Herrschaften zu repräsentieren.. Liefert der Schule gesunde Kinder! Schaffet aber auch eine „gesunde" , jüdische Schule für die Kinder. Dann erst haben wir eine gesundheitstrotzende, auch von andem Nationen geachtete Volksindividualität. Zaleszczyki. D. Wolkowicz. Eingesendet. Mitteilung. , Wir benachrichtigen sämtliche Verbindungen, Vereine und Genossen, daß in Buczacz eine zionistische akademische Verbindung „B a r- Kochba" gegründet wurde. Wir ersuchen Briefe, Zuschriften re. an den jedesmaligen Senior zu senden. Buczacz, im September 1907. Für die zionistische akademische Verbindung „Bar- Kochba" in Buczacz: stud. jur. Wechsler, stud.- jur. JoseftAnd ermann Kunst und Literatur. „Hajehudio". Erschter . tejl. Fin Mojsche Fridman. A naje metode zi oußlerenen in a gijcher zajt in - sejr gring lajenen in schrajben jidisch. Odessa 3665. Eine-jüdische Fibel, mehr für Erwachsene als für. Kinder berechnet. Unsympathisch ist an dem Büchlein nur das Vorwort, in -welchem sich der Verfasser im Schweiße seines Angesichts plagt, sowohl -dem Anhänger des Jüdischen als denjenigen des Hebräischen Recht zu tun. Die Fibel selbst ist. gut, die Auswahl der Sätze und Lehrstücke meist eine gelungene. Sie beseitigen sofort den Zweifel an der Sprachselbständigkeit des Jüdischen. Ich führe nur zwei Sätze als Beispiele an: „Farwuß bißti tumid zitmgen?" Oder: „Ouf alz is baj ijm du a grejter teriz". ch. „Digeseze wegen der «ajerWahlreform". Von Dr. Abraham.Freilich. Lemberg 1907. Verlag des Verfassers. Ein sehr verdienstliches Schriftcheru Die Reichsratswahlkampagne ist eigentlich noch nicht zu-Ende, , sie wird noch viele Nachspiele haben, und wer weiß, ob die nächste Kampagne nicht früher kommt, als man naturgemäß erwarten darf. In jedem Falle kann man die vorliegende fleißige Üebersetzung der.Wahlreformgesetze in die jüdische Sprache sehr gut brauchen. Ignaz Brüll — gestorben. 1 Vor wenigen Tagen hat das Judentum durch das Ableben des großen Meisters, des berühmten Komponisten Ignaz Brüll ' einen schweren Schlag erlitten. Der außerordentlichen Wertschätzung, die in diesen Tagen die ganze musikalische Welt dem Schöpfer der Opern . „Das goldene Kreuz", „Das steinerne Herz", „Der Ländftiede", „Königin Marietta", „Gringoire", „Schach dem König", „Der Husar",. „Das Ballet-Champagnermärchen" und vieler anderer Werke entgegenbringt, werden sich gewiß die Zionisten dankbar anschließen. In allen zionistischen Kreisen ist die Vertonung des Psalm: „Ein Hauch weht durch die Lande-. . ." von Leo Rafaels und des Gedichtes „Ich werde sein" von Siegmund Werner bekannt. Gar oft hat sich der Dahingeschiedene zu Veranstaltungen der Wiener Toynbeehalle zur Verfügung gestellt. — Mit dem Tode Ignaz Brülls verliert die gesamte musikalische Welt einen der verehrlichsten Meister musikalischer Kunst, das Judentum einen aufrichtigen stammestreuen Sohn, der Zionismus einen begeisterten Anhänger. -J. W. Wiener Indisches Bioskop. Möbel — eine Märchensammlung von Portois und Fix. Die Fenster, verhängt, mit cremefarbener Seide. Auf den Boden die leuchtenden, .vielverschlungenen Ornamente des Orients. Die gnädige Frau , lieft in einem olivengrüne Fauteuil die Gedichte des Morris Rosenfeld; gestern sagte Feliy Salten beim Jour: Dieser Dichter muß gelesen werden. Der Herr Doktor meint, als er ins Zimmer tritt: „Ah!" Die Gnädige setzt das Perlmutter Lorgnon an; sie tut das sehr oft: es verkürzt ihr die -Zeit und die Nase. Der HerrDoktor sagt wieder „Ahl" und fügt hinzu: „Immer up to date, Gnädigste!" „Ach, Herr Doktor,- der Dichter muß gelesen werden." „Wenn.ich mich nichts irre, ein Ghetto-Dichter. Sehr originell! Endlich-wieder was Neues." ' Die gnädige Frau läutet.. Ein flaumig-blondes Stubenkätzchen mit den koketten, schwarzen Schmetterlingsflügeln am Kopfe bringt Tee und Sandwich. ' „Es fällt mir eigentlich schwer, dieses Buch zu lesen, Herr Doktor"," setzt die Dame fort, während sie mit den fein manicurten. Fingern die - Miniatur- Silberlöffel ' bewegt. „Es ist so gräßlich , von dem Elend zu hören, das die Israeliten einmal durchgemacht haben." „Gott-sei Dank, die Zeiten sind vorüber," erwidert der Herr Doktor und nimmt ein Hummer-Brötchen. XIV. „Siehst Du, Du bist geschmacklos! Alle -Deine Kinder haben diese spezifisch jüdischen Namen, die ärger sind als der gelbe Fleck!" „Nix aber! Vielleicht nicht! Siegfried, Ignaz, Else — fürchterlich! „Aber —" ' ' „Nix aber! Kann man nicht für dasselbe Geld , den Kindern schöne' christliche, oder wie Du sagst,- arische Namen geben?? Können sie nicht heißen Josef, Johann, Maria, Elisabeth —? Was lachst Du?" Entschuldige! Ich stelle mir nur einen jüdischen Siegfried und einen arischen Josef vor —" XV. .- Lokalzug. Zwei Damen messen einander verächtlich, weil beide teuere Toiletten haben. Die eine scheint sehr pietätvoll zu ' stin: sie. hat jedem ihrer dahingegangenen Zähne ein lebenswahres Monument gestellt. Die andere , ist klassisch , gebildet: trägt einen, griechischen . Faltenwurf im Gesicht. Plötzlich — ein Erkennungsblitz! „Entschuldigen, Gnädigste, sind Sie nicht auch vom Ofner-Komitee?" ' . Die Dame, $ie den Zahn der Zeit an der Zeit des Zahnes kennen gelernt hat, lächelt sichtlich - „Ja. Ah, darum sind Sie mir gleich so angenehm bekannt vorgekommen. . Ach Gott!" seufzt sie weiter „Man kommt so auseinander! Seit drei Monaten, die ich in St. Moriz verbracht habe, bin ich ganz aus dem politischen Lebendraußen. Was gibt es eigentlich Neues im Verein/ Frau/Frau. — wie ist der werte Name?" Die Gesinnungsgenossin läßt, da sie Kohn heißt, die Frage unbeantwortet und' erwidert ungefähr folgendes mit 5-HP: