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Neue Zeitung · 1907-09-20 · Heft 15 (20.9.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 15 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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' Seite 4 » Neue Zeitung Nr. 15 einen magyarischen Nationalitätenverfolger und politischen Ehrgeizling widerwärtigster Sorte gegen die „Beleidigung" Bjönistjerne Björnsons in Schutz nimmt. Die „Beleidigung" bestand nämlich darin, daß Björnson wie alle höheren Wahrheitsmenschen Schmutz und Niedrigkeit verabscheut. Das können natürlich nebst denLumpen auch die. Fadiane und Schwachkopfe aller Rassen und Zungen, die sich ja manchmal einbilden „Politiker" zu sein, tveil sie mit den dunkelsten Ehrenmännern gut Freund sind, nicht vertragen. . Ein gefühlvoller Mensch ist auch d'er Großfürst Wladimir Alexandrowitsch, dessen Besuch in Wien bevorsteht. Dieses edle Mitglied der sehr erlauchten, wenn auch wenig erleuchteten Zarenfamilie empfing in Sophia eine Deputatton der mazedonischen. Emigranten und brach, bei der Schilderung der Leiden der ' Mazedonier in Tränen aus. Wir hoffen, daß es keine Theatertränen sind, müssen dann aber für die Gesundheit des hohen Herrn sehr besorgt sein. Denn, wenn er so weinselig ist, was muß er erst in Rußland selbst weinen l Wenn schon nicht über die Leiden der Juden, Letten, Armenier ü, s. w-, so doch über die Leiden der Russen in Rußland, die die Leiden der Mazedonier noch immer ums tausendfache Wersteigen. Der Pogrom «rö — Oesterreich. Bei dem Pogrom in Odessa ist na. ein österreichischer Staatsbürger, namens Stern von den kaiserlich russischen Mörder- und Huliganenbanden schwer verwundet und geschädigt worden. — . Was sagt die österreichische Regierung dazu? Die jüdische« Bauer» i» Rußland. Den jüdischen Ackerbaukolonien in Rußland droht eine große Gefahr. Bekanntlich gibt es deren zumeist in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw. Es leben dortbeiläufig 5000 jüdische Familien. Sie kämpfen schwer, da sie unter der russischen Banerngeißel, der Landnot, noch mehr leiden, als die anderen Bauern. Man hat nämlich den jüdischen Bauern seinerzeit sehr wenig Boden zugeteilt, null... haben sie sich vermehrt- und dürfen nicht 'zukaufen.. Was sie: vom Untergang rettet, ist nur der Umstand, oaß es in der Umgebung der Kolonien 20—25.000 Deßjatinen öffentlichen Landes gibt, das sie in Pacht haben. Und zwar ist dieses Land kraft Gesetzes ein für allemal fürdie jüdischen Kolonien bestimmt.' Die lokalen Agrarkommissionen, in welchen antisemitische, saulpelzende, um das Schicksal der russischen Bauern gar nicht besorgte Edelleute das Heft in der Hand haben, kümmern sich aber nicht um das Gesetz und wollen ihnen das Pachtgut entreißen. Schon voriges Jahr, haben sie den Pacht teils gar nicht, teils nur auf ein Jahr erneuern wollen. Die Juden führten Beschwerde in Petersburg und man gab ihnen von dort Recht. Nun gehen die adeligen Lumpen,, die mit dem bißchen Pachtgut der Juden, auf das diese, gesetzlichen Anspruch Haben, den Bauern helfen zu wollen vorgeben, daran, dieses einfach zu verkaufen. Was ficht sie das Gesetz an. Hoffentlich werden die jüdischen Bauern nicht ruhen-und alles aufbieten, damit , ihnen das Pachtgut gewahrt bleibe. Sonst sind ste verloren oder müssen in der. Auswanderung ihr Heil suchen. Russische Notizen. In Wilna hat die Behörde folgende Mische Zeitungen und Zeitschriften eingestellt: Die „Volkszeitung^, „Hasman", „Das Wort" und die „Volksstimme." Der Redakteur der letzteren wurde arretiert und das Redaktionslokal versiegelt. — Anstatt-'„H asman" erscheint jetzt „Hed häsman." Auch in Riga wurde eine jüdische Zeitung eingestellt, und zwar die vor Kurzem gegründete „Ra t i o n a l - Z e it u'n g." Der russische Senat hat entschieden, daß das Manifest vom 17. April 1905, das den getauften Juden den Rückübertritt zum Judentum erlaubt, nur die früher auf diesen gesetzte Strafe aufhob, nicht aber, den wieder Juden gewordenen die Vollrechte der Christen, belassen will. Sonach sind solche wieder zur jüdischen Religion Zurückgekehrte, wenn sie außerhalb des Ansiedlungsrayons wohnen, in diese abzuschieben. Der Minister für Volksaüftlärung hat die Universitäten benachrichtigt, daß ste nicht mehr jüdische Studenten aufnehmen.dürfen, als die -Vorschrift gestattet, und daß in diesem Jahre überhaupt keine Immatrikulation jüdischer Studenten stattfinden werde. Jüngst fand in Petersburg eine Konferenz des „Vereines des russischen Volkes"-statt. Auf, dieser wurde festgestellt, daß in der letzten Zeit die Mitglieder den Verein scharenweise verlassen, und anderen Vereinen beitreten. Es wurde nun beschlossen, gegen diese Abtrünigen mit energischen Mitteln vorzugehen, unter anderen' mit Todes- und Denunziationsdrohüngen! Rumänisches. ' Rumänien fährt in seiner empörend rohem Politik sott. In Sinaia erschien ein'jüdisches. Blatt „Jüdische Presse". Plötzlich-wurde der Heraus-, geber und der Redakteur wegen Betreibung einer schädlichen „Agitation" landesverwiesen. Amerika «ud Rußland. Reverend Dr. Hirsch aus Chicago stammt nicht aus Rußland und ist amerikanischer Staats-! bürger. Er hat nicht nur . einen. Paß, sondern auch einen Empfehlungsbrief des States Depar-, tements an alle amerikanischen Gesandten Und Konsuln in Europa. Nichtsdestoweniger hat sich Dr. Hirsch gefallen lassen müssen, .daß ihn russische - Gendarmen brutal behandelten und nicht über die Grenze; ließen. Das , States Departement schweigt sich vorläufig gründlich, aus, als wäre es' etwa das auswärtige Amt in Berlin, oder Wien . . . . . Werden sich die amerikanischen Juden das gefallen" lassen? Wenn jemand' der russischen Bande imponieren kann, ist es Nordamerika.. Das hat es wahrlich nicht nötig, sich seine Bürger verunglimpfen zu: lassen. -— Auch wenn sie Juden' sind. Auch in Amerika ~ X geht es nicht immer schön zu. . So erfahren wir von einer brutalen Polizistenszene, die am 31. August in Brooklyn (Rew-Iork) stattfand. In der Fabrik Bregstein Brothers streiken 300 jüdische Arbeiter schon mehrere Wochen. Die . Polizisten und Detektives bewachen nun das Etablissement — mit derselben Rohheit und Provokation wie anderswo. Nun hat in der Nähe der genannten Fabrik, ein junger kranker. Jude, 'Namens Max Birnbaum einen Stand, auf welchem er Sodawasser verkauft. Um ihn. drängten sich die Stteikenden, um, sich Sodawasser einschenken zu lassen. Das paßte der, Polizei nicht, und. ein . jüdischer Polizist, Georg Klein schritt als erster zur Tat. Er wollte Birnbaum -zwingen, . den Verkauf des. Sodawassers einzustellen., Als dieser auf seinem Rechte bestand. Hieb er so lange aus ihn ein, bis er bewußtlos zu Boden 'siel. Natürlich entstand nun ein großer Rummel. Es liefen Arbeiter-- und Polizisten herbei . und letztere schlugen nun nach Herzenslust darauf los. . Viele, Verwundete bezeichneten den Erfolg der Wüteriche. : Der Sodawasserverkäufer liegt im: Sterben: — Traurig, daß ein Jude den Händel begann. Wahrscheinlich — der Bericht klärt uns über den Umstand nicht näher auf, doch der Vorname des Kerls läßt uns den Schluß ziehen — liegt seiner feigen Missetat die lumpige Ueberbebnng des Westlichen gegenüber dem Ostjuden zugrunde. , Die jüdische Sprache in Südafrika. In der englischen Kapkolonie wurde vor einigen Jahren einen Gesetz gegeben, wonach nur jene Einwanderer eingelassen würden, die eine europäische Sprache beherrschen. Dieses Gesetz war gegen die Kulis gerichtet; traf unwillkürlich aber auf. die Ostjuden'. Da nahmen sich die jüdischen ' Gemeindevorsteher der Sache an und setzten es im Jahre 1904 durch daß die jüdische als europäische : Sprache anerkannt würde. Anders lagen die, Verhältnisse in T r a nsvaal. Im Jahre 1903 "sagte der englische Gouverneur LordMillner die Anerkennung der jüdischen zu. Da es aber noch kein Parlament gab, kam es nicht dazu. Die Verwaltung pflegte überhaupt nur jene Juden hereinzulassen, die schon im' Lande gewohnt hatten, neu einwandernde aber abzuweisen. Auf eine Bitte von Londoner Juden an die Zentralregieruug blieb erfolglos, da man die Angelegenheit dem Transvaaler Parlamente aufsparen wollte. Sowie nun das Parlament zusammenttat, kam die Frage - des Jüdischen auf die Tagesordnung. Es erhob ’ sich gleichzeitig in die Presse ein großer Kampf chegenMeser Sache. Es gab Juden, die gegen die Anerkennung der, jüdischen Sprache schrieben. Es half ihnen aber nicht. - Dek Vertreter der englischen:Negierung zeigte sich moderner, .indem. er sich für die Anerkennung 'aussprach. Auf dieses Gutachten gestützt, entwickelte die Masse der Transvaaler Juden , eine, umfassende Agitation, der sie zum Ziele führten.,Es ist jetzt ein neues Einwanderungsgesetz entlassen worden, das in seinem ersten Punkte alle - jene vom Einlaß ausschließt, die nicht im Stande sind, in einer europäischen Spräche eine, Bitte "wegen Einlasses ins Land unterzuschreiben.' (Die Bitte muß vor dem Beamten geschrieben werden.) Und eine' besondere Bestimmung des Gesetzes spricht aus, daß Jüdisch als eine europäische Sprache ( zu betrachten sei. ',s : Bou da und dort. Der Wiener Kultusvorstand; betreibt sein Jntoleranzgeschäst en gros. Es ist : ja gar nicht etwa nur der Brigittenauer Humanitätsverein „Schomrej hadaß", den er sekkiert. Dieses Vergnügens erfreut sich eine ganze Menge , von WienerBethäusvereinen, die aber alle den ihnen, von dem , Vorstande gezeigten Weg zum- Magisttate gefunden haben. So' müssen, sich ' Juden Helfen, welche nach ihrem Geschmacks ihnen hatte dienen wollen, : daran aber von Leuten, welche. die ganze; Religion nur Repräsentation öder Pietät ist, gehindert werden. -Bezeichnend für die Gewissenhaftigkeit, mit der der Kultusvorstand seine Agenden versieht, ist die Affaire jenes Gemeinderabbiners, der einen von der Frau geschiedenen Mann bei deren Lebzeiten mit ihrer Schwester traute, ihn also vom Stanbpunfte des jüdischen Gesetzes völlig ungiftige Ehe schließen ließ. Hätte man bei Anstellung dieses -Rabbiners weniger auf Gevatterschaften als auf tüchtige Ausbildung^ und Ruf gesehen, so 'wäre der Kultusleitung und dem armen Rabbiner selbst die - tätliche Verlegenheit erspart geblieben, in der 'sie sich jetzt, da die Sache bekannt wurde, befinden. Justiz in Kolomea. Unter diesem Titel schreibt die Wiener „Arbeiter Zeitung" u. A. folgendes: 1 Der Bauer Demeter Lukaszcukiii Zab loto w, ein politisch äufgeweckter Manch ist den dortigen Schlachzizen und ihren Knechten ein Dorn im Auge. Er war, ihnen bei der Reichsratswahl sehr unangenehm und bei den - kommenden Landtagswahlen wollen sie besonders ' gern von seiner Anwesenheit vorschont sein. Was .dazu getan werden kann, hat nun der allpolnische Senat des hiesigen Kriegsminister > getan. - - Dem Gericht' spielte man den Mann auffolgende Art in die Hände., Ein, gewisser Meier ’ Th au erzählte bei der Gendarmerie, er sei am 4. April in einer,Schenke gesessen und^.in.der Stube daneben sei Chaim Burg, der ein 24 jähriger beschäftigungsloser, Mensch ist, gesessen. Als nun Burg aus der Stube herausgekommen sei. Habe er dem Thau erzählt, daß, in der Stube'auch Lchkaszezuk mit zweianderen Bauern / gesessen sei und gesagt habe: „Wenn die. Juden und Polen nicht milden Ruthenen Hallen, so; wird ihnen das geschehen, was mit den Kazapen (ein hier ganz unbekanntes Wort) , in Kischinew geschehen ist-" : ' Damit hatte, man also das „Material" zu einer Anklage gegen den unbequemen Bauern: .. Er soll sich der Wahlnötigüng an Inden und. Polen schuldig gemacht haben. Gab bei Gericht an; daß er absolut nicht gehört habe, was Lukaszczuk zü seinen Tischnachbarn gesagt habe, und er habe auch das, was'er nicht gehört habe,'niemandem erzählt. - Als er mit Meier Thau konfrontiert wurde, gab er allerdings zu, daß er die Worte gehört habe. Jetzt hatte man also glücklich eine Zeugenaussage gegen" den verwegenen Bauern. Es wgr zwar nur die Aussage eines Menschen, ver sich selbst der sulchen Zeugenaussagen beschuldigt, dem also ein Gerichts wenn es nicht andere Beweise, hat, nicht glaubt, was er gegen einen änderen 'aussagt; aber, den Richtern in Kolomea, wosttzerr Äolischers gewählt wurde, verschlägt , das nichts. Natürlich mußte! aber der Gerechtigkeit wegen auch Burg der falschen Zeugenaussage angeklagt werden; , man hat ihm aber die Sache nicht zu beschwerlich gemacht:; In der Verhandlung, die 'gegen beide zugleich geführt, wurde, hat. Burg -auch ' andere: Dinge5bchauptet, die unwahr sein müssen; wenn' man . dem für ein Gericht - doch'.so wichtigen

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