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Neue Zeitung · 1907-09-20 · Heft 15 (20.9.1907) · p. Seite 3

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 15 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr. 15 a : Neue Zeitung Es wohnt in ihnen, genug Lebenskraft und sie sind in genug großer. Zahl vorhanden/ als Laß sie ein bedeutendes, politisches Ereignis vorbeiziehen lassen könnten, ohne dazu Stellung zu nehmen, ohne dabei ihre Interessen zu wahren. Würde ihnen' die Möglichkeit geboten sein, ihre Jntereflen durch ihre eigenen Männer zu wahren) sie könnten verzichten, bei Dritten den entscheidenden „Faktor" abzugeben. Um es anzudeuten, würde auf die verschiedenen Fragen, die hier Hineinspielen, hingewiesen, — sie alle können nur beantwortet werden von einer einzigen Seite, der nationalen Autonomie. Der zusammentretende Landtag mag sich erproben, ob er die Kraft zu einem großen Werke hat, zu produktiver Arbeit für Alle. Dr. Max Diamant. „Edle" Verleumder. (Aus Anlaß des ruthenischen StudentenProzefleS.) Von Andreas CzekanowSkyj. Ja, mir Polen'), mir san Eine edle Nation Und mir müassens ja san — Dmn mir leben davon. f llllt» wiener Sch^nadahSxfl.) ■ Auf dem versumpften galizischen Böden wurde eine Machthaberclique; großgezogen, die sowohl das eigene, als auch die zwei anderen unter seiner; Fuchtel schmachtenden Völker aufs Sußerste unterdrückt. Menschen,' die nicht in Galizien gelebt habenkönnen nicht glauben, was sich die allpolnische Clique alles erlaubt: Es sieht zu unglaublich aus. Und dennoch ist es wahr! Wahr find die häufigen Hausüberfälle, die offiziell „amtliche Revisionen" heißen un.d deren Zweck die 'Wegnahme von Büchern ist, die sogar die polnische Zensur ) passieren, konnten! Wahr sind die unglaublichsten Wahlschwindeleien, bei denen z. B. die in den Gefängnissen sitzenden uniformierten Sträflinge für den allpolnischen Kandidaten stimmen (Brzezany)! Wahr und permanent sind die barbarischen Verfolgungen der ruthenischen und jüdischen Jugend — von den Volksschulen angefangen bis zu den Hochschulen. Auch.Protokollfälschungen in Strafsachen.kommen vor (siehe darüber zahlreiche Jnteichellatiönen, insbes. die des Abgeordneten v. Jaworskyj) und mittelalterliche Torturen in den Gefängnissen.. Mit einem Worte: Die polnischen Machthaber haben die schreiendste Ungesetzlichkeit zum regelrechten System erhoben. *) Wir bemerken, daß wir den Verfasser als einen durchaus modern gesinnten Ruthenen 'kennen, dem , aller Nationalhab fremd ist. Wenn er also auch kurz Polen sagt, so ist doch nur die schlachzizische und allpolnische Clique gemeint, die das Volk verseucht. Die Redaktion. - Und so wird der jüdische Wille, der gepriesene und auch wirklich preisenswerte jüdische Wille, zur furchtbarsten Gefahr für das jüdische Volk selbst. Wie ihr begegnen, wie für sein Volk wirken, ohne in die Hände von ungeeigneten 'Möllern zu geraten? "Wiewissen, ob nicht der eigene Allgemeinheitswille, wenn man ihn hat, vom Geist des Einzelwillens vergiftet ist? Zum Teil ist eine Antwort auf diese bangen Fragen überflüssig. Wir müssen es der Entwicklung überlassen, daß sie uns immer mehr Männer beschert, die nicht nur für die Allgemeinheit, sondern auch aus dem Wesen der Allgemeinheit heraus wollen können. Wir brauchen übrigens deshalb nicht beunruhigt zu sein. Das jüdische Volk geht .trotz allem Antisemitismus langsam aber sicher den Weg aus seinen Ghettobeschränkheiten empor. r / Werden jedoch unbedingt Verhaltungsmaßregeln verlangt, — nun denn: Es gilt zu.lernen, — vor allem, sich selbst beherrschen und sich unterordnen lernen. Sich unterordnen — der Notwendigkeit, der Entwicklung und beider Erkenntnis. Bei Entscheidung nationaler und sozialer Fragen den Kochenden, überschäumenden, eigenen und ftemden Einzelwillen in sich bändigen, das ist der erste Schritt, den ein jeder gegen den wahren Gesamtheitswillen hin machen kann, der' erste Schritt zur eigenen geistigen Befreiung und zur geistigen, sittlichen, und leiblichen Befreiung der jüdischen Gemeinschaft. Und dieser erste Schritt kann von dem. Augenblicke ab, da nur seine Unvermeidlichkeit erkannt ist, willensstarken Menschen, wie wir Juden sind, - nicht mehr allzu schwer fallen. — . Mathias Acher. Jeder, der die unerhörten Mßbräuche aufzudecken wagt, wird von der allpolnischen Presse zum „Verleumder der edlen Bestrebungen der ganzen polnischen Nation" gestempelt. Die polnischen Machthaber, deren Element die schwärzeste Lüge und Verleumdungspfütze ist, nennen Andere Lügner! Aber die Zeiten find schon vorüber, da man den „edlen" Schlachzizenverbrechern glaubte. Gegen ihr verbrecherisches System, gegen Wortbruch und Provokationen lehnte sich die ruthenische Studentenschaft auf und vernichtete die Pockäts einiger polnischer Streber, demolierte die Aula und prügelte einen der allpolnischen Provokatoren durch. Sie hat einmal getan, was die' polnischen Machthaber zum System erhoben haben. Die. allpolnischen Vollsschullehrer schlagen doch die ruthenischen Kinder, wenn sie „Noch ist Polen nicht verloren", nicht fingen wollen. Die polnischen Machthaber haben doch die alte und große Kultur des ruthenischen Volkes vernichtet und demoliert.... Wenn man die gegenseitigen „Forderungen" kompensiert, wer bleibt da noch schuldig? Angesichts aller dieser Tatsachen ist die Erbitterung, mit der die ruthenischen Studenten dreinschlugen, nur zu sehr erklärlich. Sie wurden bestraft, obwohl ihre polnischen Unterdrücker für viel ärgere Gesetzesverletzungen ftei ausgehen. Die polnische Presse (mit Ausnahme der sozialdemokratischen), beschimpft die ruthenische Jugend auf die ärgste Weise. Worte, wie „niederträchtige Feiglinge" gehören zu den gewöhnlichsten. Freilich glauben die „edlen" Allpolen selbst nicht, daß die jungen Leute, die dem Hungertode vier Tage lang trotzten, feig seien. Aber sie müssen tüchtig schimpfen, um ihre eigene Feigheit, die sich am 23. Januar so glänzend zeigte,' zu bemänteln. Es ist zu erhoffen, daß sie durch die unerhörten Beschimpftrngen noch einige Demonstrationen provozieren werden. . II. Es ist kein Wunder, daß zwischen diesen zwei slawischen „Brüdervölkern" ein solcher Haß herrscht — bekriegen sie sich doch seit Jahrhunderten. Aber in Galizien lebt noch ein Volk, das der polnischen Idee nicht nur niemals gefährlich war, sondern ihr bis auf den heutigen Tag gedient hat. Das find die Juden. Sie haben für die Stärkung des polnischen Elements ungemein.viel geleistet. Durch' die jüdische Intelligenz haben die ostgalizischen jüdisch-ruthenischen Städtchen polnisches Aussehen. Jüdische Assimilanten haben der polnischen Journalistik' das bißchen Verstand, das sie noch besitzt, gegeben. Jüdische Buchhändler und Verleger haben die polnische Literatur in die entlegensten Winkel des Landes gebracht. Der „polnische" Handel ist natürlich vollständig in jüdischen Händen — (zugleich mit den Polen bemächtigt sich seiner die Deftaudation). Und für all diese Verdienste, ohne welche düs Polentum auf einem weit niedrigerem Niveau stünde, predigen die mächtigsten polnischen Parteien Haß und Verachtung gegen die Juden. Der gewesene Obmann des Polenklubs in der russischen Duma/Roman Dmowski schreibt in seinem, von den Allpolen als Evangelium betrachteten B^che „Mysli nowoczesnego Polaka“*), . daß die Juden an dem Zerfalle des Polenreiches schuld seien und beweist das durch lange, sehr witzig zusammengestellte Lügen. Also nicht die unbändige Anarchie der Herren Schlachzizen und ihre total besoffenen Landtage, sondern die Juden find schuld daran! Also die Herren Schlachzizen haben ihr Vaterland nicht um Bargeld an Rußland verkauft! So macht man allpolnische Geschichte! ... Die Vergangenheit muß „rein" seiu, mag sie auch noch so schmutzig gewesen sein! Und der Sündenbock ist natürlich — der Jude. Man kann) sich vorstellen, welche Unmasse von Haß solche Theorien, von so angesehenen Männern vorgetragen, den Juden gegenüber zeitigen müssen. Und diese Lügen bekommen dann — arme jüdische Schüler in den Staatsschulen und arme jüdische Leute, die mit allvolnischen Beamten zu tun haben, zu spüren. Reiche haben für die „edlen" Lügenritter ein äußerst schnell überzeugendes Argument. *) .Die Gedanken eines Polen der Neuzei't,^3em. Berg, 1904. Der Obmann des Duma-Polenklubs steht nicht vereinzelt da! Die ganze allpolnische „Literatur" perhorresziert die Juden und proklamiert direkt Pogrome. Sogar die „ernsten" wissenschaftlich-politischen Organe predigen unter dem wissenschaftlichen Deckmantel den ärgsten Antisemitismus. Als Beispiel möge die „Allpolnische Revue" (Prz*gl ad wszechpolaki) dienen. Im 8. Bande dieses politischen Organs der Allpolen befindet sich ein großer, wegen seiner Unverschämtheit interessanter Artikel über „Abstammung und Wesen des Zionismus", wo es ausdrücklich heißt, daß das ganze Judentum „ein Ungeheuer ohne Sprache, ohne Vaterland und ohne Tradition ist, ftemd dem Lande, den Einwohnern und ihrer Zunge", „entstanden aus den räuberischen Palästina-Stämmen, verstärkt durch Negerblut" --sein Ziel ist die Vernichtung und Verunglimpfung jedes Volle», mit welchem es zusammenkommt . . . u. dgl. Hl. Wer aber find die Allpolen? Die ehemaligen schlachzizischen Verbrecher, ein wenig demoralisiert. Die allpolnische Bewegung hat auch unter den ärmsten Schichten des polnischen Volkes Fuß gefaßt und eben deshalb ist sie gefährlich. Die verbrecherische „Pogrom-Partei" hat ihre Mitgliedersowohl unter den Univerfitätsstrebern (GlombinSki) als auch unter den armen Volksschullehrern, welche freilich bessere Stellungen bekommen^ wenn sie sich an der allpolnischen Propaganda beteiligen. Die einzig vernünftige Politik der Juden muß nun sein: Ueberall gegen die allpolnischen Pogrompropagatoren zu kämpfen und mit deren Feinden, in erster Reihe mit den Ruthenen, speziell mit den Jungruthenen (Ukrainern) in Verbindung zu treten. Wochenschau. Eine neue Partei. Die Herren Schlachzizen haben' sich bei den Reichsratswahlen ein wenig blamiert und brauchen für die Landtagswahlen eine neue Firma zum Gimpelfang. Und so erscheint plötzlich Graf T arnowski, der bekannte Krakauer Stanczyk mit einer neuen Partei auf dem Plane. „Prawica narodowa" („Die nationalen Rechtes nennt sie sich und will alle „nationalen Elemente" vereinigen: d. h. alle bornierten Fanatiker, alle mahlschwindlerischen Bezirkshauptleute und sonstige korrupten Schlachzizo »Beamten, alle Moschko-Jüdlein mit und ohne Doktorgrad und mit mehr oder weniger Charakterlosigkeit und Käuflichkeit, aller Schmelkes', Feuerstein's,Stern's, Blutreich's u. s. w. . . . Glück auf! Scheide« thnt weh. „Dilo" will bestimmt wissen, daß der edle Potocki geht.-Wahrscheinlich, um ihm und sich selbst das Scheiden leicht zu machen, — haben ihn die Ratsherren von Buczacz einstimmig, zum Ehrenbürger der genannte Stadt gemacht. Damit er sich nicht langweile, haben sie ihm noch seinen Schützling, den „Abgeordneten" Moysa beigegeben . . . Wir fragen: Was hat Buczacz ver» brachen, daß es so gestraft wird. Die Pogrome in Rußland dauern an. Die Tageszeitungen veröffentlichen häßliche Details aus Odessa. Und erfteulich ist nur, daß sie auch von einem jungen und mutigen „Selbstschutz" zu melden weiß, der sich auf's Schießen versteht. Wir wiederholen, was wir in letzter Nummer sagten: Oh, brächten sie noch die Glut auf, Rache zu üben! Für jedes Opfer ein Gegenopfer zu fällen!" — Leider ist keine Aussicht auf ein Ende des Pogroms in Odessa, da es sich zum größten Teil um eine Wahlpresfion handell, und mit Abberufung des Stadthauptmannes Grigoriew den schwarzen Banden fteier Spielraum gegeben ist. Bezeichnend ist, daß in München der Friedenskongreß tagt und noch kein Wort über die Pogrome geäußert hat. Bekanntlich spielt ja auf allen diesen merkwürdigen Friedensoeranstaltungen Rußland eine Hauptrolle. Der Zar, der jüngst einen Fürsprecher der Odessaer Juden, mit dem Abzeichen der „echt russischen Leute" auf der Uniform, empfing, ist ja ein Initiator des ganzen Friedensrummels- Was soll man auch von einem Friedenskongreß erwarten, der den ungarischen Grafen Apponyi

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