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Neue Zeitung · 1907-08-23 · Heft 11 (23.8.1907) · p. Seite 4

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Journal
Neue Zeitung
Volume
1907
Issue
Heft 11 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 11 endlose Kette dieser rc.rc. hier vorbeizuschleppen. Wer einige Glieder aus ihr wollen wir doch zum Vorschein bringen. Die Erpressungen und sonstigen Verbrechen, die er anläßlich der letzten Neichsratswahlen begangen hat, sind noch in aller Erinnerung. Wir haben ihn wiederholt dieser Verbrechen bezichtigt und er hat . sich nicht gerührt. Ebensowenig hat er aber auch auf die Beschuldigungen reagiert, die das in Lemberg erscheinende Organ des Reichsratsabgeordneten Breiter, der „Monitor" gegen ihn in Masse veröffentlichte. Wir greifen aus diesen folgende heraus: a) In dir. 30 vom 24. Juli 1904 wird erzählt: In einem vor dem Tarnopoler Strafgerichte verhandelten Strafprozeße wegen angeblicher Verleumdung, begangen an Dr. , Blutreich kam ein solcher Unfug in der Verwaltung des Gemeindevermögens zutage, daß das Gericht beschloß, Dr. Blutreich als Nichtglaubwürdigen Zeugen unbeeidet zu verhören. Es wurde auch festgestellt, daß er amtliche Protokolle erdichtet und gefälscht hat, weßhalb auch der wegen Verleumdung angeklagte Herr Abraham Gottfried frcigesprochen wurde. b) In Nr. 35 vom 27. August 1905 wird dem Dr. Blutreich vorgeworfen, daß ihm die Gemeindekaffe über sein Bittgesuch 500 - Kronen als Unterstützung zu dem Zwecke bewilligt und ausbezahlt hat, damit er sofort zum Kurgebrauche nach Marienbad abreisen könne, daß er aber diesen Betrag im Kartenspiel verloren habe und die Badereise in der Saison 1905 unterbleiben mußte. o) Nr. 26 vom 24. Juli 1906 berichtet, daß Dr. Blutreich für die Erfüllung seiner amtlichen Pflichten von Privatparteien, in deren Jntereffe die Erledigung von Amtsstücken gelegen war, größere Geldbeträge als Darlehen erpreßte. Es wird ihm das als Mißbrauch der Amtsgewalt vorgeworfen und auch vorgehalten, daß fein Regime der Gemeindekaffe im Jahre 1904 ein Defizit von Kr. 26.000 eingeüracht. ü) In Nr. 28 vom 8. Juli 1906 wird Dr. Blutreich aufgefordert die Redakteure der gemachten Vorwürfe wegen gerichtlich zu belangen, —natürlich ohne. Erfolg, e) In Nr. 42 vom 14. Oktober 1906 wird ausgesagt," daß Dr. Blutreich bei Anlegung des elektrischen Beleuchtungsnetzes die Fabrik, welche 11.000 Kronen mehr verlangte, bevorzugte, und den Mehrbetrag als Bestechung einsteckte. Herr Moses Horowitz in Zaleszczyki zieht auch in seinem folgenden offenen Schreiben die richtigen Konsequenzen aus der Harthörigkeit und Dreistigkeit des echt schlachzizo-galizischen Bürgermeisters. Das Schreiben lautet: Herrn Dr. Isidor Blutreich, Gemeindevorsteher in Zaleszczyki. Auf die Aufforderung in der „N. Z." vom 9. August, Nr. 9 wegen Wahlmißbräuche und Amtsmißbräuche zu resignieren, hatten Sie die Keckheit zu erklären. Sie werden dann resignieren, wenn Dr. Nathan Birnbaum vom 32. galizischen Wahlkreise zum Reichsrats-Abgeordneten gewählt wird. Nicht so übermütig und frech, Herr Blutreich! Ein Mensch wie Sie, der von Jud und Christ hierorts gehaßt und verachtet ist, ein Mensch wie Sie, der nicht den Mut hat, den „Monitor", welcher Sie der Bestechung, Diebstahles, Fälschung, Ämtsmißbräuche und anderer Verbrechen zecht, trotz Aufforderung, vor die Schranken des Gerichtes zu laden, darf nicht vorlaut sein. Wozu resignierend Geben Sie die Gemeinderatswahlen, gegen die Sie sich mit aller Gewalt krampfhaft wehren, ftei und Sie werden sich unangenehm überzeugen, daß die Bevölkerung Sie so gründlich aus der Gemeindestube hinausfegen wird, daß bis zur nächsten Reichsratswahl von Ihrer Person höchstens ein unseliges Andenken zurückbleiben wird. Verkriechen Sie sich bis Buczacz zu Ihrem Blutverwandten und Gewiffenskollegen Berisch Stern, laßt Euch Beide in Stein aushauen und im Panoptikum des Wiener Praters zur Schau stellen. Reinigen Sie Ihren Kopf von der dicken Butterschichte. Ein Individuum wte Sie, dessen Korruption geradezu einen penetranten Geruch verbreitet, darf nicht die Oeffentlichkeit herausfordern. Sie waren bei der jetzigen Kandidatur Neue Zeitung des Herrn Dr. Nathan Birnbaum der Niemand und werden auch bei der eventuellen späteren Kandidatur desselben erst recht der Niemand sein. Lasten Sie die Wahlen für den Gemeinderat ausschreiben und Sie werden es erleben, eine wie gründliche Desinfektion der Gemeindestube nach Ihnen vorgenommen werden wird. Ein Mann, der schwere Beleidigungen und Anwürfe seitens des „Monitor" auf sich ruhig fitzen lassen konnte, ist unwürdig an der Spitze einer Gemeinde zu stehen. Sie wollen nicht „gehen." Sie werden gegangen werden! Einstweilen legen Sie Jahresrechnung vor, lasten Sie endlich nach vier Jahren die Gemeindekassen. skontrieren, weisen Sie die seit 17. Jahren behobenen Armenfondgelder aus und liefern Sie dieselben der Kassa ab. — Den Anspruch auf Anständigkeit haben Sie verwirkt. Und noch vielmehr: Schreiben Sie die Wahlen aus! Warum zögern Sie, Herr Dr. Blutreich? Moses Horowitz. Die Gerechtigkeit auf dem Wege. Aus Zaleszczyki wird berichtet: Bekanntlich sind am Stichwahltage des 24. Mai (Moysa—Birnbaum) hier die Herren Dr. Kinsbrunner aus Czernowitz, ferner die hiesigen M. Zwick und Samuel Wenkert auf kosakische Art verhaftet worden und hat diesbezüglich Herr Abg. Stand im Parlamente interpelliert. Dr. Kinsbrunner hat nun gegen die Veranstalter dieser russisch-asiatischen Verhaftungen u. ziv. gegen die Herren Velze, k. k. Bezirkshauptmann, Bauadjunkt Sink iew icz und Konsorten die Anzeige an die Tarnopoler Staatsanwaltschaft wegen Verbrechens nach § 101, S1.-G. überreicht, und sind bereits die Erhebungen in vollstem Zuge. Dr. K. wurden: Czernowitz einvernommen, die beiden Zaleszczyker. Zwick und Wenkert in Tarnopol. Es war gut, daß Dr. K. um Ablehnung des Zaleszczyker Gerichtes ansuchte und noch besser, daß der Ablehnung stattgegeben wurde. Soweit wäre Alles recht schön. Es ist jedoch zu befürchten, daß sich das galizische Vertuschungs- und Verdrehungssystem in diesem wie in allen derartigen Fällen geltend machen wird. Der Geist der Schlachta haust ja insämtlichen Behörden, denn: si iiac justitia, pereut Sehlachta! —Justizminister Dr. Klein hat in seiner Jnterpellationsbeantwortung auf die galizischen Richter geradezu einen Hymnus gesungen. Wir wollen und wünschen im Interesse des Rechtes und des Gesetzes, daß die galizischen Richter der guten Meinung des Justizministers, voll und ganz wert sich zeigen, dann wird auch kein Mißtrauen gegen dieselben vorherrschen. — Ein. Zaleszczyker. Aufruf! Ein junger Mann in einer der Städte 32. galizischen Wahlkreises hat im Wahlkampfe bis zur Erschöpfung seiner. Kräfte gearbeitet. Am Stichwahltage versetzte ihn das Miterleben aller der nammlosen Wahlschnftereien in einen solchen Erregungszustand, daß sein geschwächter Körper dies nicht mehr ertragen konnte. Er bekam einen Blutsturz, Nun braucht er eine Kur zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, speziell eine Badereise, verfügt aber nicht über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Volksgenossen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses jungen Mannes und Mitleid mit seinen jungen Jahren haben, zu den Kurkosten beizusteuern. Wir sind bereit, solche Beträge zu übernehmen, ihrem Zwecke zuzuführen und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen Zeitung". Es sind uns weiter zugekommen: Von A. Schwadron in Zloczow K. 2.—. Zusammen mit dem bereits Ausgewiesencn K. 104.87. Bitte <ra Menschenfreunde! Die in Sniatyn bekannte und wohlgelittene Familie Deutsch ist von einem schweren Unglück heimgesucht worden. Ihr Haus ist niedergebrannt und dadurch ist schweres Elend über die Leute gekommen. Wenn ihnen nicht bald Hilfe naht, so gehen sie den schlimmsten Schicksalen entgegen. Und sie verdienen, daß man ihnen helfe. Nicht umsonst besteht der dringende Verdacht, daß das Feuer von politischen Feinden gelegt wurde. Nicht umsonst hat der dem Brande zusehende Bürgermeister von Sniatyn seine Schadenfteude geäußert und die Feuerwehr wiederholt vom Löschen zurückgehalten.. Ein Sohn dieser Familie war während der verflossenen Reichsratswahlkampagne einer der aufopferungsvollsten, eiftigsten und fleißigsten Kämpfer für die jüdischnationale Sache. Ein tapferer Kamerad darf aber in Gefahr und Not von seinen Kameraden nicht in Stich gelassen werden. Wir bitten um Unterstützungsbeiträge für die unglückliche Familie, die wir dankend in unserem Blatte ausweisen werden. Die Redaktion. Es sind uns zugekvmmen: Von David Seidmann in Zwiniacze (Bukowina) K. 1.80. Zusammen mit dem bereits Ausgewiesenen K. 6.60. Aus der jüd. Aeffentlichkeil. In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Anfnahme. Mit Rücksicht auf die später eingelaufenen Nachrichten zogen wir es aus druöktechnischen Gründen vor, den Bericht über den a chten Zioniste nk on g r e ß iur Nachtrag zu bringen. Am 7. d. M. hielt über Einladung eines Komitees in Radautz der hebräische Schriftsteller S. Streit aus Tlumacz vor einem zahlreichen Publikum ein. mit großem Beifall aufgenommenes Referat über Zweck und Ziel des allgemeinen hebräischen Sprachverbandes „I w r i a h" ab. Nacy einer eindrucksvollen, formvollendeten Ansprache Herrn Jakob' Feldmanns konstituirte sich eine Ortsgruppe der „Jnmah", der zahlreiche Mitglieder beitraten. Der Vorstand besteht aus den Herrn: Jakob Feldmann Obmann, I. Jsaksohn Sellvertreter, E. Kornblüth Schriftführer, I. Margulies Kassier, I. Wassermann Kontrolor. Sereth. Am 17. d. M. hat der Verein Poale- Zion seine vierte ordentliche Generalversammlung abgehalten. — Nachdem der Schriftführer des Vereines Herr Emil Windisch den Rechenschaftsbericht erstattet hatte und dem Ausschüsse das Absolutorium erteilt worden war, wurde zur Wahl eines neuen Ausschusses geschritten. — Es wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt, welche sich wie folgt konstituierten: Emil Windis ch, Obmann, Hersch Eisner,Obmannstellvertreter,Josef Grünberg, Schriftführer, Jakob Schwarz, Kassier, OsiaS Goldcnblum, Bibliothekar, Markus Fleisch er und Rubin Zentner ohne Funktion. — Der neugewählte Ausschuß hat seine Tätigkeit in Angriff genommen. Samstag, den 10. August l. I. fand eine von der jüd.-nat. Jugend Suczawas veranstaltete Jubiläumsfeier aus Anlaß des 25jäyrigen Bestandes der palästinensischen Kolonie Rischon l'Zion statt. Es ist zum erstenmal, daß die Jungjudenschaft Suczawas mit einer größeren Veranstaltung an die Oeffentlichkeit trat. Es gelang ihr den offiziellen Teil mit einem herrlichen Programm auszurüsten. Der. Chor intonierte unter Leitung -des Herrn med. David Scherser — es war der einzige Suczawaer Akademiker, der der. Jugend mithalf — die jüd.National- ' Hymne, worauf die Begrüßungsrede gehalten wurde. Hierauf folgten. einige Rezitationen von Herrn med. Klapper (Radautz), die Festrede von Herrn pharm. Pilpel und-schließlich die Lieder: „Auf^mein Volk zu edlem Tun" und „Der Schwur". Dann begann das Tanzkränzchen, das bis zum frühen Morgen dauerte. Das Arrangement der Tänze lag in Händen des Herrn I- Scherzer. — Das Reinerträgnis oieser 'Feier fällt Morris Rosenfeld und der Zeitschrift „Unsere Hoffnung" zu. Auch Frl. Anna Rauch ließ es sich nicht nehmen, die jüd.-nat. Jugend zu unterstützen, indem sie einen ziemlich schönen Erlös für den Verkauf von Ansichtskarten der Kassa zuführte. Des Nationalfonds gedachte adv. cand. S. Holvengräber, der sehr viel zum Gelingen des Abends beitrug. Der Zionistische Zentralverein in Wien teilt mit, daß auch in diesem Jahre in allen Räumen des Kongreßbureaus (9. Bez., Türkenftraße 9) an den hohen Feiertagen ein Gottesvienst stattfindet, weshalb die P. T. Gesinnungsgenossen und ihre Damen eingeladen werden, rechtzeitig die gewünschten Plätze zu belegen. Anmeldungen rc. sind zu richten an Herrn > W. Teitelbaum im Kongreßbureau, der auch nähere Auskünfte erteilt. Der Zionistische Zentralverein. Der Obmann: Dr. I. Margulies. Wissenswertes. Ei» jüdisches Postamt. Bekanntlich haben alle auswärtigen Regierungen in Jerusalem ihr eigenes Postamt. Die türkische Post hat im jüdischen Mertel ein besonderes Postamt, das am Sabbath und an jüdischen Feiertagen geschlossen ist und einen jüdischen Charakter hat. Die Zettel z. B. auf den rekommandierten Briefen tragen das Wort „Jeruscholajim", in. hebräischen Lettern, da das Amt nur mit Juden zu tun hat und alle Beamten und auch der Direktor Juden sind. ■ : Kunst und Literatur. „Klastorim“ (Skizzen) ' Jugenschriften von I. Brüstiger. Herausgegeben von G. Baver. ■ Es war eine Act Skizzenepoche in der Zeit, da Perez Smolensky, Rubin Ascher Braudes, D. S. Silberbusch und andere in' voller Blüte waren. Jeder

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