Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 12 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite. 4 Neue Zeitung Nr. 12 Herr Jakob Herz in Warschau deponierte 100.000 Rubel mit der Bestimmung, daß das Geld so lange zu liegen habe, bis die jährlichen Einkünfte 12.000 Rubel betragen. Dann solle aus oen Zinsen ein jüdisches Lehrerseminar gegründet werden. Hervorragende Sozialisten über die. Nation. . Auf dem eben verflossenen Stuttgarter interuationalen Sozialistenkongreffe sprach Jaurtzs die schönen Worte: „Die Ration ist das Schatzhaus des menschlichen Genies und Fortschrittes und es stände dem Proletariate schlecht an, diese kostbaren Gefäße menschlicher Kultur zu zertrümmern.^ — Ebendaselbst sagte Wollmar: „Die Liebe zur Menschheit kann uns in keinem Augenblicke daran hindern, gute Deutsche zu sein. So sehr wir die gemeinsamen Kulturintereffeu anerkennen und die Verhetzung der Völker verdammen und bekämpfen, so wenig geben wir uns utopistischen Bestrebungen hin. Als ob es wünschenswert sei,Nationen aufhören zu lassen und einen unterschiedslosen Völkervrei daraus zu machen!— Der Bericht der Wiener „Arbeiterzeitung" verzeichnet nach obigen Ausspruche Jaures „Sehr gut!" und druckt dieselben Stellen wie wir mit gesperrten Lettern. Aus der territorialiftischeu Bewegung wird uns offiziell mitgeteilt: London. Mr. Clement I. Salaman, Ehren-Sekretär der „I. T. O." ist nach Bremen gereist, um persönlich die Lage der Emigranten, die diesen Hafen benützen, zu studieren und zu verbeffern. Gleichzeitig wird Mr. Salaman den fünften E m igraute n -T r a n s p o r t der „Jüdischen-Territorialistischen-Organisation" nach G a lv e st o n überwachen. Krivoy — Rog Mußland). Dreitausend Stadtbewohner übersandten Mr. Zangwill ein Vertrauens-Votum und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die . Wahl des Zufluchts-Landes baldigst entschieden sein werde. B u k a r e st. Die Tätigkeit. des I t o - E Migration s- D epa r t e m e n ts entfallet sich immer mehr und umspanpt einen stets größer werdenden ' Rayon. Das rumänische Departement steht unter der umsichtigen Leitung des bekannten Terrüorialisten Dr. Oskar Nachts Am 17. d. M. würde bereits die zweite Auswanderer-Gruppe nach Bremen befördert, woselbst sie am 22. ca. mü der fünften russischen Gruppe zusammentraf er nach Galv e st o n eingeschifft wurde. Bon da und dort. Opfer der rumänischen Greuel. 'Dieser'Tage langten wieder rumänisch-jüdische Auswanderer, die bei den letzten antisemitischen Unruhen ihr Hab und Gut verloren haben, in Wien an. Es waren 160 Personen. Sie mußten wegen der Blatternerkrankungen in Wien ihre Reise sofort fortsetzen. Ihr Reiseziel ist Kanada. Jakov Feuerstein. Jakob Feuerstein ist einer der schlimmsten Typen des galizischen Moschko-Judentums — sozusagen eine höhere Synthese aus Berisch Stern, Isidor Blutreich und Schwelle Horowitz. Bei den letzten Reichsratswahlen hat er in Drohobycz, wo sich die Behörde passiv verhielt, den Wahlschwindel, vor allem dxn Wahlterror gegen die Anhänger des Dr. Z i p p e r mit wohltuendster Offenheü ganz allein besorgt. Der Mann ist nämlich Vizebürgermeister, , in Wahrheit aber als Chef der reichsten Petroleumfamllie im Orte. der unumschränkte Gebieter der Stadt. Wir geben nun mü aller Reserve die uns zugekommene unglaubwürdige Nachricht wieder, daß Feuerstein suspendiert woäen sein oder eben vor der Suspension stehen soll. Ein Regierungskommissär sei nach Drohobycz gekommen und habe die Geschäfte der Stadt übernommen. — lieber den Grund dieser angeblichen Vorgänge haben wü noch nichts erfahren. Kultuswahleu iu Czernowitz. Die Knltuswahlen in Czernowitz fielen in allen drei Wahlkörpern zu Gunsten der unter Führung des Reichsratsabgeordneten Doktor S t r a u ch e r stehenden jüdischen Nationalpartei aus. — Unter den gewählten befindet sich auch Universitätsprofeffor Dr. Leon K e lln er. Die Czernowitzer jüdisch-nationalen Studentenverbindungen „Emunah", „Hebronia" und „Zephirah" sendeten an ihn, der sich gerade in Wien aufhielt, folgendes Telegramm ab: „Mr beglückwünschen Sie und uns zu Ihrer Erwählung in den Kultusrat, überzeugt, daß Ihr reicher Geist und Ihr hohes Pflichtgefühl der jüdischen Sache auch an dieser Stelle zu Nutzen gereichen wird." DKrfrvf! Ein junger Mann in einer der Städte. 32. galizischen Wahlkreises hat im .. Wahlkampfe bis zur Erschöpfung seiner Kräfte gearbeitet, Am Stichwahlla'ge versetzte ihn das MüerlÄen aller der.'namenlosen Wahlschustereien in einen solchen Erregungszustand, daß sein geschwächter Körper dies nicht mehr ertragen konnte. Er bekam einen Blutsturz. Nun braucht er eine Kur zur Wiederherstellung seiner. Gesundheit, speziell eine Badereise, verfügt aber nicht über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Vollsgenoffen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses jungen Mannes und Mitleid mit seinen jungen Jahren haben, zu den Kurkosten beizusteuern. Wir sind bereit, solche Beträge zu übernehmen, ihrem Zwecke zuzuführen und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redallion der „Neuen Zeitung". Es sind uns weiter zugekommen: Von einem "Zephiraner in Szypot-Kam. K. 2.—. Zusammen mit dem bereits Ausgewiesenen K. 106.87 Aus der;üd. Aeffenttichkeil. In dieser Rubrik finden u. a. Verlaut-' barnngen jüdischer Körperschaften — ohne .Unterschied.der Richtung — Aufnahme. Vom 8. Zioilistell-Kongrcß. (Originalkorrespondenz.) - Dienstag, 20. August. Vormittag wurde die Spezialdebatte über die Palästinafrage fortgesetzt. Professor Marburg und Dr. Lew in sprechen ebenso entschieden als wirkungsvoll gegen die extremen Politiker. Der Erstere redet u. A. von den „Luftschiffen" der Herren Doktor Marmorek, Dr. Mahler u. s. w. Unter ungeheuerer Erregung wird über die Anträge des Palästinaausschuffes abgestimmt. Dieselben werden mit. riesiger. Majorität mit einigen Modifikationen angenommen. Die Be«, schlöffe lauten: 1. Der Kongreß beschließt, daß-ein besonderes Palästinareffört - innerhalb, des engeren A- C. geschaffen wird, welches das Recht hat, sich Beiräte zu ernennen.. Dieses Palästinareffört soll unter der Leitung eines Mitgliedes >, des Engeren'A. C. stehen. Ihm'wird ein in Palästina befindliches, aus einem oder mehreren besoldeten Beamten bestehendes Palästinaamt unterstellt. 2. Der Kongreß beschließt, daß 25 Perzent aller Einnahmen des A- C-, sofern sie nicht für andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästinareffört beim Jewish Colonial Trust -zur Verfügung gestellt werden. Außerdem fließen dem Palästinareffört die für seine besonderen Zwecke gesammelten und gespendeten Beiträge zu.' 3. Der Kongreß beauftragt das Palästinareffort, die Frage der Siedlnngsgenossenschast in Palästina zu studieren und der Jahreskonferenz darüber Bericht zu erstatten. . 4. Der Kongreß beschließt, das Palästinareffort und das Direktorium des I. C- T. zu bcanstragen, umgehend ein Institut für ländlichen und städtischen Bodenkredit in Palästina zu schaffen. Dieses Institut soll womöglich einen Teil der A. P. C. bilden und das Recht haben, städtischen und ländlichen Boden ' zu kaufen und zu verkaufen, zu . pachten, zu verpachten und zu bebauen. 5. Der Kongreß beauftragt das Palästinaressort, den Bildungsanstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fonds zu schaffen. Er beantragt ferner, das Palästinareffört, für die Entwicklung einer hebräischen Mittelschule in Palästina Sorge zu tragen. Außerdem wird folgender Zusatzantrag zu Punkt 4 angenommen: „Der ‘ Kongreß empfiehlt dem engeren fl. C. und> dem Direktorium, der A. P.. Casür Sorge zu tragen, oaß bei der A. P. C. eine Abteilung für langfristige Kredite - aulländlichen und städtischen Boden , eingerichtet weroe, welche auch das Recht haben sollen, städtischen und ländlichen Boden zu: kaufen und' zu verkaufen, zu parzellieren, zu pachten, zu verpachten und zu ameliorieren." Viel bemerkt wurde, daß . Ussischkin verhältnismäßig wenig hervortrat. Die Thesen des Herrn Dr. Ehrenpreis zur Frage der nationalen Erziehung in der Diaspora werden einer 25gXtebrigen Kommission überwiesen: Eine -kurze. Debatte, . entspinnt sich über folgenden Antrag S o k o l o w s: „Der Kongreß beschließt, ..die hebräische;■ Sprache als offizielle Sprache der zionistischen Bewegung, ihrer leitenden Stellenihrer Kongresse und Konferenze i.prinzipiell.anzuerkennen und praktisch sukzessive einzuführen. Unsere' nationale Sprache wird hiemit für den Zionismuß obligatorisch. Rur aus Rücksicht auf die Notwendigkeit der Popularisierung der Idee bleibt, es der Organisation anheimgestellt, sich neben der hebräischen, auch anderer Spra- , chen zu bedienen. Der Antrag wird unter lebhafter Bewegung von einem schwach besuchten Hause ange-' nommen. Viele sind mit ihm unzufrieden — teils weil sie ihn für verfrüht halten, teils aus prinzipiellen Gründen. Im Sinne der : Ersteren soll; sich auch Wolffsohn geäußert Die Rachmittagsfltzung war mit der Verhandlung über die etwas trockene Materie der Neufassung des Organisationsstatutes - ausgefüllt. Von den gefaßten Beschlüssen ist besonders der hervorzuheben/ der es. .Sondergruppen gestattet, sich über den Rahmen der Landsmannschaften hinaus zu Föderationen zusamenzuschließen, wenn sie mindestens 3000 Mitglieder stark sind. . Damit ist einem lebhaften Wunsche der proletarischen zionistischen Richtung, der „Poale Zion" Organisation, Rechnung getragen. Stürmischer Beifall erweckte die Mitteilung des Präsidenten, daß von dem Mitglied des A. C., Herrn Jakob Moser aus Bravfort, die Summe von 80.000 Franks für das hebräische Gymnasium in Jaffa und 10.000 Franks für die^Knnstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem gespendet worden sind. - Mittwoch, den 21. August 1907. . Vormittag fand die Generalversammlung der -jüdischen Kolonialbank statt, in der beschlossen. wurde, eine Ditzidende. von 3 V Pro- . zent zu erklären. Nachmittags wurde auf den Vorschlag des Präsidenten der wichtige Beschluß gefaßt, einen Parteifond zu schaffen, zu dem jeder Zionist : verpflichtet, ist, im.laufenden Jahre.mindestens. Franks 5 beizusteuern. Hierauf ging. man zu den Wahlen über. Die'Stimmung des Kongresses war äußerst gespannt, da sich zwei Richtungen gegenüber standen,: einedie die Wahl, eines engeren A-C. von 5 Mitgliedern an Stelle' des bishengen von 7 und zwar unter Ausschluß der. beiden russischen Vertreter, propapierte und eineandere, die sich energisch für ein engeres A: C. aussprach, in dem auch die Russen, die bei weitem stärkste Landsmannschaft vertreten. sein. sollten: Nach. lebhaften: und teilweise überaus erregten Verhandlungen in den Kommiffionen, . gelangte schließlich der Permanenzausschnß, dem die Vorbereitung, der Wahlen oblag, zu dem Entschluß, dem Kongreß die..Wahl vonfünf Mitgliedern vorzuschlagen. Da aber der-Präsident des engeren A. C., Herr D. Wolffsohn mit Nachdruck darauf bestand, daß im Interesse der gedeihlichen und leichten Arbeit die Mitglieder des A. C-, dem. die gesamte Leitung der. Organisation obliegt, schnell und leicht zu vereinigen seien, verzichteten die beiden vorgeschlagenen russischen Herren, M. Utischkin und Dr. Tschlenow aus ihre Wahl. Die russische Landsmannschaft war jedoch gegen eine solche Zusammensetzung des engeren A. C. und infolgedessen erfolgte die Wahl des Präsidiums nicht einmütig. In das engere A. C. wurden Herr David Wolffsohn, Köln, als Präsident, Herr Prof.. Otto Marburg, Berlin, und Herr Jacobus N. Kann, Haag gewählt. Sodannerfolgte die: Wahl des ßroßen A. C > das aus-65 Mitgliedern,. Vertretern der. verschiedenen Lands-. Mannschaften und der Kommiffionen besteht. Für Oesterreich wurden gewählt: Adolf Böhm, Dr. Markus Brande, Dr.'Heinrich Gabel,- Dr. Abraham Salz, Dr. Gustav Mahler, Dr. Jsid-'r Schallt, und Adolf Stand. — Interessant ist die Wahl von Davis Trietsch unter den Mitgliedern für Palästina. Gegen 7,8 Uhr abends schloß der.Präsident, Herr David Wolffsohn den Kongreß mit einer mit stürmischem. Beifall aufgenommenen: Rede. Unter dem Singen nationaler Lieder und lebhaften Zurufen, der Delegierten und Gäste: schloß der 8. Kongreß.