Neue Zeitung
- Journal
- Neue Zeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 10 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Neue Zeitung Sette 3 lichen Beschimpfungen gegen das Judentum ergingen. Um jedoch der ihnen gebührenden Höflichkeit der draußen wartenden Menge zu entgehen, erbaten sie sich für die Rückfahrt polizeilichen Schutz. Das Schönste dabei ist noch, daß diese Herren gegen zwei Akademiker, die Herrn Goldstein begleiteten, als Beleidiger von — Saiis—faktion (!) sprachen. Sie erhielten zur Antwort, sie möchten sich vorher ein bischen ausnüchtern, dann könne man Viesen Helden zur Verfügung stehen. Wem aber eigentlich Satisfaktion gebührt, das wird sich in Kurzem ergeben. 8. Berisch Ster» in Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Wir bitten um freundliche Aufnahme der folgenden Zeilen in Ihr gesch. Blatt: Wir geben hiermit der breiteren Oeffentlichkeit Kenntnis, daß wir Freitag, den 9. d. M. den Bürgermeister von Buczacz, Berisch Stern, vor seinem Hotel auf offener Straße vor zirka 60 Personen, darunter zirka 13 seiner Bekannten öffentlich „Wahlschwindler", „Wahldieb" rc. nannten und unsere Visitkarten übergaben, indem wir ihn aufforderten, gegen uns die "erichtliche Klage zu erheben, welche Aufforderung wir iermit wiederholen. Wien, 10. August 1907. Fritz Löhner. Hans Mendl-Felsenburg. Genug des Ekels! Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Aus dem 32. Wahlkreise ist in Ihrem Blatte neben zahlreichen Individuen aus Sniatyn und anderen Orten auch ein gewisser Berisch Meller aus Zalcszczyki sehr richtig gestempelt . worden. Letzterer hatte gar die Keckheit, in Ihrem Blatte zu berichtigen. Hingegen berichtige ich tatsächlich, daß die Namen solcher Leute Ihr Blatt verunzieren, und daß diese vom Denunzieren ebensowenig lassen können, wie ein Gewohnheitssäufer vom Alkohol. Das Tun und Lassen dieser Sorte von Menschen ist weit und .breit in ihren Gegenden^ bekannt und genügend erwiesen. Wozu die Oegentlichkeit mit einem Berisch Meller u. s. w. belästigen. Mögen die betreffenden Faktoren solche Leute ihrem Wecke nach total ignorieren und auf andere Art dressieren. Wenn einer von dieser Sorte Meller rc. mit dem §. 19 '^ivahr berichtigen will, dann tue er es, indem er berichtigt: „Ich berichtige wahrheitsgetreu, daß ich kein Mörder bin." Jede andere Berichtigung ist erlogen. Kleine Jllustrationsfakta: Im Jahre 1902 . Aba Boral wegen Wuchers denunziert und Meller weiß , nichts davon! Eli» Jossel Wagner wegen Steuern und Meller hat keine Ahnung hievon! Jüngste Denunziation: Mangel der Qualifikationsprüfung der hiesigen Ortsrabbiner Wolf Thumim nnd Leib Bernfeld und Meller ist dabei die reinste Unschuld! Genug des Ekels! Aufruf! Ein junger Mann in einer der Städte 32. galizischen. Wahlkreises hat im Wahlkampfe bis zur Erschöpfung seiner Kräfte gearbeitet. Am Stichwahltage versetzte ihn das Miterleben aller der namrnlosen Wahlschnftereien in einen solchen Erregungszustand, daß sein geschwächter Körper dies nicht mehr ertragen konnte. Er bekam einen Blutfturz. Nun braucht er eine Kur zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, speziell eine Badereise, verfügt aber nicht auf der Straße von den Füßen nehmen und in der Hand tragen, wenn sie an einer Moschee vorübergehen, in Fez sogar auch, wenn sie die Llellatt verlaffen und mohammedanische Stadtteile betreten. Während die Bekleidung der Männer einfach, schmucklos und meist überaus ärmlich ist, entfalten die Frauen immerhin einigen bunten Luxus mit Scidenstoffen, Silber- und Goldstickereien und sind nicht selten mit Schmuckgegenständen geradezu unförnilich überladen. Erheblich besser als den in den Städten lebenden Juden ergeht es denjenigen Glaubensgenossen, die in geschloffenen Gemeinschaften innerhalb der freien arabischen oder berberischen Beduinenstämme sich augesiedelt haben, welche sie zwar auch nur als eine Art Leibeigener betrachten, aber nicht gerade sonderlich schwer behelligen, sie mehr von sich abgesondert halten und mißachten, als bedrücken und mißhandeln. Dieser Zustand der Leibeigenschaft har für die im Bannkreise der freien Beduinenstämme wohnenden Juden auch eiue günstige Seite: Sie sind dadurch nicht mehr aller Welt gegenüber vogelfrei, und ein Fremder darf sie nicht angreifen oder an Gut und Leben schädigen, weil ihr Araberstamm sie als einen, wenn auch gesellschaftlich geschiedenem Bestandteil seiner politischen Gemeinschaft betrachtet, dem er nach orientalisch-patriarchalischen Begriffen gegen Angriffe Unberechtigter Schutz und Schirm angedeihen laffen muß. Diese jüdischen Gemeinden besitzen übrigens für ihre inneren Angelegenheiten autonome Verwaltung unter einem aus ihrer Mitte gewählten Schech.. Außer diesen den Beduinen attachierten über die erforderlichen Mittel. Wir bitten nun alle Volksgenossen, die Sinn für die Heldenhaftigkeit dieses ungen Mannes und Mitleid mit seinen jungen Jahren saben. zu den Kurkoften beizusteuern. Wir sind berett, olche Beträge zu übernehmen, ihrem Zwecke zuzuühren und in unserem Blatte auszuweisen. Die Redaktion der „Neuen Zeitung". Es sind uns weiter zugekommen: Von Wilhelm Gottfried in Buczacz K. 1.—, Sammlung durch Josef Hitler, Ropczyce K. 3-37. Zusammen mit dem bereits Ausgewiesenen K. 102.87. Aus der jüd. Heffenttichkeit. In dieser Rubrik finden u. a. Verlautbarungen jüdischer Körperschaften — ohne Unterschied der Richtung — Aufnahme. Der 8. Zionistenkongretz. Wir erhalten folgenden offiziellen Bericht: s'Gravenhage, den 7. August 1907. Der Zionistenkongreß, der am nächsten Mittwoch im Gebouw voor Künsten en Wetenschappen eröffnet wird, hat bereits eine große Zahl von Zionisten hierher geführt. Die Beteiligung dürste diesmal eine außerordentlich starke sein. Man rechnet auf 400 Delegierte und mehr als 1000 Plätze auf den Tribünen sind bereits bestellt worden. Abgesehen von den eigentlichen Kongreßdelegierten, kommen noch viele Zionisten als Delegierte zu den Vorkonferenzen der einzelnen Landsmannschaften, die mehrere Tage vor dem Kongreß abgehalten werden. So wird am Freitag eine Konferenz der russischen Zionisten beginnen, die bis zur Kongreß-Eröffnung dauern soll und an der etwa 300 Delegierte teil nehmen werden um die speziell Rußland betreffenden zionistischen Fragen zu erörtern. Die deutsche Landsmannschaft mit ungefähr 70 bis 80 Mitgliedern wird am Montag tagen. Einige Referate für den Kongreß werden schon jetzt angekündigt. Besonders interessant dürste eine Eröffnungsrede Max Rordaus sein, der bekanntlich in der zionistischen Bewegung eine hervorragende Rolle spielt. Der bekannte Botaniker, Proffessor Otto Marburg wird über praktische, zionisttsche Unternehmungen in Palästina sprechen. Das Referat über eines der brennendsten jüdischen Probleme, die Auswanderung, wurde Dr. Georg, Halpern übertragen. lieber die nationale 'Erziehung der Juden wird der Großrabbiner. von Bulgarien Dr. Ehrenpreis sprechen. Reben diesen ist noch eine Anzahl anderer Referate vorgesehen. Für die Beratungen des Kongresses ist eine ganze Woche in Aussicht genommen. Eine interessante Konferenz über eine spezielle Materie wird gleichfalls noch vor dem Kongreß staüfinden: Die des hebräischen Sprachoereines „I v r i a h", dessen Zweck es ist, die hebräische Sprache als moderne Verkehrs und Literatursprache unter den Juden zu verbreiten und fördern. Juden des Platten Landes gibt es in den nur nominell zum marokkanischen Reiche gehörigen Wüstenregionen der westlichen Sahara auch einige völlig selbständige, freie Stämme, welche jedoch wohl nur als Halbjuden bezeichnet werden können, da sie zwar jüdischer Abstammung sind, aber einen Teil ihrer ursprünglich mosaischen Religion verloren und zu dem Rest auch noch verschiedene Satzungen des Islam angenommen haben. Im Gegensatz zu ihren übrigen Stammesgenoffen sind sie nichts weniger als geneigt, die Rolle des geduldigen Opferlamms zu spielen, sondern im Gegenteil sehr streitbar und kampfgeübt, so daß sie von den benachbarten muhammedanischen Kabylen, gegen welche sie sich gegebenen Falles nicht allein tapfer zur Wehr setzen, sondern hier und da auch angriffsweise Vorgehen, gar nicht belästigt zu werden pflegen. In Lebensweise, Sprache, Sitten und Gebräuchen sind sie von diesen letzteren auch weiter nicht zu unterscheiden; doch bezeichnen sie sich selbst als Juden, und ihre erheblich hellere Hautfarbe bezeugt, daß sie sich ■ nicht gleich jenen mit „schwarzem" Sndanblut vermischt haben. Die zweite, minder zahlreiche Gruppe der in Marokko ansässigen spanischen Juden, welche gegen Ende des XV. Jahrhunderts gemeinsam mit den Mauren auf der Flucht vor der „heiligen Jnguisition" herübergekommen sind und daselbst eine dauernde Heimat gefunden haben, ist fast nur in den Hafenstädten angesiedelt, wo es ihnen im Laufe der Zeit zumeist gelungen ist, eine europäische oder amerikanische Staatsangehörigkeit oder wenigstens ein Protektorat zu erlangen, das sie gegen alle Be- Bertranensmänner-Konferenz der jüdische» Sozialdemokratie. Die „Separatisten" hielten am 3. und 4. d. M. eine Vertrauensmänner-Konferenz in Lemberg ab. An derselben nahmen 17 Delegierte, die 14 lokale und 3 Kreiskomitees vertraten, sowie sechs Mitglieder der Partei-Exekutive teil. Den Vorsitz führten die Herren Fast und Dr. Mosler. Heber die Lage referierte Herr Schreiber. Er beklagte u. A. die fortschreitende Spaltung zwischen Gewerkschaft und Partei. Auf das Verhältnis zur polnischen Sozialdemokratie zu sprechen kommend, konstatiert er eine Besserung der Beziehungen, warnt aber vor der Illusion, als stünde ein dauernder Friede bevor. Ueber Organisation sprach Herr Papier, berührte aber auch polüische Fragen. Unter anderem stellte er die Pflicht des jüdischen Proletariates fest, an der Seite des polnischen und ruthenischen für die Landtagswahlreform zu kämpfen. Auch auf die besondere Ausgabe des jüdischen Proletariates im Kriege gegen die Reaktion, den Kampf gegen die Kahale wies er hin. Beide Referate riefen eine lebhafte Diskussion Eine interessante Episode ereignete sich am zweiten Tage, als nämlich eine Delegation der Lemberger „jüdischen Sektion" der polnischen Sozialdemo» kratie erschien und um Zulassung ersuchte, damit ein mockus vivencki zwischen der jüdischen Sozialdemokratie und den anderen sozialdemokratischen Parteien des Landes vereinbart werden könne — . Wir kommen auf diese Episode noch zurück. Storozynetz. (Volksfest.) Der ho. Verein „Poale Zion" veranstallete Sonntag, den 4. d. M. ein Gartenfest. Besuch und Verlauf waren glänzend. Der Garten war feenhaft beleuchtet, mit Zionsemblemen und Zionsfahnen geschmückt und machte das gediegene Arrangement den besten Eindruck. Einen reizenden Anblick boten die jungen Verkäuferinnen, deren Bemühungen ein reichlicher Teil des Reinertrages zu verdanken ist. Es waren dies die Damen: Frl. Sachfenberg, Frl. Grauer, Frl. Sußmann, Geschwister Brunstein, Geschwister Fleischer, Frl. Linker, Frl. Fischer, Frl. Herrmann und Frl. Lessing. Die Damenschönheits- und Herrenhäßlichkeits-Konkurrenz hatte auf Grund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes stattgefunden und hatte nach heißem Wahlkampfe folgendes Resultat: Frl. Rohna Jwanier, 1. Preis (Musikalbum), Fräul. Cilla Fleischer, 2. Preis (Körners Werke), Frl. Elsa Sußmann, 3. Preis (Uhlands Werke). Den Herrenhäßlichkeitspreis, eine Schuhreinigungsputzgarnitur erwarb sich Herr stuck, jur. Markts Krämer. Um 12 Uhr fand im Pavillon ein Tanzkränzchen statt, das bis zum stützen Morgengrauen währte. Der Verein hofft nun das nette Reinerträgnis von über 300 Kronen dem Ausbau der Organisation zuwenden zu können. Awremale. Zablotüw. („Verein Zire Zion.") Bei der am 3. August 1907 abends abgehaltenen Generalversammlung wurden Herr Jakob Locker zum Präsidenten, Herr Hersch Gottlieb zum Vizepräsidenten und die Herren Jsak Pistyner. Maier Mehr, Nathan drückungen der einheimischen Regierung, schützt und ihnen auch gegen jedwede persönliche Verunglimpfung seitens der Mauren wirksamen Schutz gewährt; denn sämtliche von ihren Konsulaten anerkannten Ausländer müssen von den marokkanischen Behörden als vollkommen exterritorial behandelt werden und bilden darum nach jeder Richtung hin ein Noli me tangere für diese, wie natürlich auch für den muhammedanischen Pöbel. Daher richtet sich denn auch der in diesem Falle ohnmächtige Haß der Mauren in erster Reihe gegen diese Klasse der im Lande ansässigen Juden. Der spanische Jude Marokkos zeigt das eifrige Bestreben, die europäische Zivilisation sich anzueignen, und die von der Alliance israelite in den Küstenstädten feit geraumer Zeit errichteten Schulen sind gut besucht. Freilich trifft auch hier, wie bei allen Kulturübergängen, die leidige Erfahrung zu, daß die auf wenig entwickelter Bildungsstufe stehenden „Spaniolen" meist eher die Fehler und Laster, als die guten Seiten der modernen Kultur sich anzueignen pflegen. Beide zusammen, die marokkanischen und die spanischen Juden, bilden einen wichtigen, geradezu unentbehrlichen Faktor für Marokko, ohne welchen dieses verlotterte Reich sich nicht einmal auf der gegenwärtigen Kulturstufe, so niedrig dieselbe auch sein mag, erhalten könnte. Die marokkanische Judenheit ist als das alleinige kommerzielle Verbindungsglied zwischen dem Maurenland und Europa für den ausländischen Handel wichtiger, als die eigentlich herrschenden Elemente des Reiches von Maghreb el-aksa. „J. Pr.*