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Neue Zeitung · 1907-09-06 · Heft 13 (6.9.1907) · p. Seite 2

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 13 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Ne.ue Zeitung Nr. 13 «genannten jüdischen „Versorger", die Versamm-' lungen einberufen und es überallhin ausposaunen, Laß sie die besten Mittel haben, um-unserem Volke zu helfen, daß sie die Einzigen sind, die unsere Leiden kennen, haben es noch niemals versucht, irgend einen Ausweg von praktischem Werte zu zeigen/ wenigstens schandenhalber etwas für diejenigen zu tun, deren Führer sie mit aller Gewalt sein wollen. Die Führer der nationalen Bewegung, die gleichzeitig die Leiter der jüdischen Politik sind, müssen sich von den assimilatorischen Führern strenge unterscheiden: Während die Politiker allen Schlages eine Politik der Individuen betreiben, während ihre Politik in Protektionsherrschaft von Propinatoren und.ärarischen Lieferanten ausartete, müssen die Polllller der neuen-nationalen Partei Volkspolttik treiben. Und nicht blos dem Namen nach, sondern praktische Volksarbeit, die es den breiten jüdischen Massen ermöglicht, auf Grund der Steuern, die sie zahlen und der sonstigen Staatspflichten, die sie erfüllen, besser zu leben. Wcmim geht es den galizischen Juden so schlecht? Warum kommen täglich neue Bankerotte im jüdischen . Handel vor? Deshalb, weil die jüdischen Geschäfte ohne Kapital gegründet sind, und weil die jüdischen Kaufleute in Galizien keine billigen Kreditquellen haben, wie sie der Handtzlsstand anderer Nationen besitzt. Unsere Reichen und Großen, die in den großen Kreditinstituten Einfluß besitzen, lassen es nicht zu, daß der kleinere Kaufmann in der oder jener Bank Kredit bekommt, damit sie die Wuchereinkünste, die den jüdischen Händler ruinieren, nicht verlieren. Jüdische Kaufleute zahlen 10 bis 18 Prozent Zinsen. Und manche schändliche Eskompteure nehmen von ihren Opfern noch Ueberwechsel. Das will heißen: Wenn ein Kaufmann 3000 Kronen borgt, muß er einen Wechsel auf 4000 Kronen geben. Damll der Wucherer „Reserve- Akzepte" hat, wenn ein Akzeptant fällt, und so ohne Risiko arbeiten kann. So kommt es dann dazu, daß der Kaufmann nie soviel Kredit bekommen kann, als seine Wechsel ausmachen. Und . es ist nicht verwunderlich, daß eine Menge von Kaufleuten nicht weiter kann, well die Wucherer sie ausgesogen haben und den Kredit plötzlich ———-H»_opwo—Oßlnnen in. Jjofc»”- - glauben. Es gibt leider genug solche Wucherwanzen, die dem "Kaufmann so lange das Geschäft erhallen, bis sie ihn ausgeraubt haben. Was soll der jüdische Kaufmann tun, der .seine Zahlungen decken soll und , keine Aussicht auf billigen Kredit hat? Der Eskompteur läßt oft nur einige" Stunden vor der Fälligkeit dem Kaufmann sagen, er könne es jetzt nur mit 1% mehr als früher machen? Was soy der arme jüdische Kaufmann tun, dem der Strick schon um den Hals liegt, der d en Bankerott vor sich sieht, wenn er um das 1% mehr nicht bewilligt? Viele und öffentliche Damen suchen Opfer für ihre Reingewinne. - Infolge dieser reichen Entwicklung öffentlichen Lebens leidet die private Geselligkeit sehr. /Der sympathische, legere Sommeroerkehr, die kurzen, intimen Saisonfteundschasten-.^sind öden Tanzkränzchen und bornierten Unterhaltungsabenden gewichen. Und nichts ist in Vöslau langweiliger, als sich zu unterhalten. Man glaubt, daß gerade dort, wo Juden in so großer Menge beisammen sind, sich ein starkes, jüdisches Geselligkettsle-en heranbilden könnte. Und es kennzeichnet in hohem Maße die Art dieser Juden, daß ihnen dieser gesellige Sinn hier ganz fehlt. Sie begnügen sich damit „Kurort" zu spielen und großen Herrschaften nachzuahmen. Es gibt keine Lächerlichkeit darin, der nicht applaudiert würde. Sie sind nicht einmal originell. Sie sind Nachäffer, nicht einmal iy ihrer Entartung gross. Sie sind einfach lächerlich. Das ist alles. Das ist aber für uns umso schmerzlicher, als diese Sorte von Juden, wenn auch nicht bewußte, so doch wohlhabende Juden sind und von Nichtjuden als der Typus angesehen werden.' Es'sind eben solche, in denen der letzte Funken Rasse erloschen ist und die aus einem nationalen Zusammenbruch nur unangenehme Gewohnheiten und Brillanten gerettet haben. Und da muß ich zur Verteidigung VösläuS gestehen, das dieser Zug aus dem nebenliegenden Baden kommt, das iür Vöslau das ist, was Paris für eine Provinzstadt. Man imitiert. Man bezieht den neuesten Modeschnitt aus Baden von der Hauswiese. . Die Musik ist dort nur , eine Begleitung der Farbentöne in Kleidung verkaufen ja auch um den Selbstkostenpreis, nur um bares Geld in die Hand zu bekommen und sich nicht an die tödtlich gehaßten Blutegel wenden zu müssen. Andererseits kann der jüdische Händler in Galizien nicht viel verdienen, weil er fürchten muß, die Kundschaft zur Konkurrenz, die sich in derselben geschäftlichen Lage wie er befindet, zu jagen. Man darf getrost annehmen,, .daß der : Verdienst der jüdischen Kaufleute in den kleinen Städten und in einem großen Teile der großen Städte, nur ' -.5 % beträgt — gegen 10 bis 19%, die er dem Wucherer bezahlen muß! Nun stelle man noch in Rechnung, daß Juden Kinder haben, selber auch hungrig sind, und . Miete bezahlen müssen. Und man kann sich ungefähr einen Begriff, davon machen, wie der jüdische Handelsstand in Galizien ausschaut und wie da die jüdischen Kaufleute leben. Und dazu die Ueberproduktion! 70 Perzent der galizischen Juden beschäftigen sich im Handel. Fabriken, in welchen man sich als Arbeiter was "verdienen kann, gibt^es in Galizien nicht. Wem die Möglichkeit auszuwandern fehlt, der muß sich dem Handel zuwenden/ So ist es kein Wunder, daß es verhältnismäßig zehnmal soviel Verkäufer als Käufer gibt. Der Handelskandidat fragt. sich nicht, ob er das Fach versteht, die Branche kennt/ Er sieht nur, daß dÄ Nachbar sich fortrackert und-gelegentlich Ware kriegt,, und denkt: Ich merde vielleicht leichter Warenkredit bekommen. Und so kann man konstatieren,, daß in diesem oder, jenem . Städtchen über Nacht zehn neue Eisen-; oder Schnittwarenhandlungen aus dem Boden wachsen. Diese Geschäfte sind nicht im Zuge der natürlichen geschäftlichen Entwicklung - entstanden, weil etwa die betteffenden Kaufleute das Bewußtsein hatten, damit Lücken auszufüllen, sondern sie sind Produkte der wirtschaftlichen Not der Juden, die-sie Alles-tun läßt, um nur nicht zu verhungern. ' \ - , Die Unkenntnis der Branche, die die Kaufleute wählen, führt wieder dazu, daß sie schlecht einkäufen. Sie beziehen Ware, die keinen Absatz hat. Sie verstehen sich nicht auf den Wert der Ware. Und wenn'sie sich darauf verstehen, schweigen sie oft beim Einkauf, weil sie von ihrer Kreditun- ' ' Kurz, die Lage/des jüdischen. Kaufmannes in Galizien ist eine traurige / und. verschlechtert sich von Tag zu Tag. Dazu ist noch seit-einigen Jahren die Konkurrenz der Ruthenen und Polen, die sick auf den Handel .zu werfen beginnen, hinzugekommen. Sie arbeiten mit größeren Summen, bekommen billigeres Geld und Subven- . tionen von den nichtjüdischen Bankinstituten. In den galizischen Sparkassen, die sich fast in jeder größeren g lizischen Stadt befinden und zumeist mit jüdischem G lde begründet wurden, bekommen heute jüdische Kaufleute keinen Kredit, während und Schmuck. Es ist ein geradezu sündhafter Putz. . . \ * ’ Aber der Zorn Gottes, der sich einst über' Sodom und Gomorrha ergoß, errichtet in Baden nur noch Schwefelbäder. Gott weiß, daß er nur noch zu einem Ausruft herabgesunken ist, wenn man vernehmlich seufzen will, und daß die Gottseligkett seiner Gläubigsten dahinreicht, ihn einen Tag anzufasten. .... - Um aber Vöslau nicht ganz Unrecht zu tun. Man kann nicht sagen, daß für Geistiges nicht gesorgt wird. Der Kainz der „Budapester", Herr Eisenbach, gab „ein einmaliges Gastspiel" und große Plakate, enthielten schon-Tage vorher die einfachen, aber verständnisvollen Worte:' „Elsenbach kommt." Ich kann leider nicht Mitteilen, was Herr.Eisenbach von seiner göttlichen Kunst zum Besten gab, aber es genügt, wenn ich versichere, daß die obenerwähnte Creme der Gesellschaft vollzählig erschien und der Erfolg ein vollendeter war, zumindest der Kassaerfo g. So streiten sich die. beiden Nachbarorte Vöslau und Baden um den Vorzug. . Trotzdem scheint die Sonne noch immer in wunderbarer. Klarheit. Der Spätsommer blüht noch einmal zart, und lieblich an allen Ecken und Enden, trotzdem er schon silberweiße Fäden spinnt. Die Bewo ner konnten dem femen stillen Ort doch nichts anhaben. Wenn auch die Sonne über all dem Stumpfsinn errötet und im Untergehen noch von zudringlichen Betrachtungen philosophischer Kurgäste verfolgt wird, so lächelt-sie doch noch gutmütig im Scheiden? . Und das Vöslauer Bad wäscht alles rein. Thekla Blech. er den ' christlichen nirgends ■ versagt -wird. Zu veranschlagen ist noch der /wirtschaftliche Boykott der christlichen Gesellschaft gegen die . jüdischen Geschäftsleute und die Agitation der -polnischen Hetzpresse: „Kauft? nur bei Christen!"-Und es wird noch klarer, welcher. Zukunft die 800.000 galizischen' Juden, die ihre armselige Existenz durch den Handel fristen, entgegengehen.. < In Ostgalizien, wo der größte Teil' der jüdischen Bevölkerung konzentriert ist, , haben in den Dörfern die Ruthenen den Juden schon den Handel entwunden. In den Dörfern der Tarnopoler Gegend gibt es. heute hunderte ruthenische Manufaktur-' und Spezerei-Kallfleute, durch deren Auftreten die jüdischen Händler zum Auswandern gezwungen wurden, obwohl sie billiger verkauften. Denn der Bauer zahlt gerne'mehr, wenn er nur nicht beim Juden kaufen muß. Und von den armen Juden, die kaum das ttockene Brot haben — die Reichen besorgen sich ja ihren Bedarf in den großen Warenhäusern — kann der jüdische Kaufmann, nicht leben. Mun.fragt es sich aber, ob alle, die durch den Handel zum Untergang verurteilt sind, auch wirklich auswanderungsfähig sind? Es fragt sich, ob die tausende von Juden, die in den Chedorim erzogen sind und weder deutsch noch englisch können, die in der Meinung erzogen-sind, daß ihr Städtchen der Mittelpunkt der Welt ist, und aus der Ghettolust niemals herausgekommen sind, in der modernen Welt, in der modernen Industrie-eine-Zukunft haben? Nein! Die tausenden Juden gehen zu Grunde, leben vom Betteln und Hausieren, werden von ihrem geistigen Leben, von ihren Gewohnheiten losgerissen und-bilden in den großen Städten eine wirtschaftlich "zu-. grundgegangene Masse. Und nun: Was ist zu thun? Was ist die Äu'gabe der neuen jüdischen Nationalpartei? Wir glauben, daß man mit der großen Politik heute, nicht weit kommen kann.. Eine Volkspartei, wie es unsere ist, muß mit dem Leben des Volkes rechnen undsirachten, durch.verschiedene -Mionen in Galizi/n bie Lage zu verbessern. Das Herumwandern ruiniert noch den letzten Rest, von Hab und Gut. An Ort und Stelle, unter Bekannten und Verwandten lebt man auch billiger als in "Der 'Fremde. ' 'Es ist / also Pflicht der nationalen. Politiker: 1.) billige Kreditbanken für die jüdischen Kaufleute zu gründen, die dann , werden existieren können, während sie jetzt von den Wucherern ausgesogen werden, 2.) gegen diese Wucherer. Maßnahmen zn treffen, sie zu verfolgen, wie man Verbrecher verfolgt, . .3.) jüdische Gewerbeschulen . zu gründen, in welchen die Jugend die zu nichtjüdischen Gewerbeschulen keinen Zutritt hat, zu modernen Arbeitern erzogen wird. Dabei sei auf eme Gelegenheit hingewiesen, wie Tausende jüdischer Arbeiter in Oesterreich wirtschaftlich .sichergestellt, werden könnten. Oesterreichgeht jetzt einem ökonomischen Aufschwung entgegen. Viele Fabriken stehen jetzt ohne Arbeiter da, namentlich die böhmische und mährische Textilindustrie hat. jetzt Platz für tausende geschulte .Weber. Es wäre also eine jüdische Web- und Textilschule zu errichten. .4.) Arbeitsnachweise zu schaffen. Bis jetzt haben wir nur Klagen gehört. Wir hoffen, daß somit dem Erwachen der großen Masse auch die jüdischen Führer, die jüdischen Politiker zu wirtschaftlicher Tätigkeit und nationalkultureller Arbeit erwachen werden. Ein seltsamer Allsrns. Wir lesen im Inseratenteil der letzten . Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" folgenden „Aufruf": Der achte Zionistenkongreff im Haag, der .eben geschlossen wurde, hat den Sieg,dee praktischen Zionisten gebracht. Der politische Zionismus ist tot. Im Haag ist Herzls Erb- , eingesargt worden. Sie haben dort Herzl wieder um begraben. Usstschkin, der alte Gegner Herzls. hat gesiegt. Der Ussischkinismus ist Trumpf.. Es lebt der durch die Tatsachen und. Herz lüber wundene Chowewe Zionismus wieder auf. Es besteht kein Unterschied zwischen dem neu ver- - kündeten praktischen Zionismus und dem Chowewe Zionismus. Abgestoßen sind die.Westjuden, von der Tribüne des Kongresses vertreibt man die Intellektuellen. Wer daher das Erbe Herzls wahren will, wer die durch unseren großen Führer geweckte

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