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Neue Zeitung · 1907-09-20 · Heft 15 (20.9.1907) · p. Seite 7

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 15 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Neue Zeitung Seite 7 Nr, 15 „Ich sage Ihnen,. Gnädige, das war großartig.' ' Vorgestern kommt ein Herr von der sozialdemokratischen Partei ist die Sitzung und sagt: Tarol ist. ein sicherer Platz. Alles lacht. Aber der ganze Verein -i setzt gestern in Kottingbrunn Tarol und, was sagen Sie? Kommt herein und zähst 40:10. Soll man nicht in die Sitzungen gehen?" . :V>' ■■ xvi. Bei der Riesen-Monstte-Versammlung des freiheitlich-patriotischen Vereines, die mindestens von vierzehn Menschen besucht war, wurde gegen die drohende Milchteuerung' energisch Stellung genommen. Man beschloß, die Agitation gegen die Agrarier zu beginnen, die Bevölkerung zu organisieren, die Milcherzeugung zu heben, zu diesem Behufs das Steinfeld zu berieseln und so manches andere. f Um aber nicht nur mit Worten, sondern mst Taten zu wirken, wurden auch bereits die Rollen, für die Milchkampagne verteist: Der Hausierer Freund übernahm die Agstation von Haus zu Haus, Herr Beer wurde beauftragt, sich zu organi- Die Damen des. Ofner-Vereines' versprachen, für die Hebung der Milchproduktion zu arbeiten, und Herr Neustadt! wurde mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, das Steinfeld ■ zu berieseln. . Die letzte Hoffnung. ' Skizze von Abraham Reisen. Aus dem Jüdischen übersetzt von Sigmund Haber. „Wenn ich zu Chaim Schwarzmann gehen wollte, würde er mir gewiß einige^ Rubel borgen. Er ist ein guter Bekannter, er wird mir gewiß, gewiß leihen. Er ist ein edler Mann So pflegte Leiser zu sagen, wenn die Armut ihn drückte, wenn der kalte Winter plötzlich seinen Einzug hielt und es kein Holz gab, wenn Peflach vor der Tür stand und kein '' Geld für" Mazzes da war. Wenn ein Kind . erkrankte und das Geld für einen Arzt nicht ausreichte. . . . . Wenn er so sprach, sah er den Leuten, die im Zimmer waren, nie ins Gesicht. Er schien ) dies seinem Barte zu sagen, auf. den. er dann ^-Mit^llLbLrr-gnng-iind-Nssp-kt-blickte^ Nb«») der Bart war von diesem sicheren Ton nicht sehr entzückt, er schien sich von dem reichen Bekannten seines Trägers schon längst losgesagt zu Anders aber wirkten die Worte auf Leiser's Weib, Ehasche. Die klammerte sich an die Worte und pflegte dem Manne jedesmal zusagen: „Du kannst nur reden, tust aber nichts. . — Geh' doch einmal hin.- Zieh jetzt deinen Sabbathrock an und geh'!" U „Er würde mir sicher leihen, sicher," sagte er. „Wir. waren einmal Freunde: Er würde mich erkennen. . . . Ob er mich erkennen würde!" pflegte er dann mit erhöhter Stimme zu sagen'und mit einem andern Ton fortzufahren. „Wie lange ist es, meinst Du, daß wir uns nicht gesehen haben? .... Es werden so zirka. . . ." „Nun'also, schiebe es nicht weiter auf und gehe schon einmal hin," unterbrach ihn das Weib, „man stirbt doch schon um einen Groschen." - „Er würde mir gewiß leihen," sagte Leiser zu seinem Barte, anstatt seiner Frau zu antworten. Der Gedanke: „Er würde mir leihen," schien ihm teurer als das Geld selbst zu sein und er wollte diese liebe Hoffnung nicht um einige Rubel weggeben. > „Ich will diese Hoffnung behalten," beschloß er bei sich. „Gehst Du also oder ' gehst Du nicht?" drängte Ehasche weiter. „Er würde mir sicher borgen," spricht er weiter, „aber ich will nicht hingehen. Ich habe noch Zeit. Vielleicht kommen wir jetzt ohne ihn aus . . . Gott wird helfen . . „Nur reden kann er, .nur reden. Wenn es aber, dazu kommt, daß etwas getan wird, dann macht er gar nichts. Ach, Du Taugenichts, Du Taugenichts, was wird aus Dir werden? . Ehasche bewegt den Kopf. Die tiefen Furchen ihres Gesichtes vertiefen sich stoch und das ermattete Feuer ihrer Augen verlöscht noch mehr. . . . Aber Leiser macht sich nichts daraus. ,,Sie ist ein Weib, hat keinen Begriff davon. was das heißt: Hoffnung ... . . Was hat er davon, wenn er zu Schwarzmann geht und sich ein paar Rubel lecht? Sie werden im Nu verschwinden und er wird ohne Geld und ohne Hoffnung bleiben__ Und wenn dann wieder die Not kommt? — Sie ist ja kein so seltener Gast bei ihm! — Was soll er dann tun? Wenn er nicht einmal die Hoffnung mehr hat?! . . . Wahnsinnig kann man werden... „Er würde mir sicher borgen," gibt er seinen Gedanken lauten Ausdruck und lächelt. Doch Ehasche antwortet ihm nichts mehr. Sie wird böse. „Ein närrisches Weib!'Gar nichts versteht sie. gar nichts, aber rein gar nichts .. lächelt er in Gedanken. 'Viele Jahre sind verstrichen. In diesen Jahren gab es viele kalte Winter, Winter ohne Holz, ohne warme Kleider, ohne ganze Schuhe . . . . In diesen vielen Jahren gab es viele Peffachfeste, an denen man Mazzes brauchte. In diesen Jahren erkrankten die Kinder oft »und man hatte kein Geld, einen Arzt zu holen. In diesen Jahren starben die Kmder und man hatte kein Geld sie zu begraben. Denn auch das kalte Grao kostet Geld. Viel Unglück traf ihn. Aber Leiser blieb fest und ging nicht zu dem reichen Bekannten. Nur in der Not sagte er immer: „Sicher würde er mir leihen. Aber ich will noch nicht zu ihm gehen .... Es hat noch Zeit.... Ein anderes Mal wird es auch noch gut sein . . . ." Leiser, dem der böse Feind — das Leben, alles raubte, konnte sich nicht so schnell von seinem letzten Tröste, seiner letzten Hoffnung trennen. Bis zum letzten Blutstropfen verteidigte er sich gegen die Nägel des Feindes ... In der letzten Zeit aber besiegte ihn der Feind mit Sturm. Die Nor drücke ihn ungeheuer. Der Winter nahte, ein Kind erkrankte, der Ofen fiel zusammen, das Bett zerbrach, die Stiefel wollten kein Stückchen Leder mehr aufnehmen, die Türschnalle, fiel herunter und ging verloren. Die Tür blihb offen. Ein böser - ihr Zirnmcr-. c Dw Not, du alte häßliche Hexe, schien ihn mit ihren dürren, kalten Händen zu packen und ersticken zu wollen. Er wollte sich 'ihren Armen entreißen und so kämpfend beschloß er zum reichen Bekannten zu geben. „Ich gehe zu Chaim Schwarzmann, mir ein paar Rubel zu leihen,^ meldete er im Zimmer. Aber in seiner Stimme klang nicht mehr jene Sicherheit, daß er sie wirklich bekommen würde. Etwas schien durch die Tür hinauszufliehen. Das war die Hoffnung, die einzige letzte Hoffnung.' Briefkasten. Wir bitte» dringendst Mannskriptpaviere nur einseitig zu beschreiben «nd auf genügende Frankierung der Briefe zu achten. Auf mehrere Zuschriften: Ich danke herzlichst für den Ausdruck des Vertraurns. Ich habe den ebenso alllernen als tückischen Artikel der „Jednosc" gegen mich erst nach Schluß des Blattes zu Gesicht bekommen. Dr. N. B. Herrn W. Sp. in Lemberg: Zu spät. Bestes Vier Fragen aus Brody: Bitteum Adresse für briefliche Antwort. An die Herren Einsender aus Zablot o w: Ihre letzten Berichte, für die wir Ihnen bestens danken, find denn doch zu lokaler Natur, als daß sie allgemeines Interesse beanspruchen sollten. — Speziell Ihnen, Herrn Ben-Ami bestätigen wir, daß Sie die in der letzten Nummer unseres Blattes gegen den Gemeindesekretär Herrn Carl Hübscher erhobene Beschuldigung zurückziehen. E' Die Redaktion lehnt die Verantwortung für Stilisierung und Inhalt der Inserate ab. "3HI P ATFNTF erwirktund f\ I £ »M I L. verwendet Ingenieur und Patentanwalt J. Knöpfelmacher Telephon 22.132. Wien, II.. Praterstrasse 37. sucht ein. 17 jähriger junger Mann, Mitglied des Vereines jüdischer jugendlicher Arbeiter. Gefällige Zuschriften an die Redaktion der „Neuen Zeitung“. Wer für die Erziehung der jüdischen Jugend Interesse hat, der abonniere und verbreite „Unsere Hoffnung“ Monatsctailt für die reifere jfidlsclw Jugend. Abonnementspreis halbjährig K 2.30. Einzelnummern zum Preise von 40 Hellern durch die Administration. -Wien, ll|3, Scholzgasse 11.- ibotograpMe' Lebensgrosse Porträts in anerkannt künstlerischer Ausfühlung zum Preise von fl. 4.50. — Photographische Aufnahmen in vollendeter Ausführung, zu konkurrenzlosen Preisen, ausgeführt. .. 6 Vlait. . . a. 1.60 S Kabinett. . . a. 3.50 12 „ .2.60 ^12 ...» 5.50 Photograph E. Prelss, nur II. Taborstrasse Nr. 11a. P Max Kesses Verlag, Leipzig. £<opoM Komperts sämtL Werte in 10 Bänden. Mit 8 Bildnissen, 2 Abbilr düngen und einem Stammbuchblatte als Handschriftprobe, sowie einer Einleitung von Dr. Stefan Hock. Broschiert Mk. 9.—. In 5 Leinenb. Mk. 12. Geschenk-Ausgabe in Karton Mk. 15.— Inhalt; Band I. Einleitung: Komperts Leben und Schaffen. Ans dem Ghetto. IL Böhmische Juden. III. Am Pflug. Eine Geschichte. IV. Neue Geschichten aus dem Ghetto. V. Geschichten einer Gasse. VI. und VII. Zwischen Ruinen. Roman. Zwei Teile. VIII. Franzi und Heini. Geschichte zweier Wiener Kinder. IX. Verstreute Geschichten. X. Kleine Schriften. l/nmnortc *ämtllohe Werke werden allen (\UIII|lcI lO denen willkommen sein, die sich an farbenprächtigen Schilderungen und Dichtungen eines Mannes von grossem und freiem Geist, der mit Recht den bedeutendsten Novellisten zugezählt wird, erfreuen wollen. Kompert steht nach dem Urteile hervorragender L'terar-Historiker in dar ersten Reihe jener Dichter, die die eigenartige Denk- und Lebensweise der böhmischen Juden im vormärzlicben Ghetto dargestellt haben und dessen warmherzige, poesievolle und dabei objektive und lebenswahre Erzählungsform sich begründetes Rechtauf die Bezeichnung „klass isch“ erworben hat. — Der zehnte Band enthält Schriften, die in der früheren, längst vergriffenen Gesamt-Ausgabe fehlten und auch bisher noch Ungedrucktes aus Komperts Nachlass. Eine ausführliche Biographie aus der Feder von Dr. Stefan Hock, Wien leitet das Werk ein. Schriften von Mai Inas Fcher (Dr. Nathan Birnbaum). Nettere Schriften. Die jüdische Moderne, 1896. Erhältlich in der Redaktion der „Jüdischen Rundschau", Berlin, NW. Melanchthonstraße Nr. 4. Preis 30 Pfennig. Zwei Vorträge 1898. Echältlich in der Redaktion der „Neuen Zeitung". Preis 40 Heller. Neuere Schriste». Henrik Ibsens „Drittes^Reich", I960. Erhältlich in-der Redaktwn der „Neuen Zeitung". Preis 50 Heller. Achad Haam. Ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance, 1903. Erhälttich im „Jüdischen Verlag", Köln, jlbierring 23, Preis 1 Mark. Das Stielkind der Sozialdemokratie, 1905. Erhälttich bei E. W. Stern, Wien. Preis 50 Heller. Ostjüdische Aufgaben, 1905. Erhälttich in der Redaktion der ..Neuen Zeitung" Preis 10 Heller. 62188

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