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Neue Zeitung · 1907-09-06 · Heft 13 (6.9.1907) · p. Seite 5

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 13 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 Neue Zeitung, Seite 5 Abend eröffnete Herr Dr. Hörowitz, welcher in wenigen, markanten Worten auf die Bedeutung solcher Abende hinwies und erteilte dann das Wort Herrn stud. techn. Josef Gottlieb („Jüdische Kultur" in Wien) zu einem Vortrage über Mendele Mojcher Sforim, der von den Anwesenden mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Hierauf folgten Vorlesungen und Rezitationen aus den Werken der jüdischen Dichter Morris Rosenfeld, Schulem Alejchem, Perez und Schalom Asch, teils im Original, teils in Uebersetzungen, an welchen , sich die Herren stud. techn. Josef G o t t l i e b, Herman Goldschmidt, exp. akad.. S. Braustein und Obergymn. I. K-orber mit großem Erfolge beteiligten. Besonders das im Original vorgetragene Stück von Schulem Alejchem rief stürmischen Beifall hervor. Um 11 Uhr abends fand der literarische Teil des Abends seinen Abschluß und es folgte dann das Tanzkränzchen, dessen Arrangement in den Händen des bewährten HerR Adolf Rauchwerger ,lag. Von den an-, wesenden Damen ragten viele durch Schönheit und Anmut hervor. Schließlich sei den »einzelnen Damen und Herren gedankt, die durch ihre Ueberzahlungen dazu beitrugen, daß ein schönes Reinerträgnis zustande kam. Ueberzahlungen haben geleistet: 4 Kr. Herr S. Bahr, je 3 Kr. die Herren Isidor Merdler und Adolf Rauchwerger, je 2 Kr. die Herren: S. Schulz- Ritter v. Prunkul, Moritz Merdler, M. Roll, H. Jul. Kreindler, Meidanek, Dr. Häuslich, je I Kr. 50 H. die Herren Kellner, Dr. Niederhofer, Adolf Gelber, je 1 Kr. die Herren: G. Storfer, Dr. Huttmann, Dr. Munischor, Moses Schieber, Berl Lanner, Emil Kinzbrunner, H. Holdengräber, L. Schifter, je 30 H. Frl. L. Feiczewicz und die Herren: cand. inr. F. Pichler, Gustav Knauer, H. Fischler, H. Samborski, F. Glückstern, Adolf Meth, Brunno Siegel, Koppelmann. Heumann. Hachnossass kallo, israelitischer Humanitäts- Verein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen, Wien, 2. Bezirk, Große Sperlgaffe 34. — Obbenannter Verein hielt Sonntag, den 1. September l. I. in Herlingers Saallokalitäten, 2. Bezirk, Taborftraße 36 eine außerordentliche Generalversammlung ab. Dieselbe erfteute sich eines überaus zahlreichen Besuches seitens der Mitglieder und Gäste. Der Präsident des Vereines, Herr I. Gelber, eröffnete mit einer herzlichen Begrüßung der Erschienenen die Versammlung und dankte den unterstützenden Mitgliedern für die gütigen Beiträge zur Förderung des Vereines, insbesonders Herrn Rabbiner Dr. Bloch für die zur Förderung des Vereines in seinem geschätzten Blatte (Oesterreichische Wochenschrift) gebrachten Artikel. — Der Präsident gibt in einer längeren Ansprache den Tätigkeitsbericht der Vereinsleitung bekannt/ worin , er aucherwähnt, , daß der Verein seit Bestand Februar d. Ji bis heute bereits 548 ^wirkliche, sowie 852 unterstützende Mitglieder zählt, was mit Akklamation begrüßt wurde. -Es beteiligten sich viele Mitglieder an den Debatten, welche zum Schluffe gelangend lauten: Der Verein -eröffnet im Monate Jänner 1908 seine Benefizien für die Mitglieder und ist in der angenehmen Lage jeder Braut einen Heiratsa^lsstattungs-Beitrag bis 1000 Kronen zu gewähren. Tribüne. Die jüdisch-nationale Fra«, wie fie nicht Ein Besucher des achten Zionistenkongreffes schreibt uns: Es kann gewiß kein verständiger Mensch etwas -einwenden, wenn jüdische Frauen national empfinden und an allen, die Juden betreffenden Vorgängen regen Anteil nehmen. Im Gegenteil, jeder jüdisch denkende Jude, muß wünschen, daß dies in weitem Maße und — vor allem! —. in echter Weise der Fall sei. Denn würden die jüdischen Frauen wirklich national empfinden, dann wäre es um die jüdische Nationalität wahrhaft gut bestellt: Sie würden die Kinder zu wirklichen, d. h. zu bewußten Juden machen, und nach kurzer Zeit schon würde es innere wirkliche Feinde im Judentum-wie sie gegenwärtig leider so häufig sind, kaum noch geben. So wünschenswert, ja ersehnenswert aber much die jüdisch nationale Frau ist, — um so mehr ersehnenswert, als sie selten zu finden ist! — so darf .doch eine gewisse Art von angeblicher jüdisch-nationaler Betätigung, wie sie im Besondern. innerhalb des Zionismus' gedeiht, nicht ohne öffentlichen Widerspruch geduldet werden. Ich meine die Schauspielerei der zionistischen Dame, für welche das jüdische Elend' und die jüdisch-nationale Bewegung nur Mittel sind zur Befriedigung persönlicher kleinlicher Eitelkeiten und für welche die-ganze Sache nur soweit Bedeutung hat, als sie ihr, der Dame, Gelegenheit gibt zu gefühlvoller und begeisterter Repräsentation; ich meine den Patschuli-Zionismus, der glücklicherweise noch nicht vorhanden ist, dessen Keime aber bereits in den Boden der nationalen Bewegung gesenkt wurden und der sich leicht entwickeln könnte, wenn man der Sache in dieser Hinsicht Lauf ließe. Wir sind alle, .Männer und Frauen, Junge und Alte, — alle sind wir eitel; das ist alles wahr. Der Unterschied besteht aber darin, daß bei ernsten Männern die Eitelkeit in der Regel nur eine Begleiterscyeinung ist, eine Nebensache, der unter allen Umständen die Hauptsache, d. h. die jeweilige Angelegenheit-selbst, vorgeht, während es die eitle Frau dagegen genau umgekehrt hält: Ihr ist die Sache selbst das Untergeordnete und die Hauptsache ist ihr das persönlich sich zur Schaustellen. Ich sehe darum die aktive Beteiligung der Frau am.öffentlichen politischen Leben als eine recht fragwürdige Erscheinung an; und ich werde wohl, nicht der einzige sein, der das tut. Ist nun die öffentliche politische Betätigung schon an jeder Frau zu. beanständen, so ist sie doppelt zu zu verwerfen, wenn eine solche Frau die Ehegattin eines» Mannesist, der "in der gleichen Partei eine führende Rolle hat. Schon ein gewisser bloßer Takt und die Scheu vor möglichen naheliegenden, begründeten oder unbegründeten Mißdeutungen und' Nachreden sollte die Leute davor bewahren, in solchen Fällen die fein parfümierte Frau in die Front zu stellen. E.- werden darum wohl zahlreiche Menschen gleich mir es peinlich empfunden haben, daß Madame W. auf dem letzten Zionisten-Kongreß imHaag in solcher Weise in den Vordergrund trat. — Dem Juden wohnt von Natur aus, trotz M seiner theoretischen Geringschätzung des Frauengeschlechtes, — ein hoher Grad von Galanterie und höflicher Zuvorkommenheit den Frauen gegenüber inne. Änd darum haben wohl Viele auf dem Kongreß zu dem ganzen lärmenden weiblichen Wesen geschwiegen, während Andere sich sogar für verpflichtet hielten, die Frau aufzumuntern und ihr annerkennende Worte zn spenden. Und die eitle Frau nahm das alles natürlich als eine ernste Meinungsäußerung hin. Nun denn, so mag fie denn eine andersgeartete, wirklich ernste Meinung zu hören bekommen. Wir wollen keinen weiberdienenden Pantoffelhelden-Kongreß. Die Sache, um die es sich dabei handelt, ist zü wichtig, zu ernst, zu heilig, um für weibliche Eitelkeiten eine wirkungsvolle Staffage abzugeben. Und wir dürfen getrost diese Frauen auf ihren Platz zurückweisen, wir können versichert sein, daß es nicht die besten jüdischen Frauen sind, welche das Bedürfnis nach solchem Heroortteten haben. Es war der echte jüdische Geist, der die schöne Hymne auf die brave Frau, anstimmte, — in den Sprüchen Salomonis, Kapitel 31. Und es war der echte jüdische Geist, der dieses Loblied zu einem, jede Woche am Freitag abend zu wiederholenden Hausgesang erwählte. Das Ideal aber der Frau/ wie es da ge- , schildert wird, ist himmelweit verschieden von der zionistischen Repräsentations-Dame pxs Kongresses. Videant consulesl.... W-s £>ie ^jüdische Sprache inr praktischen Wir betonen immer, daß Jüdisch eine Sprache ist, und fordern die Anerkennung der Sprache seitens der Regierung. Aber im praktischen Leben handeln wir gerade in entgegengesetztem Sinne. Im Folgenden will ich beweisen, daß es in unserer Macht liegt, uns die gesetzliche Anerkennung unserer Sprache zu erzwingen, und daß nur wir selber daran Schuld sind, wenn die Anerkennung der jüdischen Sprache bis nun noch nicht erfolgt ist. Wir bedienen uns gerne der jüdischen Sprache in Versammlungen oder sonst, wo es sich um eine Demonstration handelt, können uns aber nicht mit den Gedanken vertraut machen, daß der „Jargon" wirklich eine Spräche ist und wir uns ihrer überall bedienen Es ist eine traurige' Tatsache, daß die Intelligenz, auch die nationale, sich der jüdischen Sprache nicht bedient, trotzdem fie sie vollkommen beherrscht, daß sogar jiddische Schriftsteller, wenn sie in „bessere Gesellschaft" kommen, alles andere, nur nicht jüdisch sprechen. In unserem Volke wurzelt noch das Vorurteil gegen den „Jargon" und sogar diejenigen, die sich theo- ' retisch schon von diesem Vorurteil Befreit haben, stehen praktisch noch immer unter seinem Zwange. Es gibt fast keinen Juden, der eine europäische . Sprache vollkommen beherrscht. Dennoch bedient er sich nicht der jüdischen Sprache als Gesellschafts- und Umgangs-Sprache. Diese Handlungsweise unserer Intelligenz übt einen sehr schädlichen Einfluß auf die Massen des jüdischen Volkes aus, denn diese folgen dem Beispiele der Intelligenz und wollen absolut nicht jüdisch sprechen. Wenn man z. B. mit gewöhnlichen Juden aus Galizien zusammenkommt, da bemerkt man, wie sie sich bestreben, „deutsch" zu sprechen. Sie ziehen es vor, sich einer Karrikatur einer Sprache zu bedienen, um. nicht verhöhnt zu werden, sie sprachen „Jargon", und als „bessere" Menschen zu gelten. Man sieht oft, wie Eltern, die keine ändere Sprache als die'jüdische verstehen, sich bemühen, ihre Kinder zu erziehen, daß sie Jüdisch nicht verstehen, und ihnen für die jüdische' Sprache Verachtung' einimpfen. Wer die jüdischen Verhältnisse in Galizien genau kennt, wird noch viele ähnliche Tatsachen aufzählen können. Ebenso traurig wie beim Sprechen liegen die Tinge beim Schreiben.. Viel zu wenige bedienen sich in ihrer Korrespondenz der jüdischen Sprache. Sogar hervorragende Schriftsteller, die ich kenne, zeigen da oft einen Mangel an Konsequenz. Auch befremdet es sehr, wenn jiddische Zeitungen, die doch für ihre Sprache agitieren, in ihrem Geschäftsverkehr nicht jüdisch schreiben. Ueberhaupt wird die Handelskorrespondenz, wiewohl doch der Handel fast ausschließlich in jüdischen Händen liegt, nur wenig in jüdischer Sprache geführt. Es gibt doch nur eine sehr kleine Zahl polnischer Kaufleute in Galizien und trotzdem haben viele Geschäftshäuser in Wien und in anderen Städten polnische Korrespondenten, jiddische aber nur sehr selten. Wie viel Juden könnten sich davon ernähren, und müßten nicht alle in demselben Erwerbszweig konkurrieren. Wir könnten — wollten wir es nur — die jüdische Sprache als Handelssprache in Galizien einführen, so wie wir die deutsche Sprache eingeführt haben, und heute Vorwürfe von.den Polen hören müssen, daß wir Galizien germanisieren. Wenn die jüdische Sprache das ganze Gebiet beherrscht, dann wird auch die Regierung gezwungen sein, ihr gewisse Konzessionen einzuräumen. Wenn wir uns der jüdischen Sprache überall bedienen, wird auch die Regierung Gelegenheit haben, mit ihr in Berührung zu kommen und sich zu überzeugen, daß die Anerkennung dieser Sprache eine Lebensnotwendigkeit ist. Leider sind wir davon noch sehr weit entfernt; wir müssen aber diese Vorurteile zu entwurzeln trachten und bei jeder Gelegenheit betonen, daß die jüdische Sprache eine Sprache wie alle anderen ist. Hauptsächlich, liegt es der Intelligenz ob, sich der jüdischen Sprache zu bedienen, weil die Massen am Ende doch in allem der Intelligenz nachahmen. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, der jüdischen Sprache die ihr gebührenden Rechte zu verschaffen. Rzeszow, 29. August 1907. Moses Wiesenseld. „Mademische Verbindung". „Akademische Verbindung" ist ein lakonischer, prägnanter und vielgeliebter Tüel mancher jüdischen Studentenkorporalion. Warum aber gerade die „Akademie" bei jenen „jungen Juden" so gerne gefeiert wird, ist nicht schwer zu erraten. Man ist ja jüdisch-national im Herzen und auch auf der Leber und es ist vollkommen hinreichend, dieses Bekenntnis manchmal, jedenfalls bei paffender Gelegenheit, zu verraten, aber in den Zeitungen und öffentlichen Ankündigungen ist es besser, weil... mell_kürzer, „akademische Verbindung" zu heißen. Das ist die Denkungsart jener Leute, die auf den Kommersen mtt lautem Sing-Sang sich als die Pioniere und Kämpfer für den jüdisch-nationalen Gedanken dem Publikum vorstellen und in der Pause zwischen dem „Gaudeamus" und „O du alte Burschenherrlichkell" schwören, für die jüdische Ehre mit „Gut, Mut und Blut" einzutreten. Die wissentliche Ausschaltung des jüdisch-national und zwar dort, wo dies kräftig betont werden sollte, ist umso eher zu verurteilen, als diese Praxis von jenen Kreisen gepflegt wird, deren erste und heiligste Pflicht es ist, das „jüdisch" immer und überall hervorzukehren, um so den Namen „3iibe" von den häßlichen Schlacken zu reinigen, die ihm das Vorurtell der Gesellschaft aufgedrückt hat. Wiener Mijches Moskop. X. Die Sommersonne späht stech wie ein Interviewer in die Redaktion der Wiener-Abend-Zettung und vergoldet einen Staubkegel, wie die Pauschalien ein schmutziges Aktien-Unternehmen. Der Ausland-Redakteur übersetzt ein paar abgebrannte russische Dörfer aus der „Nowoje Wremia", der „Lokale" schaut angestrengt zum Fenster hinaus, ob nicht vielleicht ein „Aussehen, erregender Vorfall" in der Pelikangasse passiert. Der Setzer bittet um eine halbe Spalte Olga Molitor. Der Herr Chef Dr. Goldschmock hat Besuch. Einen unangenehmen; er fragt zum Beispiel: „Warum hat Ihr Blatt nicht ein Wort über den Zionisten- Kongreß im Haag gebracht?" Der Herr Chef regt sich auf. „Aber entschuldigen Sie, mein Bester, ich kann doch nur Sachen bringen, die unsere Leser interessieren, wie Katholikenkongreß, Syllabus, Reformderchristlichen Ehe. ^„Aber, hören Sie! Ihre Leser find doch lauter „Eben darum, eben darum! Die Wiener Juden sind alle antiklerikal."

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