Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 13 (6.9.1907)
- Date
- 1907-09-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Neue Zeitung Zionismus betrifft, so erklärt Schiff, -nicht mit ihm zu sympathisieren. „Nicht in fernen Ländern, sondern hier unter uns müffen wir Zentren schaffen, von welchen aus die Liebe zu unserer Religion und zu' unserem Volke großgezogen werden soll." Aber er sympathisiert auch nicht, mit jenen, welche, den nationalen Bestrebungen im Judentum fernestehend, alle diejenigen angreifen, die sich dem Zionismus anschließen, weil sie der Anschauung sind, daß die zionistische Bewegung , viel rascher und sicherer das jüdische Selbstbewußtsein zu erwecken und zu erhalten vermöge." —Heber das, was mit den nach Amerika einwandernden Juden geschehen soll, äußert sich Schiff folgendermaßen: „Es erwächst uns eine besondere, hervorragende Pflicht nach zwei Richtungen: Wir müffen zunächst eine weitere Stauung der Juden in den so sehr überfüllten Großstädten hintanhalten und eine rationelle Verteilung der überschüssigen Juden in die weniger bewohnten Gegenden durchführen, andererseits ganz neue Zentren schaffen, in welche die Neuankömmlinge geleitet werden sollen. Für den letzteren Zweck eignet sich besonders der Westen Amerikas, der alle Vorbedingungen besitzt, welche zur Erreichung der von mir angegebenen Ziele erforderlich sind." - Die „Jüdische Chautauqua-Gesellschast", in welcher Schiff seine Rede hielt, beschloß, diese in 50,000 Exemplaren unter den Juden zu verbreiten. Professor Masaryk. Ein Freund unseres Blattes schreibt uus: Professor Masaryk hat die Ferien benutzt, um nach Amerika zu reisen und dort Vorträge zu halten. Er wurde nicht nur von feinen tschechischen Volksgenoffen, sondern auch von den Juden enthusiastisch begrüßt, — von diesen wegen seiner Stellungnahme im Prozesse Hilsner. Damals stand er allein, ein Held und Märtyrer gegen ein ganzes verblendetes Volk, gegen sein, gegen das von ihm über alle Maßen geliebte tschechische Volk. Er ließ alle Verfolgungen über sich ergehen, um der Wahrheit willen, die ihm über Alles geht, und wohl auch, weil er wußte, daß damit seinem Volke am besten .gedient ist. Seitdem hat er sich wieder zu größerem Einflüsse heraufzuarbeiten gewußt,, wiewohl er den volksverführenden maulmachenden Strebern und Flachköpsen, die sich Politiker nennen, noch - immer ein' Greuel ist. Man darf sich Masaryk nicht etwa als einen Judenfreund von Beruf vorstellen. Nichts ist. er weniger als das. Im Grunde ist seine Rolle in der Sache Hilsner nur eine episodische Folge seiner Erkorenheit. Er ist einer jener gezählten Männer, denen ein, gütiges Schicksal das Glück verlieh, den Jdealtypus zivilisierten Menschentums, zugleich aber auch ihres Volkes darzustellen. ,Representative men“ nennt der Engländer diese Begnadeten, die Einem den Glauben an das Menschengeschlecht zurückgeben, wenn er schon zu schwinden droht-. \ , Zweimal hatte ich besonders Gelegenheit, das Symbolische in ihm zu schauen: Einmal, als ich ihn auf der Prager Klemseite in seiner Wohnung, mitten in kleinbürgerlicher tschechischer Umgebung, iy einer Gegend, die pragerisch ist, wie keine zweite, besuchte. Durch mehrere unglaublich große und hohe Wohnräume, die kaum beleuchtet waren. — es war Abend — mußte ich durchgehen, bis ich in sein Arbeits¬ und Bibliothekszimmer kam. Ebenso groß und' hoch, war es wenigstens so hell, daß man die altväter.sche Einrichtung und die große Bibliothek wahrnehmen konnte. Das Licht kam aus einer Ecke-- vom Schreibtische her. Und dort saß er. Und was er dann mit mir, sprach, war so bestimmt im Ton und, doch so mild im Sinn. Besonders gut sprach er sich über die jüdischnationale Bewegung aus, von der er sich viel, sehr viel erhofft. Das zweite Mal . wars im Parlamente, an einem Tage, an dem ich ihn nicht sprach und er mich gar nicht bemerkte. Ich sah ihm nur nach, wie er aufrechl, etwas steif und eckig, durch viele, viele Kriechexistenzen hindurchschritt — jeder Zoll ein Adelsmensch .... Masaryk's Rede, die er gelegentlich der letzten Budgetdebatte im neuen Abgeordnetenhause hielt, , war die würde- und eindrucksvollste, die man bisher gehört hat. Und für die Zukunft ist noch viel von ihm zu erwarten. Seine - wissenschaftliche Bedeutung als Soziologe ist groß. Er steht der Idee der nationalen Autonomie sympathisch gegenüber: Bod da nud dort. Heraus aus dem Sumpf! Wir erläutern im Leitartikel die Geschichte einer kultusvorständlichen Brutalität gegenüber dem hiesigen Verein „Schomrej hadass“. Wie wir dort mitteilen, hat sich. der Verein gezwungen gesehen, gegen die die Gewissensfreiheit verletzende Entscheidung des Vorstandes eine Beschwerde au den Wiener Magistrat zu richten. Die Beschwerde ist von Herrn Dr. Josef Zipfer, der bekanntlich bei den letzten Kultuswahlen als oppositioneller Kandidat aüftrat, verfaßt. Sie zerpflückt die Scheingründe der Entscheidung des Kultusvorstandes und deckt die Ungesetzlichkeiten dieser Behörde auf. Amüsant sind die beispielsweise angeführten Fälle der Bethauskonzeffionen an private Unternehmer. Selbstverständlich werden wir ' die Affaire nicht aus dem Auge lassen. Derlei lassen - wir dem Kultusvorstande nicht ruhig hingehen. Die Intoleranz, die er mit Vorliebe gegen die Ostjuden übt, muß ihm abgewöhnt werden! Antisemitische Frechheit. Vor dem Erkenntnissenate des Strafgerichtes fand jüngst vre Verhandlung gegen einen Zuhälter wegen Messerstecherei statt. Der Zuhälter benahm sich nun bei'Gerichtewie sich Leute seiner Art zu benehmen pflegen. Der Umstand aber, daß der verworfene Mensch ein Jude ist, veranlaßte den Vorsitzenden Landesgerichtsrat Calinescu, zu der in verachtungsvollem . Tone gesprochenen, d. h. umso verächtlicheren, frechen Bemerkung: „D a s l i e g.t schon in der Rasse" ... Herr Landesgerichtsrat Calinescu glaubt wahrscheinlich mit jeinen Worten den rumänischen und anderen arischen Zuhältern schon bessere Manieren beigebracht zu haben. Es wird nichts helfen, man wird anfangen müffen, nach antisemitischem Muster alle arischen Lumpen mit Ausrufungszeichen zu versehen. Wir - sieuen uns schon auf den Wald von Ausrufungszeichen. Wahle» in die Erwerbsteuerkommission. Man schreibt uns aus Zablotow: Am 27. d. M. fanden hier die Wahlen der 30 Wahlmänner, die die Vertrauensmänner in die Erwerbsteuerkommission zu wählen , haben, statt. Schon am 22. erschien der bekannte Moschko Eisig Roth, Haupttrafikant aus Sniatyn, der bei der dortigen Reichsratswahl eine hervorragende Stelle gespielt hatte und mit Len berüchtigten Moschkojuden Kohn — Wechsler unter einer Decke spielte, um seine Partei zu organisieren, damit er in die Erwerbsteuerkommission gewählt werde. Unser Städtchen hat nämlich 3 Vertrauensmänner in die Kommission zu entsenden. Nun' wollte Herr Roth, daß sämtliche Stimmzettel ihm ausgefolgt werden. Zu diesem Zwecke entsandte er seine Helfershelfer, die Herren Chaim Thau Joffels, den Gemeinde-Sekretär Karl Hübscher und seinen eigenen Bruder F. Roth, sowie den bekannten „Moysa-Anhänger" Hersch Thau Jacobs, um die Stimmzettel bei den Wählern einzusammeln. Doch im letzten Moment rafften sich die Herren. Leon Spottheim, Nathan Thau jun., sowie Herr N. Locker auf, und es gelang ihnen, von den 220 Wahlberechtigten 4. Klaffe 150 Zettel zu bekommen. Speziell Herr Leon Spottheim zeichnete sich dadurch aus, daß er es zustande brachte, in 6 Stunden 75 Stimmzettel u sammeln. Als unsere Gegner am Abend des 26. ahen, daß sie nicht mehr als 33 Zettel hatten, gaben sie die Sache auf und übergaben uns die 33 Zettel, sodaß wir heute bei der Vorwahl einen vollständigen Sieg davongetragen haben. Ben Ami. Aus Brody schreibt man uns: Der Rabbiner von Sniatyn ist am 27. August zu uns .gekommen. Der größte Agitator. des allpolnischen Moysa in einer Stadl, welche den jüd.-nationalen Abg. Adolf Stand wählte! Witzlinge sagen, daß er volle Taschen mit Wahlzetteln zum Landtage brachte. Wir aber sagen ihm, : falls er hier seine „Moysa-Rolle" fortseyen wird, dann bleibt er „jüdischer Seel>orger" bei uns höchstens über, die Feiertage. - Hamschorer. Genug des Ekels. Wir eihalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 10 Ihrer geehrten „Neuen Zeitung" wird erzählt, daß gegen mich eine Denuntion in Sachen der Qualifikationsprüfung vorlag, und Herr Berisch Meller, dieser Denunziation verdächtigt. Ich möchte nun öffentlich feststellen, daß. der Verfasser derbetreffenden, Notiz in zweifacher Richtung irrt: Erstens bin ich von derk. k. Bezirkshauptmannschaft in Nr. 13 Sachen der Qualifikationsprüfung -nicht gefragt worden, weil diese Prüfung in Wirklichkeit für keinen Rabbiner obligatorisch ist. Ich -wurde vielmehr nur gefragt, ob ich ein Zeugnis , der allgemeinen Schule, das nach § 2 des Ministerialstatuts - vom 7. Juni 1872, Zahl; 47 : für den Rabbiner erforderlich . ist, - besitze! , Zu dieser -Anfrage war . die Bezirkshauptmannschast berechtigt, 'weil eine Anzeige vorlag, daß » ich ein solches Zeugnis nicht-besitze. Und ich teilte ihr auch mit, daß ich schon am 31. März 1906 z. Z. 1208 alle notwendigen Dokumente, darunter -auch das erwähnte Zeugnis, überreicht habe. Mehr verlangte man von mir .nicht. Was. aber zweitens den gegen Herrn.Berisch Meller erhobenen Vorwurf betrifft, ist der Verfasser der Notiz auf falscher Fährte. Denn Herr Meller ist nicht nur mein Verwandter, sondern auch ein treuer Freund, der stets mein Bestes will. Dies, der Wahrheit und des Friedens wegen. Zaleszczyki, 23. August 1907. Wolf Th um im, Rabbiner. Aufruf! Ein junger Mann in einer der Städte 32. galizischen Wahlkreises hat im Wahlkampfe bis zur Erschöpfung seiner Kräfte gearbeitet. Am Stichwahltage versetzte ihn das Miterleben aller der namenlosen Wahlschuftereien in einen solchen Erregungszustand,'-daß sein geschwächter Körper dies nicht mehr ertragen konnte. Er bekam einen Blutsturz. Nun braucht er eine Kur zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, speziell eine Badereise, verfügt aber nicht: über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Volksgenoffen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses ungen Mannes und Mitleid mit seinen jungen Jahren >aben, zu den Kurkosten beizusteuern. Wir sind bereit, olche Beträge zu übernehmen, ihrem Zwecke zuzuühren und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen Zeitung". Es sind : uns weiter zugekommen: Von Jakob Senensieb in Storozynetz Kr. 1.—, zusammen mit dem bereits Ausgewiesenen Kr. 107-87. ■ Bitte an Menschenfreunde! Die in . Sniatyn bekannte, und wohlgelittene Familie Deutsch ist von einem schweren Unglück heimgesucht 'worden. Ihr Haus ist niedergebrannt und dadurch ist schweres Elend - über die Leute gekommen. Wenn ihnen, nicht bald Hilfe naht,-so-gehen sie den schlimmsten Schicksalen entgegen. Und sie verdienen, daß man ihnen helfe. Nicht umsonst besteht, der dringende.. Verdacht, ..'daß -das- Feuer von politischeu Feinden gelegt wurde. Nicht umsonst hat der dem Brande zusehende Bürgermeister von Sniatyn , seine Schadenfreude geäußert und die Feuerwehr wiederholt vom Löschen zurückgehalten. Ein Sohn , . dieser Familie war während der verflossenen Reichs-- ratswahlkampagne einer der aufopferungsvollsten, eifrigsten und fleißigsten Kämpfer für die jüdischnationale Sache. Ein tapferer Kamerad darf aber in Gefahr und Not von seinen Kameraden nicht in Stich gelaffen werden. Wir bitten um Unterstützungsbeiträge für die unglückliche Familie, die wir dankend in unserem Blatte ausweisen werden. - Die Redaktion. Es sind uns zugekommen: Von Jakob Senensieb . in Storozynetz Kr. 1:—, zusammen mit dem bereits Ausgewiesenen Kr. 7-60. Alls der ji'ld. Ocffentlichkcit. In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Aufnahme. P o a l e Zion, W i e n. Samstag Abends präzise ‘«,8 Uhr, Bericht über den 8. Zionisten- Kongreß. Referent: Genosse S. Kaplanski. Ort: Cafee Stefanie.-Gäste herzlich willkommen. Z a l e s z c z y k i: Am 20. August veranstaltete die hiesige studierende jüd. Jugend eine Rosenfeld- Feier mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Die Feier erössnete Herr stud. jur. Abraham T e i t e l b a u m und besprach in seiner ausführlichen Rede das Leben des Dichters und seine Bedeutung. für die jüdische Literatur. Nach mehreren Deklamationen durch - die Gebrüder Lagstein 'ergriff Herr H. Bergmann das Schlußwort. In schönen Worten besprach er die Stellung Rosenfelds in der Literatur im Verhältnisse zu anderen Dichtern. Rach dem offiziellen Teile wurde bis zum frühen. Morgen - flott getanzt. Das Reinerträgnis fiel ganz dem erblindeten Dichter zu.. Kimpolung. Am 25. v. M. veranstaltete die jüd. nat. Juge»d, unter dem Protektorate des Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Herr _ Dr. Benno Straucher, einen jüd. lit. Abend mit anschließendem Tanzkränzchen, welcher ungemein stark besucht war und als sehr gelungen zu bezeichnen, ist. Den Veranstaltern brachte er sowohl einen, moralischen als auch einen bedeutenden materiellen Erfolg. Den