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Neue Zeitung · 1907-09-20 · Heft 15 (20.9.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 15 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 Neue Zeitung Zeugnis - eines Gendarmen.Glauben schenkt. Abcr.trotzden hielten die Dichter die. belastende Aussage -des Burg für wahr. Die zwei Bauern, die nach Burgs Aussage mit dem Lukaszczug am Tische gesessen sein sollen, wurden natürlich auch vernommen. Sie sagten aus, daß Lukäszczuk die Aeußerung nicht gemacht habe. Darauf erklärte. Burg einfach das Gegenteil von dem, was er bis dahin behauptet hatte: die zwei Bauern seien, als die Aeußerung gefallen sei, gar, nicht mehr im Wirtshause gewesen! , V So schaut der Beweis aus, daß der Bauer das Delikt begangen habe. Weil er gar so - gründlich ist, wurde Lukäszczuk, der auch noch wegen einer unbedeutenden Uebertretung — unvorsichtiger Hantierung mit einem Revolver angeklagt war, vom Gerichtshof "unter dem Vorsitz des Landesgerichtsrates Ferall zu nicht weniger als drei Monaten strengen Arrests verurteilt; Burg, den man, ob man wollte oder nicht, wegen falscher Zeugenaussage anklagen mußte, bekam für dieses Verbrechen nur. vierzehn Tage Kerker. Die Normalstrase für das Wahlvergehen ist ein Monat, für die falsche Aussage' aber sechs Monate! Es mag , der Schlachzizenklique leid getan .Haben, daß sie ihren treuen Burg einsperren lasten mußte. Warum hat er aber auch das, was man-ihm vorsagte, so schlecht einstudiert, daß, er es beim Untersuchungsrichter nicht wußte und erst einer Ermunterung ' bedurfte, um es dann herzusagen? Und er hätte es sich doch so leicht machen können. Demi für eine erfundene Drohung mit „Kischinew" hat man doch schon dem .Dr. Trylowskyj den berüchtigten Prozeß ge- Melleicht wird Burg auch noch begnadigt. Die allpolnischen Richter in Kolomea sind doch sehr milde. Da wurde ein Bürgermeister na- . mens Anton Bachmatiuk, eine Stütze der Schlachzizenpolitik, wegen schwerer Körperverletzung zu zwei Wochen Kerker verurteilt. Das hiesige Gericht hat sein Begnadigungsgesuch befürwortet. Das Leinberger Oberlandesgericht hat dasselbe getan. Nun aber ist das Urteil seit März rechtskräftig und Bachmatiuk ist somit seiner Bürgermeisterherrlichkeit verlustig geworden. ' Das sägt das Gesetz. Bachmatiuk ist aber noch" Bürgermeister nnd führt weiter Schwindelwahlen durch. Die allpolnischen Richter haben nämlich bisher „vergessen", der Bezirkshauptmannschaft die rechtskräftige Verurteilung des Bürgermeisters anzuzeigen! Der Uebergriff eines Rebben. Mielnica, 15. September 1907. Löbl. Redaktion! Mit Bezug.auf die in Ihrem gesch. Blatte Nr. 14 vom 13. ch. M. veröffentlichte Korrespondenz aus Mielnica, Betitelt: „Der Uebergriff eines Rebben" ersuche ich auf Grund des §. 19 des Preßgesetzes um gef. Aufnahme, nachstehender Berichtigung: Schon an, der Spitze trägt diese Korrespondenz eine grobe Unwahrheit. Ich.wohne nämlich hier nicht seit einigen Tagen, sondern seit 16' Jahren. Sonst würde , ich nach den Statuten der hiesigen Kultus- ' gemeinde zum Vertrauensmanns behufs Aufnahme eines Rabbiners nicht gewählt, werden können. . Es ist ferner unwahr, daß ich der hiesigen israelitischen Gemeinde einen Rabbiner - aufdringen Wahr ist vielmehr, daß ich der Rabbinerstage vollständig fernstand. Denn seit vielen. Jahren versieht hier der Schwiegersohn des ehemaligen Rabbiners, Herr Moses Rosenfeld, das Amt eines solchen zur Zufriedenheit der Mehrheit der hiesigen jüdischen Bürger, wenn auch gegen einen Hungerlohn. Nachdem-sich eine Partei, geblldet hat, welche einen zweiten Rabbiner ^wünscht und im Kültusrate über eine Majorität verfügt, welche dem armen Rabbiner mit der Entziehung seines Gehaltes drohte, so habe ich, um Zwistigkeiten in unserem Städtchen vorzubeugen, der Einladung' des Kultuspräsidenten, bei der Aufnahme, eines zweiten Rabbiners mttzutun, nur unter der Bedingung Folge gegeben, daß der : - arme amtierende Rabbiner nicht um seine^ Rechte kommt. Sonst bin ich auch weiter entschloffen, bei meiner Unparteilichkeit zu beharren« . : Schließlich -ist es./unwahr, daß ich geäußert / hätte, ich bleibe deshalb der in meinem Bethause getagten Vertrauensmännerversammlung fern, weil ich mich als der zur. Aufnahme - eines Rabbiners ' , allein Berechtigte betrachte. . Wahr ist vielmehr, daß ich mich von der Versammlung deshalb abstiniert habe, weil unter , den Versammelten schon zu Anfang der Verhandlungen ein Streit ausbrach, welcher nicht nur eine sachliche Beratung unmöglich machte, sondern auch eines Bethauses unwürdig war, sowie deshalb, weil ich vom , Kultusvorstande, der mit Rabbinatskandidäten unter-! handelte, vor der Abhaltung der Versammlung vom Stadium dieser Unterhandlungen nicht in Kenntnis gesetzt wurde,, wodurch ich nicht in der Lage war, darüber einen Entschluß zu fasten. Empfangen Sie Aen Ausdruck meines tiefgefühlten Dankes im vorhinein und meiner vorzüglichen Hochachtung , Schulem Josef Friedmann. Ei« freundlicher Herr ist der Wiznitzer Rebbe, Rabbi Israel Hager. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Wiznitzer Zionverein zu sprengen, was chm einfach dadurch gelang, daß er den Bann über die Zionisten aussprach. Auch verbot er dem Eigentümer des Vereinslokales, dieses den Ketzern zu überlasten. Schließlich untersagte er den Chaffidim den Verkehr mü Nationaljuden und Zionisten. Rabbi Hager wollte auch die Gründung eines hebräischen Sprachvereines hintertrechen, hatte aber wenigstens darin keinen Erfolg ... . . Im klebrigen wurde ich im Vorjahre aus'der Synagoge des Rebben, sofort wie ich sie bettat, einfach herausgeworfen. * Ja, die Herren find sehr übermütig, aber ihre Herrlichkeit wird nicht mehr sehr lange dauern. M. Rst. Eine nette „Musser-Drosche. . Ebenfalls aus Tlumacz schreibt mau uns: Unser Rabbiner Isaak Zöff war während der Wahlkampagne ein eifriger Anhänger Moysas. Da er . nicht besonders beliebt ist und daher keinen Einfluß hatte, so beschäftigten wir uns früher wenig mit ihm. Auch pflegte er sich damtt zu entschuldigin, daß er angesichts Popiels und Hovurkas nicht anders könne. So verschwiegen wir Vieles. Wir verschwiegen z. B., daß er Agttatoren des jüdisch-nattonalen Kandidaten zu sich kommen , ließ, um ihnen einen Eid abzunesmen, nicht für den jüdisch-nattonalen Kandidaten zu agitteren ... Nun aber nzüsten wir reden. Er hat sich nämlich einfallen lasten, die übliche „Musser- Drosche" für den bevorstehenden Jomkippur in eine polittsche Rede zu verwandeln und die jüdisch-nationale Bewegung mtt folgenden Worten anzugreifen: „Wir dürfen uns von jungen närrischen Elementen nicht verdrehen lasten!" — „Wir Mtertt, mit Vernunft und Verstand müssen Politik treiben und jene jungen Narren müssen wir laufen lasten . . ."— „Wir arbeiten zum Wohle der Allgemeinheit und zum Heil des Judentum, aber lsicht jene „Jinglech". — „Man beschuldigt uns,' wir hätten Geld genommen. Das ist eine fteche Verleumdung!" Ob die jüdisch-nationale Bewegung wirklich nur aus närrischen „Jinglech" besteht, hat die Wahlbewegung gezeigt. Abgesehen von dem Herrn Rabbiner Ziff, und noch fünf kriecherischen Moschkos haben alle jüdischen Wähler von Tlumacz ihre Stimmen auf den jüdischnattonalen Kandidaten abgegeben und Frauen, die nicht sttmmen konnten, fasteten, damit er gewählt werde. : „Wir müssen wählen, wie es uns die Thora lehrt!" sagte der Herr Rabbiner. Unser hochwürdiger Rabbi Herr Israel Aschkinazy hat es daher für die heiligste Pflicht eines jeden Juden gehalten, für den jüdischen Kandioaten zu stimmen und zu agitieren. Herr Ziff legt aber die Thora anders aus. Nach ihm wollte Mojsche rabbenu, daß seine Urenkel dereinst den Moysa wähtten ... Daß Herr Ziff kein Geld nahm, sei ihm gerne geglaubt. Dazu ist er nicht klug genug. Dies besorgten andere Leute vor ihm. I. K—d. Wieder ein Korytowskischer Musterbeamter. Aus Tlumacz wird berichtet: Der hiesige Bürger Moses Gleis, dessen Realttät mü der seiner Nachbarn zusammenhängt, wurde für die Steuerschuld .dieses Nachbarn gepfändet. Er begab sich deshalb ins Steueramt und wurde von da ins Jnspektorat zum Konzipisten Stupnicki geschickt. Dieser, aus dem letzten Wahlkampfe durch unerhörte Rechtsbeugungen berüchtigt,' hötte ihn nur kurze Zeit, dann sagte er plötzlich: „Sie sind ein Bünbaumianer, ich weiß es!", ergriff dabei seine Hand, schrieb auf diese mit blauer Tinte ein großes, dickes B und schickte ihn-so fort. Edler Herr Korytowsky! Was sagen Sie zu diesem Muster? - Aus der jüd. Oeffeiitlichkeit. In dieser Rubrik finden ^i. a. Verkant- "barungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Aufnahme. Sonntag fand in Lemberg eine Beratung des Exekutiv-Komitees der jüd.-nationalen Partei statt, in welcher unter anderem beschlossen wurde, in Galizien große Volksversammlungen mü der Tagesordnung „Die Stellung der Juden zur . Wahttesorm" einzuberufen. Eine solche Versammlmrg wird in Lemberg schon für diesen Samstag abends einberufen werden. Referenten sind: Reichsratsabgeordnete Adolf Stand und Dr. Leon Reich. Die Schlachta trifft Maßregeln gegen einen „eventuellen Aufruhr" der „schädlichen Elemente". Polizeisoldaten werden massenhaft aus Krakau und Przemysl importiert, ja es wurden sogar 3 Bataillone Äüüär vom Manöver eigens herbezogen. W. Fr.... r * * * Auf einer vertraulichen Versammlung von Verttetern der drei galizi schon zionistischen Distrikte, die Sonntag in Lemberg stattfand, wurde u. A. beschlossen^ eine allgemeine zionistische Landeskonferenz im Oktober einzuberufen.. Der Termin wird noch bestimmt werden. Tagesordnung: 1. Organisatiopsftagen; 2. Jüdische Bank in Galizien. - B u c z a c z: In der am 4. d. M. abgehattenen Versammlung wurde nach einer diesbezüglichen Anrede des Initiators stud. jur. Leon Wechsler eine .zionistische akademische Verbindung „B a r - K o ch b a" gegründet, der alle Anwesendem als Müglieder beigettetcn find. Am 8. d. M. hat die erste Generalversammlung stattgefunden, das Resuttat der Chargenwahlen für das Wintersemester ist folgendes: Senior stud. jur. Leon Wechsler, Cosenior stud. jur. Mathias Weinreb, Schriftführer stud. jur. Josef Andermann. Der Jnaugurationsabend wird Ende September stattfinden. Zum Zwecke der Gründung eines „Poale- Zion-Vereines wurde am 7. d. M. unter dem Vorsitze des Herm Leon W e ch,§ l e r eine zahtteich besuchte Arbeiter-Versammlung ' abgehalten. Nach dem Referate des stud. phil. Sch. F-ritz h and und einer darauffolgenden Diskussion sprach über den Nutzen und Ziel der Organisation Leon Wechsler. Nach der Rede wurde mü Begeisterung die Gründung eines Poale-Zion-Vereines beschlossen. Die Anwesenden haben ihren Beitritt angemeldet und ein Komüee gewählt,- daß mit der Statuten-Eingabe und dem ~ Einberufen der Generalversammlung bettaut wurde. (A.) Sereth. Am 7. d. M. wurde im Bierpalaste eine Volks- Versammlung mü der Tagesordnung: „die Gründung eines jüdischen Nationalvereines" unter Vorsitz des Advokaten Dr. Kohn abgehalten. Nach einer kurzen, kernigen Ansprache des Vorsitzenden, in der er auf die Notwendigkeü der Gründung eines jüdischen Rationakvereines hinwies, erhielt Herr techn. Krumholz als Referent das Wort. — In längerer Ausführung besprach er die Stellung der Juden in Oesterreich, wies auf ihre Rechtlosigkeit hin, betonte die Notwendigkeü eines einigen Zusammengehens und forderte die Teilnehmer der Versammlung in warmen Worten auf, dem zu gründenden Vereine zahtteich beizutteten. — Der Verein soll nach dem Muster des in.. Wien bestehenden Nationattereines gegründet werden. Es wurde hierauf Behufs Ausarbeitung der Statuten ein 15 gliedriges Komüee gewähtt. Nach einem kurzen Schlußworte des Vorsitzenden schloß die so wichtige Versammlung. Wir wollen hoffen, daß sich die Serether Juden, die bisnun zu indolent der jüdischen Sache gegenüberstanden, endlich auftaffen werden. Die Jüdisch-akad. Ferial-Vereinigung „CHerrn onia" in Radautz veranstallet am_23. September 1907 einen Festabend mit darauffolgendem Tanzttänzchen. Das Programm wird sehr reichhaltig sein. Der Erlös wird zu einer Ehrengabe für Morris Rosenfeld verwendet. Aufruf! Der „Jüdische Schulverein für den IX. Bezirk" (IX/,. Grüne Torgaffe 10a) unter dem Ehrenpräsidium des Herrn Dr. Gustav Kohn, Vizepräsidenten der israelüischen Kultus-Gemeinde, tritt in das 7. Jahr seines Bestandes. Im abgelaufenen Jahrehatten wir eine Frequenz von 80 Schülern aus dem IX. Bezirk, während wtt im vorhergehenden Jahre nur 23 Schüler aus demselben Bezüke hatten. Wtt haben die ärmsten Kinder, soweü es tunlich war, mü Winterkleidern versorgt, eine Freibibltothek und ein Lesezimmer für Erwachsene geboten. Wtt beabsichtigen auf vielseitiges Verlangen, wenn es die Vereinsmittel erlauben, zum Beginn des Schuljahres Sprach- und Stenographie-Kurse (für Unbemittelte unentgettlich) zu eröffnen. Unsere Tätigkeit, besonders die vorzüglichen Resuttate des Unterrichtes, erfreut sich allgemeiner Anerkennung, und hat sich unsere Schule zu einem Bedürfnisse des XI. Bezirkes herausgebildet. Um unseren Verein erhalten und ausbauen zu können, benötigen wtt dringend größere Mittel und richten wtt die höfliche Bitte an alle unsere wohltätigen Glaubensgenoffen, durch Beitritt als Mit-

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